Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 9 (1878)
- Issue
- N° 42. (16.10.1878)
- Date
- 1878-10-16
- Page
- Seite 333 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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— 333 bei der Berührung mit der Leiche etwas von dem Leichengift, die Hand und der Arm schwollen unmittelbar darauf stark an, und der herbeigerufene Arzt vermochte nur eine Blutvergiftung zu konstatiren, die jeden Gedanken an eine Rettung der bedauernswerthen Frau ausschloß. In der That mußte diese schon nach kurzer Zeit unter großen Schmerzen ihren Geist aufgeben. Königsberg i. Pr. Die Stadtverordnetenversammlung genehmigte mit großer Majorität die Aufstellung der Büste Joh. Jacoby's in ihrem Sitzungssaale. (Der „Kunstverein" hatte bekanntlich die Annahme derselben für's Stadtmuseum verweigert.) Mrotschen (Prov. Posen), 26. Sept. Ein in äußerst ärmlichen Verhältnissen lebender Arbeitsmann von dem benachbarten Gute K., welcher vor Kurzem das Unglück hatte, eines seiner Kinder durch den Tod zu verlieren, kam mit der Leiche nach dem Orte des Geistlichen, um durch denselben die übliche Einsegnung vornehmen zu lassen. Für die Zeremonie verlangte derselbe den Betrag von 3 Mark. Da der Arbeiter, der sich sogar zur Reise einen Rock hatte leihen müssen, die Summe nicht zahlen konnte, der Pfarrer ohne das Geld keine Handlung vornehmen wollte, zog jener betrübt mit der Leiche wieder von dannen. Bald darauf kehrte er wieder froh zurück, weil er nun in der Lage war, die verlangte Summe zu zahlen, ein jüdischer Händler hatte nämlich den Mann unterwegs getroffen und demselben auf sein Gesuch, ihm etwas Geld zu leihen, den Betrag für Einsegnung der Leiche und etwas darüber — geschenkt. München, 6 Oct. Gelegentlich der gestern stattgehabten hundertjährigen Jubiläumsfeier der hiesigen königlichen Hofbühne ist dem Hof-Capellmeister Hermann Levy als erstem Cspellmeister das Rittlerkreuz 1. Klaffe des Verdienstordens vom hl. Michael verliehen worden. Wien. Wie hies. Blätter berichten, ist dem Reichstagsabgeordneten und Präses der jüd. Gemeinde, Herrn Dr. Kuranda in dem neu zu ernennenden Ministerium die Stelle des Finanz^ oder Handelsministers angetragen worden Pardubitz (Böhmen). Am 24. wurde der hiesige neuerbaute Tempel von Rabb. Ehrentheil in Horic eingeweiht. Jerusalem, 24. September. Vorige Woche hat es hier in ganz ungewöhnlicher Weise Sturm und Regengüsse gegeben. Die ältesten Einwohner erinnern sich nicht, daß es in den letzten 60 Jahren um diese Zeit geregnet hätte. — Herr Pines ist vorige Woche hier glücklich eingetroffen und hat bereits oie Angesehensten der Gemeinden mit seinem Besuche beehrt. Die aschkenasische Gemeinde hatte ihm zwei Deputirte bis Jaffa enlgegengeschickt. Nach dein Feste will Herr Pines das ganze Land bereisen, um zu sehen, welche Gegenden am geneigtesten zum Ackerbau seien. Feuilleton. B. Aus fce* Pariser Weltausstellung. Jüdische Sehenswürdigkeiten. (Fortsetzung.) IV. Wir gehen nun zu der Besprechung derjenigen Gegenstände über, die bei Gelegenheit der einzelnen jüdischen Ceremomeu verwendet werden, ohne hierbei in Bezug auf ihre Bestimmung für die Synagoge oder des Hauses zu unterscheiden. In erster Reihe ist dabei der Sabbalh zu erwähnen, besten Eintritt mit dem Pokal in der Hand begrüßt wird und dem bei seinem Scheiden gleichfalls mit dem Pokal, aber auch mit Licht und wohlriechendem Gewürz die letzten Grüße zugerufen werden; lauter Gegenstände für die Bethätigung des Kunstsinns. Die erwähnten verschiedenartigen beim Sabbath - ausgang nothwendigen Dinge stellten dem erfinderischen Freund der Eeremonie die Aufgabe, einen Gegenstand zu construiren, der als Leuchter und Gewürzbehälter zugleich