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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1878-08-21 · N° 34. (21.8.1878) · p. Seite 266

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
9 (1878)
Issue
N° 34. (21.8.1878)
Date
1878-08-21
Page
Seite 266 (sequence 4)
Language
German
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— 266 — A. Das Centralcomits hat hierbei besonders diejenigen Länder im Auge, in denen nur eine kleine Zahl von Comitäs der Alliance besteht und wo deshalb die Mitwirkung an dem Werke der Alliance verhältnismäßig schwach ist, wie z. B. die Vereinigten Staaten von Nord-Amerika, wo der Board von New-Iork, der Gemeindebund von Cincinnati und andere Vereine sie unterstützen könnten. Der gen. „Board" bemerkt, daß die amerik. Juden in vielen Fällen der Alliance sein Interesse bezeugt hätten, so durch Sammlungen für die Ackerbauschule in Jaffa, auch während des letzten Krieges für die Israeliten der Türkei 10,000 Dollars seien aus Amerika eingegangen Ihre Sympathien für Rumänien hätten sie durch Peixotto (Mitglied des Board) bewiesen. Dagegen sei es schwer, einen förmlichen Anschluß der amerikanischen Israeliten an die Alliance zu Wege zu bringen, da ihre eigene Organisation noch sehr unvollständig ist. Der Board empftehlt daher die Bildung von Comitäs der Alliance in Amerika nicht, aber er räth, jährlich an einem bestimmten Tage, am Purim, in allen Synagogen und allen Wohnungen eine Kollekte zu veranstalten, deren Organisation er übernehmen will. Eine ähnliche Maßregel empftehlt er für alle Gemeinden, in denen kein Comits besteht. In allen anderen Angelegenheiten wird er mit der Alliance Zusammenwirken und hofft, daß in einer nicht fernen Zukunft eine formelle Verbindung der Israeliten der alten und der neuen Welt möglich sein wird. B. Bezüglich der Organisation macht 1) das Coniils in Königsberg folgende Vorschläge: a) die Art. 7 und 8 des Statuts, welche bestimmen, daß die Mitglieder des Centralcomitss in Paris wohnhaft feien, und daß das Centralcomits durch Abstimmung aller Vereinsmitglieder ernannt werde, wie folgt abzuändern: Art. 7. — Das Centralcomitä besteht zur Hälfte aus in Frankreich wohnenden, zur Hälfte aus dem Auslande augehörigen Mitgliedern. Art. 8. — Die französischen, in Paris wohnenden, Mitglieder des Centralcomitvs werden von der Gesammtheit der französischen Mitglieder gewählt. Die nichtfranzösischen Mitglieder des Centralcomitss werden auf Vorschlag des Centralcomitss durch die Lokalcomit6s der nichtfranz. Länder gewählt, wobei jedes Lokalcomilä eine Stimme hat. Relative Stimmenmehrheit entscheidet. Zwei Monate vor Aufstellung der Stimmliste ladet das Centralcomitä die Localcomü6s ein, Kandidaten für ihr Land vorzuschlagen. Die Abstimmung der Localcomitss geschieh! entweder durch Präsidenten, oder durch die Gesammtheit ihrer Mitglieder. d) in Art. 10 das Wort vierzig (Mitglieder des Centralcomit6s) in fünfundvierzig umzuändern. 2) Um die Wirksamkeit der Alliance zu erhöhen und eine regere Betheiligung der Mitglieder zu ermöglichen, sind von den Herren Dr. Kristeller, Präsident des rumänischen Comiiss in Berlin und Adolf Weinberg, Präsid. des Vereins Zion in Bukarest, folgende Anträge eingegangen: 1. Die Comit6s eines Landes vereinigen sich in selbstständig orgauisirten Subdivisionen der Alliance. 2. Das Centralcomitä in Paris hat die Leitung und Ausführung aller allgemeinen Fragen. Die Abtheilungen der einzelnen Länder stehen mit demselben in Verbindung und tragen durch bestimmte jährliche Beiträge zu seinen Ausgaben bei. 3. Die Abtheilungen der einzelnen Länder wählen Delegirte, die in Paris wohnen und die im Centralcomits Stimmen haben sollen. Desgleichen wählt das Centraicomtt6 Delegirte, die in den Berathungen der Abtheilungen der einzelnen Länder Stimmen haben. 4. Es ist wünschenswerth, daß sich die jetzt bestehenden israelit. Vereine enger mit dem Centralcomilä vereinigen und demselben einen jährlichen Beitrag leisten. 