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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1877-01-18 · N° 3. (18.1.1877) · p. Seite 23

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
8 (1877)
Issue
N° 3. (18.1.1877)
Date
1877-01-18
Page
Seite 23 (sequence 5)
Language
German
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Da kann man Menschen auseinan- ,1 behaupten möchle! jren Herrn Df- E h rfelben vecfaßle und iben, ohne den Lor- „t daher mchdrauchl jeder zu einem Merk- , ihm nun der Sach- H »,'iD er somit ooliikel eigentlich voran uern ans nnd über- )e>n er feine Unlerusweife nimmt Herr;et den meilteti hielt'' | Stellung wie zuvor vorgeworfene Sünde nlworien zu können, löffentlich srsö ,S - Der redactioneLen ’ fraglichen Artikels jnlbe erwähnt. mninntl'16™ £‘ bedauerte ober eben „ flitirieöi ^rtl' ' f“»,»m>fwhien für dw M^r ffi ch!'? «Iir {eine Sie kennend cnn® S Sie vur- ,a'Sen wird, die auch Ihrem Gesinnungsgenossen Herrn Inda Goldberg sicher nicht vorenthalten. Und nun zur dritten und letzten Redactionsbemerkung Übergehend, wäre es wohl gut gewesen, wenn selbst die von Ihnen bezeichneten zwei Personen sich nicht geregt hätten, wenigstens wären Sie und Ihre Parteigenossen von einer recht anständigen Blamage verschont geblieben, denn nachdem man diesen Herren die Äugen geöffnet, haben sie ihre alte Position sofort wieder eingenommen. Es wird sowil Ihr Plan zu Nichte, da das innige Band des Friedens, welches sich um die 400 Familien unserer Gemeinde schlingt, sich mit Gottes Hülse auch ferner nicht locker», sondern beseitigen wird. — Da wir nun hier insgesammt keine Götzen-Altäre umzuwersen haben und wir auf nnserm religiösen Standpunkt vor wie nach fest stehen, so können wir freilich mit einem Mnthatias nicht dienen, sind auch nach einem solchen durchaus nicht verlegen, aber wenn es sich darum handelt, Männer mit gesnttdenl Menschenverstand unter seinen Glaubensbrüdern zu suchen, und zwar solche, die an dem wahren zeitgemäßen Judenlhum festhalten und sich durch Nichts beirren laffen, dann können wir mit einen, gewissen Stolz ans unsere jüdischen Gemeinden, hier sowohl als in der Provinz, blicken, und geht dies am bejteit wohl darans hervor, daß man mit unserer Handln« sweise Ihnen und Ihrer Partei gegenüber sich vollständig einverstanden erk.ärt hat, und daß inan unzeitgemäße religiöse Bestrebungen, welche uns in das graue Mittelalter znrücksühren sollen, verachtet. Nicht weine Stimme allein spricht aus diesen Zeilen, geehrter Herr, sondern es geschieht dies im Sinne Vieler, und wird es Ihnen wohl jetzt vollständig klar werden, daß Cassel kein Feld für Ihre ultramontane Wirksamkeit bietet. Ich würde daher an Ihrer Stelle nach alle dem Vorhergesagten den Berufsgenossen und Sendboten Herrn Dr. Ehrti,an» einer so unwürdigen Gemeinde wie Cassel entziehen. Ich komme nun zum Schluß und bemerke noch, daß mich Ihre Ängriffe ferner nicht veranlassen werden, darauf zu antworten, u id ist dies mein letztes Wort in dieser Angelegenheit. Aber sollte ich einmal nach Mainz kommen und mir das Glück zu Theil werde». Ihnen Herr Doctor von Angesicht zu Angesicht gegenüber zu stehen, so werde ich vielleicht meinem Herzen noch einmal Lust machen, um Ihnen das zu sagen, was ich dem Papiere nicht anvertranen mag. Inzwischen wünsche ich wohl zu leben und recht lebhaft im Gedächlniß zu behalten Ihren ergebenen Adolph Golthelft. 8 Frankfurt a. M, 7. Januar. (Or.-Corr.) Alls Ihre Bemerkung in Nr. 1. zu § 6 der „Zusatz Bestimmungen": „Wie nun, wenn der Cine verlangt, daß ihm im Hospital Trefa-Kost bereitet werde, um seiner Freiheit Willen", habe ich nur zu entgegiten, daß doch Niemand in einem Hospital eine andere Kost und Diät verlangen kann, als die dortige Hausmannskost und die vonl Arzte vergeschriebene Diät. Außerdem lautet § 2 der Spitalordnnng: „Die jüdischen rituellen Vorschriften sind in der Einrichtung und Verwaltung dnrchgehends zu beobachten."*) In den Statuten der Männer-Kranken-Kaffe, an deren Bearbeitung doch auch Orthodoxe theilnahmen, hielt man es sogar für überflüssig, einen solchen Paragraphen beizufügxn und im § 35 wird nur gesagt: „Die Kranken und Reconvalbscenten haben.