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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1878-09-04 · N° 36. (4.9.1878) · p. Seite 280

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
9 (1878)
Issue
N° 36. (4.9.1878)
Date
1878-09-04
Page
Seite 280 (sequence 2)
Language
German
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— 280 — niste oder sonsthin aller Mängel und Fehler bar? Ich habe Exemplare gekannt, die ihren Schulden nach schon einem weit höheren militärischen Range einzurangiren gewesen wären, ohne daß sie sich mit deren Bezahlung absonderlich beeilt hätten. Fern sei es aber von mir behaupten zu wollen, sie seien deshalb alle als leichtsinnige Schuldenmacher anzusehen. Was nun die Unsauberkeit der jüdischen Reserendarien betrifft, an der sie durchweg leiden sollen, so ist es selbst von den bestrenommirtesten Judenhaffern, sofern sie nicht das letzte Fünkchen Wahrheitsliebe auch bereits ihrem schwierigen Berufe geopfert hatten, zugestanden worden, daß es verhältnißmäßig weit mehr ungewaschene Mäuler unter den unbeschnittenen als unter den beschnittenen Bewohnern unseres Planeten giebt und daß Reinlichkeit im Allgemeinen den Juden wahrlich nicht abzusprechen ist, wie denn schon die Religion ihnen diese zur Pflicht macht. Einen so unsaubern Gesellen wie er selbst, wird der edle Knappe der Schles. Volksz. sicherlich unter allen Juden des Erdenrundes vergeblich suchen Wer ist denn nun da der Jude? — Daß aber die Juden schlechtere Juristen wären als ihre christlichen Collegen, ist vorläufig auch noch nicht zu Tage getreten, vielmehr sind die Herren Lasker, Simson, Goldschmidt, Frankenburger Mackower rc. rc. schlagende Beweise vom Gegentheil. Auch sind über die große persönliche Bescheidenheit und Liebenswürdigkeit einer Lasker, Simson rc. selbst ihre Gegner alles Lobes voll und das Gros ihrer weniger nach Außen hervorgetretenen jüdischen Collegen wird im Allgemeinen über die ihnen von der Schles. Volkszeitung abgesprochene Bescheidenheit sicherlich zeitgemäßere Ansichten haben und bethätigen als der Herr Volszeitungsschreiber und seine Sippe. Ausnahmen kommen überall vor und wenn das von ihm registrirte Beispiel wahr ist, so wird das von jedem anständigen Juden gewiß eben so streng und uneingeschränkt verurtheilt werden wie von ihm auch. Unsere Manier ist es nicht, unsere Fehler abzuleugnen und Andere dafür verantwortlich zu machen. Ja, wir gehen sogar so weit, den Aufsatz der Volkszeitung denen, die es angeht, zur aufmerksamsten Lectüre und Nachachtung zu empfehlen. — Richter aber, die, wie die Vzlg. behauptet, durch die Versetzung jüdischer Collegen zu ihnen, sich veranlaßt sahen, ihr Amt aufzugeben und sich nach einem anderen Beruf umzusehen, da ihre Frau doch nicht mit der Collegin Pincus oder Jsaacsohn umgehen könne, sind sicherlich von der Art, daß der Richterstand Preußens und Deutschlands nichts an ihnen verliert und die im Redactions-Büreau der Schles. Vztg. weit mehr an ihrem Platze sind, als im Arbeitsrayon der Themis. Wen hätte es nicht mit der heftigsten Indignation erfüllt, wenn er von Zurücksetzung tüchtiger Officiere hörte, weil sie nicht aristocratischer Abkunft waren? Was soll man aber von Recht sprechenden Beamten des deutschen Reiches sagen, die ihre jüdischen Collegen mieden, nicht weil sie pflichtvergeffen waren, nicht weil sie sonsthin irgend etwas verletzten, was Recht und gute Sitte erheischte, sondern — man denke! — weil sie Plattfüße hatten und gar Jsaacsohn hießen? Nein, so etwas ist wirklich nicht zum Aushalten! Daß aber das christliche, Recht suchende Publikum bei Herrn Jsaacsohn