Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 9 (1878)
- Issue
- N° 49. (4.12.1878)
- Date
- 1878-12-04
- Page
- Seite 389 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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— 389 — Vermischte und neueste Nachrichten. —6— Berlin, 26. November. (Or.-Corr.) In der Plenarversammlung der Repräsentanten der jüdischen Gemeinde, welche am Sonntag stattfand, wurden zu Vorstehern gewählt bezw. wiedergewählt: Herren Stadtrath Magnus, Commerzienrath Wolfs und Julius I a c o b i. Durch gemeinnütziges Wirken erfreuen sich genannte Herren gerechten Ansehns in der Gemeinde. Jnsbesonders ist Herr Stadtrath Magnus, welcher seit 24 Jahren Mitglied und seit 18 Vorsitzender der Administration ist, durch seine Hochherzigkeit und Hingabe an das Gemeinwesen weit über die Grenzen der Partei und Glaubensgemeinschaft hinaus hochgeehrt. — Der Vorstand der hiesigen jüdischen Gemeinde ersuchte im Dezember vor. I. den Architekten-Verein, eine Concurrenz behufs Erlangung von Plänen zur Bebauung des neuen, bei Weißensee belegenen Friedhofs-Terrains der jüdischen Gemeinde einzuleiten. Die in Folge dessen vom Architekten- Verein ausgeschriebene Concurrenz führte zu keinem definitiven Resultat, da die aus 4 Mitgliedern der jüdischen Gemeinde und drei Delegirten des Archilekten-Vereins gebildete Beurtheilungs- Kommission sich nicht zur Ertheilung der ausgesetzlen Preiseentschließen konnte, sondern beschloß, die zur Verfügung stehende Summe von 2100 Mk. unter die Verfertiger der drei besten Entwürfe zu vertheilen und unter diesen, den Architekten v. Holst, Kube und Licht, eine engere Concurrenz zu veranstalten. Dieselbe hat nunmehr stattgefunden, und es hat die Kommission in diesen Tagen den Entwurf des Hrn. Hugo Licht als den besten anerkannt und zur Ausführung empfohlen. — Für die Errichtung eines Denkmals für den in Tyrol verunglückten Dr. Sachs hat nunmehr auch die „Berliner medizinische Gesellschaft" in ihrer letzten Sitzung aus Vereinsmitteln die Summe von 150 Mark bewilligt. Frankfurt a/M. Von dem adelsstolzen Freiherrn Carl Meyer v. Rothschild erzählt man sich, daß er bei Gelegenheit der Verlobung seiner Tochter mit dem Herzog von Guiche das Wortspiel habe fallen lassen: „Voriges Mal heiratheten wir unter unö, diesmal unter uns." — Es bezieht sich dies auf die Verheirathung eines „Freifräulein" von Rothschild mit dem bürgerlichen Herrn Goldschmidt. Frankfurt a/M. Ein Sohn des Hauses Rothschild, Baron Ferdinand, ist unter die Schriftsteller gegangen. Das ziemlich wohlgerathene Kind seiner Laune heißt: „Vroni, eine Novelle"' Hamburg. Hr. Moses Bleichröser vermachte je 1000 M. der atren und neuen Clause, dem israelitischen Waiseninstitut für Knaben, der Talmud-Thora-Schule und der israelitischen Beerdigungs-Brüderschaft. Altona. Bei der am Mittwoch stattgehabten Wahl zweier Mitglieder des Gemeindevorstandes der hochdeutschen Jsraeliengemeinde wurden die Herren Rechtsanwalt Jul. Hey mann und Kaufmann Martin I. W i e n e r, Ersterer wieder-, Letzterer neugewählt. C. W. Hagen i. W. (Or.-Corr.) Die vielfachen Klagen englisch jüv. Blätter über Vergehen fremder (russisch-polnischer) Glaubensgenossen gegen die Landesgesetze in Heirathsangelegenheiten erhalten fortwährend neuen Stoff. Wie eine locale Zeitung meldet, stand vorige Woche vor dem Polizeigericht in Manchester der Schneider Abraham Holstein, angeklagt, ein Ibjähriges Mädchen ungesetzmäßig der Controls und Aufsicht ihres Vaters entzogen zu haben. Außerdem wurde das Verbrechen des Meineids ihm zur Last gelegt, weil er vor dem Standesbeamten (Registrar) das Alter seiner Braut auf 21 Jahr angegeben hatte. Für beide Vergehen wird ihm von den nächsten Assisen der Prozeß gemacht werden. Lublinitz. (Or.