überhaupt Alles zu vernieiden, was in sittlicher und religiöser Beziehung Anlaß zu Aergerniß geben könnte." Andererseits ist aber auch nicht zu befürchten, daß die Orthod. Anstoß nehmen könnten, *) Wir hatten in unserer Anmerk, ausdrücklich gesagt, daß wir die betreffenden allgemeinen nnd speciellen Bestimmungen nicht im mindesten bemängeln, sondern nur Nachweisen wollten, daß jede Gemeinsamkeit nur dann bestehen könne, wenn jeder etwas von seiner „Freiheit" und seinen „Bedenken" opfert. Der Eine muß also auf Trefa, auf Tabakrauchen am Sabbath und drgl. verzichten, der Andere muß Blumen aus Gräbern und an einem Mithospitaliten ein rastrtes Kinn u. d. m sehen können. — Was die Blumen betrifft, so hat der Herr Lorresp. woht vergessen, daß ein Fanatiker in Mainz solche ausgeriffen hat und darüber belangt worden ist. (Red.) daß auf viele Gräber Blumen gepflanzt seien, da solche Anpflanzungen seit Errichtung des neuen Friedhofs (1824), selbst unter dem alten strenggläubigen Rabbinat, anstandslos statt - gefunden, und was ein R. S. Trier, A. Fuld und B. Adler s. A. nicht verpönt hatten, werden doch auch die heutigen Pygmäen nicht perhorresciren. Die 72 Austrittler haben sich beeilen müssen, ein Stückchen Feld zum Begräbniß auzukanfen, da sonst ihre Todten keine jüdische Ruhestätte hätten. Dieses zeigte Rabb. Hirsch ans der Kanzel mit großem Aplomb und gestern der Vorstand der Rel.-Ges. in einem Rescript an ihre Gesinnungsgenossen an. Von einem Mitglied der Rel.-Ges. erhielt die „Frankfurter Zeitung" folgenden Bericht Hierüber: „Frankfurt 5. Januar. Im October v. Js. wurden die Mitglieder der isr. Religions-Gesellschaft zu einer Versammlung eingeladen, und ihnen in derselben mitgetheiit: „Der Vorstand sei aus der Gemeinde ausgetreten und lade die Mitglieder ein, dasselbe zu thun." Als dem Vorstand vorgehalten wurde, er hätte vor dem Austritt die Gesellschaft konsultiren sollen, deren Majorität das Gegentheil wolle, wurde die Antwort gegeben: „Der Vorstand sei nicht als Vorstand, sondern jedes Mitglied in seiner Privateigenschaft ausgetreten; Austritt oder Nichtausiritt sei P r i v a t s a ch e eines Jeden." — So stand die Sa bis heute früh; heute früh wurden aber die Mitglieder der Religions-Gesellschaft durch Zirkular des Vorstandes mit der Nachricht Überrascht: „Der Vorstand habe, nachdem durch den Austritt ein Friedhof nöthig geworden, um die Conzeision dazu nachgesucht, dieselbe erhalten und bereits ein Grundstück dazu angekauft." So ist denn die Privatsache eines Jeden im Handumdrehen wieder allgemeine Angelegenheit der Religions-Gesellschaft geworden, und zwar ohne daß die am 25. Decbr. 1876 stattgefundene ordentliche Generalversammlung auch nur mit einem einzigen Worte darüber konsultirt worden wäre." Frankreich. Paris. Die Alliance Isr. Univ. hat auf die de Nt Minister des Auswärtigen überreichte Denkschrift der Conferenz folgende Antwort erhalten: Versailles, 29. December. Herr Senator Cremienx! Ich empfing das Exemplar der Adresse, welches „die universelle israelitische Allianz" der Conferenz in Constantinopel zuzustellen beschloß, einen Band betitelt: Lage der Israeliten in Serbien und Rumänien, welchen Sie mir die Ehre erwiesen mitzutheilen, und den Brief, durch weichen Sie mich ersuchen, bei der Conferenz durch Vermittelung des Botschafters Frankreichs an der otlomanischen Pforte zu interveniren. Ich beeilte mich, dem Herrn Grafen de Bonrgoing Ihrem Wunsche gemäß zu schreiben, um Herrn Roller, den die universelle israelitische Allianz beauftragte, in ihrem Namen zu handeln, seiner wohlwollenden Ausnahme zu empfehlen. Die Gefühle der französischen Regierung, betreffs der Fragen, die Sie beschäftigen, sind zu bekannt, so daß ich nicht hinzuzufügen brauche, daß die Unterstützung unserer Bevollmächtigten schon im Voraus den Israeliten im Orient bei den Besprechungen, deren Gegenstand Ihre Interessen und Rechte fein können, gesichert ist. Empfangen Sie u. s. w. Decazes. Ais Curiosum lhellen wir die Aenßernng der „Union", des Organs des päpstlichen Nuntius, über diesen Brief des Duc Decazes mit: Wir denken, die französische Diplomatie wird die Rolle, welche die orientalischen Israeliten, meistens Unterthanen oder Schützlinge Deutschlands, seit mehreren Jahren spielten, nicht außer Acht laffen. Den Ansichten des Herrtl von B i s m a r ck, der ihr natürlicher Beschützer ist, dienen sie mit zu viel Ausdauer und Thätigkeit; es liegt folglich den Vertretern Deutschlands ob, wenn sie es für zweckmäßig halten, bei der Pforte im Interesse dieser unermüdlichen Pioniere der deutschen Idee zu interveniren. — Die Alliance Isr. Univ. gibt in dem Monatsbericht für December ein Verzeichniß der Personen, welche an der israel. Conferenz (11—15. Decemb.) theilgenommen haben.

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