dienen und wo möglich in seiner Form seine Ergänzung durch den Habdala- Becher andeuten sollte. Ein Thurmbau mit Fähnlein und spitzer Fahnenstange — letztere zum Aufstecken des Lichtes — und einer Oese zum Einhaken des Bechers war die Lösung. Das Licht spielte auch am Chanukafeste — dem eigentlichen Lichterfeste — eine Rolle. Die acht Lichter, sowie ihr sogenannter „Diener" (27!227), der ihnen alltäglich mit seiner Flamme der Reihe nach, nach bestimmtem Ceremoniell, von rechts nach links die Aufwartung machen und daher beweglich sein muß, während die anderen befestigt sein können, gaben Anlaß zu verschiedenen Modiftcationen ihres Urbilds im Tempel, des siebenarmigen Leuchters. — Auch der am Hültenfest verwendete Esrog machte, auf einen seinem lieblichen Duft angemessenen Behälter Anspruch. — Vor allem aber forderten die Instrumente, welche zu dem Act der Aufnahme männlicher Mitglieder in die Gemeinschaft nölhig waren, die liebevolle Pflege heraus. Von den hierauf bezüglichen Gegenständen will ich nur einige vorheben. Am reichhaltigsten ist die Sammlung der Habdala-Büchsen und der Chanukaleuchter. Die ersteren stellen theils kleine thurmartige Gebäude dar, deren innerer Raum zur Aufnahme der Gewürze und deren Spitze zum Anstecken des Lichts bestimmt ist, theils kunstvoll gearbeitete Büchsen von verschiedenartiger Gestalt nach Art der Juwelenkästchen. Zwei jener Thürme sind besonders beachtenswerth. Der eine, eine fein ausgeführte italienische Silberfiligranarbeit, vielleicht aus dem 17. Jahrhundert, stellt einen dreistöckigen, viereckigen Thurm dar. Er erhebt sich über einer Galerie, welche auf einer in einen runden Knopf auslaufenden, auf einer viereckigen Basis ruhenden Säule steht. Die Galerie ist mit Thürmchen und Blumen geschmückt, desgleichen eine zweite Galerie, die den ersten Stock von dem zweiten schmäleren trennt. Zierliche Fahnen an den Galerien und an der Spitze, eine Glocke in dem mit Rundbogenfenster versehenen zweiten Stock, Rosetten nnd allerhand andere niedliche Verzierungen erhöhen den Reiz des niedlichen Kunstwerks. Strengeren Stils ist der andre aus dem 16. Jahrhundert stammende Thurm. Er macht einen mäßigeren Eindruck, ist weniger zierlich und mehr streng, ja gewissermaßen herb. Die rundbogigen Fenster mit den regulären Fensterkreuzen erinnern an die Kirchenbauten jener Zeit, desgleichen das spitz zulaufende, mit Fenstern gleicher Art versehene und in einen Thurmknauf mit Spitze auslaufende Dach. Vier Thürmchen, die gleichfalls mit Knauf und Fähnchen versehen, gewiffermaßen jedes ein Modell des ganzen Baues darstellen, krönen die vier Ecken des untern Stocks, der sich auf einer cylindrischen, auf einem ovalen Untersatz stehenden Säule erhebt. Von der anderen Art der Habdala-Büchsen lenken gleichfalls zwei ganz besonders unsere Aufmerksamkeit auf sich. Eine in vier Fächer getheilte Lade befindet sich in einem Kästchen, das von -einem niedlichen Knaben getragen wird. Der linke Fuß des Knaben ruht auf dem Kopf eines Delphins, dessen Schweif den Arm des Knaben umschlingt. Eine ähnliche Figur erhebt sich über dem Deckel der Büchse, in den Händen einen kleinen Leuchter — offenbar für die Habdala — tragend. Auch diese Arbeit stammt anscheinend aus dem 16. Jahrhundert. — Die andere Büchse gleichfalls in vier Abtheilungen getheilt, macht diese durch vier nnt ihren Spitzen kreuzförmig einander zugekehrte Herzen kenntlich. Eine Blumenknospe, mit ungeschliffenen Smaragden besetzt, bedeckt den Berbindungspunkt der einzelnen Theile. Ebenso sind die Oeffnungen zu allerlei Verzierungen benutzt. Das Ganze macht einen eleganten, gefälligen Eindruck und hat gewiß dereinst einem sehr wohlhabenden Hause als Eigenthum angehört. (Fortsetzung folgt.)