Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1878-12-11 · N° 50. (11.12.1878) · p. Seite 398

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
9 (1878)
Issue
N° 50. (11.12.1878)
Date
1878-12-11
Page
Seite 398 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/5369809-9583355-9583306--3859-9583312
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

— 598 — Wonnen ober verloren, ist dem aufmerksamen Leser nicht zweifelhaft. — Vor einigen Monaten starb hier durch einen Unglücksfall ein würdiges Gemeindemitglied, Herr D. Hirsch; die Söhne schenkten als Erinnerung an ihren Vater ein schönes EVYip 1^3 der Synagoge. — Wie bekannt, ist die Absicht, hier eine Universität zu errichten. Der Gedanke entstand ursprünglich, als die große Reform der Repräsentationsfrage durchging (anstatt 4, nur 2 Häuser des Reichstages zu besitzen). Ein Theil der philosophischen Facultät ist bereits in diesem Jahre errichtet worden. Unter den angestellten Profefforen ist auch Prof. vr. Rubenson, der Physik und Chemie liest. — Der Maler Ernst Josephson, der gegenwärtig in Rom lebt, erhielt ein Staatsstipendium von 300 Kronen. Er schickte ein Bild her, welches David spielend vor Saul darstellt. Dasselbe ist in hiesiger Kunstakademie ausgestellt. Nordamerika. New-Nork, 7. November. Das Resultat der vorgestern hier stattgefundenen politischen Wahlen ist es werth, auch in einem ausschließlich jüdisch-religiösen Interessen dienenden Blatte hervorgehoben zu werden, weil es die Thatsache an den Tag legt, daß das Vorurtheil gegen Juden und Judenthum, trotz aller Versuche sich hierzulande einzubürgern, im hiesigen öffentlichen Leben keine Aussicht auf Erfolge hat. Aus dem vorgestrigen Wahlkampfe gingen hier zwei Israeliten als Sieger hervor. Der Eine, Coroner Moritz Ellin g er (früher Herausgeber d. „Jew. Times"), der gegenwärtige Inhaber eines der einträglichsten und wichtigsten städtischen Aemter, erhielt unter allen Candidaten auf den verschiedenen stellen- und namenreichen Wahllisten die größte Stimmenmehrheit. Seine Majorität überstieg selbst die des gewählten Mayer Cooper um 3500. Einen deutlichern Beweis des vollen Vertrauens, deffen Herr Ellinger sich während seiner dreijährigen Wirksamkeit in einem der schwierigsten, anspruchsvollsten und verantwortlichsten Aemter verdient gemacht hat, könnte selbst der hartnäckigste gegnerische Parteiklepper nicht verlangen. Der andere Jude, dessen Candidatur von Erfolg begleitet war, ist unser hochgeachteter Mitbürger, Herr Edwin E i nftei n, der in den Congreß zu Washington gewählt wurde. Herr Einstein zählt zu den gebildetsten hiesigen Kaufieuten und wird nicht nur seinen Wählern im Allgemeinen, sondern auch seinen Glaubensgenossen Ehre machen. Er ist, wenn ich nicht irre, der dritte Jude, welcher seit dem Bestände unserer Republik von unserer Stadt in den nationalen Congreß als Vertreter geschickt wird. Weiland Major Noah und Emanuel B. Hart waren die beiden Ersten. Ellinger und Einstein stehen diesen an eifriger und wahrer Hingebung zum Judenthum nicht nach und sind überall da zu finden, wo es gilt, für die Jntereffen ihrer Glaubensgenoffen einzutreten. (Deb.) Vermischte und neueste Nachrichten. Magdeburg, 7. November. In der hiesigen israelitischen Gemeinde fand heute ein Dankgottesdienst für die Wiedergenesung Sr. Majestät des Kaisers und Königs statt. Der Rabbiner Dr. Rahmer knüpfte seine Betrachtung an die Verse des verlesenen Wochenabschnittes (1. B. M. C. 28,13 bis 15). „Siehe da, der Herr stand über ihm und sprach: „Siehe, ich werde mit Dir sein und Dich behüten, wohin Du gehest, und ich werde Dich zurückbringen in Dein Land, denn ich werde Dich nicht verlaffen bis daß ich vollführt, was ich Dir verheißen." Berlin, 7. Nov. Die hiesige jüdische Gemeinde begeht morgen und heute einen Dankgottesdienst. Als geschichtliche Erinnerung möge angeführt werden, daß die jüdische Gemeinde stets unaufgefordert die