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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1878-12-04 · N° 49. (4.12.1878) · p. Seite 386

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
9 (1878)
Issue
N° 49. (4.12.1878)
Date
1878-12-04
Page
Seite 386 (sequence 4)
Language
German
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— 386 — die Sache selbst — den Vorwurf des Wuchers — kommen wir ein andermal zurück, für heute genügt es wohl, den Herrn Abgeordneten*) darauf hinzuweiien, daß die Religion des Judenthums nicht nur daS Zinsnehmen, sondern auch das Zins geben verbietet, ja daß der Talmud sogar den Notar, den Zeugen, den Bürgen und den Schreiber, die beim Zustandekommen eines ZinsgeschäftS behilflich waren, gleichsehr verurtheilt. Magdeburg. Der Wiener Prediger, Herr vr. Ad. Jellinek, hat am letzten Succolfeste zwei Reden gehalten, die so allgemeine Interessen des Judenthums berührten, daß mau dem Redner für deren Veröffentlichung dankbar sein darf. Die eine vom 1. Festtage, betitelt: „Der israelitische Weltbund", ist eine Verherrlichung der Alliance Jsr. Universelle, angelehnt an eine ungezwungene Symbolisirung des Feststraußes. Es ist die richtigne Interpretation des Zweckes und der Ziele dieses civilisatorischen Bundes, eine begeisterte Abwehr der verleumderischen Angriffe, die er fortwährend zu erfahren hat.**) Auch die im Anhang abgedruckte Tischrede, die Ad. Crämieux im I. 1840 nach seiner Rückkehr aus DamascuS in Wien gehalten, hat nicht allein oratorischen, sondern auch einen historischen Werth. Damals schon war die Idee der Alliance in Cr6mieux's Geiste im Embryo entstanden, konnte er von der Gründung von Schulen im Orient berichten. Es steht zu hoffen, daß' die wirkungsvolle Rede Jellineks der Alliance Freunde und Mitglieder verschaffen werde. — Auch die am Schlußfeste gehaltene Predigt hatte zunächst eine praktische Tendenz. Der von der isr. Gemeinde in Wien eröffneten hebräischen Sprach- und Bibelschule Anhänger und eine große Schülerzahl zu gewinnen. Bekanntlich hatte der Vorstand unter dem Drucke einer geschickt eingeleiteten Agitation für die Climinirung der hebr. Sprache aus dem Religionsunterrichte sich zu der übrigens ganz rationeüenEinrichtung Herbeizulaffen, daß im o b l i g a t o r i s ch e n Religionsunterrichte an den Volksschulen das Hebräische nur in den wichtigsten liturgischen Sätzen gelehrt werde, während ein systematischer und erweiterter Sprach- und Bibelunterricht besonders ertheilt und dessen Benutzung dem freiwilligen Entschluffe der Eltern und Kinder anheimgegeben wird. Herr vr. Jellinek fühlte sich daher veranlaßt, eine Apologie des hebr. Sprachstudiums vor der Gemeinde zu entwickeln, die wir Dank der Reichhaltigkeit und Tiefe der Argumente, wie der vollendeten Darstellung für eine wahrhafte Meisterleistung erklären müffen. Er weiß zum Beweise seiner These, wie wichtig die Kenntniß der hebr. Sprache für die Erhaltung, Verteidigung und Entwickelung des Judenthums sei, aus der Geschichte der Bibel- Auslegung und Dogmatik so treffende Beispiele anzuführen, um zu zeigen, wie nur die Erhaltung der Bibel in der Ursprache sie vor Fälschungen, Entstellungen neuer Secten schützte, er zeigt, an einzelnen Worten und Begriffen —Adonaj, Tora —, wie wenig sich dieselben in einer fremden Sprache nachbilden lassen, wie sie allein nur geeignet sind, unsere Religion und unser Volksthum gegen Verdächtigungen und Anschwärzungen der Lieblosigkeit, der Intoleranz in Schutz zu nehmen mit so zündender Beweiskraft und ohne dabei in'S Doctrinäre zu verfallen, er weist den Nutzen des hebr. Sprachstudiums für die Schärfung des Verstandes und Weckung der Geistes, sowie die hohe Bedeutung des hebr. Schriftthums in der Geschichte der Geistesarbeit aller Zeiten in so beredter Weise nach, daß man getrost sagen darf, diese Rede dürfte manchen Paulus zu einem Saulus machen. Hannover. Der dritte Rechenschaftsbericht über die Unterstützungskaffe für jüd. Lehrer, deren Wittwen und Waisen *) Wie wenig bibelfest der Hr. Abg. ist, beweist übrigens ssine lendenlahme Entschuldigung, daß die Rotte Korah's nicht Juden, sondern abgefallene Philister gewesen. Ein Ultramontaner sollte doch die Bibel besser kennen! Korah war ein agitatorischer Levi