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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1878-08-21 · N° 34. (21.8.1878) · p. Seite 265

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
9 (1878)
Issue
N° 34. (21.8.1878)
Date
1878-08-21
Page
Seite 265 (sequence 3)
Language
German
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— 265 — ocrflbe so hinfällig, wie der Pendant von Angriffen gegen die katholische Religion durch die von Juden herausgegebenen Zeitungen. Daß zu dieser Kategorie auch der „Kladderadatsch" gehören soll, ist zwar neu, aber ich acceptire itn Hinblick auf die Weltberühmtheit, auf den gesunden Sinn dieses Blattes, die Genoffenschaft aus vollem Herzen und überlasse die Vertheidigung gegen diese Angriffe den Geistlichen ihrer Religion, wie ich das Judenthum gegen böswillige Anschuldigungen jederzeit in Schutz nehmen werde." Münster. Einer Bekanntmachung des Oberpräsidenten unserer Provinz im „Amtsblatt der König!. Reg " entnehmen wir über die Wirksamkeit des Marks-Haindorf'schen jüdischen Elementarlehrer-Seminars folgende Zahlen: Seit Juli 1875 sind I) in die Lehrerbildungs-Anstalt neu ausgenommen a. aus Westfalen.7 Zöglinge. b. „ der Rheinprovinz .... 6 „ c. „ der Provinz Hannover (auf eigene Kosten) . . . . . 1 „ Summa . . 14 „ 1) Geprüft und mit dem Wahlfähigkeitszeugniffe entlasten sind a. aus Westfalen.3 Zöglinge. b. aus der Rheinprovinz.... 4 „ Im Ganzen sind jetzt 261 Schulamts-Candidaten ausgebildet worden. Die Elementar-Schulklaffe zählt im laufenden Schulsemester 32 Schüler und Schülerinnen, von denen mehrre unentgeltlich unterrichtet werden. Rach der letzten Uebersicht des Castenzustandes beträgt die Einnahme: a) in Provinz Westfalen: 118,911 M. 71 Pf. b) in Rheinprovinz: 8483 M. 25 Pf.; hierzu kommen Bestand, Zinsen, Grundeigenthum, Schulgelder, rückerstattete Kosten von Lehrern, Zuschuß von der Königl. Regierungs- Hauptkasse (19,500 M.), zusammen 67,080 M. Die Zahl der Seminaristen ist zur Zeit 14. Das Amt des Seminardirectors ist seit dem Abgänge des Dr. Zirndorf dem ersten Lehrer der Anstalt, Dr Steinberg, übertragen. Der Oberpräsident sowohl wie das Provinzial-Schulcollegium fordern die jüdischen Gemeinden beider Provinzen zu freiwilligen Spenden und festen jährlichen Beiträgen für die Anstalt auf. E. M. Leipzig, im Juli. (O.-Corr.) Bekanntlich wurde der berühmteVerf.der „Deborah", Mosenthal, weniger bei seinem Leben, als nach seinem Tode von Feind und Freund, besonders seitens der Wiener Journalistik als Dramatiker nicht nach Gebühr gewürdigt, und das Urtheil gegen den „jüdischen" Schriftsteller folgte und verfolgte ihn selbst nach dem Tode trotz des pietätsvollen Spruches: da mortuis nil nisi bene l Die ehrliche unparteiische Kritik aber triumphirt endlich über das absprechende, dünkelhafte, von Neid und Mißgunst irregeleitete Urtheil zeitgenöstischer Concurrenten. — In dem eben bei Fr. Hartknoch hier erschienenen Bändchen „HarmloseGeschichtenaus derBühnenwelt", von dem bekannten geistreichen Autor Sacher-Masoch, schildert derselbe (im Kapitel „Kleine Abenteuer Dramatischer Autoren") in recht humoristischer Weise die Leiden und Kämpfe der begabtesten dramatischen Dichter bis zu dem Augenblicke, wo ihre glänzende Laufbahn mit der Aufführung des „ersten" Stückes beginnt. Die betreffende Stelle darin über Mosenthal, glaubt Res. als von Interesse für die Lesrer der „Wochenschrift" hier wörtlich wiedergeben zu dürfen: „Mosenthal, nicht allein ein wahrhaft begabter Bühnendichter, sondern ein liebenswürdiger und guter Mensch, war sowohl unter den Schriftstellern als den Schauspielern sehr beliebt. Nur die Wiener Jurnalisten feindeten ihn an. Mit Unrecht, denn M. ist der einzige deutsche Dramatiker, dem es außer Schiller und Goethe gelang, eines seiner Stücke auf die Weltbühne zu bringen. Seine „Deborah," die seinen Namen zuerst in Deutschland berühmt gemacht hatte, wollte. Anfangs Dumas Vater auf die französische Bühne bringe Aber der joviale Alte vergaß