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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1878-09-11 · N° 37. (11.9.1878) · p. Seite 292

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
9 (1878)
Issue
N° 37. (11.9.1878)
Date
1878-09-11
Page
Seite 292 (sequence 6)
Language
German
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— 292 — denthums" sind die Rechte einer juristischen Person verliehen worden; desgleichen dem von Rabb. vr. Bamberger in Königsberg begründeten isr. Studienbeförderungsverein für Ost- und Westpreußen. Breslau. An Herrn Rabbiner Profeffor vr. I. Levy, hier, ist von einem bekannten Verleger in New Jork die ehrenvolle Aufforderung ergangen, sein neuestes Werk: „Neuhebräisches und chaldäisches Wörterbuch über die Talmudim und Midraschim nebst Beiträgen von Prof. vr. Fleischer," ins Englische übersetzen zu lassen, damit die Benützung dieses vortrefflichen Werkes für Amerika und England erleichtert werde. Oppeln (Schlesien), 5. September. (Or.-Corr.) Diese Woche fand hier das Jubelfest zu der 25jährigen amtlichen Thätigkeit des Rab. vr. Wiener statt. Die Gemeinde überreichte ihm 2100 M.in Werthpapieren, und einen neuen schönen Ornat. Die Frauen-Vereine haben sich besonders ausgezeichnet. Bei dem veranstalteten Diner, waren die katholische und evangelisch« Geistlichkeit, Regierungs- und Schulräthe, Bürgermeister und Stadtverordnete anwesend, die sich auch an den Toasten rühmlicherweise betheiligten. Krakau. (Or.-Corr.l Vor einigen Tagen trug man hier den berühmten Hebräisten Feibel Gostdstoff zu Grabe. Derselbe war der Verfasser mehrerer gediegener hebräischer Werke und ein hervorragender Correspondent mehrerer hebräischer Zeitungen, besonders des Hamagid. Er gehörte zu den streng Orthodoxen, nur ließ er sich den Fehler zu Schulden kommen, daß er die hebräische Grammatik gründlich studirte und auch gründlich verstand. Bei seinem Leichenbegängnisse, (hört!) war kein Minjan, keine Klage, kein theilnehmender Ton. Friede seiner Asche! Haag. Unter den am 3. ds. im Palais S. K. H. Prinz Heinrich erschienenen Gratulanten, wurden u. A. wahrgenommen die Herren Exminister M. H. Godefroi; A. L Pincoffs, als Mitglied der ersten Kammer der Generalstaaten; Mesters A. A. d. Pinto und C. D. Affer, als Rathsherren von dem hohen Rath; Mestr. D. Pollak Daniels, als Mitglied des Gemeinderathes —, sämmtlich Israeliten, die von S. H. herzlich empfangen wurden. Pest. Unter dem Titel „Hamechaker, Zeitschrift für jüd. Theologie und Geschichte in populär wiffenschaftlicher Form," erscheint hier seit einigen Monaten unter Redaktion des Hrn Alb. Stern, Oberrabbiner in Neupest, ein neues Blatt, halbmonatlich ein Bogen in Octav. Der Inhalt ist reichhaltig und mannigfaltig, indessen sind in dem vorliegenden Probeblatt gar zu kleine Portionen von den einzelnen Avhandlungen enthalten. Paris. Herr Chailly Mayer, General-Jnspector der Staats-Manufakturen (Mitglied des Central-Comitss der Alliance Israel. Universelle), ist zum Offizier der Ehrenlegion befördert worden. — Bei dem großen Schachturnier sind die Herren Z u ck e r t o r t und W i n i a w e r Sieger geblieben. Wir finden diese Notiz in mehreren deutschen Zeitungen mit der Bemerkung versehen, daß die Deutschen auf dem fraglichen Felde ihren alten Ruhm als tiefe Denker wiederum zur Geltung gebracht haben. Beide Schachsieger sind indessen Juden, (der letzte obendrein ein polnischer Jud«.) Wir haben nun gewiß nichts dagegen einzuwenden, wenn man jüdische Deutsche schlecht und recht als „Deutsche" bezeichnet und gelten läßt, und dies Religionsbekenntniß nur da zur Sprache bringt, wo es sich um religiöse Dinge handelt — aber seltsam ist es, daß dies oft nur dann geschieht, wenn von dem Bekenner des Judenthums etwas Rühmliches zu melden ist. Montpellier. Ein Schreiben im „Univ. Isr." führt wiederholt Beschwerde darüber, daß jüdische Soldaten gezwungen sind, bei den Prozessionen Spalier zu bilden und niederzuknien. Früher, heißt es, habe es