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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1878-11-13 · N° 46. (13.11.1878) · p. Seite 360

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
9 (1878)
Issue
N° 46. (13.11.1878)
Date
1878-11-13
Page
Seite 360 (sequence 6)
Language
German
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-- 360 — Da wir mit den über synagogale Reform entwikelten Ansichten fast durchweg übereinstimmen, so gestatten wir uns nur die eine Bemerkung: Das kurze Gebet, soweit es in der Bibel vorkommt (Moses, Channa, David, Chiskia, Jeremia) ist Privatgebet, das längere des Salomo dagegen Ge me in begebet. Kurzes, willkürliches, durch keine Vorschrift im Gebühren und in Geberden gehemmtes Einzelgebet wird sicherer Andacht erwecken — das Gemeindegebet aber muß nolhgedrungen in erster Reihe mit Anstand vollzogen werden, wenn auch die Andacht, die rechte Inbrunst darunter leidet. Eben der Lärm in der „Judenschule" war eine Reaktion des Gefühles gegen die den Anstand fördernden, die Andacht niederdrückenden minutiösen, ceremoniellen Anordnungen. Hier ist die Reform eine Rückkehr auf den conservativen Boden der gesetzlichen Vorschriften. Wenn auch im Einzelnen abweichender Meinung,! wenn auch hie und da zur Opposition gedrängt, wissen mir doch im Großen und Ganzen, in den Standpunkten und den Zielen uns ganz in Uebereinstimmung und wünschten durch unsere Ausstellungen nur den verehrten Herrn Landrabbiner zu erneueter Prüfung der bezeichneten Punkte anzuregen, da wir ihm gegenüber uns vollbewußl sind der Wahrheit des Wortes: fTTilD anjtt pm pa D'JpT mviDtP „Das Zerstören der Alten ist ein Aufbauen, das Bauen der Jüngern Zerstören!" Vom Deutsch-Israelit. Gemeindebunde. Der Ausschuß des D.-J. Gemeindebundes hat, wie wir in vor. Rr. kurz anzeigten, zwei wichtige Angelegenheiten in Angriff genommen, und die Art und Weise, wie er sie zu behandeln sich anschickt, zeigt, daß er gesonnen ist, sie einer gründlichen Erledigung entgegenzuführen. Der eine Gegenstand betrifftdieBeschaffungvonLehrkräften für die kleinen Gemeinden. Der Ausschuß wendet sich dieferhalb Behufs Einholung genauer Information an feine Delegirten mit ganz bestimmten Fragen, denen er folgende Darlegung voranschickt: „Eine gebieterische Pflicht tritt gegenwärtig an die deutsche Judenheit heran. Schon seit langer Zeit mußte die Thalsache, daß in einem großen Theile unserer Landgemeinden der Religionsunterricht inimer mehr verschwindet, den glaubenstreuen Beobachter mit ernster Besorgniß erfüllen. Die Zeitverhältniffe haben es mit sich gebracht, daß viele unserer früheren, gut situirten Mittelgemeinden, welche einen Religionslehrer ohne besondere Anstrengung besolden konnten, zu armen Kleingemeinden herabgesunken sind. Der Concentrationstrieb der Gegenwart, das Drängen der Landbewohner nach größeren Mittelpunkten, hat diese Gemeinden nicht blos numerisch geschwächt, sondern rhnen vielfach gerade die wohlhabenderen, steuerfähigsten Mitglieder entzogen. Viele unserer Kleingemeinden sind daher jetzt nur mit äußerster Opferbereitschaft, viele überhaupt nicht im Stande, einen Religionslehrer mit selbst nur mäßigen Ansprüchen zu erhalten. Dazu kommt, daß in Folge der neueren Gestaltungen des Schulunterrichts die früheren israelitischen Lehranstalten, in welchem nicht blos Religionslehre und hebräische Sprache, sondern auch alle Elementarfächer einer Volksschule gelehrt wurden, meist in Wegfall gekommen sind. Die Kinder jüdischen Glaubens nehmen allgemein an dem öffentlichen Volksschulunterrichte Theil; nur der Unterricht im Hebräischen bleibt dem Religionslehrer Vorbehalten. In Folge dieser Beschränkung feines Unterrichtsgebiets kann er häufig nur durch Nebenämter wie Schechitah, Vorsängerdienst rc., sich ein angemessenes Einkommen sichern, wozu aber Kleingemeinden wiederum wenig Aussicht bieten können. Dieser Mangel an Leistungsfähigkeit der Kleingemeinden hat in vielen Orten