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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1878-12-11 · N° 50. (11.12.1878) · p. Seite 397

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
9 (1878)
Issue
N° 50. (11.12.1878)
Date
1878-12-11
Page
Seite 397 (sequence 5)
Language
German
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397 — beherbergen zu müssen, während die älteren russ. Gouvernements von derselben ganz befreit werden, die ja alle gleicherweise ruffisch geworden, und es doch Pflicht der Regierung sei, keinen Neid und keinen Haß zwischen den Söhnen eines und desselben Vaterlands hervorzurufen? — 4) Schon durch ihre längere Niederlassung in Russisch-Polen bei freudiger Erfüllung ihrer Slaalspflichten haben die Juden 60 ipso den Erwerb staats-bürgerlicher Rechte erlangt, sie betrachten sich als Kinder desselben Vaterlandes in und bei Erfüllung aller politisch-socialen Anforderungen und Schuldigkeiten, warum also sie den andern Landeskindern hintenansetzen und als rechtlos halten? Pulsirt in ihren Ädern nicht dasselbe Blut, oder fühlen sie weniger den tiefen Schmerz der Verkümmerniß ihrer Menschen- und Bürgerrechte? Die einzig richtige Antwort auf diese Fragestellung ist nach dem Verf., die Lösung der Judenfrage in Rußland in analoger Weise, wie es in den andern europäischen Culturstaaten bereits zur Thalsache geworden, durch ungeschmälerte st aatsrechtlicheGleich st ellungderJuden mit den andernGlaubensbekennern inRußland und Polen, als ein Erforderntß eines jeden auf Gerechtigkeit, Humanität und Culmr ansprucherhebenden Staates, der auch in Zukunft eine fortschrittliche Mission in der Geschichte der Menschheit zu erfüllen hat." M. Pins. Warschau „Hameliz" klagt, daß der gute Eindruck, den die Errichtung und Einweihung der neuen und prächtigen Synagoge bei der christlichen Bevölkerung hervorgerufen habe, und der auch in der Presse vielfach zum Ausdruck gekommen sei, gar bald wieder verwischt werde und zwar durch Schuld der Juden selbst. Der Inhalt des ausführlichen Berichts dürfte sich in Folgendem zusammenfassen lassen. Am Neujahr und Versöbnungstag wurden nur diejenigen in der neuen Synagoge zugelaffen, welche einen Platz in derselben erworben hallen und eine Eintrittskarte vorweisen konnten. Äber auch am Laubhüttenfest wurde diese Maßregel -aufrecht erhalten, Polizisten waren vor dem Eingang aufgestellt und wiesen jeden Juden zurück, der keine Karte vorzeigen konnte. Dabei war aber die Synagoge längst nicht zur Hälfte gefüllt, auch wies man nur die in der üblichen jüdischen Tracht erscheinenden mit Tallis und Gebetbuch versehenen Juden zurück, während Christen, sowie auch Juden, die nicht ihr Glaubensdekenntniß auf dem Rock oder unter dem Arme trugen, auf's Zuvorkommendste eingelassen und auf gute Plätze gewiesen wurden. Dies rief bei der vor der Thür versammelten Menge große Erbitterung hervor. Diese polnischen Israeliten, die sonst vor dem rothen Streifchen an der Mütze eines Polizisten gewaltige Scheu empflnden, glaubten sich hier auf ihrem vermeintlichen Grund und Boden in ihren heiligsten Rechten gekränkt; es kam zu tumultuarischen Auftritten u. s. w. Die Presse bemächtigte sich dieser Vorfälle mit großer Beflissenheit, man warf den Juden vor: Ihr fordert für Euch Gleichberechtigung und gewährt untereinander den Armen nicht einmal das Recht, ein Gotteshaus zu betreten. Habt Ihr solches je in einer christlichen Kirche bemerkt? — Der Unterschied liegt freilich aus der Hand, da die Kirchen vom Staat erbaut worden sind, während die Juden auf ihre eigenen Mittel angewiesen, genöthigt sind, für die Benutzung der Plätze in den Synagogen überall in der einen oder anderen Form eine Steuer zu erheben; das eigentliche Uebel liegt in der Rohheit und Ungezogenheit der polnischen Juden. In vielen hundert Synagogen großer und mittlerer Städte in Deutschland, England und in Amerika, überall ist der Zutritt zu den Synagogen nur den Berechtigten gestattet, es ist damit ohne Zweifel manche Härte gegen Arme, gegen Fremde und manche Unzuträglichkeit verknüpft, aber man fügt sich überall der eingeführten Ordnung, nur der Pole will weder Ordnung, noch will er von einem Angehörigen