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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1878-12-18 · N° 51. (18.12.1878) · p. Seite 406

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
9 (1878)
Issue
N° 51. (18.12.1878)
Date
1878-12-18
Page
Seite 406 (sequence 6)
Language
German
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net Unter die rumänischen Sprachforscher tritt und trotz einem rumänischen HamaneScu oder A m a l e k i c e a n o in den Denkmälern des Rumänischen zu Hause ist, stellt in seiner That den lebendigen Protest dar gegen die dummdreiste Beschränktheit dieser echten Kinder Rom's, die dem Juden das Heimathsgefühl bestreiten. Herr Gaster hat sich um seine rumänischen Glaubensgenossen wohl verdient gemacht; darum dürfte denn auch selbst von seiner gutturalen Tenuis hier die Rede sein. D. K. Vermischte und neueste Nachrichten- Magdeburg. Im Nekrologe über den in vergangener Woche verstorbenen fortschrittlichen Abg. Bürgers erinnert die „N. Fr. Pr." daran, daß derselbe nach Verbüßung seiner vieljährigen Haft (ob seiner Frecheitsbestrebungen) nur dadurch der bittersten Roth entging, daß er in einem angesehenen jüd. Hause Amsterdams als Erzieher ein angenehmes Unterkommen fand. — In einer Zeit, in der man alles Erdenkliche hervorsucht resp. erfindet, um unS bei unseren christlichen Mitbürgern zu discrediliren, hielten wir die Mittheilung dieser Notiz nicht für ganz überflüsiig. Darmstadt, 15. December. (Or.-Corr.) Von der orthodoxen Gemeinde haben 18 Mitglieder ihr Verbleiben bei der Gemeinde unter der Bedingung erklärt, nur die Hälfte der Steuer an die Gemeinde zu bezahlen, worauf der Vorstand einging. Die andern wirklich ausgetretenen Mitglieder — ungefähr 40 an der Zahl — unterhandeln mit dem Vorstande wegen Benutzung des Friedhofes. Frankfurt a. M., 12. December. (Or.-Corr.) Heute begleitete ein unabsehbarer Zug teilnehmender Freunde und Bekannte die sterbliche Hülle des als Begründer und Theil- Haber des Bankhauses gleichen Namens in der Geschäftswelt weit bekannten Baruch Bonn zur letzten Ruhe. Der Verstorbene, der sich durch eigene Kraft und Energie zu angesehener Stellung emporgearbeitet hat, erfreute sich durch sein anspruchsloses Wesen, seine große Wohlthätigkeit und seinen stets hilfsbereiten Wtllen ungetheilter Ächtung und großen Ansehens. Hamburg, 10. Dezember. (Or.' Corr.) Eine schwurgerichtliche Verhandlung, die mit schwerer Freiheitsstrafe endete, spielte sich vorige Woche hier ab. Leider sind die Verurteilten Glaubensgenoffen von „hinter der Weichsel", die neben dem systematischen auf Plünderung der polnisch jüdischen Auswanderer ziemlich lucratives Geschäft von Auswanderungs- Herbergen noch falsche Rubelnoten an den Mann brachten. Die Art und Weise, wie diese Auswanderer-Wirthe, deren Zahl immer mehr zunimmt, ihr Geschäft betreiben, um die meistentheils ganz mittellos aus Rußland und Polen auswandernde jüdische Familien zu berauben, ist wahrhaft empörend. Keine Mittel werden von ihnen gescheuet; wo es Noth lhut, auch Drohung und Einschüchterung, um ihnen ihre letzte Habseligkeit abzuschwindeln. An solchen Opfern fehlte eS dem Angeklagten bei der großen Zahl polnüch-jüdiicher Auswanderer nicht, und doch hatte er an dieser seiner Beute noch nicht genug, er griff zu einer mit Zuchthausstrafe belegten Handlung, bis er endlich von dem mächtigen Arm der Justiz ereilt wurde. In einstündiger Berathung bejahten die Geschworenen alle an sie vom Richter gestellten Schuldfragen. Demgemäß verurtheilte der Gerichtshof den Wirth zu 5 Jahren Zuchthaus und 5 Jahren Ehrenverlust, die Tochter zu l*/a Jahren Gefängniß, den Sohn, in Berücksichtigung seiner Jugend, zu 1*/. Jahren Gefängniß. — Sämmtliche hiesige Zeitungen brachten ausführlichen Bericht dieser Verhandlung, doch muß ich mit Genugtuung constatiren, daß keine