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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1878-10-30 · N° 44. (30.10.1878) · p. Seite 346

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
9 (1878)
Issue
N° 44. (30.10.1878)
Date
1878-10-30
Page
Seite 346 (sequence 4)
Language
German
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— 346 — Man begreift kaum, wie eine Versammlung vernünftiger Männer einen so vernunftwidrigen und widerspruchsvollen Beschluß fassen kann. Man höre: Die Versammlung erkennt die Anwendung der mangelhaften Schlachtmaske als die einzig richtige Methode an, erklärt aber vor und für deren Einführung Verbesserungen als unbedingt nothw endig an, beschließt indeß dennoch, die allgemeine Einführung schon jetzt empfehlen zu wollen. Abgesehen von unserm religiösen Standpunkte verweisen wir auf die früher veröffentlichten fachmännischen Gutachten, welche, von den ersten europäischen Autoritäten abgegeben, sämmtlich die Methode desSchächtens nicht nur als im Prinzip richtig anerkennen, sondern auch t heil weise als allgemein empfehlenswerth erklären. Wir haben daher wohl den Congreß-Beschluß nicht zu fürchten. Die unverbefferte Schlachtmaske hat sich gerichtet; sie tritt selbst in Paris unter Bruneau's eigner Leitung nur vereinzelt auf, und anderswo ist sie vergessen und gehört dem Reiche der Vergangenheit an. Was die wünschenswerthen Verbesserungen betrifft, so ruhen diese noch im Schooße der Zukunft und rufen vorläufig keinerlei Beunruhigung hervor. Unter solchen Verhältnissen können wir ruhig der Weisheit der Behörden vertrauen, welche derartige unreife Empfehlungen einfach ad acta leger! werden. *** Frankfurt a. M. 22. October. (Or.-Corr.) Zu den hervorragenden Männern unserer Gemeinde, deren Verlust wir im Laufe der letztern Zeit zu beklagen haben, gehörte unstreitig auch der im verflossenen Monat Juni im Alter von 72 Jahren verstorbene Joseph Rütten. Derselbe war in den weitesten Kreisen als Gründer und Inhaber der „Literarischen Anstalt" (Rütlen u. Löning) bekannt, in deren Verlag die Börne'schen Werke, viele Schriften von Carl Vogt, Moritz Hartmann, David Strauß und andern freisinnigen Schriftstellern, sowie der berühmte Hoffmann'sche „Slruwwelpeter" (in bereits 109 Auflagen) erschienen sind. 'In kommunalen Angelegenheiten erwarb sich Rütlen große Verdienste; ec war mehrmals Mitglied des „Gesetzgebenden Körpers", der Handelskammer und des Vorstandes der „Poiytchnischen Gesellschaft". Er war auch Referent bei den Berathungen über den deutsch-französischen Vertrag für das literarische Eigenthum. Von seinen weitern Ehrenstellen heben wir ganz besonders seine Mitgliedschaft im Schulrat he der Realschulen der israelitischen Gemeinde hervor, dessen vieljähriger Präses er gewesen. In diesem Amte hatte Rülten Vielfache Gelegenheit, sein warmes Jntereffe und seine lebhafte Begeisterung für das Schulwesen überhaupt, wie insbesondere für die seiner Obhut unterstellte israel. Realschule zu bethäligen. Sämmtlichen Lehrern und Lehrerinnen der Anstalt war. der Verstorbene immerdar ein treuer Freund und liebevoller Gönner. Rütten starb unverheirathet. Mit üamhaflen Legaten bedachte er die vielen Wohlthätigkeitsanstalten unserer Stadt und Gemeinde und gab auch hierdurch Zeugniß seines menschenfreundlichen Herzens und hohen Sinnes, Für unsere Realschule bestimmte er eine Summe von zehntausend Mark zur Errichtung einer „Rütten-Stiftung" für jährlich zu gewährende Reisestipendien an Lehrer dieser Anstalt. Frankfurt a. M., 23. Oct. Wiederum hat unsere Gemeinde eines ihr^r würdigsten und tüchtigsten Mitglieder durch den Tod verloren. Gestern verschied im 78. Lebensjahre der Justzirath Dr, Michael Manhayn, ein Mann von anerkannter Biederkeit und großer juristischer Gelehrsamkeit. Früher einer der gesuchtesten Anwälte, bekleidete Manhayn zugleich die verschiedensten Ehrenämter, wobei er stets die anerkennnenswertheste gemeinnützigste Thätigkeit entfaltete. Manhayn's Andenken wird in Frankfurt gewiß stets in Ehren bleiben. — Leobschütz, 18. October. Der vorgestrige Tag war ein Festtag für die hiesige Gemeinde. Das hiesige „Wochenblatt" berichtet darüber wie folgt: „Am 16 d. Mts. waren eS 40 Jahre, daß der Fabrikbesitzer B. Hollaender das Vorsteheramt der hiesigen Synagogengemeinde verwaltet. D ke Verdienste des Genannten um diese Gemeinde sind auch außerhalb unserer Stadt nicht unbekannt, und darum war die ihm vorgestern dargebrachte Ovation eine wohl berechtigte. Schon am frühen Morgen entwickelte sich nicht nur innerhalb der Synagogengemeinde, sondern in der Stadt selbst ein reges, frohes Leben. Unter Vorantritt der hiesigen Stadtkapelle bewegte sich von der Synagoge aus ein Festzug, bestehend aus dem Synagogenchor unter Leitung des Cantors und Deputationen von jüdischen Schülern hiesiger Lehranstalten unter Leitung des Religionslehrers in die Wohnung des Jubilars, um ihm das erste Lied und die ersten Glückwünsche zu weihen. Um 11 Uhr fand zu Ehren des Jubilars ein Festgottesdienst in der Synagoge statt, wozu sich nicht nur die Gemeindemitglieder, sondern auch die hierzu eingeladenen Spitzen der königlichen und städtischen Behörden und Freunde und Verehrer des Jubilars eingefunden hatten. Rach Beendigung des Gesanges bestieg der Fabrikbesitzer und Repräsentanten - Vorsteher M. Teichmann die Stufen des Altars und richtete von hier aus sowohl an die Gemeinde als an den Jubilar eine Ansprache, worin er in kräftigen und treffenden Worten der Gemeinde die Bedeutung des Tages schilderte und dem Jubilar Namens der Gemeinde den Dank ausfprach, ihm als äußeres Zeichen dieses Dankes eine kunstvoll ausgearbeitete Denkschrift überreichend. Hierauf hielt der Prediger Herr Grunwald über Psalm 113 V. 17. 18. 19. eine gehaltvolle Predigt, worin er gleichfalls in begeisterten Worten die Verdienste des Jubilars heroorhob und die Gemeinde aufforderte, dem Jubilar dadurch den Dank zu zollen, daß sie die edlen Bestrebungen deffelben zu unterstützen nicht müde werden möge. Rach Absingung des Psalms 150 wurde der Jubilar von dem Vorstands- und Repräsentanten-Collegium in den Conferenzsaal der Gemeide begleitet, um daselbst die Photographie des Jubilars in Lebensgröße als Ehrendenkmal der Gemeinde zu übergeben. Hierauf empfing der Jubilar in seiner Wohnung Gratulationen von Deputationen und Privatpersonen, während unzählige Gratulatiousberichte von auswärtigen Freunden und Corporationen, worunter besonders das Glückwunschschreiben der Alliance Jsraelile Universelle zu Paris und das der Synagogengemeinde zu Augsburg hervorzuheben, eingelaufen waren. Um 2 Uhr Nachmittags vereinigten sich die Gemeindemitglieder; die hierzu eingeladenen Spitzen der Behörden und hiesige auswärtige Freunde des Jubilars zu einem gemeinschaftlichen Diner, bei welchem es an treffenden Toasten nicht fehlte, von welchen wir zwei von Nichtisraetiten hier registriren. Gymnasialdirector Rösner sprach dem Jubilar Namens des Gymnasiums seinen Dank aus für das Jntereffe, welches derselbe durch Unterstützungen an arme Gymnasiasten für das Gymnasium an den Tag gelegt. Bürgermeister Stephan hob die Verdienste des Jubilars als Stadtrath und Waisenrath hervor. Der Jubilar stattete in einer längeren Rede der Geineinde wie den Gästen den Dank für die vielen Beweise der Anerkennung ad und gewährte den Anwesenden einen flüchtigen Blick in die Geschichte der Gemeinde. Das Fest verlies in der herrlichsten Weise. Oesterreich. Carlsbad, im October. (Or.-Corr.) Zu einer Zeit, da die Wrderlegung theils neu erfundener, theils nur frisch aufgewärmter Vorurtheile und Gehässigkeiten gegen Juden und Judenthum fast in jeder Nummer der jüdischen Wochenschriften eine stehende Rubrik bildet, wird es gewiß wohlthuend und angenehm berühren, nachstehende Bemerkungen über die jüdische Nation von einem Manne zu lesen, dem gewiß selbst die größten Judenfeinde ein objectives und competentes Urtheil zuerkennen werden. Der Redacteur der „Wiener medicinischen Wochenschrift schreibt im Feuilleton eines hiesigen Localblattes gelegentlich einer Betrachtung des jüdischen Versöhnungstages: ... . „Verhallt sind auch die Erlösungsseufzer, die beim Anblick der rituell vorgeschriebenen drei Sterne sich dem Innern aller

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