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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1878-12-25 · N° 52. (25.12.1878) · p. Seite 413

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
9 (1878)
Issue
N° 52. (25.12.1878)
Date
1878-12-25
Page
Seite 413 (sequence 4)
Language
German
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— 413 — Leibeignen zugeschrieben haben, aber eben so gewiß ist es, daß auch damals kein ehrlicher, besonnener und wohlmeinender Beurtheiler mit diesenBiedermännern gemeinsame Sache gemacht, oder ihren Liebeswerbungen und Bestrebungen zugestimmt hätte. An thatsächlichen Beweisen, daß wir gegen den in unserer Gemeinschaft leider immer noch nicht wieder ausgemerzten Hang zu Schacher und Wucher nicht gleichgültig sind, fehlt eS wahrlich nicht. Ich will hier im Allgemeinen nur auf die große Zahl von Vereinen zur Förderung und Unterstützung von Handwerkern, zur Heranbildung und Pr ämiirung guter Dienstboten rc. unter den Glaubensgenossen in vielen gröberen Gemeinden Deutschlands Hinweisen, an deren Spitze überall und nicht blos d:m Namen nach die geachtetsten und besten Männer der betreffenden Gemeinden stehen. Aber auch sonsthin geschieht alles Menschenmögliche, um diese Ueberreste finsterer Zeiten schnellthunlichst wieder abzustreifen und den Freunden vom Schlage des Abg. Schröder diese Waffe gegen unS zu entreißen. Hier ein specielles Beispiel aus meiner eignen Erfahrung. In der alten geachteten Judengemeinde der Stadt Hannover, deren Gemeinde-Vertretung Schreiber Dieses bis zu seiner Ueberfiedelung nach Magdeburg längere Zeit die Ehre hatte anzugehören, besteht noch heute der Brauch, keinen neu Zuziehenden in die Gemeinde aufzunehmen und zu deren Lasten heranzuziehen, der nicht im Ruf völliger Unbescholtenheit steht, — trotzdem der Gemeindesäckel darunter leidet. Kein s. g. Halsabschneider, Rückkaufshändler rc. ist, soweit man es wehren konnte, der Rechte und Pflichten einer Gemeindemitgliedes theilhaftig geworden und keiner wird ausgenommen, ehe nicht über dessen Unbescholtenheit und Ehrenhaftigkeit genaue Erkundigung eingezogen ist. Bekundet dar etwa nicht das Bestreben, dem Umsichgreifen des Wuchers entgegenzutreten und ist der Verzicht auf den oft nicht geringen Beitrag der Betreffenden kein Opfer, das freiwillig der guten Sache gebracht wird? Wo wäre „die christliche Kirchengemeinde," die in dieser Beziehung Aehnliches gethan hätte? (Freilich verhehlt man fich in der erwähnten Gemeinde- Vertretung nicht, daß sie eine gesetzliche Berechtigung zu solchem Ausschluß nicht besitzt und daß, falls die Betreffenden auf ihre Aufnahme bestehen, sie event. dieselbe sich auch gesetzlich erzwingen können.) Von allem Diesen wiffen unsere Haffer natürlich nichts und wenn man es täglich ihnen vorführte. Für sie sind alle Juden Wucherer und müffen alle Juden verbrannt werden. Wir reden uns deshalb auch nicht ein, durch diese oder selbst die beste Auseinandersetzung die erwähnte Art von Gegnern zu bekehren oder gar zum Eingeständniß und Widerruf ihrer Anschuldigungen zu vermögen. Diese Herren werden von ihrem gehäffigen Standj Punkt nicht ablaffen, auch wenn ihnen der Nachweis geliefert würde, daß der schlechteste Jude sich mendelssohnscher oder socratischer Tugenden befleißigte, sie würden dann höchstens zu dem Wohlwollen Polyphems sich verstehen: „Dich, Freund, will ich zuletzt fresse»"; indeß manchen übel berichteten, weil mit der historischen Entwickelung der Verhältniffe unbekannten Gegner, der sich ein Herz bewahrt hat für Wahrheit und Recht, hoffen wir jetzt auf unserer Seite zu haben, er wird unS als Gesammtheit nicht mehr mit dem letzten, v rä h? ich- > licysten Wucherer des Erdenrundes identificiren, som e .. j..cu persönlich nur daS entgelten laffen, was er gesündigt —und das ist der Hauptzweck dieser Zeilen. 