trotz seiner Plattfüße wahrscheinlich bester fahren wird, als etwa ein Client mosaischen Glaubens bei dem richterlichen Judenfreffer, das scheint uns keine sehr gewagte Behauptung. Es dürfte daher auf der einen Seite kaum mehr verloren haben, als es auf der anderen gewinnt, vorausgesetzt natürlich, daß Herr Jsaacsohn sonsthin alle jene Attribute besitzt, die wir von einem rechtschaffenen, tüchtigen Richter verlangen. Damit aber auch kein Tüttelchen Schmutz der aller» schmutzigsten Schmutzpresse fehle, ist in dem betreffenden Artikel sub linea auch der obligate „Drohbrief" nicht vergeffen, der der Redaction in Folge ihrer ad majorem dei gloriam gegen Juden und Judengenoffen gerichteten Angriffe — .natürlich anonym — zugegangen ist, und worin demselben „Hangen wie s. Z. Haman" und „Keule" angedroht werden. Wir gestehen, wir haben nicht sonderlich hohe Begriffe von der Intelligenz des Leserkreises der Schles. Vztg. Daß es ihr aber schon gelungen sein sollte, ihre Leser so zu verdummen, daß sie ihr auch dieses Märchen im Märchen auf Treu und Glauben abnehmen und sie nicht mindestens für betrogene Betrüger halten, das, ehrlich gestanden, können und mögen wir . nicht annehmen, denn Leute solchen Calibers würde unser Planet in solcher Menge kaum ertragen. — Vielleicht vermag der anonyme Verfaffer des Artikels selbst der Redaction über den Macher dieses Schriftstücks aufzuklären Das wollen wir nämlich im Vorbeigehen unfern Lesern auch noch mittheilen, daß feiger Weise unter dem famosen Schriftstück selbst die Unterschrift vergeffen ist. Und das ist trotz alledem und alledem, trotz Unkenruf und Eulengeschrei, der Triumph unserer Zeit und der Zoll, den auch die Unverschämtheit dem Anstand und der guten Sitte dringen muß, mag ihr Inneres sich auch dagegen sträuben, so viel es will. Es kann nicht mehr frei sich hervorwagen und offen vor den Augen der Welt seinem schamlosen Gewerbe nachgehen, was doch wahrlich das Erste sein müßte, wenn man eine ganze Nationalität mit den erbärmlichsten Anklagen überschüttet; es ist gezwungen, vor dem Geiste der Zeit sich in undurchdringliches Dickicht zu verkriechen, dorthin, wo kein Erröthen dringt und keines ehrlichen Kämpfers Fuß ihm folgen mag. Und das sei denn unser Trost in einem Zeitpunkt, den man leider nicht von diesem Hinterhalt allein für geeignet hält, um unberechtigterweise Steine auf Juden und Judenlhum zu werfen. Max Wernberg, Magdeburg. Berichte und Correjpondeuzen. Deutschland. Leipzig. Die beiden vom Ausschuß des deutsch-israelischen Gemeindebundes an den deutschen Kaiser und den Fürsten Bismarck übersandten Adreffen tauten wie folgt: 1) „Ew. K. K. Majestät nahen sich ehrfurchtsvoll die Vertreter des deutsch-israelitischen Gemeinvebundes, um auch ihrerseits, im Namen einer großen Anzahl ihrer Glaubensgenoffen aller Gegenden des deutschen Reiches, ihres Kaiserlichen Herrn glückliche Genesung mit freudigsten Grüßen zu feiern. Fühlen sich auch Deutschlands zahlreiche Bekenner der jüdischen Religion, Dank seiner Staatsverfaffung und ihrer Vaterlandsliebe, alle als Glieder des großen Ganzen, ungetrennt und ungesondert, nur durch religiöse Ueberzeugung als Körperschaft geeinigt, so möge es doch dem Verbände chrer Gemeinden vergönnt sein, der Freude über die gnädige Erhaltung Ew. Majestät noch besonderen Ausdruck zu geben; denn es ist nach althergebrachter und treubewährter Satzung das Heil des Königs und des Staates Sache der religiösen Gesinnung. Alle treuen Unterthanrn Ew. Kaiser!. König!. Majestät sind von der sittlichen Verwirrung und religionslosen

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