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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1877-01-25 · N° 4. (25.1.1877) · p. Seite 33

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
8 (1877)
Issue
N° 4. (25.1.1877)
Date
1877-01-25
Page
Seite 33 (sequence 5)
Language
German
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wett sie nicht, wie später kommende Antworten, an das hier Gesagte wieder anknüpfen müssen. 1) Ex ist irt denn in Cassel eine „Religionsgesellschtaft," wie hier angegeben ist? — Man denkt bei dem Worte an eine „Separatgemeinde." Es giebt wohl keine größere Gemeinde, in der nicht einzelne Mitglieder ihren Kindern im Hebr. u s. w. Privatunterricht geben lassen oder zusammen einen Privatlehrer für ihre Kinder engagiren, und das ist vor 100 Jahren ebenso gehalten worden. Niemand bezeichnet aber einen solchen Verein als eine „Religionsgesellschaft." 2) Dr. Adler hat unbedingt die Zeitungspolemik nicht eröffnet. Zu der im „IS. Bot." publicirten Nachricht, die jeder dahin vorstehen mußte, daß Dr. E. als Gegenrabbiner in C. angestellt sei, konnte er nicht schweigen, und da jenes Blatt Aufnahme einer wirklichen Berichtigung verweigerte, hat er sich an uns gewendet. 3) In Hinsicht auf die Urheberschaft der Goldberg-Hahnschen Erklärung stehen die Angaben einander gegenüber. Die Casseler Gemeindeältesten sagen: G. hat uns erklärt, das Schriftstück sei von Dr E. verfaßt. — Es sei dem Leser überlassen, das Obenstehende, wonach Dr. E. nur das M a - terial geliefert haben will, damit in Einklang oder Widerspruch zu setzen. 4) Es wird wohl feststehen, daß Dr. E. in C in eine schiefe Stellung gerathen ist. Ob „gekommen" oder „geschoben", das wird sich durch einen Dritten schwer constatiren lasten. Wir haben die für ihn günstigste Auslegung gegeben: Dr. E sei ohne viel eigene Schuld durch eine Partei geschoben worden. Er kann sich über uns nicht beschweren. Um nicht zu viele „Casselana" auf einmal zu bringen, verschieben wir die schon angekündigte Darlegung der dortigen Cu lt us ordn u ng auf das nächste Blatt. Dagegen müssen wir die Aufnahme eines offerirteu. „die dortigen Verhältnisse im Allgemeinen besprechenden" Artikels ab lehnen, nicht darum, weil sich die Spitze desselben gegen den L.-R. Dr Adler wendet, sondern weil es andere Blätter giebt, die Solches gern bringen würden, und wir weder in ihr Gebiet übergreifen, noch ihnen ein Vergniigen rauben möchten. FL Eisenach, 16. Januar. (Or.-Corr.) Der Großherzogl. Sächs. Landrabbiner, Hr. Dr. Kroner in Stadtlengsfeld, zeigt sich immer mehr als vorzüglichen Kanzelredner und sinder, so oft er hier in der Synagoge spricht, eine sehr zahlreiche und dankbare Zuhörerschaft, die seinen eben so erhebenden als geistreichen Vorträgen mit gespannter Aufmerksamkeit folgte. Selbst die principiellen Gegner desselben können sich der Anziehungskraft feiner Reden nicht entziehen und müssen ihm ihren Beifall zollen. Aber auch auf einem anderen Gebiete hat sich derselbe unlängst großen Beifall erworben Die jüngste Wahlbewegung führte den socialistischen Agitator G i sfey, einen von Berlin aus zur Vertretung der socialistischen Interessen schon vor Jahren hierhergesetzten Beglückungsapostel, seines Zeichens ein Schuhmacher, auch nach Stadtlengsfeld, wo er in vorher angekündigter öffentlicher Versammlung als Redner für die Wahl Liebknecht's zum Reichstage auftrat. Hier trat ihm aber Herr Dr. Kroner mit der an ihm gewohnten Redegewandtheit und mit so schlagendem Witze entgegen, daß Giffey vollständig ad absurdum geführt wurde und wohl niemals lebhafter die Wahrheit des Sprüchwortes erkannt hat, daß „jeder Schuster bei seinen Leisten bleiben müsse." Er zog daher sehr kleinlaut und ohne Erfolg von Stadtlengsfeld ab. Dieser Vorgang hat sehr erfreuliches Aufsehen in den weitesten Kreisen gemacht und einen wahren DWn ttnTp bewirkt. Oesterreich. —h— Prag, 1. Jänner. Am Sabbath wurde in unserer Gemeinde das siebzigjährige Jubiläum des Herrn Georg Fei gl gefeiert, und die Art und Weise der