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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1878-11-20 · N° 47. (20.11.1878) · p. Seite 370

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
9 (1878)
Issue
N° 47. (20.11.1878)
Date
1878-11-20
Page
Seite 370 (sequence 4)
Language
German
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— 370 nen Mitteln. Sogar fremdländische Bühnen sind mit lobenswerthem Eifer an die schwierige Aufgabe gegangen; ja so weit hat der Enthusiasmns für dieses Werk sich gesteigert, daß es in griechischer Uebersetzung am 26 März 1842 in Konstantinopel auf die Bühne gebracht und mit einem großartigen Jubel anfgenommen worden ist. Lessing selbst hat eine Auffübrung nicht mehr erlebt. Magdeburg. Das in vor. Nr. kurz angezeigte Buch: „Handelsgeschichte der Juden des Alterthums" vom Landrabbiner Dr Herzfeld, hat die Presse verlassen und wir ermangeln nicht, an dieser Stelle die Aufmerksamkeit nicht blos der Gelehrtenwelt, sondern auch des gebildeten Handelsstandeö auf diese bedeutende Leistung des greisen Verfassers hinzulenken. Ein solches Buch fehlte unserer Literatur bislang, es füllt eine Lücke aus. Es steht ohne Vorgänger da, der Verfasser hat sich die Wege dazu selbst ebenen, tue Vorarbeiten selbst machen müssen. Und er hat dies mit immensem Fleiße gethan, dabei es wohlverstanden den splöden antiquarischen Stoff in eine populäre Form zu zwingen, den ganzen Gelehrtenapparat aber in den Beilagen und angehängten Noten unterzubringen. Wir werden selbstverständlich über dieses sehr bedeutsame Buch eine eingehende Recension in unserem „Jüd. Literaturblatt" bringen; für heute begnügen wir uns hier nur noch auf die Vortheile hinzuweisen, die durch ein solches Werk dem Gesammtjudenlhum erwachsen, und die auch der Vers, im Vorworte richtig andeutet. Aus einer quellenmäßig und völlig unparteiisch dargestellten Handelsgeschichte der Juden wird Jeder, der sehen will, auch ersehen können: 1) daß der den Juden vorgeworfene Handelsgeist ihnen von gebieterischen geschichtlichen Vorgängen aufgenöthigt worden ist, 2) wie grundlos ziemlich durchweg die Schmähungen sind, welche man auf die Art und Weise ihres Geschäftsbetriebes zu häufen nicht müde wird, und 3) endlich, daß sie — abgesehen von ihrer religiösen und ethischen Mission, sowie von den sonstigen Leistungen ihres Geistes — auf gerade durch die Ausübung, Entfaltung und Belebung, hier des großen dort des kleinen Verkehrs, sich um den Productenabsatz, um die Hebung der Industrie, um den Wohlstand und das Behagen, ja selbst um die Cultur so vieler Völker große Verdienste erworben haben. Der Vers, hat mit dem ersten Theile seines Werkes, an dem er 15 Jahre gearbeitet und der bis etwa 100 Jahre n. CH. reicht, den Grundstein gelegt, möge es ihm noch vergönnt sein, in Rüstigkeit den Bau noch ein gutes Stück weiterzuführen. —e— Berlin, 13. November. (Or.-Corr.) In allen Gemeinden ist Ruh', in den Synagogen spürest du kaum einen Hauch! Wäre ich boshaft, würde ich zu dem Göthe'schen „Hauch" das Wörtchen Torah hinzusetzen. Ich würde aber dann gegen die Wahrheit mich versündigen. Denn Berlin ist gesegnet mit Predigten und Predigern, welche sich allerdings jetzt ein wenig Ruhe gönnen dürfen nach den Festtagsarbeiten und für die Wochentagstrauungen. Jetzt ist so eigentlich die Heiraths Saison in Berlin. Zur Ehre der jüd. Gesammtbevölkerung sei es aber bei dieser Gelegenheit hervorgehoben, daß Ihrem Corresponventen kein einziger Fall bekannt ist, in welchem nicht seitens jüd. Eheleute der standesamtlichen Eheschließung die religiöse Trauung angeschlosten worden wäre. Es ist dies ein erfreulicher Beweis für das herrschende Bewußtsein, daß die Ehe in der idealen Gemeinschaft des Fühlens und Denkens wurzelt, deren Quellpunkl die Religion ist. — In diesem Punkte sowohl, als auch in dem der Wohlthätigkeit ist das jüd. Berlin mustergültig. Mag auch die Verallgemeinerung humanitärer Tendenzen über die Grenzen der Glaubensgemeinschaft hinaus das Ziel sein, welchem das Judenthum der Zukunft zusteuern müsse: so wird man doch niemals die Berechtigung confessioneller Wohlthätigkeits-Jnstitute in Zweifel ziehen wollen. Es könnte höchstens die Frage aufgeworfen werden, ob diese letzteren abhängig oder unabhängig von der