Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 9 (1878)
- Issue
- N° 34. (21.8.1878)
- Date
- 1878-08-21
- Page
- Seite 268 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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— 268 — Der Schriftsteller, Herr Moses Luncz hier, ist jetzt mit Vollendung feines projectirten Werkes, „Netiboth Zion wi- Jeruschalaim", beschäftigt. Der erste Theil ist bereits hebräisch erschienen und in Bälde wird auch der zweite Theil hebräisch und beide Theile in deutscher und eiMlifcher Sprache er« scheinen. Dieses Werk enthält nicht nur die genaue Beschreibung des jüdischen Jerusalem, sondern auch des Lebens in Familien, Gemeinden und Vereinen. Ein solches Werk ist noch niemals erschienen, denn ein fremder Beobachter ist nicht im Stande, bei seinem Aufenthalte in Jerusalem genau in die jüdischen Verhältnisse bücken zu können. Ich hoffe, daß unsere Glaubensgenoffen in Europa, Amerika rc., den Verfasser zu schätzen verstehen, und den neuen genauen „Führer in Jerusalem" kaufen werden. ... u.e (Auch wir können das Buch, von dem uns einige Probebogen in guter correcter deutscher Uebersetzung vorliegen, bestens empfehlen. R.) Vermischte und neueste Nachrichten. Berlin. Mitten in den religiösen Wirren und kirchlichen Streitigkeiten unserer Zeit wird die Erinnerung wohl von Bedeutung sein, daß am 1. April 1879 hundert Jahre verflossen sein werden, ^daß Lessing sein unsterbliches Drama „Nathan der Weise", diese Verkündigung der lautersten Humanität und wahrsten Duldsamkeit, dem keine Nation ein gleich großes Dichtwerk von ähnlicher Tendenz an die Seite zu stellen hat, vollendete. Nach eigener Aufzeichnung Lessing's begann er die versificirte Bearbeitung am 15. November 1778 und vollendete sie in den ersten Tagen des April 1779. Bei dieser Gelegenheit wollen wir auf eine soeben von vr. Berliner edirte kleine Broschüre des 1876 verstorbenen vr. F. Lebrecht Hinweisen: „Zum 150. Geburtstage Mose's Mendelssohn's",*) worin L. nachweist, daß Mendelssohn nicht, wie man bisher irrthümlich annahm — am 12. Ellul 5489 (d. i. 6. Septbr. 1729), sondern am 12. Ellul 5488 (d. i. am 17. August 1728) geboren sei. Allenstein, Ost.-Pr. (Or.-Corr.) Im Anschluß an die Mittheilung in Nr. 28 dies. Bl. ist nachzutragen, daß der Herr Prediger Tonn vom Provinzial-Schulcollegium zu Königsberg als Religionslehrer am hiesigen Gymnasium definitiv bestätigt ist, was amtlich durch das Kreisblatt bekannt gemacht wurde. Die Stadtverordneten-Versammlung bewilligte einstimmig dem Herrn Tonn ein jährliches Honorar von 300 Mk. Hr. T. verwaltet sein Amt in der Gemeinde seit 16 Jahren zur Zufriedenheit seiner Gemeindemitglieder, für deren Jugend er gewiffenhaft thätig ist. Teplitz. Am 30. Juli, Nachmittag 1 Uhr, wurde für den Verewigten Kreisrabbiner Herrn David Pick der übliche TrauergoteSdienst in der Synagoge feierlich abgehalten, zu welchem Zwecke das Allerheiligste und deffen nächste Umgebung schwarz decorirt war. Herr Radbiner Dr. Bloch aus Brüx hielt die Trauerrede, in welcher er mit edler Beredtsamkeit das Lebensbild des Verstorbenen der Gemeinde nochmals vor Chron. rc.), welche mißliebige Schilderungen über Palästina bringen, gibt aber alles von diesen Berichten zu, nur mit dem Unterschiede, daß Striche, Punkte, Anspielungen und gedruckte Seufzer die Stelle deutlicher Worte vertreten. Schließlich gibt das Blatt unumwunden zu, daß die ungarischen Fanatiker an allem Unheil