Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 8 (1877)
- Issue
- N° 1. (4.1.1877)
- Date
- 1877-01-04
- Page
- Seite 4 (sequence 7)
- Language
- German
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Herr Hahn seine Unterschrift durch ein uns übergebenes Document Zurückgezogen. Herr Goldberg hot uns die mündliche Erklärung abgegeben, daß er es bedaure, den Artikel unterschrieben zu haben, aber seine Unterschrift nicht zurückziehen könne. Einern der Unterzeichneten hat derselbe zugleich als Verfasser und Veranlasser des Schriftstückes den Herrn Dr. Ehr >nann genannt. Es erübrigt rrns dernnach uur noch, zu erklären, daß dieser von Herrn De. E h r m a n n veranlaßte und von der Redaction des „Israelit" ausdrücklich mit Freude begrüßte Angriff auf den Frieden in unserer Gemeinde nur dies eine Resultat gehabt hat. die Eininülhigkeit, welche von jeher in unserer Gemeinde bestanden hat, noch mehr zu befestigen. Wir bitten alle Redactionen jüdischer Zeitungen, welche in dieser Angelegenheit Mittheilungen gebracht haben, vorstehende Erklärung zu veröffentlichen. Cassel, den 11. December 1876. Die Gemeinde-Aeltesten. A. Lot t hilft. H. Rüde ns ahn. Victor Hahn." Indem mir dem am Schluffe dieser Erklärung ausgesprochenen Wunsche Nachkommen, wollen wir untere Leser noch auf die Tragweite der ein grelles Schlaglicht auf das Treiben der Mainzer rc. rc. Clique werfenden Enthüllung aufmerksam machen. Wir, und mit uns gewiß recht viele Cassel ganz fern Stehende, haben zwar von vornherein begriffen, daß nch die Sache so verhalte, wie sie nun hier aufgeklärt ist, aber man konnte es doch nicht beweisen. Erinnern wir also an den Zusammenhang. In Cassel |iitö allerlei gottesdienstliche Reformen eingeführt worden, mit denen einige Dortige nicht einverstanden sind. Diese richten sich ein Privat-Minjan für den überlieferten Ritus ein. Alles ganz natürlich und in Ordnung. Run aber scheint es den Mainzern an der Zeit, eine förmliche Spaltung herbeizusühren. Es wird daher ein vr. Ehrmann, ein „Schüler" vr. Lehmann's, (was er bei ihm gelernt, liegt jetzt deutlich vor) nach Cassel dirigirt. „Berufen" lautete der Kunstausdruck; sehr schlau, er war berufen, aber nicht, wie das Publikum glauben sollte, von Cassel, sondern von Mainz aus. Er sollte in Cassel eine Separatgemeinde zu bilden suchen. Ueberall wählt sonst eine Gemeinde den Rabbiner, hier sollte, wie es auch anderswo geschehen, ein Rabbiner in partibus sich eine Gemeinde bilden. („Ich habe eine schöne Antwort, wißt ihr mir keine Frage dazu", lautet ein alter Bachurwitz.) Was man wünschte, wurde vorläuftg als fait accompli durch den — wahrscheinlich selbst dupirten, ziemlich harmlosen — „Jsr. Bolen" hinausposaunt: „vr. E ist als Rabbiner nach Cassel berufen." Auf Reklamation des Landrabbiners folgt eine ächt jesuitische Berichtigung, „ächt," denn es giebt ja in verschiedener Form ächte Jesuiten. Damit war aber nichts gewonnen, denn es gelingt nicht, in Cassel eine Separatgemeinde für vr. E. zu formiren, der Mann bleibt zwischen Thür und Angel stecken. Da wird eine Erklärung zweier Herren in Cassel produzirt, welche besagt, daß die religiösen Zustände daselbst ganz desolat seien, daß vr. Adler gelogen habe, wenn er m der „Israelitischen Wochenschrift" behaupte, es herrsche dort Frieden. Diese Erklärung halte in den drei Blättern, welche sie brachten, verschiedene Fornten, schärfer und gelinder, hn>r ein Wort, einen Satz mehr, dort weniger; am schärfsten lauteten sie in der Fassung des „Israelit", und Lehmann gab ein kräftiges Nachwort, er donnert den Casselanern sein Ceterum censeo zu: „jetzt trennt euch!" Aber die Granate' platzte nicht nur nicht in gewünschter Weise, sondern sie krepirte und ihre Sprengstücke fallen auf die Feuerkünstler. Es ist nun constatirt, daß die Erklärung gar nicht von den Unterzeichnern herrührt, sondern von Ehrmann selbst versaßt und von den zur Unterschrift Ueberredeten unterfertigt worden ist. Diese revoziren nunmehr. Alles schon dagewesen und darum voll vornherein klar. Es liegt sehr nahe, einen Witz ans den Namen des Verfassers der Erklärung zu machen, uns aber liegt