-Corr.) Am 14. November fand hier die Beerdigung des Herrn vr. Rosenthal statt, der 32 Jahre hierorts Arzt und lange Zeit auch Vorsteher gewesen. AuS dem zahlreichen Leichengefolge (auch aus der Umgegend) konnte > man ersehn, wie beliebt derselbe überall gewesen. Dem Lei-! chenwagen voran gingen die Schützen und der Gesangverein. Unter dem Leichengefolge befand sich auch der Magistrat. Herr vr. Friedmann würdigte in der Leichenrede die mannigfachen Verdienste des Verstorbenen. In Wien stand vor. Woche der Heransgeber einer hebräischen Wochenschrift ha-Emes, A. Liebermann, vor Gericht, angeklagt der Theilnahme an geheimen Gesellschaften, welche er bethätigt haben sollte, indem er die Uebersendung nihilistischer Werke von Genf aus in das Innere Rußlands vermittelte. Liebermann wurde nun in dieser Beziehung freilich freigesprochen, wegen der Uebertretung der Falschmeldung und wegen Benutzung eines fremden Passes aber zu der höchsten diesfalls vom Gesetze normirten Strafe von einem Monate strengen Arrestes verurtheilt. Gleichzeitig wurde jedoch verfügt, Liebermann sei als Ausländer aus allen Kronen des Reiches auszuweisen. Die Folge wird nun sein, daß Lieber- , mann, da er nach Rußland zuständig ist, an die russische Grenze gebracht und dort der russischen Behörde übergeben wird. Es liegt auf der Hand, daß der Ausgelieferte dann in den Bergwerken des Altai sein Leben beschließen dürfte. Wien, 25 Nov. Gestern wurden die Ergänzungswahlen in den Vorstand der Wiener israelitischen Cultusgemeinde vorgenommen. Von den an der Urne erschienenen 297 Wählern wurden mit überwiegender Majorität wiedergewählt die nach dem Turnus zum Ausscheiden bestimmten Vorstände: vr. Ignaz Kuranüa, vr. Philipp Mauthner, Gustav Simon und Wilhelm Werthheim, sowie der ausgetretene Professor vr. Samuel Grünhut; neueingeführt wurde der Bankier Philipp Thorsch. Carlsbad, 28. November. (Or-Corr.) Vergangene Nacht brach in der Kuppel der hiesigen neuen Synagoge, welche das Sitzungszimmer für die Gemeinoe-Vertreung enthält, auf eine noch nicht ganz aufgeklärte Weise Feuer auS. Den angestrengten Bemühungen der städtischen Feuerwehr unter Anführung des Bürgermeisters Herrn Knoll gelang es nach etwa 2 Stunden das Feuer zu bewältigen, ohne irgend welche Beschädigung der Synagoge selbst, in welcher bereits heute früh der Gottesdienst wieder abgehalten werden konnte. Auch ist es gelungen, das Archiv der Gemeinde, wenn auch nicht ganz unversehrt, zu retten. Papa. (Ungarn.) In der hiesigen Synagoge soll, da sich die Beleuchtung durch 600 Kerzen als unzureichend erwies, electrische Beleuchtung eingeführt werden. Diese Beleuchtung hat den Vortheil, daß sie Tageshelle verbreitet und sich ziemlich billig stellt. Paris. Die „Archives Jsraelite" kündigen an, daß sie von Neujahr ab als Wochenblatt erscheinen werden. (Bisher zweimal monatlich.) Rom. Eine Correspondenz der „Arch. Jsr." berichtet über die feierliche Preisvertheilung an die Kinder der jüdischen Freischule, welche in Gegenwart hoher königlicher und städtischer Beamten stattfand. Alatri jun. verlas als Vorsitzender den Rechenschaftsbericht. Einige Preise (Sparkaffenbücher) waren von den Ministerien geschenkt. (Ueber eine ähnliche Feier, welche acht Tage früher, am Simchas-Tora-Fest für die Schüler der Talmud Tora ebenfalls in Gegenwart hochgestellter Personen ftattsand, berichtete jüngst vr. Berliner in der „Jüd. Pr.") Rom. Der jüngst verstorbene vr. S. Toskano war nicht Oberrabiner der Gemeinde (dieser Posten ist seit längerer Zeit vacant), sondern er gehörte der Commission an, die die religiösen Gemeinde-Angelegenheiten interimistisch besorgt. Er war Arzt und zugleich Vorsitzender der „Alliance" in Rom und in dieser Eigenschaft von dem Könige Victor Emanuel mit einem Orden decorirt worden. (Als er seine Studien beendet hatte, forderte ihm die damalige päpstliche Regierung das eidliche Gelöbniß ab, daß er niemals einen christlichen Patienten behandeln werde. (Fortsetzung der »Neuesten Nachrichten" in der „Beilage".)