Schuld seien, die Juden aus den anderen Gemeinden seien brav und gut. Möchte das richtig sein. (Red.) *) Verlag von Mayer und Müller in Berlin. Preis 60 Pf. Der Reinertrag ist f. d. Mendelssohn-Stiftung bestimmt. die Seele führte. Die Feier war in jeder Weise eine angemeffene und würdige. Preßburg. In M i l l i d o r f starb jüngst eine Frau Debora Gießbann im seltenen Alter von 119 Jahren, die außer vielen Enkeln und Urenkeln einen Sohn hinterließ, der 91 Jahre alt ist. Auf Norderney fand am 9. d. Mts. die feierliche Eröffnung der israelitischen Synagoge statt, deren Herstellungskosten großentheils aus freiwilligen Gaben der Badegäste gedeckt worden sind. An der Feier betheiligten stch von den dort anwesenden Gästen der Justizminister vr. Leonhardt, der Landdrost Zakrzewski - Aurich, der Badecommissar Freiherr von Vincke u. A. Die Weihrede hielt, nachdem der Landdrost das Gebäude Namens der Staatsregierung der israelitischen Gemeinde zu gottesdienstlichem Zwecke übergeben, Herr vr. Rosin aus Breslau, der sich um das Zustandekommen des Gotteshauses sehr verdient gemacht, die eigentliche Festrede vr. Prager aus Hannover. Aus England. „Jewish World" schreibt: „Gleichzeitig mit der Veröffentlichung der anglo-türkischen Convention erscheint die Mittheilung, daß ein Agent nach dem heiligen Lande abgeschickt worden, mit dem Aufträge, daselbst Ländereien rc. aufzukaufen, um mit dem großen Humanitären Plan des ^Sir Moses Montefiore Testimonial Fund" einen Anfang zu machen. Der Zweck des Fonds ist, die Lage der Juden in Palästina, durch eine Anspornung zu landwirthschaftlicher und industrieller Thätigkeit — unter einer Controle, welche einen günstigen Erfolg sicher stellt — in dauernder Weise zu verbeffern. Unsere Glaubensgenoffen in Palästina, welche sich der Olivenzucht und dem Tabaksban widmen, werden, wenn alle versprochenen Reformen der Konvention, zur Ausführung kommen, im Stande sein, ihre Produkte nach Europa zu verschicken und sich in dieser Weise allmälig eine Stellung erwerben, welche an Wohlstand den europäischen Gemeinden nichts nachgeben wird." — Dem „Standard" wird unterm 8. d. aus Konstantinopel gemeldet, daß eine französisch-jüdische Gesellschaft die Conzession zu Gewinnung von Bitumen (Erdpech) aus dem Todlen.Meer erlangt hat. Man nimmt an, daß genannte Gesellschaft auf geheimen Wegen zu Gunsten der Gesellschaft arbeiten wird, welche die Eisenbahn zwischen Jaffa und Jerusalem baut. General Math, ein seit langer Zeit in Konstantinopel lebender Amerikaner, hat die Conzesston für die Eisenbahn erhalten. In Newyork plant man die Einberufung eines öffentlichen Meetings aller amerikanischen Juden in den Ver. Staaten, zum Zwecke der Annahme von Resolutionen, welche ihrem Danke Ausdruck geben gegen Lord Beaconsfield, Fürst Bismarck und Graf Adraffy, weil sie auf die Anerkenung der Rechte der Juden in Serbien und Rumänien bestanden und ausreichende Garantien für Durchführung derselben erlangt haben. Jerusalem, 1. August. (Or.-Corr.) Wir sind zum zweiten Male in diesem Jahre von der Heuschreckenplage heimgesucht; auch sind der Blatternkrankheit Manche zum Opfer gefallen. — Die hiesigen Drechsler haben eine kleine Broschüre veröffentlicht, in welcher sie Vorschläge zur Hebung des Handwerkes machen, worüber ichJhnen nächstensNäheres berichten will» Maroceo. Hier herrscht — besonders unter den Juden — große Hungersnoth; in England wird für die Unglücklichen bereits gesammelt.