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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1877-01-25 · N° 4. (25.1.1877) · p. Seite 32

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
8 (1877)
Issue
N° 4. (25.1.1877)
Date
1877-01-25
Page
Seite 32 (sequence 4)
Language
German
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32 und „Jewish Cbronicle") erfahren, daß erstens der Verfasserin Gemahl, der berühmte Goethe-Biograph George Henry Lewes, einst in einem Londoner Club einem auswärtigen Israeliten begegnet sei, welcher das Vorbild zum Mordechai, diesem so unnatürlich scheinenden Charakter abgegeben habe; zweitens, daß die Veranlassung zu der jüd. Episode in Daniel Deronda nicht die von mir vermuthete, sondern die einfache, jedoch bisher unbekannte Thatsache gewesen, daß Mr. Lewes selbst jüdischer Abkunft sei. — Bei dieser Gelegenheit will ich auch noch die neu entdeckte und gewiß vielen Lesern interessante Thatsache mittheilen, daß. nach amerikanischen Blättern, das Vorbild zu Walter Scott's mit Recht vielbewunderter Schöpfung „Rebecca" in seinem berühmten Romane „Jvanhoe" eine amerikanische Jüdin, Namens Miß Grundy, gewesen sei, einst die Verlobte Washington Jrving's, des gefeierten amerikanischen Dichters, welcher bei seinem Besuche Walter Scott's, als dieser gerade mit dem genanuten Roman beschäftigt war und einer Gestalt wie Rebecca bedurfte, ihm eine Schilderung seiner Braut entwarf, wonach dann der schottische Dichter, wie Schiller nach der Schilderung die ihm Goethe von der Schweiz entwarf, das so gelungene Bild schuf. Die Eltern der Braut, dies sei noch nebenbei erwähnt, willigten nicht in die Ehe ein, und so geschah es, daß Washington Irving bis zu seinem Tode unverehelicht blieb. B. Aus Süddeutschland, 8. Januar 1877 (Or.-Corr.) „Mit Cassel hatten Le h- und Ehrmann— Schlemassel" Mit diesen Worten übergab mir dieser Tage ein Freund die Rr. 1 der Wochenschrift. In der Thal hat sich die „Wochenschrift," ebenso Herr Dr. Adler und der Casseler Gemeindevorstand um das Jndenthum verdient gemacht, daß sie grade in der jetzigen Zeit, wo man hier zu Lande die fromme Maulwurfsarbeit berufs- und gewerbsmäßig betreibt, das verwerfliche Gebahren des Mainzer Propheten und seines blinden Anhanges, rücksichtslos aufgedeckt und die a^tttP Arbeit dieser Leute auf das richtige Maaß zurückgeführt haben. Wäre man seiner Zeit bei Gründung der Separatgemeinde in Darmstadt und Wiesbaden ebenso aufgetreten, wozu die Collegen Landsberg und Süskind sicherlich reichliches Material in Händen haben, die Sache hätte dorten einen ähnlichen, für Herrn Lehmann und seine Jünger blamablen Ausgang genommen. (Ob die Verhältnisse ganz gleich liegen? Red) Von mißglückten Lel mann'sche Gründungen in dieser Art kann ich Ihnen noch erwähnen, daß er in Worms und Aachen des' gleichen anrieth und versuchte, aber aus „Mangel an Publikum" konnte das in Scene gesetzte Schauspiel nicht zur Ausführung gelangen. In Worms suchte Lehmann mit Hülfe eines eiteln Fanatikers die Gemeinde zu trennen und brach mit dem dortigen Rabbiner einen Streit vom Zaune, der in Nichts seinen Grund hatte, als daß der betreffende ein Schüler des Breslauer Seminars ist. In Aachen rieth derselbe sofort zur Trennung, weil zwischen dem Vorstande und einigen Gemeindemitgliedern Differenzen entstanden waren, die jedoch seither immer gütlich beigelegt wurden. (Siehe auch Crefeld. Red.) Das sträfliche und echt jesuitische Gebahren besteht eben darin, daß man von abscuren Menschen Correspondenzen aufnimmt, die über die bewährtesten und ehrenhaftesten Männer unbegründete und nichtswürdige Schmähungen enthalten. Wessen Geisteskinder, Lehmann's Jünger — vulgo Zündhölzchen — und Correspondenten sind, dazu hat der Casseler Vorfall eine glänzende Illustration genesen Cassel, 11. Januar. Ihr geschätztes Blatt knüpft an die Erklärung der hiesigen Gemeindeältesten, einige abfällige Bemerkungen über mich und mein hiesiges Wirken. Es bedarf bei der Ehrenhaftigkeit Ihres Blattes sicher nur folgender Darstellung des wahren Sachverhalts, um Sie zu einer Berichtigung Ihres Urtheils zu veranlassen. Die Stelle, welche ich hier bekleide war s. Z. öffentlich