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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1878-11-13 · N° 46. (13.11.1878) · p. Seite 364

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
9 (1878)
Issue
N° 46. (13.11.1878)
Date
1878-11-13
Page
Seite 364 (sequence 2)
Language
German
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— 364 M '■. j il t , Berlin, 2. Nov. Wegen Beleidigung des Bürgermeisters Matz in Alt-Landsberg, welche in einem „Eingesandt" in der Oberbarnimer Zeitung gefunden wurde, hatte sich gestern der Direktor Riese aus Rummelsburg vor der 7. Criminaldeputation des Stadtgerichts zu verantworten. Dies „Eingesandt" behauptete nämlich, daß der Bürgermeister bei der letzten Reichstagswahl zwei Flugblattvertheiler für die Wahl des Dr. Mendel zu sich geladen und sie gefragt habe: „ob sie denn wirklich glaubten, daß sie der Jude glücklich machen werde". Da der Bürgermester Matz im Audienztermine zugeben mußte, eine ähnliche Aeußerung gethan zu haben, so erkannte der Gerichtshof auf Freisprechung. Die in Königsberg erscheinende „Ostpreußische Zeitung" kann sich nicht darüber beruhigen, daß laut Beschluß der Stadtverordneten die Büste Johann Jacobys im Berathungssaale derselben aufgestellt werden soll. Die genannte Zeitung spricht die Erwartung aus, daß die Aufsichtsbehörde nach § 77 der Städteordnung wohl die nöthigen Schritte zur Correktur des Geschehenen thun werde. Die „Kreuz-Zeitung" machte diese Ausführungen zu ihren eigenen. Wir hoffen, daß man dem im Leben und im Tode viel angefeindeteten Manne jetzt wenigstens die geringe Ehre nicht mißgönnen wird, die ihm seine Mitbürger erwiesen haben. Leipzig, 5. Rov. Das evangelische Landesconsistorium hat vor Kurzem auf Grund eingeholter Berichte Mittheilungen über die im Jahre 1877 vorgekommenen Confessionswechsel in Sachsen veröffentlicht, wonach aus der evangelischen Kirche 23 zur katholischen, 33 zur deutsch-katholischen, 1 zum Jude nt hum, 406 zu den Dissidenten übergetreten, dagegen in die lutherische Kirche 23 Katholiken, 3 Deutsch-Katholiken, 6 Juden und 17 Dissidenten eingetreten sind. Dresden. Der bekannte socialdemokratische Reichstagsabgeorduete Kayser ist vor einigen Tagen nach Abbüßung einer sechsmonatlichen Haft aus dem hiesigen Gefängnisse entlassen, jedoch noch an demselben Tage von der Polizeidirektion ausgewiesea worden. Aus Würzburg wird der „Jüd. Pr." geschrieben, daß die Kreisregierung angeordnet habe, die durch den Tod des Rabbiners Bamberger s. A. vacant gewordene Bezirksrabbiner- Stelle in 8 Wochen wieder deftnitiv besetzt sein müsse, andernfalls würde die Staatsregierung einen Rabbiner von Amts wegen ernennen. (?!) Mit der Leitung der Wahl wird der Stadtmagistrat beauftragt. Dieser soll die Stelle ausschreiben, die Gesuche sammeln und letztere zwei Tage vor der Wahl, sowie während der Wahlhandlung zur Einsicht der Wähler verfügbar stellen. Diese Verordnung ist ganz eigenthüu lich; der Gemeindevorstand ist wegen der Kürze des Termins vorstellig geworden. — In einer vom Vorstande berufenen Generalversammlung hat die Majorität der Mitglieder dieFrige, ob sich die Gemeinde Würzburg von den 28 Bezirksgemeinden trennen und einen Rabbiner für sich allein anstellen wolle, mü Majorität verneint. Braunschweig. Vom Landrabbiner Dr. Herzfeld erscheint demnächst ein umfangreiches Buch: die Handelsgeschichte der Juden des Alterthums, nach den Quellen erforscht und zusammengeftellt, auf welches wir schon jetzt alle gebildeten Israeliten aufmerksam machen wollen. Der Name des Verf.'s bürgt für eine gediegene Leistung. Wien. Der Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde hat in ferner gestern statlgehabten Sitzung den Secretär der Gemeinde, Dr. Ludwig August Frankl Ritter v. Hochwart, welcher gestern, den 30. October, sein 40. Dienstjahr bei der Cultusgemeinde zurückgelegt hat, unter Anerkennung seiner Verdienste um die Gemeinde beglückwünscht. Gleichzeitig wurde ihm als Zeichen der Erinnerung und Anerkennung eine Ehrengabe überreicht. Krakau. Der Radbitt'.r Lrmvn Schl erb er hat an sämmtliche Vorsteher