sich bei dieser Angelegenheit meist nur um 2—3 Soldaten gehandelt, welche ebenfalls leicht beurlaubt werden oder tauschen konnten, jetzt aber dienten die algerischen Israeliten in großer Zahl in der Armee. In den Garnisonen im Süden, Montpellier, NimeS, Perpignan und Beziöres dienen an 50 Israeliten in jedem Regiment, da könne von einem einfachen Dispens nicht die Rede sein, da die Lücke zu groß werden müßte. Aber warum lasse man nicht reglementsmäßig die Katholiken zu den Prozessionen ausrücken, Juden und Protestanten aber unterdessen in der Kaserne u. s. w. den Dienst versehen, womit beiden Theilen gedient wäre? Ob wohl die französischen Truppen in Cochinchina auch bei den heidnischen Prozessionen die Honneurs machen mußten, oder ob man das den eingeborenen Truppen überlasse? — Schließlich wird das Central-Consistorium aufgefordert Schritte zu thun. (ES ist bekannt, daß unter dem Abel'schen Pfaffenregiment in Bayern vor nunmehr etwa 35 Jahren ähnliche Beschwerden zu erheben waren, sie sind seitdem beseitigt; daß in Frankreich noch darüber geklagt und die competente Stelle zur Intervention erst aufgefordert werden muß, ist uns schwer erklärlich.) London. Man ist in England, insbesondere auch in jüdischen Kreisen der Ansicht, daß in Folge des Berliner Friedens und des Separat-Abkommens zwischen England^und der Türkei, welches eine Art von englischem Protektorat über Kleinasien, Syrien, Palästina statuirt, die Zustände in diesen Ländern wesentlich gebessert, gesichert und civilisirt sein werden. Es spricht sich diese Zuversicht nicht nur in der Presse aus. sondern sie findet materiellen Ausdruck in Anlagen und Unternehmungen aller Art; englisches Kapital sucht Verwendung und Nutzbarkeit im Morgenlande; wie viel dabei solide Anlage sein mag, wie viel Thorheit und Schwindel kann uns hier nicht kümmern. So hat denn auch, wie Jew. Ehr. meldet, das Comitä der „Sir Moses Montefiore-Stiftung" , deren Kapital bislang brach liegen mußte, beschlossen, nunmehr den von ihm schon längst ernannten Agenten, Herrn PineS, welcher dasselbe in Jerusalem zu vertreten hat, nach dem heiligen Lande zu senden. Außerdem hat dasselbe 3000 L. zum Ankauf von Land für den Ackerbau votirt und weitere 3000 L. zur Errichtung von Häusern in Aussicht gestellt. (Vgl. unter „Jerusalem".) Belfast, 29. Aug. (Or.-Corr.) Die britische Association, die soeben ihre diesjährige Zusammenkunft in Dublin hielt, ernannte den Prof. Sylvester (Israelit) zum Präsidenten der mathematischen Section. Aus Serajewo wird der Wiener „Presse" gemeldet, es sei für diese Stadt ein Gemeindestatut entworfen und eine aus 6 Orthodoxen, 5 Muselmännern, 4 Juden und 3 Katholiken bestehende Gemeindevertretung gebildet worden. Jerusalem. (Or.-Eorr.) Bei den Juden Palästina's regt sich die Lust wieder, sich dem Ackerbau zuzuwenden. Viele Familien in Safed haben sich vereinigt, ihre Baarschaft zusammengelegt und Acker und Weinberge angekauft, um sie zu bewirthschaften. Fünfzig andere Familien haben in der Nähe von Acko, wo auch Württemberger sich angesiedelt haben, Grundstücke erworben und widmen sich dem Feldbau. Der Ankunft des Herrn Pines (s. London) wird von allen Parteien mit Sehnsucht entgegengesehen, denn jede glaubt, daß er sich auf ihre Seite schlagen wird, Alle hoffen ihn auszubeuten. Wie wir Herrn P. aus manchen seiner Artikel in hebr. Zeitschriften kennen, ist er ein sehr vorsichtiger unparteiischer Mann, der sich von keiner Partei wird ins Schlepptau nehmen laffen; am meisten enttäuscht dürften die wohl wer, den, die von ihm die Füllung ihrer leeren Taschen erwarten- — Herr Joseph Krieger, erster Secretär des Pascha von Jerusalem, hat von dem Könige von Spanien den Orden Carl lll. erhalten. Rumänien. Herr Cogalniceano hat an den Höfen den Bescheid erhalten, daß Rumänien die Bestimmung des Berliner Vertrags wegen der Gleichstellung der Juden mit anderen Confessionen ohne jede Einschränkung auszuführen habe.

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