Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 9 (1878)
- Issue
- N° 43. (23.10.1878)
- Date
- 1878-10-23
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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M 43. 1878. Jahrgang IsLSklrkischs Wochen- M die religiösen nnd soeinlm Interessen des Zudeuthums. * K. uiMm» Erscheint jeden Mittwc, ch ».kostet sainmt dem nllwöchentlich erscheinenden „Jüdischen Literaturblatt" bei allen Postämtern u. Buchbandlungen vierteljährlich 3 Mark 50 Pf. Mit directer Zusendung : in Deutschland 12 Mk. (7 fl.); nach dem Auslande: 15 Mk. (18 Frcs.) jährlich. Verantwortlicher Redacteur und Herausgeber Rabbiner Dr. W. Kahmer in Magdeburg. Einzelnummern der „Wochenschrift" ä 25 des „Literaturblatts" a 15 Pf. Pi. -«=*=- Magdeburg, 23 Oktober. Inserate für die „Wochenschrift", die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum 35 Pf., (für das „Literaturblatt" ä 20 Pf.,) sind durch fämmtliche Annoncen-Expeditionen oder direct an die Expedition der Israelitischen Wochenschriftin Magdeburg" einzusenden. — Bei Wiederholungen Rabatt. Beilagen, 2500 Stück, werden mit 15 Mark berechnet. Inhalt: Leitende Artikel: Freiherr Abraham v. Oppenheim. — Schleiden als Judengenosse. Berichte und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Bres» lau. Frankfurt a. M. Cöln. Hanau. Oe st erreich: Pest. Rußland: Warschau. Rumänien: Bukarest. Palästina: Jerusalem. Vermischt« nnd neueste Nachrichten: Berlin. Würzburg. End» Hoven. Baden. . Kolomea. Cherson. Feuilleton: Aus der Pariser Weltausstellung. (Fortsetzung.) Inserate. Wochen- October. 1878. Tischri. 5639. Kalender. Mittwoch . . . 23 26 Donnerstag . . 24 27 Freitag .... 25 28 Sonnabend . . 26 29 (Ende5 U.20 M.) Sonntag . . . 27 30 Rosck Chodesch. Montag .... 28 1 J Marckescliwan. Dienstag . . . 29 2 Freiherr Abraham v. Oppenheim, gestorben am 13. Oktober 1878 in Cöln. Ein äußerst verdienstvoller Mann, dessen Andenken noch lange fortleben wird in Stadt und Staat, ist drei Tage nach dem Versöhnungstage zu seinen Vätern heimgegangen: Freiherr Abraham von Oppenheim, Inhaber des Rothen Adler-Ordens II. Kl. mit Eichenlaub, des KronenOrdens II. Kl mit dem Stern, des Badischen Zähringer Löwen II mit dem Stern, des Russischen Stanislaus-Ordens II. Kl., des Belgischen Offizierkreuzes, des Leopolds Ordens und des Hessischen Ritterkreuzes I. Kl., des Ludwigordens. Am 10. d. M. starb er in einem Alter von 75 Jahren. Rach Absolvirung des Gymnasiums besuchte Oppenheim 1820 die Hochschule zu Bonn und studirte Jurisprudenz. Sein Vater, Salomon Oppenheim, rief ihn aber bald nach Cöln ins Geschäft, das er seit 1828, nach dem Tode des Vaters, mit seinem älteren, ihn jetzt überlebenden Bruder, Freiherrn Simon von Oppenheim, der Art leitete, daß dasselbe unter der Firma Salomon Oppenheim und Comp, ein Welthaus geworden ist, dem von einem Ende der Welt bis zum andern unerschütterliches Vertrauen entgegengebracht wird. Die Geschäfte der Industrie und des Handels Rheinlands und Westphalens, die seit der Besitznahme durch Preußen zur großen Blüthe gebracht sind, sind eng mit dem Namen Abraham v. Oppenheims verknüpft. Die Einrichtung der Dampfschifffahrt auf dem Rheine, der Bau der Eisenbahnen wurden von ihm gefördert. Bei vielen industriellen und finanziellen Unternehmungen wirkte er rathend und helfend. Als Chef des ersten Bankhauses am Rhein, das bei einem großartigen Capital-Vermögen die ausgedehntesten Verbindungen öefaß, griff er vielfach in das finanzielle Leben der europäischen Staaten vermittelnd ein. Auch für die Stadt Cöln wirkte er in durchaus segenbringender Weise, alles was Cölns | Wohl und Wehe betraf, fand hei ihm tiefes Verständniß- , Ävunjl und Wissenschaft förderte er durch seine materiellen Mittel. Sein schlichter Sinn, seine Einfachheit und Bescheidenheit liebten es, sich prunklos an erzielten Erfolgen genügen zu laffen. Um feine Glaubensgenossen hat er sich besonders verdient gemacht, indem er sich in den Jahren 1846 und 1847, vereint mit Gabriel Rießer, in Berlin bemühte, daß die damals von dem Ministerium eingebrachten Regierungsvorlagen, wonach die Juden ihrer schwer errungenen freiheitlichen Stellung beraubt und ihnen dafür unerwünschte Privilegien — so Befreiung vom Militärdienste — eingeräumt worden wären, keine Gesetzeskraft erhielten. Ueberhaupt war sein Herz warm dem Judenthum ergeben, das beweist die Erbauung der prächtigen, im maurischen Style aufgeführten Synagoge, ein Geschenk des Verstorbenen an die Cölner Synagogen-Gemeinde. Die vielen Verdienste, die sich Abraham von Oppenheim in seinem langjährigen Wirken um Stadt und Provinz und Vaterland — er war ein warmer Patriot — erworben, fanden außer durch die Verleihung verschiedener preußischer und ausländischer Orden und des Titels als Geheimer Commerzienrath ihre Anerkennung in der vor einigen Jahren erfolgten Erhebung in den Freiherrnstand. (S. weiter unter „Berlin".) Der Verstorbene stand dem Kaiser Wilhelm und der Kaiserin Augusta sehr nahe. Sie beehrten ihn mehrmals sowohl in Cöln, als auch auf seinem in reizender Gegend gelegenem Schlöffe Baßenheim mit ihrem hohen Besuche. Während seiner Krankheit ließ sich das kaiserliche Haus mehrere Male auf telegraphischem Wege nach seinem Befinden erkundigen und als er gestorben, schrieb die Kaiserin in ihrem Namen und dem des Kaisers ein tiefempfundenes Beileidsschreiben und schickte einen prachtvollenKranz,um denselben auf denSarg niederlegen zu lassen.