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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1878-09-25 · N° 39. (25.9.1878) · p. Seite 308

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
9 (1878)
Issue
N° 39. (25.9.1878)
Date
1878-09-25
Page
Seite 308 (sequence 6)
Language
German
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— 308 — hurun", Lindenstr. 61, wurde Sonntag Nachmittag eingeweiht. Etwa 350 Personen finden dort Platz. Die Ausstattung ist eine einfache und würdige. Die Einweihung selbst, welcher auch zahlreiche Mitglieder anderer Gemeinden beiwohnten, umfaßte einen mehrmaligen feierlichen Umzug der Geistlichkeit und des Vorstandes unter Vorantraguug der Gesetz srollen, Gebete für Kaiser und Reich und eine Weihrede des Predigers der Gemeinde, Herrn Dr. Landsberger. Die Gesänge wurden unter Harmoniumbegleitung von dem Chor der Kaiserstraßen-Synagoge ausgesührt. Frankfurt a. M. Am 6. September starb R. Salom o Geiger, ältester Bruder des Dr. Abraham, Vater des Dr. Lazarus Geiger. Wenn er hier nach seinem Verwandtschaftsverhältniß zu den beiden Verstorbenen bezeichnet wird, so geschieht es nur, weil diese beiden in weiten Kreisen bekannter gewesen sind, als der so eben Abgeschiedene. Für die mit Juden, Judenthum und jüdischer Gelehrsamkeit Bekannten bedarf freilich der Name R. Salomon Geigers, des tüchtigen Talmudisten alten Schlages, des selbstständigen Forschers und vielseitigen Gelehrten keiner weiteren Beifügung. N22211. Leobschütz (Ober-Schlesien), 15. Sept. (Or.-Corr.) Mehrere hiesige jüdische Kaufleute sind vor Kurzem bei dem hiesigen Magistrat vorstellig geworden, den auf den 28. Sept., als am ersten jüdischen Neujahrstage, fallenden Wochenmarkt verlegen zu wollen. Gestern lasen wir zu unserer Freude in unserem Kreisblatt folgende Bekanntmachung: Wegen des auf den 28. d. M. treffenden jüdischen Neujahrsfestes wird der Wochenmarkt Hierselbst vom 28. auf Freitag, den 27. d. M., verlegt. Leobschütz, den 10. Sept. 1878. Der Magistrat. — Am 15. October wird unsere Gemeinde ein seltenes Fest feiern. An diesem Tage sind es nämlich vierzig Jahre, daß Herr Benjamin Holländer das Gemeindevorsteheramt in hiesiger Gemeinde verwaltet. Das vom Festcomits entworfene Programm meldet u. A. an: Um 9 Uhr Morgens: Gratulationen der jüd. Schüler sämmtlicher hiesiger Lehranstalten in Begleitung ihres Neligionslehrers. Um 10 Uhr Vormittags: Festgoitesdienst. Um 3 Uhr Nachmittags: Diner. — Herr Holländer hat diese Ovation in vollem Maaße verdient, wie wir seinen Freunden und Verehrern nicht zu sagen brauchen. Wir hoffen daher, daß diese auch von auswärts an diesem Tage mit rhren Gratulationen nicht Zurückbleiben und dadurch unser Fest verherrlichen helfen werden. Ich behalte mir einen näheren Bericht über den Verlauf des Festes vor. Gnesen. Ueber die Ovationen, welche dem Rabb. Herrn Dr. Horowitz bei seinem Scheiden aus seiner hierigen Stellung dargebracht wurden, berichtet die „Ostdeutsche Zeitung": „Durch die Berufung des Rabbiners Dr. Horowitz nach Frankfurt a. M. ist der jüdischen Gemeinde unserer Stadt ein herber Verlust zu Theil geworden. In seiner vierjährigen Thätigkeit hat sich Herr Dr. Horowitz der allgemeinen Anerkennung und Liebe zu gewinnen verstanden und zwar durch sein tolerantes Wesen und seine persönliche Liebenswürdigkeit gegen Jedermann, nicht nur bei seiner Gemeinde, sondern auch in mchrjüdischen Kreisen. Bei seinem Abgänge wurden ihm zahlreiche Beweise seiner großen Beliebtheit zu Theil. Magistrat und Stadtverordnete überreichten ihm eine Abschiedsadreffe; die Schüler des Gymnasiums, deren Liebe und Anhänglichkeit er sich ebenfalls durch seinen Unterricht erworben, überreichten einen silbernen Pocal; von Seiten seiner Freunde erhielt er einen Tafelaufsatz von Silber in prachtvoller Arbeit ausgeführt. Endlich fand in unserem schönen Johannisgarten ein Festesten zu Ehren des Scheidenden statt unter recht zahlreicher Betheiligung. Ueber 130 