bewirkt, daß, wenn überhaupt noch Religionsunterricht ertheilt wird, den Unterrichtenden oft mehr oder weniger die Qualification als Lehrer abgeht, und in Folge der Inferiorität der Religionrlehrers gegenüber seinen christlichen College» der Unterricht in den Augen der Schülers an Werth verliert. Anderseits hat diese geringe Leistungsfähigkeit zahlreicher Kleingemeinden und das Zurückgehen der Nachfrage nach guten Lehrkräften dem bedauerlichen Uebelstande Vorschub geleistet, daß die Zahl der jungen Leute, welche sich dem Relugionslehrerberufe widmen, immer mehr im Abnehmen begriffen ist, und daß gute Lehrkräfte nur noch in größeren Städten Anstellung finden wollen. So sehen wir leider, daß die Religionslehre immer mehr in den Hintergrund gedrängt wird, daß viele unserer jungen Glaubensgenossen ganz ohne Religionsunterricht aufwachsen, und ihnen jene Geist und Herz veredelnde, Moral und Pietät erzeugende Bildung versagt bleibt, die nur. durch eine echt religiöse Erziehung erlangt wird. Der Ausschuß des Deutsch-Israel. Gemeindebundes ist von verschiedenen Seiten fast gleichzeitig angegangen worden, in dieser hochwichtigen Angelegenheit etwas zu thun, und sind ihm auch schätzenswert he Vorschläge in dieser Beziehung gemacht worden. Insbesondere hat die Idee, eine Besserung durch Anstellung von Bezirks-Lehrern, welche den Religionsunterricht in mehreren einander nahe liegenden Gemeinden erlheilen sollen, um so mehr Anklang bei ihm gefunden, als diese Frage schon häufig von einzelnen Milgliedern des Ausschusses discutirt wurde. Die Vereinigling mehrerer Gemeinden zu einem gemeinsamen Religionsunterrichtsbezirke, in der Weise, daß der Lehrer einer im Mittelpunkte gelegenen größeren Gemeinde oder ein eigens neu anzustellender Districislehrer in den umliegenden Kleingemeinden wöchentlich ein- oder zweimal Religionsunterricht ertheilt, würde schon ein sehr wesentlicher Fortschritt zur Befferung sein. Gleichzeitig würde den Lehrern von Mittelgemeinden, die nur bescheidenen Gehalt haben, durch die Errichtung solcher Filialen, wie sie ja bereits bei einzelnen Lehrstellen bestehen, eine wesentliche Erhöhung ihres Einkommens geboten, so daß diese Mittelgemeinden wiederum größere Anforderungen an ihre Religionslehrer zu stellen berechtigt wären. Die durch beiliegenden Fragebogen unter gefälliger Mitwirkung unserer Herren Delegirten zu veranstaltende Enquete, hat nun zunächst den Zweck, für den Ausschuß Material zu sammeln, um ihn später im Verein mit denielben zu einem gemeinsamen Vorgehen in dieser Angelegenheit zu veranlaffen. Wir bitten Sie daher, nach Einholung genauer Information, diesen Fragebogen auszufüllen und uns wieder zukommen zu lassen und werden Ihnen sehr dankbar fein, wenn Sie auch außerhalb des Rahmens dieser Fragen Ihre Erfahrungen, Ansichten und Vorschläge in Bezug auf diesen wichtigen Gegenstand uns mittheilen wollten. Leipzig, im Oktober 1878. Der Ausschuß des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes Jacob Nachod." (Fortsetzung folgt.) Berichte und Correipoudenzen. Deutschland. Magdeburg. Ueber das höhere Schulwesen in Preußen bringt das „Centralblatt für die gesaminte Uaterrichtsoerwaltung in Preußen" einige interessante Daten. Danach belief sich im Wintersemester 1877/78 die Zahl der Gymnasiasten auf den 245 preußischen Gymnasien auf 70,343. die der Vorschüler 11,022 (davon 2399 wie vor). Von den Schülern der Gymnasien waren 48,675 Evangelische, 14,309 Katholiken, 6 Dissidenten und 7353Juden-- 10,4°/«, von den Schülern der Vorschulen waren 8696 Evangelische, 899 Katholiken, 1 Dissident und 142 6 Juden — ca. 13°/,. Die 34 preußischen Progymnasien zählten im Wintersemester 1877/78 3087 Schüler, und zwar 1781 Evangelischen, 1571 Katholiken, I Dissidenten und 3 28 Juden — annährend 8°/,. Die Vorschulen wurden von 416 Schülern besucht, und zwar 273 Evangelischen, 84 Katholiken und 59 Juden -- 14°/..

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