Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 9 (1878)
- Issue
- N° 33. (14.8.1878)
- Date
- 1878-08-14
- Page
- Seite 260 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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die Gewehre und sonstige Ausrüstungsgegenftände abgenommen hat. Wir theilen aus dem (durch Versehen in dieser Nr. noch zurückgebliebenen) Orig.-Art. unseres L.-Corresp. hierüber noch mit, daß, wie in höchst maßgebenden Kreisen verlautet, man erst nach Aufhören der ruff. Occupation die Constituante einberusen wolle. Bis dahin werde die Dobrudscha nur provisorisch besetzt werden, so solle bis dahin auch die Frage der Gleichberechtigung der Juden in der Schwebe bleiben. Amerika. 8. W. St Louis, 18. Juni. (Or.-Corr.) (Schluß.) Es wird allerdings noch eine gute Anzahl von Jahren dauern, bis wirkliche, befähigte, hier herangebildete Rabbiner und Prediger an der Spitze der kleinen und mittleren Gemeinden dieses Landes stehen werden, — die größeren Gemeinden sind von tüchtigen, in Europa gebildeten und wohlbekannten Rabbinern geleitet — allein die bloße Aussicht, daß eine Zeit kommen werde, wo nicht jeder Kaufmann oder Handwerker, der seinen Beruf verfehlt oder sich verspeculirt, den Rabbiner und Prediger wird spielen können, ist auch schon erfreulich. Es ist nämlich nichts leichter, als hierzulande ein jüdischer Prediger zu werden. Man braucht sich blos ein Paar Bände Predigten von Philipson, Sachs, Joel, Jellinek und Andern, und etwa das „Rahmer'sche Predigt-Magazin" anzuschaffen, ein Paar Visitenkarten drucken zu lassen, worauf zu lesen: Reverend vr. N. N., Rabbi, und dann — gehl's los auf die Gemeinden, deren Ignoranz die einzige Stütze dieser Sorte von Predigern ist. Es ist großartig, was hier an Plagiaten geleistet wird. Unsere europäischen Kanzel-Celebritäten wiffen gar nicht, wie ungemein viel sie in solch indirecter Weise zur Hebung und Erbauung unserer Gemeinden beigetragen. Zum Schluffe muß ich Ihnen noch ein Curiosum mittheilen, aus dem sie ersehen können, welche Früchte das Wirken dieser Humbug-Prediger zeitigt. Am letzten Schewuoth-Feste wurden in einer hiesigen Synagoge, wie dies allenthalben hier Brauch ist, eine Anzahl von Kindern confirmirt, der Prediger, der seit Kurzem in der Gemeinde angestellt ist, wollte seine Zuhörer, oder, wie einer derselben sich ausdrückle, den Himmel mit Sturm nehmen und ließ ein langes Programm für diese Gelegenheit drucken. Eine hiesige deutsche Tageszeitung übersetzte eine Nummer dieses Programms (wie Sie aus Beilage ersehen können) in folgender Weise: „Einsegnung der Conftrmanden und Austheilung des heiligen Abendmahls durch den Rabbiner"*) Gemeint war: Austheilung der Confirmations-Certificate. Es ist ein Glück, daß wir nicht im Mittel Alter leben, sonst hätten wir vielleicht eine Judenverfolgung erlebt. Nächstens mehr! Vermischte und neueste Nachrichten. Berlin, 4. Aug. In der vorgestrigen Versammlung der Christlich-Socialen wurde die Frage, ob Juden und Heiden in den Himmel kommen, von Herrn Stöcker so erledigt, daß sie weder in den Himmel noch in die Hölle kämen, sondern in eine Zwischenstation, wo mit ihnen Bekehrungsversuche angestellt werden. Bielefeld, 6. Juli. Am hiesigen Gymnasium und der damit verbundenen Realschule, ist nunmehr vom Cultusministerium die Ernreihun \ des jüdischen Religionsunterrichts in den Lehrplan der Anstalten genehmigt und ein entsprechendes Honorar bewilligt worden. Deffau. (Or.