t e, der den damaligen Cultusminister — wollte sagen Hohepriester, Ahron stürzen wollte — und seine Rotte bestand aus sehr angesehenen Strebern. Philister, Herr Schröder, gab's dazumal in der Wüste nicht. **) Bratianu nannte sie jüngst in der Kammer zu Bukarest eine „große Macht", gegen die die rumän. Delegirten in Berlin nicht aufkommen konnten? in der Provinz Hannover, bietet ein erfreuliches Bild des Gedeihens der wohlthätigen Anstalt. In verhältnißmäßiger sehr kurzer Zeit ist die Casse lebens- und leistungsfähig geworden, was ähnlichen Instituten oder Vereinen erst nach langen Bemühen gelungen ist, und der Gemeinde Hannover gebührt in erster Linie der Ruhm, dies Resultat durch ihre Opferwilligkeit erzielt zu haben, während die andern Vereine ähnlicher Art weite Kreise in Anspruch nehmen und langsam sammeln mußten, ehe sie einen genügenden Fonds zusammen gebracht hatten. Der unangreifbare Fonds der hannoverschen Unterstützungskaffe betrug am 1. Januar d. I 35000 Mark, er ist seit Eröffnung der Casse, 1. Juli 1876, um ca. 5500 Mark gewachsen. An Pensionen sind bezahlt: an einen emeritirten Lehrer für l4/a Jahr 650 M., an einen andern für ein Jahr 200 M. Diese Pensionen sind mithin bedeutend höher, als ähnliche Caffen bewilligen können. In der diesjährigen Ausschußsitzung ist festgesetzt, daß die jüdischen Elementarlehrer, welche jetzt gesetzlich verpflichtet sind, in die Provinzial-Lehrer-Wittwen- und Waisen- Caffe einzutreten, auf Grund eines Beschlüsseder ersten Plenarversammlung vom 10. Juli 1871, berechtigt sein sollen, von ihrem Beitrage zur UnterstützungScasse jährlich7Mark 5 0Pf g. zu kürzen; wogegen eintretenden Falls ihren Wittwen jährlich 75 Mark an der ihnen zukommenden Unterstützungsportion abgezogen «erden sollen, in Rücksicht auf die ihnen aus der Provinzial Lehrer-Wittwen-Caffe zukommende Pension von wenigstens 150 Mark. Es ist daher auch den Elementarlehrern der Beitritt zu der Casse wesentlich erleichtert und jkann demnach wiederholt allen Berechtigten der Beitritt nur empfohlen werden. X. Hannover, 38. Novbr. (Or.-Corr.) Dem Bankier Adolf M o l i n g, langjährigem Mitglied unserer Gemeindevertretung, ist jüngsthin vom Herzoge von Coburg-Gotha daS Ritterkreuz erster Claffe des Ernestinischen Hausordens verliehen worden. Herr Oberlehrer vr. Prager hat auf vielfaches Ansuchen aus Mitte der Gemeinde sich entschloffen, einen CycluS von acht Vorträgen über die culturgeschichtliche Bedeutung des Judenthums zu halten, von denen der erste bereits stattgefunden hat und bei der zahlreich erschienenen, auch von christlichen Mitbürgern besuchten Zuhörerschaft vielen und wohlverdienten Beifall fand. In der auf Einladung des Reichskanzleramts in Berlin versammelten Enqußtecommiffion für Baumwollen- und Leinen- Industrie, welche in der Zeit vom 14.—18. d. M. dort tagte, befand sich aus unserer Gemeinde unter den aus 21 eingeladenen Sachverständigen für die westlichen preußischen Provinzen und das Großherzogthum der auch unserem Repräsentanten-Collegium als sehr eifriges Mitglied angehörige Chef des in kaufmännischen Kreisen weit bekannten und angesehenen Hauses Simon, May u. Co. 1. Frankfurt a. M., 27. Novbr. (Or.-Corr.) Als erfreulichen Beweis, daß die „Achawa", der Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Lehrer, Lehrer-Wittwen und-Waisen in Deutschland, immer mehr die verdiente Anerkennung auch in weiteren Kreisen findet, dürfen wir den Umstand anführen, daß derselben von einer auswärtigen Familie ein Legat von dreitausend Mark bestimmt wurde. — Nicht oft genug können wir auf die Bestrebungen dieses segensooll wirkenden Vereins aufmerksam machen, der alljährlich seinen nothleidenden Mitgliedern, sowie den Wittwen unv Waisen verstorbener Mitglieder die wohlwollendste Fürsorge durch sichere und nicht unbedeutende Pensionen gewährt. Hiervon wird die am Schluffe dieses Jahres statlfindende Vertheilung wieder Zeugniß geben, von welcher wir demnächst Msttheilung machen werden. — An die israelitischen Lehrer und Rabbiner unseres Vaterlandes richten wir darum wiederholt die dringende Aufforderung, sich diesem bewährten Verein als active Mitglieder anzuschließen, der ihnen in Tagen der Noth oder im

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