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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1878-10-09 · N° 41. (9.10.1878) · p. Seite 322

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
9 (1878)
Issue
N° 41. (9.10.1878)
Date
1878-10-09
Page
Seite 322 (sequence 4)
Language
German
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— 322 — Verwaltung zur Förderung der Handwerke unter den Glaubensgenossen rc. rc. Daneben hört er auch vielen nicht specifisch jüdischen Vereinen für öffentliche Zwecke an. Er ist der Schwiegervater des durch Erbauung unserer, wie der Breslauer Synagoge, sowie des Schlosses Marienburg und vieler anderer Luxusbauten weit über die Grenzen Hannovers hinaus bekannten und berühmten Bauraths O p p l e r, der gleichfalls Mitglied unserer Gemeinde ist. Herr Cohen ent stammt jener hochangesehenen Familie Cohen, deren Wohlthätigkeitssinn und Gesinnungsadel geradezu sprichwörtlich in unserer Gemeinde ist und deren Leben und Wirken noch lange Zeit kommenden Geschlechten zum segensreichen Vorbild dienen wird. Von der Lahn, im Sept. (Or.-Corr.) Wenn sich auch in dem vormaligen Herzogthum Nassau auf religiösem Gebiete wenig zuträgt, was durch Zeitschriften einem größeren Leserkreis zugeführt zu werden verdient, so wird es doch von Zeit zu Zeit nölhig sein, eine Stimme auch aus dieser Provinz hören zu lassen und wenn auch nur uni zu zeigen, daß Ihr gesch. Blatt auch in unserer Gegend sich eingebürgert hat. Freilich sehr erquicklich sind die Verhältnisse nicht, die wir in kurzen Zügen zu schildern versuchen wollen: Seitdem das israelMeligionslehrer-Seminar in Bad Ems nach Cassel verlegt, resp. mit dem dortigen vereinigt worden ist, sind auf dem israel. Schulgebiete in Nassau recht traurige Verhältmsse eingetreten und erst jetzt sehen wir, wie segensreich das Wirken des Herrn Dr. Hochstädter in Ems auf diesem Gebiete war. Machte er es doch unbemittelten fähigen Jünglingen möglich, dem Religionsstande sich zu widmen und suchte er, sie für Nassau selbst zu erhalten. Als diese Anstalt unter feiner Leitung noch bestand, da gab es sehr wenige Gemeinden, die nicht ihren Religionslehrer hatten, wodurch in Schule und Synagoge mitunter recht Tüchtiges geleistet wurde. Heute, wo die wenigen Jüng - linge, die den Beruf des Lehrers in sich fühlen, ihre Ausbildung in Cassel suchen und finden, vertheilen sich dieselben auf einen viel größeren Kreis und eine verschwindende Minderheit wird in Nassau selbst seinen Wirkungskreis suchen und zwar deswegen, weil durch die Freizügigkeit die vermögenden Israeliten größtentheils nach den Städten verziehen, wodurch die Landgemeinden verarmen und nicht mehr im Stande sind, einen Lehrer auch nur annähernd auskömmlich bei olden zu können. In den meisten Gemeinden, wo nun wirklich noch ein Lehrer angestellt ist, ist es ein wandernder Pole und was diese Species leistet, das ist hinlänglich bekannt. Sie sind heute hier, morgen dort und wo sie Weggehen, da lassen sie in nicht seltenen Füllen traurige Spuren ihrer Anwesenheit zurück. Niemals aber tragen sie dazu bei, das Ansehen des Lehrerstandes zu heben. Daß es unter diesen Umständen um die 3 Hauptsäulen unserer Religion: Thora, Abodah uud Gemilluth Chaffadim, nicht besonders bestellt ist, ist ebenso traurig als wahr. Möchten daher unsere Glaubensgenossen sich aufraffen und zur Herbeiführung besserer Verhältniffe das Ihrige nach Kräften beitragen. Möchten namentlich die Herren Rabbiner durch Wort und Schrift Liebe zu unserer hl. Religion zu befestigen suchen. Ueber die Leistungen des Herrn Dr. Hochstädter, der uns persönlich bekannt ist, können wir recht Erfreuliches mittheilen: Wie er früher durch Heranbildung von Lehrern seinen weiteren Kreis besorgt und somit der Thora den Herzen seiner Zöglinge eine dauernde Stätte gegründet hat, so ist er auch heute, an seinem Rabbinatssitz für Gemillhut Chaffadim, eifrigst bemüht. Die religiösen Institutionen seiner Hauptgemeinde in Ems als: Männer-Kranken - Verein, Frauen-Verein und Armen-Unterstützungsvereine sind die durch sein Bemühen dort gebildeten Wohlthätigkeitsanstalten. Möge diesem würdigen Arbeiter im Weinberge des Herrn auch die hohe Freude beschieden sein, die Früchte seines segensreichen Wirkens blühen und reifen zu sehen. Meppen, 24. Sepl. (Or.