Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 9 (1878)
- Issue
- N° 46. (13.11.1878)
- Date
- 1878-11-13
- Page
- Seite 365 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 365 — dieselbe wird sowohl in Mosul, wo die Ruinen Ninives, der einstigen Residenz der Assyrischen Könige, als auch in Hilleh, in dessen Nähe wieder die Ruinen Babyions liegen, ihre Stationen haben. Dabei denkt man jetzt schon in Konstantinopel daran, öie Euphrat-Bahn später mit den Egyplischen Bahnen duich eine besondere Bahn zu verbinden, ein Ereigniß, das der Piophet Jesaias schon vor dreitausend Jahren in Aussicht gestellt hat Denn bet diesem Propheten, Cap. 19, Bers 23, heißt es wörtlich: „An diesem Tage wird eine Bahn von Egypien nach Assyrien fuhren, worauf Assyrien nach Egypien and Egypten wieder nach Assyrien kommen wird und die Egypler werden dann den Assyriern dienen." Feuilleton. Vom Iudenthum in der Musik. Von Max Weinberg. Ob Herr Wilhelm Richard Wagner nicht bald einmal wieder einen Nothschrei ausstoßen und ein neues „Judenthum in der Musik" von Stapel lassen wird? Es sieht augenblicklich in dieser Beziehung wuksich bedenklich für ihn aus auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Wie wir nämlich aus den Theaier- und Kunstnachnchten der Magdb. Zig. vom 31. v. Mts. ersehen, wird;m Königl. Hoftheater in Hannover zum 20. d. Mts. die Aufführung der „Sieben Todsünden" von Adalbert Goldschmidt (Text von Robert Hammerling) vorbereitet. Hier in unserm Magdeburger Sladttheacer wurde am 31. selbst Halevy's „Jüdin" gegeben und wird Brüll's „Goldenes Kreuz" vorbereitet. Das Straß« burger Stadtlheater brachte am Freitag voriger Woche als Novität „Tristan und Isolde," romantische Tragödie in 5 Acien, nicht von Richard Wagner, sondern von Joies Weilen, deren schwungvolle, poetische Sprache von der Straßburger Kritik seyr gerühmt wird, wenngleich das Stück anderer Mängel wegen nur einen Achtungserfolg erzielte. In Berlin wurde Mendelsohn's „Elias" am verflossenen M'ttwoch von der Kömgl. Hochschule für ausübende Kunst unter I o a ch l m' s Leitung in glanzvollster Weise ausgefuhrt und bewährte von Neuem seine unvergängliche Herrlichlrchkeit. J»l dortigen Königl. Schau s vielhause gab mau an demselben Tage als Novität Bert hold Auerbach's Einakter „Eine seltene Frau". — Bon Paris meldet man, daß demnächst die tausendste Vorstellung von Jaques Offenbach's „Orpheus in der Unterwelt" bevorstehe, daß eine große Theaterfeierlichkeit an diesem Abend veranstaltet, Maestro Jaques Offenbach die Aufführung vom Dirigentenpult aus letten und nach der Vorstellung ein Souper, das die Künstler um den Maestro und seine Freunde vereinigt, staliftnden werde. Wie es aber gar in England uussieht. wo Arthur Sullian's komische Oper „Her Majesty’s Ship Pinafore" in der Opera Comique vem London aüabenc ltch ein volles Haus macht, darüber wird dem „Pester Lloyd" unter anderem Folgendes berichtet: „Arthur Sullran ist ohne Zweifel der populärste Komponist in England und eine der charakteristischsten Erscheinungen des englischen Musiklebens. Die „Bnllads," der fpec>fisch englische „song“ leben eigentlich nur von Sullian's Gnaden. „Sullian's new bailad" gehört zu den unerläßlichen Artikeln in einem englischen Parlour. Die Promenaden-Konzerte sind seine Schöpfung und werden von thm in musterhafter Welse geleitet. Arthur Sullian ist ein noch junger Mann von schlanker, beweglicher Gestalt und lebhaften ausdrucksvollen Gesichtszügen, die den Charakter der semitischen Race nicht verleugnen. Ich würde es nicht für nölhig befunden haben, dieses Umstandes, der nur lonst sehr gleichgültig scheint, besonders Erwähnung zu lhun, wenn sich diese eigenthümliche Erscheinung nicht noch bei zwei anderen, und zwar den bedeutendsten Musikern Englands wiederholte: bei Srr Michael Costa und Sir Julms Benedict, von denen der Erstere spantscher Abkunft, aus derselben Familie, der letztere bekanntlich Deutscher von Geburt ,st. Ich begnüge mich damit, diese gewiß nicht uninteressante Thatsache einfach