kirchlich-patriotischen Gottesdienste mit den christlichen Mitbürgern gehalten hat; so zur Feier des Hubert'Lburger Friedens, wobei Moses Mendelssohn ausnahmsweise die Festpredigt hielt, die gedruckt wurde und worüber er auch Lessing schrieb. Die Feier der Teschener Friedens, nach Beendigung deS bayrischen Erbfolgekrieges, wurde in der Synagoge der Heidereutergaffe sogar mit großem Orchester begangen. Ebenso wurden 1793, dann 1809 nach der Rückkehr des Königspaares aus Königsberg und 1815 bei dem allgemeinen Friedensfeste dort Dankgottesdienste begangen. Am 16. November 1822 bei dem Regierungsjubiläum des Königs Friedrich Wilhelm Hl. und am 28. November 1823 bei der Vermählung des damaligen Kronprinzen, nachmaligen Königs Friedrich Wilhelms IV. wurden feierliche Dankdienste gehalten. Verschiedene Reden, welche der Vice-Oberland-Rabbiner Weyl (gest. 1826) bei solchen Anläffen gehalten hat, sind gedruckt worden. Berlin. Die Bilanz des Frauenvereins von 1833 zum Besten israelitischer Waisenmädchen stellt sich nach dem unvorliegenden 45. Jahresbericht für 1878 auf 70,830 Mark. Auch in diesem Jahre veranstaltet der Verein eine Ausstellung weiblicher Handarbeiten. Breslau. In einem hier erscheinenden Missionsblatte, welches sich „Stimme der Wahrheit" betitelt, stand kürzlich ein Bericht über das 69. Jahr der Londoner Missionsgesellschaft» Es geht aus diesem Bericht hervor, daß die Gesellschaft im vergangenen Jahr 136 Missionäre mit einem Kostenaufwand von 720,000 Mk. unterhalten hat. Für diese Summe ist man dahin gelangt, 153 Juden in der ganzen Welt zur Taufe zu bringen, darunter 94 in Abyisinien! Es kostet also jede Judenseele circa 4800 Mk., gewiß kein schlechter Preis, besonders wenn man bedenkt, daß beinah J/3 der neu Gekauften Abyssinier sind. Darmstadt, 4. Decbr. (Or.-Corr.) Gestern sind 49 Mitglieder der orthod. Religionsgesellschaft durch ihre nochmalige beim Stadtgerichte abgegebene Erklärung endgültig aus dem Gemeindeverbande ausgetreten. Der Vorstand hat ihnen manche Anerbietungen gemacht, um sie zum Verbleiben in der Gemeinde zu bewegen, die sie aber abgelehnt haben. Holland. Die hiesige Regierung hat ihren allzeit bewiesenen Gesinnungen treu, die Erklärung abgegeben, daß sie keinerlei Handels- oder Schiffahrtsvertrag mit Rumänien abschließen werde, ehe die Verfassung dieses Landes mit den Bestimmungen des Berliner Friedens in Einklang gestellt sein werde. (Jew. Chr.) Aus Rumänien schreibt man den „Arch. Jsr.", daß die Frau Cimara, die, wie wir gemeldet, von der Jury zu Dorohoi von der Anklage wegen der bekannten, durch sie in Scene gesetzten Judenhetze freigesprochen worden, nunmehr im Begriffe stehe, die klägerischen Juden wegen Schadenersatzes von 45,000 Dukaten zu verklagen. Wie jene Freisprechung beweist. liegt eine Verurtheilung der Juden in Rumänien nicht außer dem Bereiche der Möglichkeit. Wilna. Am 23. Cheschwan starb hier der sehr gerühmte hebräische Grammatiker und Dichter Abraham Beer Lebensohn, unter dem Schriftstellernamen 3,13,1 D"1K bekannt. Er hat ein Alter von 90 Jahren erreicht. Petersburg. Im Anschluß an die im „Hameliz" gegebene Widerlegung einer Correspondcnz der „jüd. Preffe", betreffend die angebliche Ausschließung jüdischer Studenten vom Besuch der Polytechnikum bringt das genannte Blatt weiter eine Zuschrift von einem jüdischen Zögling der genannten Anstalt, welcher betheuerl, daß gerade diese- Institut nicht den mindesten Unterschied zwischen Christen und Juden kenne, daß der Direktor desselben die höchste Humanität nnd Toleranz übe u. s. w. Es sei ganz unbegreiflich, wie man der „Jüd. Preffe" etwas so ganz Grundloses habe mittheilen können, und wie die Redaktion jetzt noch Miene machen könne, als sei die im „Hameliz" gegebene Widerlegung nicht ganz ernst zu nehmen. — Der berühmte Professor der Chirurgie an der Medico-Chirurgischen Akademie Hierselbst hat

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.