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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1878-10-23 · N° 43. (23.10.1878) · p. Seite 336

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
9 (1878)
Issue
N° 43. (23.10.1878)
Date
1878-10-23
Page
Seite 336 (sequence 2)
Language
German
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— 336 — Abraham von Oppenheim ist als treuer Jude gestorben. Während seiner Krankheit wurden auf Wunsch der Frau Baronin in der Synagoge die üblichen Krankengebete für ihn gesprochen und als er starb, wurde der Rabbiner geholt, der an seinem Sterbebette die vorgeschriebenen Ceremonien beobachtete. Da der Verstorbene ein selten wohlthätiger Mann war und die von ihm Unterstützten nach Tausenden zählen, so hat auch die hinterlassene Wittwe, eben so edel und tugendhaft wie der Heimgegangene, in seinen Geiste handelnd, dem Rabbiner 25,000 Mark zur Vertheilung an die Armen und israel. Wohlthätigkeitsanstalten zugesandt. Dieselbe Summe wurde der städtischen Armendeputation zur Vertheilung an die christlichen Armen übergeben. Außerdem hat der Verstorbene ein Legat von 150,000 Mk. vermacht, wovon die Zinsen an seinem Sterbetage alljährlich in zwei Hälften an jüd. und christliche Armen vertheilt werden sollen. (Die Cölner Synagogen-Gemeinde beabsichtigt zum ehrenden Andenken an den Verstorbenen in der Synagoge eine Votivtafel aufzustellen.) , Die Beerdigung fand am 14. Oct. unter außerordentlich zahlreicher Betheiligung statt; es wird mit aller Bestimmtheit behauptet, daß noch nie in Cöln eine derartige imposante Beerdigung gesehen worden wäre. Im Sterbehaufe fand zuerst eine Feierlichkeit statt, zunächst für die Mitglieder des großen, fast in allen Hauptstädten Europa's verbreiteten Familienmitglieder berechnet. In dem ganz schwarz ansgeschlagenen großen Saale seines Hauses stand der Sarg, umgeben von zahllosen Lichtern, gänzlich bedeckt vonunzähligen Kränzen, — die, nebenbei bemerkt, nur von christlicher Seite niedergelegt worden waren — der Rabbiner vr. Frank sprach das 'n 'Ul OIK NL2 und hielt eine kürzere Rede, in welcher er den Verstorbenen als Gatten, Vater, Bruder und treuen Anverwandten und Familienglied nach Gebühr würdigte. Daraus wurde der Sarg auf den schlichten, schmucklosen Todtenwagen der Synagogen-Gemeinde gehoben. Den Trauerzug eröffnete eine lange Reihe von Beamten der Rheinischen Eisenbahn, deren Directions-Mitglied der Verstorbene war. Daran schloß sich der Todtenwagen, und hinter diesem folgten der Rabbiner und die Verwandten des Heimgegangenen. Weiter reihten sich an Directions-Mitglieder der Rheinischen Eisenbahn, der Feuerverstcherungsgesellschaft Colonia und vieler anderer mercantiler und industrieller Gesellschaften. Dann erschien das große Dombanner, gefolgt von zahlreichen Mitgliedern des Central-Dombau-Vorstandes, an der Spitze der Präsident, der Herr Weihbischof vr. Baudri, weiter der Oberbürgermeister und zwei Bürgermeister, die Stadtverordneten, der Gouverneur von Cöln, General von Cranach, und andere Militärbehörden, der Regierungsprästdent und noch viele Hunderte und Tausende aus allen Ständen. Den Schluß bildete eine Reihe von nahezu 150 Wagen, eine Anzahl, wie sie hier noch bei keiner Beerdigung gesehen wurde. Am Grabe sang der Cölner Männergesangverein vor und nach der Grabrede, die der Rabbiner vr. Frank hielt. In derselben entrollte er ein Lebensbild des Entschlafenen, zeichnete die Vorzüge der Geistes und des Herzens, was er dem Vaterlande, der Stadt, seinen Glaubensgenossen und der Familie gewesen; das Leben des Verblichenen war so reich an Stoff, daß es Mühe bereitete, ihn in den engen Rahmen einer halbstündigen Rede einzufaffen. Die Anzahl der