feines Stammes sich irgend eine Vorschrift machen lassen. Daher der Tumult, das Einschreiten der Behörden und dann natürlich Spott und Hohn in der Oeffentlichkeit. Dänemark. Kopenhagen, 4. Nov. Das große LandeSthing-Mitglied D. B. Adler ist heute Vormittag im Alter von fünfzig und einigen Jahren gestorben. Als Chef eines der ersten hiesigen Bankhäuser hat er seit einer Reihe von Jahren einen hervorragenden Platz in unserer Handelswelt eingenommen, nebenbei aber auch eine nicht minder umfassende und verdienstvolle Thätigkeit in communaler und politischer Hinsicht entfaltet. Adler ist Mitglied der diesseitigen Communal-Verwaltung des Folkethings und des Landsthings gewesen und hat sich überall durch seinen scharfen Verstand, seine schnelle Urteilskraft und sein ehrliches Bestreben: Das Richtige zu finden, Achtung und Einfluß erworben. Außerdem nahm Adler verschiedene andere Vertrauensstellungen ein; er war Mitglied des See- und Handelsgerichts, des Commitäs deS Grofsisten-Vereins, der Direction der Handelsbank, der Repräsentantenschaft der jüdischen Gemeinde, verschiedener Wohlthätigkeits-Vereine u. s. w. Zu erwähnen ist ferner, daß er die dänische Staatsanleihe nach dem Friedensschlüsse von 1864 abschloß, Mitglied der scandinavischen Wechsel-Commission und des Pariser Ausstellungs-Comites von 1873 war. Schweden. G. Stockholm, im December. (Or.-Corr.) Ein längere- Unwohlsein zwang mich, eine Pause in meinen Berichten in d. Bl. eintrelen zu lassen. Da ich nun dieselben wieder aufnehme, will ich retrospectiv die seit meinem letzten Berichte vorgekommenen Ereignisse in hiesiger Gemeinde nachträglich erwähnen. Dr. Axel Lamm, Mitglied des hiesigen Gemeindevorstandes, ist zum correspondirenden Mitglieds der 8ooi6te de medicine publique et d’hygiäne professionelle in Paris einstimmig gewählt worden. — Prof. Heymann aus Gothenburg ist bereits mit seiner Familie hierher übergesiedelt und übernahm seine Professur in dem Carolinischen Institut als Lehrer der Medicin. — Herr E. Fränkel, Vorsteher der Gesellschaft „Atlas", welche die Maschinen für die Staatsejsenbahnen liefert, erhielt bei Gelegenheit der Pariser jüngsten Weltausstellung den Ehrenlegionorden. — Herr Hofintendant E. Iacobson erhielt den zweiten Preis (2.500 M.) für den Plan eines zu erbauenden Krankenhauses in Helsingfors (Finnland). — Ein noch sehr junger Candidat juris, Herr Or. Davidson, veröffentlichte eine Dissentation (zur öffentlichen Vertheidigung m Upsala) unter dem Titel: „Oekonomiska lagar för Capitalbildning“ (ökonomische Gesetze bei Bildung des Capilals). — Prof. I. G. H. Btnbe rg veröffentlichte in feiner Zeitschrift für Veterenäre einen sehr ausführlichen Aufsatz unter der Ueberschrift „Talmuds husdjuru (Hausthiere des Talmuds) nach den einschlägigen Angaben in Lewysohns Zoologie des Talmuds. Der Verfasser rühmt die Reichhaltigkeit des Talmuds und bedauert, daß die Quelle den Veterenären so wenig bekannt ist. Er spricht zuletzt über die Helmieten des Schweines und fügt hinzu: daß eben Trichinen schon damals vorkamen, ist zweifellos. — Die Katechese des Prof. vr. Wolff erscheint jetzt hier in 3. Auflage in schwedischer Uebersetzung, doch mit vtelfachen Abänderungen und verschiedenen hinzugefügten Anmerkungen von Lewysoh n. — Ad vocem W. hat sein treffliches Werk: „Talmudsender" eine unerqutckliche Polemik im Kopenhagener „Dagbladel" hervorgerufcn, doch muß jeder unparteiische Leser die Angriffe des Prof. Fredrik Nielsen zum größten Theile ungerecht finden. Prof. W. schrieb eine Erwiderung gegen die Angriffe intoleranter Bischöfe, und da wird er als Angreifer des Christenthums beschuldigt. Wie gründlich Herr Prof. N. den Talmud versteht, mag daraus ersehen werden, daß er zwei mal nach einander der (also schwerlich ein Druckfehler) Sedarer (qi-hd) für Sedarim schreibt. Wahrhaft lächerlich ist die Behauptung, W. sei nicht orthodox, auch nicht reformatorisch, sondern.. . ein Schüler Spinoza's oder Mendelsohn's. Ein jüdischer Jurist erwiderte Prof. N. und dieser repstcirte cltirle unliebsame Aeußerungen einiger Schriftsteller über- Juden und verkürzte sie tendenziös. Wer von den Parteien ge-.

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