5. Zu bestimmten Zeiten beruft das Centralcomit6 die Delegirten der Abtheüungen der einzelnen Länder und der in Nr. 4 genannten Vereine zu einer Generalversammlung, auf welcher a) das Centralcomits Rechenschaft ablegt; b) Das Budget des folgenden Jahres und die Beiträge der einzelnen Abtheilungen festgesetzt werden; c) allgemeine Fragen der Alliance berathen werden. 6. Es sollen Anstrengungen gemacht werden, die Alliance über alle Länder zu verbreiten. Wo jedoch die Landesgesetze den Anschluß an einen ausländischen Verein verbieten, wird man sich mir den Israeliten dieser Länder über ihren Beitrag zu dem Werke der Alliance nach § 1 des Statuts in Verbindung setzen. 7. Zur Prüfung dieser Fragen im Verein mitdemCentralcomit6 wird eine Commission ernannt. II. Berathung darüber, wie die Alliance in Rußland, mit dem sie bis jetzt nur durch das Königsberger Comit6 in indirecter Verbindung stand, sowie auch in Kleinasien, Persien und anderen Ländern ausgebreitet werden könne. Hierzu liegen Vorschläge des vr. Bamberger-Königsberg vor. III. Schulangelegenheiten. 1. Vermehrung der Schulen im Orient und in Afrika, resp. Verbefferung derselben. 2. Organisation des Elementarunterrichts in R u m ä n i e n und Serbien. Es ist die Aufgabe der Alliance, aus allen Kräften an der Hebung des Elementarunterrichts und der Gründung guter Schulen zu arbeiten, ein Lehrerseminar zu gründen und die nationale Sprache und europäische Cultur zu verbreiten. 3. Die Anglo-Jewish-Affociation schlägt vor, daß die Alliance für die Schulen im Orient die Herausgabe eines systematischen Cursus von Elementarbüchern veranstalte. IV. Verbefferung der Lage der Juden im Orient, besonders in P a l ä st i n a. 1) Größere Unterstützung der Ackerbauschule zu Jaffa. 2) Anträge des Prof. Graetz-Breslau, betr.: Wirksamere Verteilung der Spenden im Helligen Lande, Erziehung der Jugend zu Handwerken, Gründung von Waisenhäusern. 3) . Antrag des Rabb. M o m i g l i a n o -Bologne: AuS Sparnißrücksichlen die Einrichtung, daß Sendboten aus Palästina die Gemeinden besuchen, aufzuheben. V. Antrag die Statistik der Juden der Welt betreffend. VI. Diverse Fragen und Anregungen (u.A. Schleiden). Rumänien. ß Bukarest, 31. Juli. (Or.-Corr.) Die Nachrichten, die ich Ihnen über die hiesigen Zustände mittheile, tragen ganz den Charakter des Monares an sich, in dem wir uns jetzt befinden. Sie sind nichts weniger, als erfreulich. Nach den großen Erfolgen, die wir (Israeliten) im Berliner Congreffe errungen, dürfte Ihnen dies wohl unglaublich scheinen;!aber leider verhält es sich nicht anders. Wie die Dinge heute -stehen, scheint Rumänien nicht gewillt zu sein, den Beschlüssen wes Congreffes, soweit sie sich auf die Gleichstellung der Juden beziehen, sich zu unterwerfen. Es liegt nicht außer dem Bereich der Möglichkeit, daß es in seinem Widerstand von Rußland bestärkt werden wird. Um dies erklärlich zu finden, braucht man nur jene Aeußerungen zu lesen, die der ruffische Reichskanzler that, da es sich um die Emancipation der Juden in Serbien handelte und die Herren Bratianu und Comp, ohne Zweifel große Freude bereiten mußten: er selber hätte nicht nachdrücklicher seinen Judenhaß vertheidigen können. Diese Denkungsweise der russischen Machthaber ist übrigens nicht neu, sie ist uns hinreichend bekannt. So oft die hiesigen Vertreter der europäischen Mächte bei der rumänischen Regierung wegen der periodisch sich wiederholenden Judenverfolgungen Beschwerde erhoben und durchgreifende Maßregeln dagegen empfohlen, war es der Vertreter Ruß« lands, der Rumänien ans der Verlegenheit riß, indem er bemerkte: die Juden Rumäniens seien nicht so, wie die in London, Paris, Berlin und Wien, man müffe an die ersteren einen andern Maßstab anlegen. Thue man dies, lo werde mau die Ausschreitungen gegen sie auch natürlich fin-

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