Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 9 (1878)
- Issue
- N° 36. (4.9.1878)
- Date
- 1878-09-04
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/5369809-9583355-9583178--3726-9583179- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
M 86. 1878. Jahrgang IX* für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums. Erscheint jeden Mittwbch «.kostet sammt dem allwöchentlich erscheinenden „Jüd. Liter aturblatt" von Rabb. lir.M. Rah me r bei allen Postämtern u. Buchhandlungen vierteljährlich 3 Mark 80 Pf. Mit direkter Zusendung: in Deutschland 12 Mk. (7 fl.); nach dem Auslande: IS Mk. (18 Frcs.) jährlich. Berantwoctlicher Redakteur und Herausgeber Rabbiner Dr. X Treueufels in Stettin. Einzelnummern der „Wochenschrift" ä 25 des „Literaturblatts" » 15 Pf. Ps- Magdeburg, L. September. I n sera t e für die „W o ch e n s ch r i f t", die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum 25 Pf-, (für das „Literaturblatt" » 2V Pfsind durch sämmtliche Annoncen-Expeditionen oder direct an die Expedition der Israelitischen Wochenschrift in Magdeburg" einzusenden. — Bei Wiederholungen Rabatt. Beilagen, 2500 Stück, werden mit 15 Mark berechnet. Inhalt: Leitende Artikel: Der „jüd. Referendariuä" der „Schlesischen Volkszeitung." Berichte und Korrespondenzen: Deutschland.- Leipzig. Osnabrück. Aus Oberschlesien. Hann. Münden. München. Rumänien: Hamburg. Palästina: Jerusalem. Jerusalem. Vermischte und neueste Nachrichten: Berlin. Berlin. Osterode. Breslau. Breslau. Koschinin. Solingen. Teplitz. Paris. Marstille. Rußland. Bulgarien. Feuilleton: Bankier und Handelsjude. Inserate. Wochen- September Ellul. Kalender. 1878. 5638. Mittwoch . . . * 6 Donnerstag . . 5 7 Freitag .... 6 8 *0 (Ende: 7U. 13 M.) Perek 1 u. 2. Sonnabend . . 7 9 Sonntag . . . 8 10 . Montag.... 9 11 Dienstag . . . 10 12 Der „jüd. Referendarius" der „Schlefifchen Volkszeitung." Wer aufmerksamen Auges das Culturleben der Völker und Zeiten durchwandert, dem wird es nicht erspart bleiben, hier und da auf Bestrebungen der ungezügelten rohen Menschennatur zu stoßen, so schmutziger, widerwärtiger Art, daß wir sie gern für übertriebene Schilderungen der Novellisten halten möchten, wenn wir ihnen nicht in der Wirklichkeit begegneten oder historische Documente dafür erbringen könnten. Die Leidensgeschichte Israels ist ganz besonders reich an Illustrationen hierzu, wobei sie selbst natürlich, wie fast durchweg im Völkerleben, nur den leidenden Theil der Tragödie abgeben. Zu diesen Betrachtungen wurden wir angeregt durch die uns leider erst jetzt zu Gesicht kommende Nr. 64 der Schlesischen Volkszeitung, worin, anknüpfend an das Gesetz vom 3. Juli 1869 über die Gleichberechtigung der Confesiionen und die daraus sich ergebende Berechtigung der Juden zur richterlichen Laufbahn, der Versuch gemacht wird, das Judenthum in die Kehrichtjauche jenes elenden Scriblers gedachter Zeitung zu tauchen, so daß man wirklich zu der Annahme gedrängt wird, daß allen Bildungsmitteln der Gegenwart zum Trotz es immer noch Ebenbilder Gottes giebt, an deren undurchdringlichen Hirnschädel der Wellenschlag der Gesittung, überhaupt jede edlere oder auch nur anständige Regung spurlos abprallt, und die in aufgeregten Zeiten die Hyänen der Menschheit, den Pöbel des Pöbels bilden würden. — In ruhigen Zeiten, wenn sie statt des Pulverfadens die Feder als Ableiter ihrer schmutzigen Denkungsart dienen lasten müsten, ist. die Sache so bedenklich freilich nicht und zeigt höchstens, wohin es führt, wenn die Feder in Fäuste geräth, die eigentlich für Mistgabel und Dreschflegel bestimmt zu sein scheinen. Aus solchen Regungen und Bestrebungen entspringt auch den alte ewig wiederkehrende Versuch, die Juden für alle Schäden und Mißstände der Zeit zu belasten. Deshalb schüttet denn auch jetzt die erwähnte Volkszeitung die ganze Schale ihres Zornes auf die armen Juden, weil sie sich's Heuer ab und zu beikommen lasten, die richterliche Carriere einzuschlagen. Die jüdischen Referendarien sind ihr aber ein Gräuel, „sie bekreuzigt sich," wenn sie ihrer ansichtig wird, denn 1) mißfallen ihr deren Hände und 2) deren Füße. Man denke sich, mit den ersteren beklecksen sie die Acten und die letzteren sind gar — horribile dictu — Plattfüße!! In zarter Rücksicht hierauf ist deshalb auch Alles, was die ehrenwerthe Zeitung gegen dieselben vorbringt, ohneHandundFuß. Wie auch nur ein Mensch mit Plattfüßen es wagen mag, Richter zu werden! Den Convertiten Ne and er haben weder seine Hände noch seine Füße gehindert, der hervorragendste Kirchenhistoriker des Protestantismus zu werden, auch Ehren-Stahl hat trotz derselben seinen Weg zum Herzen der Schl. Vztg. gefunden. Natürlich hat in deren Augen das Taufwaster auch diese Fleckea mit weggespült. — Es ist allerdings weder eine Annehmlichkeit, noch diente es zur Verschönerung der betreffenden Persönlichkeit, Plattfüße zu haben. Daß sie aber den rechtschaffenen Richter hindern sollten, seinen graden Weg zu gehen, oder mit irgend einer seiner Amtspflichten auf gutem Fuße zu stehen und also einen gerechten Grund zur Ausschließung von der richterlichen Carriere abgäben, das steht doch auf zu schwachen Füßen, als daß wir es der Schl. Vztg. so ohne Weiteres glauben könnten. Und — im Vertrauen gefragt — sind denn die christlichen Referendarien alle Ado-