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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1878-10-16 · N° 42. (16.10.1878) · p. Seite 332

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
9 (1878)
Issue
N° 42. (16.10.1878)
Date
1878-10-16
Page
Seite 332 (sequence 6)
Language
German
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— 3b2 — Herr Baron Henry de WormS schließt sich den Bemerkungen des Herrn Singer an. Der Berichterstatter der ersten Section bemerkt, daß, nach dem Votum über den Vorschlag der deutschen Delegirten, Herr vr. Bamberger, seinen, die dritte und letzte von den der ersten Section vorgelegten Fragen bildenden Vorschlag zurückgezogen habe. Rumänien. 8. Bukarest, 3. Oktober. Ganz im Sinne meiner früheren Mittherlungen hat der rumänische Minister des Aeußern an die Vertreter Rumäniens im Auslande eine Circulardepesche erlasten, in welcher es in Angelegenheit der Gleichstellung der Juden heißt: „Bezüglich der Gleichheit der Rechte (der Juden) werden die Kammern über Verlangen der Regierung nach Maßgabe ihrer verfassungsmäßigen Competenz gesetzgebend vorgehen. Als gewöhnliche Legislative kann die gegenwärtige Vertretung alle Rechte, ausgenommen die politischen, erörtern und votiren. Sie hat auch die Eignung, die Berufung einer Constituante behufs Revision des Art. 7. der Verfassung zu votiren. Sie «erden dafür sorgen, Herr Agent, bei gegebener Gelegenheit zu constatiren, daß nach unserem Grundgesetze nur eine constituirend« Versammlung das Recht hat. bezüglich der Ausdehnung der politischen Rechte zu verfügen. Die Berufung einer Constituante ist jedoch offenbar unvereinbar mit der militärischen Besetzung des Landes durch eine fremde Armee." Bukarest, 6. October. Die rumänische Deputirtenkammer diskutirte gestern die auf Rumänien bezüglichen Bestimmungen des Berliner Vertrages. Der bestarabifche Deputirte Urechia hob dabei hervor, daß die Berufung einer konstituirenden Vessammlung nicht nothwendig sei, man muffe sich dem Befchlufle des Congreffes unterwerfen und die Dobrudscha annehmen, später würde man zur Beschlußfaffung über die Judenfrage eine constituirende Versammlung berufen muffen. Der Deputirte Miscail betont, daß es die Pflicht der Regierung sei, Europa zu beweisen, daß die Judenfrage für Rumänien eine Lebensfrage sei. Gradisteano empfahl den Antrag des Ministers der auswärtigen Angelegenheiten auf Einsetzung einer Kommission, welche mit der Ausarbeitung einer bezüglichen Motion beauftragt werden soll. Die Kammer nahm den Antrag an und wählte eine aus sieben Mitgliedern bestehende Kommission, deren Majorität der Unterwerfung unter die Bestimmungen des Berliner Vertrages zugeneigt ist. — Der „Romanul" sagt, indem er von der Revision der Verfassung wegen der die Juden betreffenden Frage spricht, daß die Regierung vorher eine Volkszählung werde vornehmen müffen, um die fremdländischen von den im Lande geborenen Israeliten zu unterscheiden. Die Letzteren würden m der Lage sein, sogleich naturalisirt zu werden, während die Anderen ihre Naturalisation nach den für alle Fremden vorgeschriebenen Normen werden nachsuchen müffen. Dorrohoi, 23. September. Das Verdikt in der C i a m a r a- Darabani-JudenhetzAffaire ist ausgesprochen worden. Es ist in allen Punkten verneinend ausgefallen — demzufolge sind alle Angeklagten fr ei gesprochen. Auf Antrag des Generalprocurators und der Huissiers sind die Civilkläger (also die Juden) noch obendrein in die Prozeßkosten verurtheilt worden. Großer Enthusiasmus des Publikums bei Bekanntgebung des Urtheilsspruches. Vermischte und neueste Nachrichten. Magdeburg. Nach der kürzlich veröffentlichten „Statistik der zum Ressort des Ministeriums des Innern gehörenden Straf- und Gefangenen-Anstalten für die Jahre 1875 und 1876" betrug die Gesammtzahl der detinirten Zuchthau s gefangenen 1375: 23961, 1876: 23879. Nach den Religionen kamen auf 1000 Köpfe 1875: 0,92 evang. 