Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 9 (1878)
- Issue
- N° 39. (25.9.1878)
- Date
- 1878-09-25
- Page
- Seite 307 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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gens nnb herzerquickenden Frohsinns zu betreten, scheidet mit einem „Gott segne dich!" von diesem Institute. Brünn (Mähren), 12. Sept. (Or.-Corr.) Herr Prof. Schleiden hat an Rabbiner vr. Placzek, der im „Jüd. Literaturbl." dies. Jahr, eine Serie von Artikeln über den Darwinismus in der Agada veröffentlichte, das folgende anerkennende Dankschreiben gerichtet: „Die nur gütigst zugesandte Abhandlung: „Der Darwinismus in der Agada", ist richtig in meine Hände gelangt und habe ich die Arbeit mit dem größten Interesse durchstudirt. Das ja allerdings in der Agada sehr zerstreut liegeude Material haben Sie mit Liebe und mit kundiger Hand gesammelt und zu einem neuen Kranz für das Judenthum vereinigt. Es ist gewiß auffallend, wie so viele alte talmudische Aussprüche so ganz schlagend mit d e m G e i st e der neueren Naturwissenschaft z u s a m m e n k l i n g e n. Aber doch möchte ich Ihrer Arbeit noch «in größeres Verdienst für die jüdische Kulturgeschichte vindiciren. Wie dem aber auch sei, so bleibt Ihre Arbeit immerhin eine höchst interessante und nach vielen Seiten hin anregende, die ich mit großer Genugthuung meiner Bibliothek einverleibt habe. Dieselbe schlägt eben eine Saite an, die wohlthuend aus dem recht unharmonischen Geschrei für und wider den Darwinismus, das nicht nur ewige Wiederholung ist, hervortönt. Es ist etwas Neues, noch nicht Behandeltts, noch weniger Abgedroschenes, während ich des ewigen Wiederkäuens derselben Sachen bei den Fanatikern pro und contra Darwinismus nachgerade herzlich müde bin. Daher sage ich Ihnen noch einmal meinen herzlichen Dank für die angenehme geistige Anregung, die Sie mir durch Ihre Forschungen gewährt haben und zeichne ich mit der Versicherung aufrichtiger Hochachtung ergebenst M. I. Schleiden." Wie wir erfahren, beabsichtigt Herr Dr. Placzek seine in den verschiedensten Blättern des In- und Auslandes lobend erwähnte Arbeit bedeutend vermehrt als besondere Broschüre (etwa 6 Bogen umfassend) erscheinen zu lassen. Belgien. * Brüssel. Die Kiesige Friedhofsangelegenheit befindet sich noch immer in der Schwebe, und wenn sich thatsächlich Neues in derselben nicht begeben hat, so hat doch Herr L. Kahn, der wackere und tüchtige Vorkämpfer seiner Glaubensgenossen in dieser Frage, von Neuem eine Schrift über dieselbe erscheinen laffen. Sie ist betitelt „Encore la Question des Cimeti&res.“ Appendice ä l’Etade sur le droit social, appliqud st la question de cimetiöres, au point de vue du judaisme par L. Kahn. Der Verfasser sagt in der Einleitung, daß der jetzige Zustaud — die Brüsseler Israeliten bringen nämlich ihre Leichen nach einem ziemlich weit entfernten Dorfe, mit bem sie einen desfallsigen Vertrag abgeschlossen haben — ein auf die Dauer durchaus unerträglicher sei und daß er daher an seinem Theile fortwährend dahin streben werde, die öffentliche Meinung über die Gerechtigkeit und Billigkeit Desjenigen, was die Juden verlangen, aufzuklüren. Es ist in diesem Blatte schon wiederholt bemerkt worden, daß es sich in Brüssel nicht im allerentferntesten um eine gegen die Juden gerichtete Maßregel handelt. Es ist der erbitterte Kampf zwischen den Clerikalen und den Liberalen (b. h. in Belgien Feinde jeder positiven Religion), unter denen die Juden eben so unverschuldeter wie natürlicher Weise leiden müssen. Herr Kahn wendet sich daher^ auch in einem großen Theile seines Schriftchens gegen diesen Kamps selbst, er sucht nachzuweisen, wie das Judenthum ebenso weit von Atheismus wie von Intoleranz entfernt sei und daher eine große Mission zu erfüllen habe. Er kämpft energisch und beredt gegen den Unglauben, den Darwinismus ic, wie — dies jedoch sehr schonend und maßvoll — gegen die Unduldsamkeit des Katholicismus. Wir bemerken hierzu, daß dieser Theil der Broschüre recht gut ist, falls Herr K. u. die Belehrung jüdischer Leser im Auge hat, wenn er aber die Radicalen von ihrem Atheismus I bekehren will, so möchte das Gesagte doch schwerlich ausrelchen.! Es dürfte in dieser Beziehung doch wohl besser gewesen sein, l ohire jede Polemik lediglich nachzuweisen, daß das Judenlhum | weder den Lebendigen noch den Toden Gewalt anthun wolle, daß man es daher bei dem Kampfe gegen die Hierarchie ganz aus dem Spiele lassen und ihm nicht mit Verletzung der heiligsten Gefühle der Pietät Gewissenszwang zu bereiten brauche Herr K verweist dann weiter auf die ähnlichen Vorgänge zu Düsseldorf, St. Gallen, Zürich und Wien, erzählt ausführlich die (unseren Lesern s. Z. berichteten) Vorgänge, welche an all diesen Orten ein-n für die Israeliten günstigen Aitsgang genommen haben. Bei dieser Gelegenheit citirt er! wörtlich ein äußerst interessantes Gutachten des Professor Heim in Zürich. Derselbe schickt voraus, daß er für seine Person ein eifriger Anhänger der Leichenverbrennung und daher in Betreff der Gesundheit gefährdenden Umstände bei Kirchhöfen gewiß nicht leichtfertig sei, aber er kommt zu dem Resultat, daß gerade die großen (Central-) Kirchhöfe gefährlich, das Ausgraben der Leichen und die Wiederbenutzung des Bodens verderblich sei, während die Anlagen mehrerer kleinerer Kirchhöfe und ganz besonders Die bei den Israeliten übliche ewige Ruhestätte der Toden sehr zu empfehlen sei. Die kleine Schrift, welche auch sehr schön geschrieben ist, wird also einem Jeden bestens empfohlen werden können. (Man vgl. das folgende „Toulouse.") Frankreich. Paris. (Bericht der Alliance Jsr. Univ. für Juli und August.) Neue Mitglieder im Juli 223, im August 455. — Den größten Theil der Berichte füllen Nachrichten über den Berliner Congreß und die damit zusammenhängenden Kundgebungen aus und über Rumänien. Es ist dies natürlich dem Inhalt nach längst bekannt, doch bietet das Bulletin eine für die Zukunft werthoolle Zusammenstellung des aktenmäßigen Materials in der authentischen Form der Protokolle, mährend wieder die im ersten Heft enthaltenen Telegramme u. s. w. ein Bild der lebhaften Spannung ftxiren, mit der man den Ergebnissen der Conserenz die Religionsfreiheit betreffend, entgegensah. Wir heben ferner hervor: den Text eines die Aushebung jüdischer Recrulen in Rußland betreffenden Ukas; Aklenmäßiges über Die Verhandlungen wegen des Handelsvertrages zwischen Rumäiuen und der Schweiz und einen Briefwechsel zwischen Hrn. Fernandez, V'.cepräsidenten des Comild der Alliance m Const intinopel, und dem General Tolleben bzw. dem ruifischen Commiffar für Bulgarien, Fürsten Dudukoff Kocsakoff anläßlich der Rücksendung jüdisch-bulgarischer Flüchtlinge. Dazu kommen noch einige Nachrichten über die Schulen im Orient. Paris. Hr. Munk, Polizeibeamter, Sohn des sel. Prof. Salomon M., hat wiederum bei einem Brande mit eigener Gefahr zwei Personen gerettet, nachdem er vor Kurzeiii bei der in alle« Blättern erwähnten Amorcle Explosion in der Rue Beranger sich rühmlichst hervorgethan halte, wofür er decorirt worven ist. Toulouse. „Univ. Jsr." berichtet über die feierliche Einweihung eines neuen israel. Friedhofes in Toulouse. Derselbe ist einschließlich steinerner Einfriedigung, eisernem Toor und einem geräumigen Betsaale von der S t a d t eingerichtet und der israel. Gemeinde gratis überlassen. — Wir erwähnen diese Thatsache als Parallele zu den Vorgängen in B r ü s s e l. Toulouse ist ohne Zweifel eine gut katholische Staot, aber sie ist toleranter als die freigeistige belgische Hauptstadt. Befremdend ist es auch, daß in Brüssel dieselben Gesetze des Code Napoleon in Betreff der Kirchhöfe gelten, wie in Toulouse, und doch so verschiedene Auslegung und Anwendung! Vermischte und neueste Nachrichten. Berlin. Die neue Synagoge der Gemeinde „Adaß Jes-