Feier hat dargethan, wie sehr die vielen Verdienste, welche der Jubilar durch vieljährige, segensreiche Thätigkeit um unser Gemeinwesen sich erworben hat, hier gewürdigt werden. Die Zahl der Gratulanten war eine sehr große, und Alle, die kamen, freuten sich, Gelegenheit gefunden zu haben, dem vortrefflichen Manne Zeichen ihrer Hochachtung und Verehrung geben zu können. Wie sich bei einem solchen Ehrenmanne von selbst versteht, bekleidet Herr Feigl in unserer Gemeinde viele Ehrenstellen. Er ist seit nahezu dreißig Jahren Mitglied der Gemeinde-Repräsentanz, Vorsteher der Tempelgemeinde, Direktor des Knabenwaisenhauses, Obmann der Bibliothekscommission, Vorsteher der Talmud-Thoraschule, Vorsteher mehrerer Wohlthätigkeitsvereine, und alle diese Ehrenämter versieht er mit einer solchen Hingebung, wie sie nur selten angeiroffen wird. Bei seinem reichen Wissen in dem jüdischen Schriftthum und seiner ausgebreiteten vielseitigen wissenschaftlichen Bildung ist Herr Feigl aber auch, wie selten Jemand, geeignet, solchen wichtigen Ehrenämtern segensreich vorzustehen, und die Adressen, welche ihm bei seinem Jubiläum von Seiten der Gemeinde-Repräsentanz, des Tempelvorstandes und mehrerer Vereine überreicht worden find, gaben auch Ausdruck ron seinem segensreichen Wirken. Nebst seinem vielfachen humanitären Wirken ist auch die Errichtung der Talmud- Thoraschule sein Werk, und bei seinem lebhaften Interesse für die jüd. Wissenschaft hat er auch Vieles zur Eröffnung der isr. Geineindebibliothek beigetragen, und ist unermüdlich thätig, diese Anstalten immer mehr zur Blüthe zu bringen. Möge dem edlen Greis noch lange gegönnt sein, in ungebrochener, rüstiger Kraft das Gute und Edle zum Wohle unserer Gemeinde zu fördern. Im Afike-Jehuda-Vereine werden wie in den Vorjahren die Vorträge gehalten, und ist es erfreulich, daß das Interesse für dieselben sich durch einen immer größer werdenden Zuhörerkreis kund gibt. Von den in diesem Winter gehaltenen Vorträgen will ich für diesmal nur einen Hervorheben, weil er von einem Kaufmanne, Herrn Leop. Wolf, gehalten wurde; Herr Wolf sprach über den Kampf ums Recht im Judenthum mit Berücksichtigung der Schrift von Schmidt mit solcher Gründlichkeit, daß selbst die Fachmänner Vieles von ihm lernten. Von dem rühmlichst bekannten Schriftsteller, Herrn Salomon Kohn. wird wieder ein neuer Roman in der hier erscheinenden Bohemia, welche zn den bedeuteudsten politischen Blättern unserer Monarchie gehört, zur Veröffentlichung gelangen. Das Erscheinen einer neuen schriftstellerischen Arbeit von Herrn Kohn verdient in einem jüd. Blatte schon deswegen «»gekündigt zu werden, weil sie immer ein wahres Kidusch Haschem macht, da sie stets das Judenthnm verherrlicht. Ueber die Bedeutung des Herrn Kohn als Schriftsteller ist hier nicht der Ort zu sprechen, die neue Ausgabe des Mayerschen Conversationslexicons enthält seine Biographie. Holland. Rotterdam, 3. Januar. (Or.-Corr.) Donnerstag, den 20. December Abends, wurden die Mitglieder der Alliance Isr. Univ. durch einen deutschen Vortrag des Hrn. Rabbiner, Dr. A. Frank zu Cöln, Mitglied des Central-Comite zu Paris erfreut. Der Redner behandelte das Kosmopolitische und Nationale im mosaischen Gesetze. Die Thora sei von diesein doppeltem Gesichtspunkte aus zu betrachten. Sie ist das Religionsbuch der ganzen Menschheit, bezüglich ihrer moralischen und allgemein religiösen Vorschriften, und sie sei national in ihren Specialgesetzen für das israelitische Volk. Obgleich dieses verschiedenen Nationalitäten angehöre, so reden die Israeliten doch eine Sprache, nämlich: die Sprache des Herzens. Die Geschichte des Judenthums lehrt uns, daß nach der Rückkehr aus Babylonien man das Studium der Philosophie mit dem der Gesetze in Verbindung brachte, und im Mittelalter hervorragende Männer wie Maimonides. Allen, Esra, Gersonides, Kreskas u. s. w. haben nicht allein auf jüdischem, sondern auch auf allgemein wissenschaftlichem Gebiete sehr viel geleistet.

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