Personen waren erschienen. Von dem schönsten Weller begünstigt, verlief das Fest in der angenehmsten heitersten Weise. Auf die verschiedenen Toaste, in denen allen sich ein tiefes Bedauern über fein Scheiden aussprach, antwortete Herr Dr. Horowitz mit einer glänzenden Rede, in der er in rührenden Worten für die großen Beweise der Liebe und Anhänglichkeit dankte." Soldau (Westpreußen), 12 September. Gestern hielt der englische Judenbekehrer Klee in unserer evangelischen Kirche einen Gottesdienst. Eine ziemlich große Anzahl Neugieriger hatte sich im Gotteshaus« eingefunden, um den Judenbekehrer zu hören. Ec forderte die hieiige Christengemeinde auf, sich mit allem Eifer der Judenbekehrung zu widmen. Die am Schluffe des Gottesdienstes abgehaltene Kollekte zum Besten der Judeubekehrung ergab jedoch nur 5,50 Mark. Sodann machte der Missionär in Begleitung eines getauften Israeliten bei den hiesigen jüdischen Familien Besuche, um seinen Bekehrungsauftrag zu erfüllen. Daß seine Bemühungen hier am Orte fruchtlos sein werden, kann ohne große Sehergabe vorausgesagt werden. Pest. Dem ersten Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule entnehmen wir, daß diese Lehranstalt gegenwärtig 24 Schüler zählt, die sich auf eine obere und untere Abtheilung vertheilen, von denen die letztere in 2 Klassen zerfällt. Der Lehrkörper besteht (mit Einschluß des Directors) aus vier fest angestelllen Professoren (Brill, Deutsch, Bacher, Kaufmann) und drei provisorischen Hilfsprofefforen. Der Lehrplan der theolog. Disziplinen entspricht vollständig dem des Breslauer Seminars. In der Ansialtssynagoge wird von den Profefforen abwechselnd in deutscher und in ungarischer Sprache gepredigt. Die Anstalt hat im Laufe des Jahres sich bereits vielfacher Zeichen des Wohlwollens sowohl von Gemeinden als von Einzelnen zu erfreuen gehabt, die ihren Ausdruck theils in Unterstützungen der Schüler durch Stipendien, theils in Zuwendung von Büchern für die Bibliothek, die hierdurch bereits bis zur Höhe von 5000 Bänden angewachsen ist. — Das neue Schuljahr beginnt am 22 Oktober. Pest. Der eben genannte Professor des Rabbinerseminars Hr. Dr. Bacher wurde als Feldprediger für die in Bosnien kämpfende zweite Armee einberufen und mußte sofort die Reise nach dem Hauptquariere anlreten. Wien. Hr. M. Friedmann, der gelehrte Herausgeber der Mechüta und des Sisre, hat aus Cincinnati einen Ruf an das neuzugründende Rabbinerseminar erhalten! (W. I.) Paris. Der jüd. Bildhauer, Moses Antokolski aus Rußland, (von dem wir bereits früher berichtet haben) hat die erste Preismedaille auf der Weltausstellung erhalten. Brüssel, 20. Sept Heute, fand die Einweihung der neuen Synagoge statt; sie gab wieder Zeugniß von der Undulds a m k e i t der hiesigen U l t r a m o n t a n e n. Es mußte für die Feier ein Organist aus Paris berufen werden, da dem hiesigen Professor Mailly von-seiner Vorgesetzten Behörde (er ist Organist der Karmeliterkirche) die Mitwirkung an einem jüd Gotteshause untersagt worden war. So wird hier Intoleranz gegen die Lebenden wie gegen die Todten geübt. (S. unter „Belgien".) Constantinopel. Zum Director der hieß isr. Schule der deutschen Colonie wurde Hr. A. S. Weißmann, früher Director einer ähnlichen Schule in Galaz, zuletzt in Tießmienicz wohnhaft, berufen. London. Der Gerichtshof, dem Sir George Jeffel Master of the Rolls präsidirt, hält Sitzungen in der Rolls Chapel (Kapelle). Ueber dieses Gebäude theilt „Jew. World." folgende interessante Notiz mit. Von allen Plantagenets war Heinrich III. der toleranteste. Sein Verfahren in Betreff der Juden zeichnet sich sehr vortheilhaft von dem seiner beiden Vorgänger Richard Löwenherz und Johann ohne Land aus. Er schützte die Juden, ließ sich einen neu erwählten Oberrabbiner vorstellen und bestätigte ihn eigenhändig in seinem Amte. Nichtsdestoweniger war er der Bekehrung der Juden zugethan und baute die Rolls Chapel in

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