Theilnehmenden auf dem weit entfernt gelegenen Friedhofe in Deutz zählte nach Tausenden. Wir schließen mit den Worten, mit denen ein Cölner Blatt das Leben des Verblichenen charakterisirt. „Freiherr Abraham von Oppenheim war ein wahrhaft edler Mann, ein tüchtiger Charakter, eine mit reichen Gaben des Geistes und Herzens ausgestattete Persönlichkeit, der nie einen Menschen bewußt kränkte, weil seine Milde und Güte dieses nicht zuließen. Mit ihm hat Cöln einen seiner hervorragendsten Bürger, Preußen einen bedeutenden Finanzmann, Deutschland einen wahrhaften Patrioten und dessen Kaiser einen treuen Freund verloren. Möge sein Gedächtniß in Segen unter uns fortleben!" (S. auch unter „Cöln".) Schleiden als Judengenoffe. Eine Entgegnung an Conrad Reichard, Herausgeber des „Im neuen Reich." Von Max Weinberg in Magdeburg. Was wir längst erwartet und sofort nach Durchlesen der Schleiden'schen Broschüre mehrfach ausgesprochen, daß man uns nämlich einen so warmen Vertheidiger, von der hervorragenden Bedeutung des Herrn Professor Schleiden mißgönnen und versuchen würde, ihn als Judengenossen zu denunciren, es hat sich verwirklicht, freilich nicht unserer Vermuthung gemäß durch Richard Wagner, Professor Rohling oder Paul Majunke, sondern durch vr. Conrad Reichard, Herausgeber einer Wochenschrift für das Leben des deutschen Volkes „Im neuen Reich." Herr vr. Reichard beginnt dieses prächtige „Schleiden als Judengenosse" betitelte Elaborat in Nr. 36 seiner Zeitschrift folgendermaßen: „Wir haben zwar nichts davon in den Zeitungen gelesen, daß sich der Earl von Beaconssield in seinen Mußestunden mit Brunnenvergistungen beschäftigt, oder daß es bei den Rothschild's jüngst Christenstlet mit Aepselmus gegeben habe. Aber es muß doch wieder eine große Judenhetze im Style des Mittelalters in der Luft liegen. Over auch eine Christenverfolgung. Eines von beiden. Denn diese Ueberzeugung gewinnt man, wenn man das letzte Büchlein Schleiden's durchblättert, mag man nun Abmahnung oder Anreiz aus den schmetternden Trompetentönen, die es anstimmi, heraushören. Im Ernst: Wozu der Lärm." Sonderbar! Wenn die Herren Kreuzzeitungsritter, die Dunkelmänner der „Germania", oder die Lohnschreiber der „Schles. Volksztg." ihre Hetz- und Schmähartikel in die Welt senden, wenn die Partei Grüneberg-Stöcker alles soziale Elend der Zeit den Juden aufzubürden und sie der erregten Menge als Quelle alles Uebels zu denunciren suchen, dann kann man das ganze „neue Reich" durchlaufen, ohne auch nur einem Wort der Entrüstung, der Abmahnung gegen solch Gebühren zu begegnen, geschweige denn gar einem warmen Eintreten für die Juden. Sobald aber — und auch Herr vr. Reichard wird uns zugestehen, daß dieses nicht allzuoft vorkommt — ein Angehöriger der christlichen Kirche es wagt, eine Lanze für uns einzulegen, sofort fühlt Herr vr. Reichard seine hohe Verantwortlichkeit als Herausgeber einer Wochenschrift für das deutsche Volk, er fühlt, daß er das nicht unwidersprochen hingehen laffen darf und zückt seinen Degen zum Schutz der unschuldig verklagten Christen. Für den Theil unserer Leser, die etwa die Wochenschrift für das deutsche Volk nicht lesen, müssen wir bemerken, daß, wenn auch nicht in der Tendenz, so doch im Ton Herr vr. Reichard von Herrn Majunke und Genossen im Allgemeinen abweicht. Während letztere bekanntlich in Eisenmenger'scher Weise auflreten, weiß Herr R. Manches für die Juden geltend zu machen, wenn nicht — ja, da haben wir's! — wenn nicht im Nachsatz der Vordersatz stets wieder aufgehoben würde. Herr R. ist zu sehr „der praktische Mann dieser Tage", zu sehr von Europens übertünchter Höflichkeit angehaucht, als daß er sein

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