Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 9 (1878)
- Issue
- N° 52. (25.12.1878)
- Date
- 1878-12-25
- Page
- Seite 416 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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416 — eingerichtet und geleitet, auch ch r i st l i ch e Leidende aufnimmt, sich auf 271,500 M. beläuft. Braunschweig, 14. December. In der Stadverordneten- Sitzung am 28 v. Mts. wurde der Etat für den Kreiscommunalfond für 1879 genehmigt, bei welcher Veranlassung der Stadtrath Bracke (Socialdemokrat) Gelegenheit nahm, gegen die darin aufgeführte Ausgabe-Position (12,000 Mark) zu Gunsten der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde zu sprechen, indem die nicht evangelisch-lutherischen Einwohner dadurch im Nachtheile seien, daß sie für kirchliche Zwecke beisteuern müßten: er sei Dissident. Die der Versammlung angehörenden Mitglieder der jüdischen Gemeinde hoben jedoch die Berechtigung der Kirchengemeinschaft, welcher über 9/io der Bevölkerung angehören, mit warmen Worten hervor und wurde der Etat vollständig genehmigt. (Neue Magd. Zeit.) Wartenburg, O/Pr. (Or.-Corr,) Im Gegensatz zu dem Berichte in vor. Nr. aus dem 5 Meilen von hier entfernten Wormditt über die Intoleranz eines dortigen Oberlehrers, welcher den jüdischen Schülern nicht gestatten wollte, an der patriotischen Feier in der Synagoge am 7. d. Mts. Theil zu nehmen, gereicht es mir zur Freude, von hier aus Erfreulicheres berichten zu können. Hier sind sämmtliche jüd. Schüler vom Schulbesuche an Sonnabend und Festtagen ganz dispensirt, und als in einer Lehrer-Con» ferenz von einer kathol. Lehrerin der Antrag gestellt wurde, die jüd. Schüler zum Schulbesuche an Sonnabend und Feiertagen zu veranlassen, wurde sie von dem hier allbeliebten humanen und toleranten Kreis-Schulinspektor Hrn. Vigurux mit den Worten abgewiesen, daß er keinen Gewissenszwang üben lasien wolle. Auch die hiesige Communalbehörde verdient ein Wort anerkennenden Dankes dafür, daß sie seit dem 1. August 1877 gestattete, daß der hebräische uud Religions-Unterricht in der evang. Schule täglich regelmäßig den jüd. Schülern ertheilt werde, während dies früher im Hause des jüd. Cultusbeamten geschehen mußte. Am 7. d. M. fand hier ebenfalls ein Dank-GolteSdienst mit Predigt statt. Solingen. Herr Gustav Coppel, Präsident der Handelskammer des Kreises Solingen, ist bei Neuwahl der Stadtverordneten zum 2. Mal als Stadtrath gewählt. Auch in unserem Nachbarorte Gräfrath ist Herr Moritz Meyer in gleicher Eigenschaft gewählt. Pest. Baron v. Hirsch hat unserem Frauenverein 10,000 fl. behufs Erweiterung des Mädchen-Waisenhauses geschenkt, außerdem gründete derselbe, wie der „Wiener JSr." schreibt, eine Stiftung, von deren Zinsen jährlich 10 Waisen an diesem Institut erhalten werden sollen. — An der hiesigen Landes-Rabbinerschule wird eine Ab» theilung zur Heranbildung von musikalisch geschulten Cantoren errichtet. Der hies. Obercantor Friedmann ist vom Cultusminister zum Professor dieser Abtheilung ernannt. Aus Galizien. In R z e s ch o w starb der Polizeirevisor Krisikowski; das Leichengefolge bestand zu drei Theilen aus jüd. Personen, und jüdische Musikanten giygen dem Zuge voran, warum dies? weil der Verstorbene seines Amtes in ehrlicher, humaner Weise gewaltet und die armen jüd. Mark» Verkäuferinnen vor Chikanen geschützt hatte. Paris. Nach dem Novemberbericht der All. Jsr. univ. wird die Berathung des Central-Comite's über die Maßregeln, die zu ergreifen, um den auf der Pariser Union vom Monat August c. in Betreff der Organisation der Alliance in Deutschland gemachten Mittheilungen Folge zu geben, in der December-Sitzung stattfinden. Paris Man erinnert aus Anlaß von allerlei Tages- Rischus an einen Briefwechsel zwischen Offenbach und Rich. Wagner. Dieser übersandte