9003 Ji 86 4 7644 19 Berichte »nd Correspondenzen. Deutschland. Magdeburg. Nach dem jüngst erschienen „Rechnungs- Bericht" der israelitischen Beerdigungs-Gesellschaft über das abgelaufene Geschäftsjahr beliefen sich die Gesammteinnahmen (incl. Kaffenbestand aus vor. Jahre von 402 Mk.) auf 2696 Mk. DaS Gesammtvermögen der Gesellschaft beträgt 8344 Mk. 69 Pf. — Durch die Freundlichkeit des Rendanten Herrn Adolph Jacoby erhielten wir nachfolgende statistische Zusammenstellung über die letzten 3 Jahre, vom 1. October 1875 bis 30. September 1878 Die Mitgliederzahl betrug am 1. October 1875 174. Dieselbe hat sich in 3 Jahren durch Tod und Wegzug vermindert um.35 dagegen sind in dieser Zeit neu hinzugetreten . . . 32 so daß die Mitgliederzahl jetzt beträgt 181 In der Gemeinde sind im Zeitraum von 3 Jahren gestorben 83 Personen: und zwar 38 Erwachsene und 45 Kinder. Die Gesammt-Einnahme in den 3 Jahren betrug. die Gesammt- Ausgabe in den 3 Jahren betrug . . . .. Überschuß Hauptsächlich wurden verausgabt: für Baulichkeiten und Unterhaltung der Utensilien. für Beerdigung von Armen. für Unterstützung an Arme und Kranke (incl. 300 Mk. an den Gemeindevorstand zu Armenzwecken und 63 Mk. aus der Bella Friedberg'schen Stiftung an arme Wittwen) für Gehälter. An den Magistrat der Stadt Magdeburg zur Pflasterung des Weges zum Friedhof . . für belegte Capitalien. diverse Ausgaben: bei Nachtgebeten, für die ewige Lampe, für Nummersteine, Drucksachen _ zusammen 7644 Ji 19 4 Auf Grund des neuen, von der Regierung genehmigten Statutes, das mit dem 1. Januar 1879 in Kraft tritt, findet am 7. Januar die Neuwahl veS GesammtvorstandeS statt, dessen langjähriger, umsichtiger Vorsitzender Herr Adolf) Rosenthal ist. F. Aus Thüringen. Anfangs December. (Or.-Corr.) In den verschiedenen Theilen Deutschlands bestehen Vereine von israelitischen Geistlichen und Lehrern, welche die Pflege des Schulwesens, die Hebung der religiösen Institutionen und der Gemeindeanstalten bezwecken. Ein solcher Verein bestand bisher in Thüringen nicht. Die jüv. Geistlichen und Lehrer in diesem schönen Theile unserer Vaterlandes kannten sich meist nur dem Namen nach, ohne je in persönlichen Verkehr mit einander getreten zu sein*) *) Wir hatten im vorigen Jahre bereits in vertraulicher Weise mit mehreren Collegen mündlich und schriftlich darüber verhandelt, daß die jüd. Beamten (Rabbiner, Prediger, Lehrer und auch die Cantoren) einer Provinz oder mehrerer benachbarten zu einem Verbände zusammentreten sollten, um über die Hebung und Förderung der religiösen Angelegenheiten der Gemeinde gemeinsam zu berathen; wir hatten eine solche Vereinigung der Cultusbeamten der Provinz Sachsen, Thüringens, Anhalts, Braunschweigs ins Auge gefaßt. Die Idee fand bei den Col« legen Anklang, an die Ausführung konnte jedoch im vor. Jahre der vorbereitenden Schritte wegen noch nicht gegangen werden; so war denn der nächste Sommer dazu in Aussicht genommen. Thüringen hat sich's nicht nehmen lassen, schon jetzt eine Versammlung abzuhalten. Herr Landrabbiner vr. Kroner schreibt uns darüber: „Sie werden dies gewiß mit F'vuden begrüßen und darin die Einleitung zur Verwirklichung Ihrer v" ' ’ iw vor. Jahr« mir geäußert, finden." Wir freuen uns u der Thut, daß der Anfang geinacht ist und gedenken unsere Thüringischen Collegen im Sommer in größerein Vereine s. G. w. begrüßen zu können. ptHDil pin I Laßt uns kräftig eintretrn für unseres Volkes heiligste Interessen! (Red.) 1359 Ji 67 4 799 Ji. 69 4 1178 ,, 55 ,, 1225 ,, 05 ,, 1425 n n 300 n // 1311 „ 32 „ 1404 „ 58 „

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