einzige Zeitung den Namen Jude dabei gebrauchte, was doch in meinem Vaterlande (Rumänien) gang und gäbe ist. Jos- Taubes. Wormditt in Ostpreußen. (Or-Corr.) Sonnabend, den 7. d. M., wurde in der hiesigen Synagoge der Dank-Gottesdienst für die Wiedergenesung des Kaisers durch Gebet und Predigt abgehalten. Der Neligionslehrer der jüdischen Gemeinde wünschte, daß alle jüdischen Schulkinder an dieser vaterländischen Feier theilnähmen. Aber ein Herr Oberlehrer an einer Privatschule dispensirte die jüdischen Knaben vom Schulbesuche an diesem Tage nicht, rieth ihnen aber, Sonntag, am Feste der Marien-Empfängniß, die katholische Kirche zu besuchen. Mit Recht hat dies Benehmen in den betheiligten Kreisen Unwillen erregt. Wahrscheinlich meint dieser Herr Oberlehrer, daß die Zeit schon da sei, von welcher der Prophet sagte: „Mein HauS soll ein Bethaus für alle Völker sein" — und daß cer Prophet unter diesem Hause die katholische Kirche gemeint habe. Hannover, 16. Dec. Die zu gestern Abend zur Vornahme von Wahlen anberaumte ordentliche Generalversammlung der hiesigen Synagogengemeinde war nicht beschlußfähig, da von ca. 440 Gemeindemitgliedern nur 70 erschienen waren, während die dreifache Zahl zur Vornahme gütiger Wahlen erforderlich war. Soest, 3. December. Die Kunde von einem gräßlichen Morde durchläuft unsere sonst so ruhige Stadt. Der Metzger Kuhlemeyer, em übelberüchtigtes Subject, welches erst vor Kurzem aus dem Gefängniß entlasten worden, hat gestern Abend den jüdischen Handelsmann und Metzger Bilstein, Vater von 5 unmündigen Kindern, erstochen. Veranlaffung zu der grausigen That soll ein kurz vorher stattgefundener Wortwechsel, nach anderer Aussage eine frühere Zwistigkeit, gewesen sein. Mit dem Ausrufe: „Meine arme Frau und Kinder!" ist der Unglückliche sofort gestorben. Der Mörder, welcher betrunken gewesen sein soll, ist sofort gefänglich eingezogen worden und wird hoffentlich der gerechten Strafe nicht ent- . gehen. (Eff. Z.) Fürth, 8. December. (Or.-Corr.) Bei der in voriger Woche hier stattgefundeuen Wahl der städtischen Gemeindeverwaltung wurden unter 12 als Gemeindebevollmächtigte gewählten Männern 6 Israeliten gewählt und unter den Ersatzmännern dergleichen 2 Israeliten. Die Magistraisrätbe werden erst nach Neujahr gewählt; vorauSstchtlich werden auch mehrere Israeliten in diese- Collegium berufen. Brünn. Jüngst beschwerte sich ein Bräutigam bei der hiesigen Slatthalterei darüber, daß der Rabbiner ^ihn mit seiner Braut nicht trauen wolle. (Der Bräutigam istvnämlich ein Cohen, und die Braut eine Chaluza.) Der Rabbiner wurde vorgeladen und erklärte, daß er als Hüter des jüd. Gesetzes sich doch selbst keiner Verletzung deffelben schuldig machen könne. Da Niemand zu einer religiösen Handlung gezwungen werden kann, wurde Kläger abgewiesen. Lemberg. Die Beschlüsse des galizischen Gemeindetages haben — trotz der Simon Sofer'ichen Bannbulle — die Genehmigung der Behörde erlangt. Paris. Die in der Pariser Finanzwelt einen hervorragenden Platz einnehmende Familie Königswarter, welcher erst kürzlich ein Mitglied, Baron Maser, durch den Tod entrissen wurde, hat einen neuen Verlust zu beklagen: Heute früh verschied Hierselbst im Alter von 64 Jahren Louis Königswarter; derselbe war Verfasser mehrerer volkswirthschaftlicher und juristischer Werke (Listoire äs l’organisation de la Familie en France; Döveloppement de la Soci6td humaine; Droit civil fran^ais anterieur au XV. si£cle)> correspcmvirendes Mitglied des Instituts und gehörte auch sonst verschiedenen gelehrten Gesellschaften an. Ponüves (Rußland). Hier hat sich am Schlußfeste etwas ereignet, waman in Polen wohl nicht für möglich gehalten hätte. Der Vorsteher einer Synagoge hat aus eigener Machtvollkommenheit, ohne weder den Rabbiner noch die Gemeinde

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