0,98 kathol. 0,62 jüdische 1876: 0,90 „ 1,00 „ 0.65 „ Hiernach war also das Verhältniß bei der jüd. Bevöl« kerung um ca. 0.30 günstiger, als bei der christlichen. W. Magdeburg. Ein recht ergötzliches Geschichtchen hat sich jüngsthin in einer unserer Vorstädte zugetragen. Gelegentlich des in vorletzter Woche hier abgehaltenen Missionsfestes hatte in der dortigen Schule auch einer der Lehrer Veranlaffung genommen, seinen Schülern das Wesen der innern Mission klar zu machen und sich dabei auch über die große Wichtigkeit der Judenbekehrung auSgelaffen. Am Schluß erwähnte er sodann noch, wer zu letzterem Zweck ein Scherflein beisteuern wolle, könne ihm am nächsten Tage seine Gabe mitbringen, was selbstverständlich von vielen Kindern geschah. Eines kam aber etwas traurig mit der Erklärung an, sein Vater wolle ihm für die Juden nichts geben. Sie hätten selbst Geld genug. Cöln, 10. October. (Or Corr.) In vergangener Nacht (Mittwoch auf Donnerstag) ist der Chef des Oppenheim'schen Banquierhauses, Freiherr Abraham von Oppenheim, in einem Alter von 74 Jahren gestorben. Berlin. Das jüdische Neujahrsfest ist auch in dem Strafgefängniß am Plötzensee gefeiert worden. Die Gottesdienste leitete an beiden Festtagen Herr vr. Krüger, welcher in Steglitz wohnt. Derselbe kommt alle 14 Tage nach Plötzensee und nächtigt in der Anstalt, um Freitags und Sonnabends den ungefähr 40 jüdischen Gefangenen zu predigen. Bisher war es auch der hiesigen jüdischen Gemeinde gestattet, ihren Glaubensgenoffen für die hohen Feiertage koschere Speisen zu schicken, die freilich reichlicher und beffer ausfielen, als sie der Gefängnißetat bemißt. Um nun auch in dieser Beziehung ganz in den von der Gefängnißordnung gezogenen Grenzen bleiben zu können, ist jetzt in der Anstalt selbst eine mit den nöthigen Geräthen ausgestattete Küche eingerichtet worden, in der die Speisen wenigstens zu den Festtagen, genau nach den mosaischen Vorschriften zubereitet werden. An den übrigen Tagen genießen jedoch auch die jüdischen Gefangenen die gemeinsame Beköstigung. Ahaus (Westfalen). Die neueste Wundermähr in unserem Orte veranlaßte Ernst Dohm zu folgenden köstlichen Versen: „Zu Ahaus ist im freien Feld, — Zu aller Gläub'gen Wonne, — Zwei Kindern, die sich im Spiel gesellt, — Erschienen die Madonne — Das ist kein Wunder mehr; wieso — Sollt' sie auch nicht erscheinen? — Erschien sie doch auch anderswo — Den lieben frommen Kleinen. — Was an dem Wunder wunderbar — Zu Ahaus, dem frommen Städtchen, — Ist dies: das eine der Kinder war — Hepp! Hepp! — ein Judenmädchen. — Ein Judenkind? O Blasphemie! — Hohn allen Wunderthal^n! — In welchen heil'gen Zorn wird die — „Germania" drob geräthen! — „Weh, daß man stets begegnen muß — Dem Juden auf allen Wegen!" — Der „jüdische Referendarius" — Ist nur ein Kind dagegen! — Was giebt's, worauf mit größ'cem Recht — Sich unser Zorn entlüo'? — In unsre Wunder schon erfrecht — Sich einzudringen der Jüd!" — Und doch — das Wunder ist geschehn, — Da hilft kein Leugnen uird Streiten; — Zwei Kindlein haben es gesehn — In allerneuesten Zeiten: — Gar große Gnade ward verliehn — Ahaus, dem frommen Städtchen, — Wo die Madonna jüngst erschien — Dem kleinen Judenmädchen. —" W. Hamburg, 4. Sept. Ein sehr bedauerlicher Vorfall führte vor einigen Tagen den Tod einer allgemein geachteten Persönlichkeit, der Vorsteherin des alten israelitischen Beerdigungsvereins, Frau F. S ch l ö st e i n, herbei. Bei der Ausübung ihres von schöner Opferwilligkeit zeugenden Samariterinnenberufs, bei dem Waschen und Bekleiden der Leiche einer Wöchnerin nämlich, welches sie als eine Ehrenpflicht und ohne Entgelt ausübte, zog sie sich eine Blutvergiftung zu, die nur zu schnell mit dem Tode endigen sollte. In eme nicht beachtete Schnittwunde an der Hand drang nämlich

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