der galizischen Gemeinden eine geharnischte Epistel oder richtiger eine Encyklika gesandt, worin er seinen Bannstrahl gegen den Lemberger Gemeindetag undchesonders gegen dessen Beschluß, ein Rabbinerseminar ins Leben zu rufen, schleudert. Er sagt darin (natürlich in hebr. Worten, in Entweihung der heiligen Sprache): „Sehl hin, welche traurige verwüstende Wirkungen die Seminare in Deutschland, Preußen und Italien hervorgebracht'haben! .... Ich schwöre bei meinem Leben, daß dieser Beschluß schädlicher ist. als alle Verfolgungen und Zivangstaufen, die unsere Vorfahren in früheren Zeilen in Po-tugal und Spanien auszustehen hatten". Der tzr. Oberrabdiner, der allerdings, da er kein Seminar besucht Hut, nicht zu wissen braucht, daß Preußen ein Theil von Deutschland ist,*) macht — wie wir sehen, zwischen den deutschen Seminarien keinen Unterschied, sein Bann gilt dem Berliner Hildesheimer'schen ebensosehr wie dem Breslauer. Paris. Freiherr Gustav von Rothschild hat dem israel. Consistorium ein in der Rue des Feuillantines gelegenes 1500 Meter großes Terrain zum Geschenk gemacht nnt der Bestimmung, daß auf demselben eine israelitische Elementarschule errichtet werden soll. Aus Paris wird dem „Wien. Jsr." unterm 30. Oclobep--^-> geschrieben: Vorige Moche wurde eine Synagoge der hies. m. Gemeinde von der franz. Regierung mit einer Orgel un Werthe von 18,000 Frcs. beschenkt. Aus Luxemburg wird uns unterm 30. October als Gegenstück zu der s. Z. dem Rabbiner zu Cöln verweigerten Reception Folgendes mitgetheilt: Der Prinz Heinrich hielt gestern um 1 Uhr mit seiner Frau (einer preußischen Prinzessin) seinen Einzug in hiesiger Stadt und empfing dato darauf in feinem Palais die Spitzen der Müttair- und Emilbehörden, unter denen sich auch der lsr. Gemeindevorstand und der Rabbiner Dr. Blumenstein befanden. Auf dein an den Rabbiner gerichteten gedruckten Einladungscircular („Rang d’ ordre“) stand nach der kathol. und Protest Geistlichkeit ausgeführt: De rabbin et le conseil d’administration dela communaute israelite. Der Staaalsiiuwster stellte den Rabbmer Dr. B. der Prinzessin vor. Dieselbe uiuermelt sich mit demselben auf das Leutseligste. Auch der Prinz erkundigte sich angelegentlich nach denVerhällnisfen derJsraelüen des Landes. Galatz. Laut ministeriellem Beschluß ist der jüd. Unteroffizier M. Brozcner zum Zollbeamten hierorts ernannt worden Es ist dies der erste rumänische Jude, der eine Stelle in der Landesverwaltung erhielt. Aus Serbien erfahren wir, daß der Ministerpräsident Ristics entschlossen gewesen sei, der Kammer ein Gesetz beaufs Gleichstellung der Juden vorzulegen, da kam die Nachricht aus Rumänien, daß man dort beschlossen habe, diese Frage einer besonderen Constituante vorzulegen, sofort schlug auch die Stimmung in Serbien um, und man will nun. auch hier diese Frage einer im Frühjahr zu berufenden Versammlung ad hoc vorlegen Constantinopel. Am jüngsten Freitag nach dem üblichen Vormittags-Gottesdienst in der Moschee ließ der Sultan seine Flügeladjutanten aus der Nationalgarde — drei Türken, drei Griechen, ein Armenier, ein Bulgare und ein Israelite — vor sich kommen und verlieh einigen von ihnen Ordens- Dekorationen, während er die anderen zu einem höheren militärischen Grad beförderte. Letzteren war es sogar gestattet, den Rang zu bestimmen, den sie haben wollten. Das war in der Thal eine Beförderung nach Wunich Jerusalem. Die Nachricht, daß die Pforte einer Englischen Geiellschaft die Concession zum Bau einer Euphrat Bahn und einer Französischen wieder die Concrsston zum Baue einer Bahn Jaffa-Jerusalem ertheilt, hat nicht verfehlt, unter den;! Israeliten Jerusalems, besonders unter den Kabbalisten adselbst, eine große freudige Stimmung hervorzurufen, da »ich ihrer Ansicht nach so eure Propaezewung oer yerugen Schrstt erfüllt. B^kanuistch miro die Euphrat-Bahn auch die ehemaligen Provinzen Assyrien u»to Var-ywunn ourchichneiben, und *) Das erinnert uns an die geographischen Kenntnisse jenes alte« Rabbi, der da fragte: Liegt Prag nicht, in Rom?

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