anzuführen. Mag ein Anderer, irgend ein spekulativ angelegter Kopf daraus scharfsinnige Konsequenzen ziehen über den Zusammenhang des Judenthums mit dem nationalen Charakter der englischen Musik. Herrn Richard Wagner, der soeben in einer vernewerten Judenhetze in den „Bayreuther Blättern" engagirt ist, erlaube ich mir hiemit, diese, von ihm bisher noch nicht gewürdigte Erscheinung zur baldigen Benutzung vertrauensvoll zu empfehlen." Ist das nicht wirklich eine böse Zeit für Herrn Wagner, der nach den „Bayreuther Blätterit" eben die Absicht hatte, einen „Jesus von Nazareth" zu componiren und wie jetzt der neueste „Ulk" satyrisch bemerkt, an diesem Plane wohl nur deshalb keinen Gefallen gefunden habe, weil Jesus — ein geborener Jude war? Doch genug des Scherzes. Wozu wir überhaupt diese Excerpte hierhergestellk, da wohl in jeder Woche eine ähnliche Blumenlese über den Antheil jüdischer Köpfe an der gemeinsamen Geistesarbeit des deutschen Volkes auf fast allen Gebieten des Wissens und der Kunst mit leichter Mühe sich zusammenstellen ließe? Wir wollen es den Lesern dies. Bl. sagen. Mancherlei höchst unerfreulicher Symptome in den verschiedensten Zeitungen und Journalen geben uns die Veranlassung dazu. — Niemand, mit Ausnahme natürlich des Herrn Richard Wagner, wird leugnen, daß alle obengen. Namen als Sterne am Himmel deutschen Ruhmes glänzen und dem Valerlande zum Stolz und zur Ehre gereichen. Wer aber hätte jemals von nichijüdischer Seite ein Lob oder ein Wort der Anerkennung darüber gelesen? Wohl! wir verzichten darauf. Warum aber wieder das laute Hep-Hepschreien in allen Ecken und Winkeln unseres Vaterlandes? Ist es nicht, als ob ein großer Theil unserer Tagespresse es als ihre specielle Lebensaufgabe betrachtete, diese allen Klänge und ihre Folgen zu neuem Leben zu erwecken? Wenn Baron von Hirsch stirbt und nicht dem letzten Zeitungsschreiber eine Million vermacht hat, wenn Fräulein v. Rothschild irgend einen uns und dem ganzen Judenthum völlig gleichgültigen Aristokraten heiralhet, der zufällig dem hohen Adel angehört und vorläuftg kein werteres eigenes Verdienst hat, als einmal als Ahne den Stammbaum seiner Nachkommen zu vergrößern, wenn der russische Frnanzminister bei Bleichröder vorsährt und Finanzpläne bespricht, wenn Sacher Masoch Juden-Geschichten schreibt, in denen nicht jeder Jude ein Wucherer ist, wenn Lasker in der Sociallftengesetz-Commission eine hervorragende Thätigkeit entfaltet, — ach, wir könnten dieses Verzeichniß noch recht sehr verlängern — sofort sind die gehässigsten judenseindlichsten Bemerkungen darüber in den verschiedensten Zeitungen und Journalen zu lesen, und deshalb lhut es Noth, von Zeit zu Zeit einmal an die ehrliche, frucht- und segenbringende Mitarbeiterschaft unseres Stammes am Culturleben des deutschen Volkes zu erinnern. Aus Grillpazer's Nachlaß veröffentlicht die „Deutsche Ztg." in Wien folgendes Epigramm auf Saphir: „Der Teufel wollte einen Mörder schaffen Und nahm dazu den Stoff von manchem Thiere; Wolf, Fuchs und Schakal gaben her das Ihre. Nur Eins vergaß der Ehrenmann: den Muth. Da drückt er ihm die Nase ein vor Wulh Und rief: Lump, werd' ein Jud' und recensire! . ." Saphir wurde aber bekanntlich Christ; seine — also nicht-jüdische — Bosheit hat sich so ziemlich an allen Zeitgenossen versündigt, die es wagten, Bühnenstücke zu schreiben. Die vorstehenden Verse, aus denen des gutmüthigen und bescheidenen Grillparzer's ganze Entrüstung hervorscheint, hat derselbe, so viel wir wissen, nicht veröffenticht. Falsche Rücksichten, welche viele Personen ihrer Stellung oder auch ihren Angehörigen schuldig zu sein glauben, halten zahlreiche Geheilte davon ab, die Veröffentlichung ihrer Dankschreiben über die erfolgte Genesung zu gestatten. Dessenungeachtet enthält die neueste 109. Auflage von „0r. Airy's Naturheilmethode" eine große Anzahl anerkennender Briefe aus allen Gesellschaftsschichten. Das reichillustrirte, lehrreiche Buch ist durch Richter'- Verlag's-Anstalt in Leipzig franco zu beziehen. Preis 1 Mk. 20 Pf.