sein dem Autor und Direktor gegebenes Versprechen, das Stück binnen 14 Tagen fertig zu machen ebenso rasch, wie viele andere seiner zahlreichen Projekte. Das Pariser Publikum wurde zuerst durch die Nistori mit dem Stücke M's bekannt, die große italienische Tragödin spielt es auf allen europäischen Bühnen in der trefflichen Uebersetzung von Kapitän Ceri. Ich selbst sah sie in Florenz im Teatro delle Logge die Deborah in einer geradezu überwältigenden Weise spielen, und das intelligente Florentiner Publikum rief den Dichter am Schluffe stürmisch heraus, der Regisseur dankte in seinem Namen. Ich weiß nicht, ob M. jemals von dieser Ovation erfahren hat. Die große amerikanische Tragödin Miß Leah spielte die Deborah mehr als 100 Mal in englischer Uebersetzung in London und sendete dem Dichter nach der hundertsten Aufführung einen goldenen Lorbeerkranz. In Amerika kam die Deborah in englischer, italienischer, und deutscher Sprache vor das Publikum, außerdem wurde sie ins Russische, Polnische, Ungarische, Kroatische und Czechische übertragen. Die in literarischer wie in moralischer Beziehung so tief stehende Wiener Kritik hatte also wahrlich keinen Grund, Mosenthal zu insultiren" (S. 40 — 42). Nun folgt eine köstlich erzählte Scene von einem geheimnißvoll an Mosenthal, nach erfahrenen heftigen Angriffen auf seine „Jsabella Orsini," übergebenem Billet, das chn zu einem Rendezvous einlud, mit der Unterschrift: „Ihre übet die Wiener Kritik erbosten Töchter." Dies Rendezvous endete mit einem von sämmtlichen berühmten Schauspielerinnen der Wiener Theater zubereiteten lucullischen Mahl, gewürzt mit einem auf die Situation paffenden heiteren Gedichte, und zuletzt wurde Mosenthal von den maskirten Musen mit einem silbernen Lorbeerkranz gekrönt, desstn Blätter die Titel seiner sämmtlichen Stücke enthielten." (S.42 — 43). — Im Verlage von Wilhelm Engelm ann hier erschien so eben in Separatabdruck die zweite höchst intereffante Abhandlung Schleidens: „Die Romantik des Martyriums bei den Juden." In kräftigen und kühnen Strichen zeichnet Verfaffer eine treffliche auf umfaffende Sachkenntniß und ein gründliches Quellenstudium fußende Skizze der Leidensgeschichte des jüdischen Volkes in den letzten acht Jahrhunderten, und ein kurzer Ueberblick dieses „ungeheuren Trauerspiels im christlichen Mittelalter" zeigt dem denkenden Leser, daß Alles, was wir vom Martyrium der Christen unter den Heiden wirklich wiffen, dagegen nur „wie Kinderspiel erscheint." Wir bewundern den edlen Mannesmuth im polemischen Theil dieser Abhandlung, wie er mit aller kritischen Schärfe einer voraussetzungslosen objectiven Forschung gegen jede einseitige oder schiefe Auffaflung dieses Geschichtsabschnittes, die in älterer und neuerer Zeit von dem größten Theil historischer Capacitäten als ererbte falsche Tradition getheilt und bis auf unsere Zeit ohne Prüfung und Kennt« niß acceptirt und propagirt wurde, geharnischt auftritt und ungescheut der gegnerischen Darstellung den Vorwurf der Parteilichkeit und des Voreingenommenseins macht. Es ist eine Ehrenpflicht jedes Israeliten, sich in den Besitz dieser Broschüre zu setzen, die in zwei Ausgaben (Volks- und beffere Ausg.) erschienen. Der Preis ist ein sehr billiger: 50 Pf.; in Parthien zu 100 nur 40 Pf. Die Gemeindevorstände sollten — wie dies hier geschehen — größere Parthien kommen und an die Mitglieder vertheilen lassen. Frankreich. Paris. Die Delegirtenconferenz der „All. Jsr. Un." war sehr zahlreich besucht. Es waren (außer den Parisern) Delegirte erschienen aus: Atlanta, Berlin, Bradford, Breslau, Brody, Brüssel, Bukarest, Casale Monferrato, Constantiene, Galaz, Giberaltar, Hannover, Königsberg, Cana, Leipzig, Liegnitz, Liverpool, Livorno, London, Manchester, Mülhausen, Nancy, Newyork, Padua, Rotterdam, Stettin, Szegedin, Wien, Washington. Die auf die Tagesordnung gesetzten Anträge betrafen: I. Die weitere Entwickelung und Organisation der Alliance.

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