jenem, unverfroren genug, sein „Judenthum in der Musik". Offenbach schrieb ihn: „Theurer Maestro! Ich glaube, Sie thäten besser Musik zu schreiben?" Wagner verstand und sandte Offenbach alsbald sein neuestes Werk: Die Meistersinger. Darauf erhielt er wieder ein kleines Briefchen: „Liebster Wagner! Ich habe 'die Sache noch einmal gründlich erwogen und finde jetzt, in Gegensatz zu meinem letzten Briefe, überhaupt, daß es doch am^besten ist, wenn Sie Broschüren schreiben. Aus Rußland. Sonnabend, am 14. d. Mts. wurden die Inden in der Stadt Babrujisk während des Morgengottesdienstes im Tempel von eindringenden Christen überfallen und mißhandelt. Die dazu gekommenen Soldaten haben,, anstatt die Juden zu schützen, wacker an den Mißhandlungen derselben Theil genommen. Die Jude» griffen nunmehr zur Gegenwehr, und es entwickelte sich eine Schlägerei, die bis Nachmittag währte. Es wurden 6 Juden getödtet und 37 verwundet; auf christlicher Seite gibt es 21 Verwundete. Die Rädelsführer der Judenhetze gaben vor Gericht an, sie wären der Meinung gewesen, die Juden würden sich am Sabbath nicht wehren. Belgrad, 20. December. Der Verfaffungsausschuß der Skupschlina hat die Vorlage betreffend Gleichberechtigung aller Confessionen genehmigt. Bukarest, 20. December. Die Deputirtenkammer hat die Adreffe an den Fürsten mit 75 gegen 1 Stimme angenommen. In Bezug auf die Abänderung des Artikels 7 der Verfassung, welcher die einer n i ch t christlichen Confeffion angehörigen Ausländer hinderte, die Rechte der rumänischen Staatsbürger zu erlangen, heißt es in der Adreffe: „Da sich Rumänien heute in einer wohldefinirten Stellung befinde, so glaube die Kammer, daß jene einschränkende Bestimmung aus der Verfassung verschwinden könne." New dork. Der Board of Delegates american Israelites hat sich mit der Union of American Hebrew Congregations zu einem einzigen Vereine unter dem Namen Board of velegates on civil and religions right# verbunden. Diese Vereinigung, welche den 'Wünschen beider Gesellschaften entsprach, wird ihren Einfluß und ihre Kräfte bei dem gemeinsamen Werke, daS sie bis jetzt gesondert verfolgt haben, stärken und mehren. Das C.-Comite der Alliance Jsr. universelle sprach dem Präsidenten des Board, Hrn. Jsaacs, Dank und Anerkennung für die den amerikanischen Israeliten und dem ganzen Judenthum geleisteten Dienste aus. Ein Jrrthurn des Kaisers. (Schluß.) Eines Tages inspicirte General Guilleminot seine Division, und bemerkte den jungen Soldaten mit dem leblosen Aussehen, worauf er einen Offizier nach demselben fragte. Dieser antwortete: „Es ist einer von den Juden aus den Grenzländern, er hat nicht viel von einem Soldaten an sich, ein phlegmatischer Mensch ohne Schwung." Da flammte Davids Wange in ungewohnter Röthe auf, seine Hand flog an das Schwert; aber dieses Ausflammen erlosch, und daS bleiche Gesicht des Verwaisten nahm wieder seine alltägliche Ruhe an.. Vier Jahre darauf war er in Rußland unter den Ruinen des Kreml und im Flammenheerde von Moskau. Na» poleon mag bleich geworden sein, aber tue tausend Gefahren erschütterten den elsäffischen Juden nicht. Wenige Tage nachher am 24. Oktober 1812 an den Ufern des LugaS drängten Kulusaw'S verfolgende Truppen die Franzosen und drohten die Rückzugslinie abzuschneiden, worauf der daselbst kommandirende General Guilleminot ein Hundert Grenadiere als verlorenen Posten in eine am Wege gelegene Kirche schickte, um dieselbe unter allen Umständen zn halten. David war unter den Ueberresten von zwei Kompagnien, welche sich frei- , willig meldeten. Diese hielten die Kirche und vertheidigten § sie so tapfer, daß sie den Feind zurückdrängten und dem Kom- « mandeur Zeit verschafften, sich zu sammeln und die Russen zu schlagen, obgleich er nur 18000 gegen 50000 Mann hatte. Nach diesem glänzenden Treffen rief der General die