ausgeschrieben, ich habe mich darum aus eigener Initiative beworben, und sie erhalten. Herr Dr. Lehmann steht mit dieser meiner Berufung in keiner weiteren Beziehung, als daß er mich auf mein Ersuchen hin, empfohlen hat. Mein hiesiger Wirkungskreis beschränkt stch auf die Leitung der Unterrichtsanstalt der israelitischen Religionsgesellschaft(?). Wenn verschiedene Blätter meinen Wirkungskreis anders bezeichnet haben, so ist dies ohne mein Zuthun, ja ohne mein Wiffen und gegen meinen Willen geschehen. Wenige Wochen nach Antritt meiner Stelle machte mich Herr Landrabbiner Dr. Adler, der mir seine Sympathien für unsere Unterrichtsanstalt in wärmster Weise ausgesprochen hat, darauf aufmerksam, daß hier die Meinung verbreitet sei, ich wolle eine Trennung innerhalb der Gemeinde herbeiführen, nnd rieth mir Alles zu vermeiden, was diesem Gerüchte Nahrung geben könne. Bei dem Characler der Juden im Allgemeinen und den hier in Betracht kommenden Gemeindemilgliedern im Besonderu, wäre es zwar möglich, daß — ohne damit irgend Jemanden zu nahe treten zu wollen — ca. 25—30 Gemeindemilglieder sich a'JDnb?u einer Trennung entschlossen, aber rein a^ir attfb würde dies nimmer geschehen. Ich eewiderle hierauf, daß ich, wie ihm bekannt, ausschließlich zur Leituilg der Unterrichtsanstalt hierher berufen sei, und auch bis jetzt nur in diesem Sinne gewirkt hätte; daß ich zwar dem Princip einer Trennung erforderlichen Falls nicht abgeneigt sei, aber bei der kurzen Zeit meines Hierseins nicht einmal wüßte, ob zu einer Trennung sich qualistcirende, Elemente vorhanden seien. Würden sich diese event. Elemente zu einer Trennung entschließen, und mich zu ihrem Rabbiner wünschen, so würde ich mich über die Annahme einer solchen Stellung zu entscheiden haben. Für heute könnte ich ihn schon versichern, daß tch niemals die Leitung einer Gemeinde übernehmen werde, die sich aus a^2N^-Rücksichten getrennt hat, nnd da von ihm nur eine aus solchen Motiven sich vollziehende Trennung möglich gehalten wird, so könne er über diesen Punkt vollständig beruhigt sein. Einige Wochen später fand ich in Ihrem gesch. Blatte eine Correspondenz des Herrn Landrabbiner Dr. Adler, welche sich einerseits über die Grenzen meines Wirkungskreises und anderseits über hiesige Geme ndeverhältnisse ausspricht. In diesem letzten Passus fand ich mehrere der Wahrheit derart widersprechende Angaben, daß ich sofort eine Entgegnung geschrieben hätte, wenn ich nicht hätte fürchten müssen, daß eine derartige Entgegnung nicht auf mein verletztes Wahrheitsgefühl, sondern auf andere Motive zurückgeführt werden würde. Ich theilte daher Herrn Goldberg den Sachverhalt und meine Bedenken mit, die mich abhielten, persönlich gegen diese Darstellung des Herrn Dr. Adler aufzutreceit Herr Goldberg erklärte sich darauf hin bereit eure Entgegnung unter seinen Namen veröffentlichen zu wollen, falls ich ihm das nöthige Material z u s a m m e n st e l l e n wolle. Ich that dies bereitwilligst und bei Uebergabe desselben theilte mir Herr Goldberg mit, daß er, ohne mein Wissen, mit Herrn Kohn über die Angelegenheit gesprochen und daß auch dieser die Entgegnung unterzeichnen wolle. Die Wahrheit aller dieser meiner Behauptungen bin ich bereit zu beweisen, falls Ihnen mein Wort nicht genügen sollte. Ich bin heute noch der Ansicht, daß Herr Landrabbiner Dr. Adler die von ihm berührten hiesigen Zustände nicht der Wahrheit gemäß geschildert hat, und selbst die Erklärung der Herren Gemeinde-Aeltesten ist nicht geeignet, diese meine Ansicht umzustoßen. Nach dieser Darstellung ergiebt sich, daß meine Betheiligung an dieser Angelegenheit, mich weder zum Gegenstand des Mitleids noch des Widerwillens zu machen geeignet ist, und ersuche Sie daher, höflichst Ihr diesbezügliches Urtheil danach modificiren zu wollen. Mit vorzüglicher Hochachtung Rabbiner Dr. E h r m a n n. Anm. der Redaetion. Es läßt sich unschwer voraussehen, daß uns gegen diese Darlegung Repliken zugehen werden. Lediglich um die Streitschriften ab zukürze n, nicht um irgendwie einseitig Partei zu nehmen, fügen wir selbst einige Bemerkungen hinzu, die kurz gefaßt werden können, m Jpj!j: ill 3 .:!■

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