-Corr ) Der freudige Zufall, von dem wir in Nr. 32 berichteten, ist dahin zu ergänzen, daß genannte drei Herren (Berg, Asch und Tuchmann), die vor ca. 50 *) Das Programm liegt gedruckt (in einem Zeitungsausschnitt) vor uns, es steht wirklich wörtlich so da, wir würden es sonst kaum unfern Herrn Correspondenten glauben! Aber wie ist nun diese unsinnige Uebersetzung entstanden oder wie ist sie sonst zu erklären!? Red. Jahren in einer Werkstatt als Meister, Geselle und Lehrling arbeiteten, sich nach diesem langen Getrenntsein zufällig am 1. März d. I. wiederfanden. Thorn. Am hies. Gymnasium ist ein Israelit (Hr. vr. Horowitz), nachdem er 2 Jahre lang als kommissarischer Lehrer fungirt hatte, nunmehr zum ordentlichen Lehrer ernannt und durch den Director des Gymnasiums (vr. Lehnert) vorschriftsmäßig vereidigt worden. Leipzig. Der Ausschuß des Gemeindebundes hat an den .Fürsten Bismarck eine Dankadresse für seine Bemühungen um die Gleichstellung der rumän. Juden gerichtet. Fürth, 4. August. (Or.-Corr.) Lediglich um einen Beitrag zur Geschichte der Mythenbildung zu liefern, ersuche ich Sie um Berichtigung der Angabe in Nr. 31, als sei für einen der an Trichinose hier erkrankten Glaubensgenoffen (?) p^im gesagt worden. Es ist dies vielmehr in keiner der hiesigen 6 Synagogen geschehen. Bei dieser Gelegenheit gestatten Sie mir, eine alte wahre Geschichte der Vergeffenheit zu entreißen. Ein selten auf der Straße sichtbarer Talmudkundiger alten Schlages ging eiligst wohin. Ein Bekannter sah ihn und rief ihn an: „Rab Ploni, wohin so schnell?" — „„Zu D^inn r6an!"" — „Für wen?" — „„Für 6 Batzen!"" London, 4. Aug. Der am 31. Juli verstorbene vr. Abraham Benisch hatte an der Wiener Universität studirt, war aber in jungen Jahren nach England übergesiedelt, wo er im Aufträge des Ober-Rabbiners die erste Uebersetzung sämmtlicher hebräischen Schriften in's Englische, wie sie von den rechtgläubigen Juden ausgelegt werden, veröffentlichte, vr. B. war der langjährige Redakteur der „Jewish Chro« nicle“ und der Verfasser von „Life of Maimonides“ und „Judaism Surveyed“ und andererer Werke. Er war einer der hervorragendsten Gründer der Gesellschaft für Hebräische Literatur und der anglo-jüdischen Affociation. Bosnien. Nach den letzten Zählungen beläuft die Ä nzahl der in Bosnien wohnenden Israeliten 6000; sie sind im ganzen Lande zerstreut, in ihren Händen ruht der ganze Handel. Sie sind Bankiers, Kaufleute, Fabrikbesitzer. Ihr religöses Oberhaupt (Chacham-Baschi) wohnt in Serajewo; ihm unterstehen die Rabbiner in Trawnik, Mostar, Bamjaluka und Novi-Bazar. — In der Herzegowina wohnen im Ganzen nur 2000 Juden, davon in Mostar 800. Papa. (Ungarn). Der hiesige Rabbiner vr. Klein wurde von der Bürgerschaft zum Stadtvertreter gewählt. Jassy. Gegenwärtig wird der Darabani-Prozeß vor den Geschworenen in Dorohoin verhandelt. Marocco. Als der Kaiser von Marocco hörte, die Juden hätten für seine Wiedergenesung Gebete abgehalten, befahl er 500 Napoleonsd'or unter deren Armen zu vertheilen. Aus San Francisco wird gemeldet, daß der unter dem Namen „Korn-König" bekannte Jsaac Friedländer gestorben, ist, und noch beim Tode hat sich seine Macht durch eine Störung des Getreidemarktes geltend gemacht. Der Verstorbene war im Jahre 1823 in Oldenburg geboren, kam aber schon als Kind nach Newyork, von wo er nach einigen Jahren nach Georgia und Süd-Carolina sich begab; in Charleston heirathete er, gab aber bald sein Geschäft auf und eilte, vom Goldfteber ergriffen, im Juli 1849 nach Californien. Indessen hatte er in den Goldminen wenig Erfolg und so ließ er sich in Francisco nieder, um im Kornhandel zu speculiren. Gleich die erste Speculation brachte ihm und seinen Genossen 1 Million Dollars ein. 1856 mußte er seine Zahlungen einstellen, befriedigte aber trotzdem seine Gläubiger in den nächsten Jahren bis auf den letzten Dollar. Da verfiel Friedländer auf den glücklichen Gedanken, den sehr beliebten californischen Weizen direkt nach Großbritannien und Australien zu verschiffen. In seinem Freunde James Bell (Falkner, Bell u. Co.) fand er einen Genoffen und 1858 ging die erste