-Corr.) Was ein eifriges redliches Streben nach einem hohen Ziele, was ein freudiges, einmüthiges Wirken für ein gottgeweihtes Werk auszurichten im Stande ist, das hat sich auf eine herrliche Weise in unserer Nachbargemeinde Lin gen bewährt. Diese Gemeinde, die ebenso schwach an Zahl wie an Mitteln, hatte es sich zur Aufgabe gemacht, dem Herrn eine bleibende, würdige Stätte zu gründen, welche Aufgabe zu lösen ihr nunmehr die göttliche Vorsehung beschieden. Groß waren die Opfer, welche zur Verwirklichung dieses schon lange gehegten Wunsches dargebracht werden mußten unv wurden, denn äußerst gering waren die Hülfsmittel, die von anderen Seiten dieser Gemeinde zuflossen. Am 19. d. M. fand nun die feierliche Einweihung deS neuen Gotteshauses statt, das wegen seiner Zweckmäßigkeit und Würdigkeit eine allseitige Bewunderung erregte. Dieser Tag wird der Gemeinde Lingen als ein hochheiliger und bedeutungsschwerer in steter Erinnerung bleiben, denn an demselben Tage ward sie zu dem gestempelt, was sie eigentlich sein sollte, zu einer wirklichen, selbständigen Gottesgemeinde, ward das Band geknüpft, das sämmtliche Glieder zu einem gemeinschaftlichen Streben für immer vereinigen soll, erhob sich an einem Orte, wo vor noch nicht allzu langer Zeit die Intoleranz und der Fanatismus den Bekennern des jüdischen Glaubens den bleibenden Aufenthalt nicht gestattete, oder doch sehr erschwerte, ein jüdischer Gottestenipel, dem Elnig-Einzigen geweiht für ewige Zeiten. Die einzelnen Festlichkeiten, die vom herrtichsten Wetter begünstigt waren, gingen m der schönsten Ordnung vor sich. Zahlreiche Gäste aus Nah und Fern waren herbelgeeilt, um den wahrhaft herzerhebenden Feierlichkeiten mit beizuwohnen, die um 11 Uhr Vormittags ihren Anfang nahmen. Auch eine große Anzahl der nichtjüdischen Bevölkerung, worunter der protestantische Geistliche, (der katholische Geistliche war geladen, jedoch nicht erschienen) der Magistrat in corpore und die anderen Behörden, waren bei dem Acte der Emweihung zugegen. Die Straßen, durch welche sich der Festzug bewegte, prangten in einem reichen, herrlichen Flaggenschmuck. Ueberhaupt leisteten auch die nichtisraelitischen Bewohner ihr Möglichstes, um die Würdigkeit und Schönheit dieses Festes zn erhöhen, und gaben dieselben auf jede Werse ihre herzliche Theilnahme kund. Es ist von dieser gewiß höchst erfreulichen Thatsache um so eher Notiz zu nehmen, als an diesem Orte vor nicht gar langer Zeit aus einer gewissen Seite der Fanatismus, der alte Glaubenshaß auf erne brutale Weise zum Ausdruck gebracht wurde.*) Hier hatten wir nun den glänzendsten Beweis, daß solchem unhumanen Gebühren, solchen intoleranten, judenfeindlichen Gesinnungen nicht von allen Seiten eine Sympathie entgegengerragen wird, und daß jene Hetzereien und böswilligen Anschuldigungen ihre erwünschte Wirkung durchaus verfehlt, ja, in gewiffer Hinsicht vielmehr das gerade Gegentheil zur Folge gehabt haben und das Band, das Christen und Juden umschlang, noch fester geknüpft wurde. Sehr bezeichnend ist, daß der Redacteur jenes sauberen Blattes, das seinen Lesern jenen Schmähartikel aufgetischt, die Aufnahme des Festprogrammes in sein Blatt verweigerte, und das Festcomite sich veranlaßt sah, in das andere an dortigem Pl> tze erscheinende KreiSMatt folgende Bekanntmachung einrücken zu lasten: „Wir laden hiermit die Leser des „Ltngener Volksboten" „zu unseren Festlichkeiten freundlichst ein, da uns die Auf- „nahme unseres Festprogrammes Seitens der Expedition „des Volksboten verweigert worden ist. Das Comue rc." Bedarf dieses Factum eines weiteren Commentars? Kennzeichnet und richtet es sich nicht selber? — Schließlich können wir es uns nicht versagen, des hoben Genusses Erwähnung zu thun, der uns durch die wahrhaft - herzerhebende und erbauende Weih- und Festrede des Herrn Landrabbiners Dr. Buch holz aus Emden war zu Tyeil geworden. Diese Rede machte allerseits einen tiefergreifenden *) Die Leser erinnern sich vielleicht noch des in dies. Bl. berichteten Faktums, daß der Redakteur des „Lingener Volksboten" wegen der von ihm darin veröffentlichten Schmäh- und Hetzarukels: „Kann der Jude hexen?", zu einer vierzehntägigen Gesängnißhaft und den Gerichtskosten verurtheilt wurde. Ui-

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