noch näher das Mitleid mit dem jungen Menschen, der dazu kommandirt war, eine solche Rolle zu spielen. Und nun hat er sie schlecht gespielt. Er sollte den Zünder im oben gebrauchten Gleichnis; abgeben und hat nicht gezündet. W'.r er schlecht gefüllt? d. h. hat er bei seinem Lehrer nicht „ausgelernt"? Gleichviel, Mitleid ist am Platze, denn man weiß, wie oie „Echten" ihre Zöglinge und Affiliirlen zu blindem „Cadaver Gehorsam" dressiren. Genug davon; wer die obenstehende Enthüllung liest, hat für solche Manöver nur ein Pfui! wer er auch sei, Jude, Christ, Türke — einzig diejenigen ausgenommen, denen alles erlaubt und f r o m in scheint, was ihren „heiligen" Zwecken s r o m m t, und die es nur dann bedauern, wenn der Streich nicht gelungen ist. I Noch ein Wort über einige von den Anmerkungen, mit denen der Redakteur des „Israelit" die Erklärung der Cassel er Vorsteher begleitet und den Schlag abzuschwächen sucht. Er findet, daß die Gemeinde-Aeltesten eine schwere Sünde begehen, weil sie Herrn Hahn „öffentlich beschämen", indem sie sein Geständniß publiciren. Wir haben Herrn Lehmaiin oft vorgehalten, daß er Moralvorschrisien der Bibel und des Tacmud, die nicht in den Schulchan Äruch ausgenommen sind, ignorire. Wie ist er aus einmal so zartfühlend! Aber wenu Herr Hahn sich durch Ehrmann verleiten läßt, grobe Schmähungen gegen vr. Adler zu unterschreiben, ohne sie vorher recht zu lesen, sie dann v er ö ffe n l lich e u läßt, und nun revozirt, so ist es doch nicht möglich, das Unrecht anders gut zu machen, als daß man diesen Widerruf veröffentlicht. Es kommt hinzu, daß die „Beschämung" nur in sehr geringem Grade auf den Unterschreiber und Widerrufer fällt! — Zu der Stelle, welche constatirt, daß jetzt erst recht Eiumüthigkeit in Cassel herrsche — was jeder natürlich findet, weil jeder Ehrenmann sich mit Ekel von einem solchen Treiben, wie es durch vr. E. versucht und angestiftet wurde, ab-, und seine Symphatien demjenigen zuwendet, gegen lun die Machinationen gerichtet waren, auch wenn er sonst nicht in alle n S t ü ck e n m i t d e r s e l b e n ü b e r e i n st i m m e n sollte — also dieser Versicherung des obwaltenden Friedens gegenüber ruft vr. Lehmann sein Wehe über solchen Frieden, und er erinnert an Mattathias, der keinen Frieden wollte, sondern die Götzenaltäre umwarf. Wer soll denn hier der Mattathias sein? der vr. Ehrmann?! Hat denn Mattathias durch Schüren, Hetzen, Wühlen, zweideutige Zeitungsberichte, Fabrlziren von Erklärungen und Erschleichung von Unterschriften gekämpft? Oder ist's vr. Lehmann? Har Mattathias von seinem Bureau aus Schüler in die Städte der Heiden geschickt, um dort Unfrieden zu säen, ihr Glück zu suchen oder ihre Haut, d. h. hier ihren noch unbekannten und demnach unbescholtenen Namen, zu Markte zu tragen?! Breslau. Der neunte Jahresbericht der „Hebräischen Unterrichis-Änftalt" über das Schuljahr Michaelis 1875—76 von Rabb. vr. P Neustadt ist dieser Tage ausgegeben worden. Es ist aus demselben nur hervorzuheben, daß die Anstalt sich gedeihlich forientwickelt. sic gewinnt an Theilnahme in weiteren Kreisen und an Förderern ihrer Zwecke weit über Breslau hinaus. 54 neue Wohlthäter sind zu den früheren in Breslau hinzugetreten, und zivar haben sie bis auf Einen jäh rliche Beiträge zugesichert, von auswärts sind 58 neue Wohlthäter verzeichnet, ebenfalls größtentheils mit Jahresbeiträgen. Diese Spenden sollen theils die Aufnahme armer Kinder ermöglichen, theils einen festen Fonds zur Ausstellung eines weiteren Lehrers gewähren. Von letzterem Ziele ist man jedoch noch ziemlich weit entfernt. Die Zahl der Schüler beträgt wie im Vorjahre 78. — Es ist nun auch ein Statut der Anstalt erschienen. Wir wüßten zu demselben nichts zu bemerken, aber einen kleinen Satz, eigentlich ein Wort können wir nicht mit Stillschweigen übergehen Da steht unter der Rubrik Lehrmittel: Klasse I X11N2 ÜI? D'Tin "pH TITD DS^n. Nun mit n"*! sind wir sehr einverstanden, aber U7n"3?? Die Minhagim, welche in dieser Compilation angeführt sind, sind wohl etwas vollständiger, speziftzirter als im n"T indessen wenn die Knaben lernen, was in letzterem steht,