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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1878-11-13 · N° 46. (13.11.1878) · p. Seite 363

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
9 (1878)
Issue
N° 46. (13.11.1878)
Date
1878-11-13
Page
Seite 363 (sequence 5)
Language
German
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— 363 — liger Leitung könnte er auch wohlthätig zur Abstellung der in Nr. 44 gerügten Mißstände in Jerusalem Mitwirken. Herr Dr. Kisch in Zürich schreibt mir, daß vom 1. Nov. in Kommetau ein von ihm redigirtes jüdisches Blatt halbmonatlich erscheinen wird. (Probenummer ist bereits erschienen. Red.) In Böhmen erscheint außerdem noch der „jüd. Lehrerbote" als Organ des jüdischen Lebrervereins in Böhmen. Die Kritik über den jüdischen Gemeindetag in Galizien in Nr. 44 war ein wenig zu streng, es ist schon das von großer Wichtigkeit, daß eine Vereinigung zur Abstellung der Mißstände zu Stande gebracht wird, es wird freilich harte Arbeit kosten und lange Zeit bedürfen, diese Mißstände zu beheben, aber ein Anfang muß doch gemacht werden. (Ja, aber dann fängt man doch nicht mit dem Giebel an, sondern mit der Grundsteinlegung. Red.) Frankreich. Paris. Politische Blätter haben viel Aufhebens von folgendem Vorfall gemacht: Herr Ostris Jffla, ein Mitglied der portugiesischen Gemeinde, hat eine sehr bedeutende Summe, 300,000 Frcs. zur Erbauung der neuen Synagoge für den portugiesischen Ritus (in der Rue Bouffault) gespendet, er hat aber nicht, wie die Blätter angeben, die ganze Synagoge auf seine Kosten bauen lassen, da diese über eine Million gekostet hat. Auf seine Veranlassung sind an der Wand Marnrortafeln angebracht, auf denen die Namen berühmter Männer jüdischen Ursprungs, wohl nach eigener Auswahl des Herrn Jffla, eingegraben sind. Man liest da u. a. die Namen Spinoza, Heine, Meyerbeer u. s. w. Dies ist, wie es scheint, stillschweigend geduldet worden, obgleich es weder jüdischem Herkommen entspricht, noch sonst dem Orte angemessen ist. Weiter verlangte aber Herr Jffla auch, daß an der Hauptwand eine Tafel mit dem Namen seiner verstorbenen Frau, einer Katholikin, angebracht werde. Dagegen erhob das Consistorium Einsprache. Natürlich schreien die Blätter (wie wir hören auch ein Berliner Börsenblatt) über Intoleranz; als ob eine Synagoge ein Pantheon wäre, in dem man beliebig die Namen berühmter Männer zu verherrlichen hätte. Da könnte natürlich Jemand verlangen daß man die Namen Jesus und Muhamed, Zoroaster und Eonfuzius, Luther und dann, meinetwegen auch Lasalle anbringen! Paris. Ein katholischer Priester, Abbe Bauet hat eine „Studie über die jüdische Schule zu Lunel im Mittelalter" veröffentlicht. Er ertheilt darin den französischen Juden im zwölften Jahrhundert große Lobsprüche. Er sagt u. a.: „Man kann die Dienste, welche sie der Philosophie, der Kritik der heiligen Schriften, der Grammatik, der Astronomie und der Medicin geleistet haben, nicht verkennen. In allen diesen Beziehungen hat die jüdische Nation an den Fortschritten der Civilisation Theil genommen. Es ist kein Zweifel, daß die philologischen Arbeiten der Rabbinen sehr nützlich gewesen sind, besonders den Christen, welche aus den rabbinischen Schriften das Gute und Werthvolle entnehmen. Die jüdischen Akademien in Spanien und Italien haben mit Recht sich Berühmtheit erworben; aus ihrem Schooße gingen wahre Gelehrte hervor, welche an vielen Orten den Geschmack an der Gelehrsamkeit verbreiteten." (Univ. Jsr.) Rußland. Warschau. Die neue Synagoge verfehlt nicht, in den gebildeteren oder vornehmeren, auch bisher wohl indifferenteren Theil der Gemeinde neues Leben zu bringen. Dies kommt auch den Wohlthätigkeitsanstalten durch Spenden beim Aufrufen sehr zu Gute. Besonders bemerkenswerth ist, daß Herr Braun st ein auch 500 Rubel zur Gründung eines Rabdinerseminars in Warschau gespendet hat. Dies hat nicht nur Aufsehen erregt, sondern man darf auch hoffen, daß weitere Schritte in