Gemeinde-Verwaltung bester gedeihen und blühen, die Gemeinde Berlins hat aber glücklicher Weise Institutionen beider Kategorien, welchen in gleicher Weise segensreiches Wirken zuerkannt werden muß. Ich erwähne beispielsweise die beiden Waisenhäuser (das Auerbach'sche und Reichenhelm'sche) von denen das erstere r selbstständig verwaltet wird, das letztere unter Obhut der Gemeinde steht. Von Gemeinde-Institutionen seien ferner rühmend erwähnt: das Krankenhaus und das ElternoeriorgungSf Haus. Mehrfach angeregt wurde bereits die Gründung emeS Siechenhauses, und Bedürfniß bleibt eine Taubstummenanstalt für jüd. Kuider. In dem naheliegenden Fürstenwalde wuroe ich auf ein dort bestehendes jüd. Taudstnmmeninstltut aufmerksam gemacht, welches sich unter vortrefflicher Leitung befindet und mit wachsenden Geldmitteln auch ut seinen edlen Zwecken wachsen könnte. — Indem ich aber die Aufmerksamkeit den Wohlihätern dieser Anstalt zukehce, bemerke ich zugleich, daß die unter Leitung Deutsch's in Wien bestehende Muster-Anstalt für isr. Taubstummen ursprünglich nicht in i Wien, sondern in der Nähe der Donau-Weltstadt sich befand. Möchte daher auch die Spree-Wellstadt ihr mildes Muiterauge auf das in ihrer Nähe begründete Taubstummeninitltut * hinlenken. — Wünsche ich aber, „daß die Tauben hören", so ß wünsche ich auch, daß „die Blinden sehen" und enipfehle ich f das von Dr. August Frankl in Wien begründete großartige § isr. Blindeninstitut der Beachtung und Nacheiferung edler I Menschenfreunde in Deutschland. j. Frankfurt a M., 12. Noo. (Or Eocr.) Auf Veranlastung des Herrn Radbiners Dr. Horowitz fand gestern Nachviittag in der zweiten Gemelnoe>yNigoge ein Trauergollesdienst für den verstorbenen Würzburger Rabbiner Bamberger s. A. statt. Rabbiner H. hielt die Trauerrede, in der er in beredten Worten hervorhob, was das Judenlhum an ihm hatte. Treu und wahr schilderte er den s. Verblichenen in seiner Thätigkeit als Menschen, Juden und Gelehrten, und wendete dabei pustende Stellen aus Midrasch und Talmud mit sehr treffenden Erläuterungen auf ihn an. Mit feinem Takt streifte er in seiner ersten Avtheilung nur sehr zart das Eingreifen des sei. Bamberger in die Hl'.sch'sche Streitsache. Für den sehr gemischten Zuhörerkreis war jedoch seine geschichtliche Darstellung der verschiedenen Phasen des Talmudstudiums, um daran eine Glorifikation der Bambergerschen Schriften anzuschließen, vielleicht nicht so ganz am Platze. Können wir es auch dem Seligen als Verdienst anrechnen, daß er es nicht verschmäht hat, seine große talmudische Gelehrsamkeit auf erne gemeinfaßliche Weise für die religiöse Praxis zu verwerlhen, so gebühren smche Schriften — woran übrigens das Judenthum keinen Mangel hat — denn doch nicht als ein „ewig bleibendes Denkmal seiner Wirksamkeit für das Judenthum" zu gelten.*) Die Synagoge war überfüllt von Mitgliedern aus allen Klaffen unserer Gemeinde, weniger aus Veranlastuug des Akts, als um sich von der Rednergabe des Rabbiners zu überzeugen, besten kräftiges Organ und blühende Sprache in seiner Antritts- und den Festlagspredigten gerühmt wurden, was nun auch allseitig Bestätigung gefunden. 8. 8p.**) Solingen, 12. Nov. (Or.-Corr.) Herr Dr. Schleiden hat in seiner Romantik u. s. w. am Euoe der Anmerk, von Seite 45 in seinem Eifer für die gute Sache Gregorovius, den gelehrten Verfaffer der „Geschichte der Stadl Rom im Mittelalter", meiner Meinung nach doch zu hart beurlyetlt. Gregorovius sagt allerdings in seinen Figuren ans Italien: „ich zweifle übrigens nicht daran, baß noch heule Judenweiver in Rom solche Zauberkünste und Lievesiränke heimlich in die Häuser tragen." Erwägt man die häufig flüchtige Manier der Touristen, so darf man eben keinen allzugroßen Weilh auf das Wort legen, um so weniger, da Gregorovius gar nicht von judenfeinollcher Gesinnung durchdrungen ist. Clliren wir zum Beleg einige Stellen aus dem genannten Werk: „Marlln's V. Eolonna Leibarzt war Elias aus dem Ghetto Roms Und bis ins 16. Jahrhundert finden sich jüd. Leld- ■ ) Dergleichen Hyperbeln sind doch wohl auf Rechnung des *7Scn zu setzen. Stel).) Ihre briefliche Bemerkung bezüglich des noareu est omen — auch in Anwendung auf Rohling — ist ganz richtig. (Red.)

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