der Sache folgen werden, denn man erkennt, daß die Zeit nicht mehr fern ist, in der wenigstens die größeren Gemeinden wohlunterrichtete und allgemein gebildete Rabbiner werden anstellen muffen. (Hamelitz) — AuS vielen Orten in Rußland und Polen wirb üoer Festlichkeiten berichtet, welche den aus der Türkei zurückkehrenden Truppen bereitet woroen sind, und an denen Die jüdischen Einwohner sowohl wie die jilorschen Zolvaten Tgeil genommen haben. Als bemerkenswerth heben wrr aus dreien sonst wesentlich gleichlautenden Berichten folgenden hervor. Am Rosch Haschono kehrten die Truppen nach Bielsk zurück. Die im Regiments bienenden Jaden hallen eine Sefer Thora mitgenommen und währeno des Feldzuges mit >ich geführt. Diese wurde dann am Freitage darauf feierlich wie »er in die Synagoge gebracht. Die Offiziere betherligten lich r,n Z age, und der Oberst Czachmemelof trug die Thorarolle inneraalb der Synagoge bis an die heilige Lade — An allen Orlen rühmen die Offiziere die Tapferkeit uno gute Führung ihrer jüdischen Soldaten. (Hazeftrah.) Vermischte und neueste Nachrichten. Wg. Magdeburg, 7. Noo. (Or.-Corr.) In den Tageszeitungen machte in dreier Woche ein Druckfehler, der gelegentlich der Verlobung des Fräulein Maggy o.. Rothschild, Tochter des Barons Mayer Anielm v. R. mit oem Herzoge von Guiche, einem Sohn des früheren Ministers Grammonr, unseligen Andenkens.... einem voreiligen Reporter mrt uiuergelaufen war, viel von sich reden, und gab, wie das bei solchen Gelegenheiten selbstverständlich ist, zu allerlei pikanten Restexionen auf Juden und Juoenthum eine gern geseheire Veranlassung. Jener Reporter, der woyl nur mit Haldem Oore hingehorcht, hatte den Verlobten als Herzog v Gurse (Sohn des Herzogs v. Aumale) rn die Well ymausposaunt un> >o war bei unfern Zeitungsschreibern die Vecorndung der Rothschilds mit dem Hauie der Orleans natürlich eur EcelgNiß von weittragender Bedeutung, bis der Jrrtyum sich denn herausstellte. — UnS, vom Standpunkt des JaoenthuiiiS aus, ist, wie wir das auch au einer anderen Stelle dieses Bl. ausgesprochen, das Eure so gleichgültig als das Andere, und sellst, daß die Braut, wie jetzt gleichfalls berichtet wird, nicht zur katholischen Kirche übertrete, da nach dem Civilehegesetze dieses unnöthig sei und andererseits der Stolz des allen Mayer v. R. es nicht zugelaffen hätte, uns kein Aequioalent für all die Gehässigkeit, die gelegentlich der Verlobung dieser „M'llionenbraut" auf Juden und Judenthum ausgeichültet woroen ist. Berlin. „Jew. Chron." schreibt: „Alle Besucher der Pariser Ausstellung, welche die kleine Deutsche Gemäldesammlung, die, unbeschadet ihres geringen Umfang», unbedenklich als die Perle der Kunstadtheilung bezeichnet wcroen kann, gesehen haben, werden zwei Gemäide von Knaus vemcrkl haben. „Ein alter Jude unterrichtet einen Knaben t» den Geheimnissen des Geschäfts" und das Pendant dazu: „des Knaben erster Profit." Nicht nur der Kenner, sondern auch das große Publikum fühlt sich von diesen zwei Gemälden angezogen. Es ist interessant zu erfahren, wer zu diesen beiden Bildern als Modell gedient hat. Der schöne ausdrucksvolle Kopf des alten Juden, den Knaus so meisterhaft gemalt yal, ist der des Herrn St., früher Fellhändler, jetzt Bäcker in oer Papenstraße zu Berlin, der die meisten seiner jüdischen Mitbürger mit Savbalhbrod (Barches) ve'ieyt, die Aehnlichkeit ist augenfällig " Berlin, den 26. Oct. Dem Vorstande der Baruch Auerbach'schen Erziehungsanstalten »st auf ein an den Kronprinzen gerichtetes Glückwunschschreiben nachstehende Antwort zugegangen: Ich habe gern und mit aufrichtigem Dante die freundliche Zuschrift empfangen, in welcher der Vorstand mich zu meinem Geburtstage beglückwünscht hat. Den unier der bewährten Leitung des Vorstandes stehenden Anstalten werde ich auch ferner meine volle Theilnahme bewahren. Neue- Palais bei PolSdam, den 22. Oci. 1878. Frredrich Wilhelm, Kronprinz.

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