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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1878-08-14 · N° 33. (14.8.1878) · p. Seite 259

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
9 (1878)
Issue
N° 33. (14.8.1878)
Date
1878-08-14
Page
Seite 259 (sequence 5)
Language
German
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— 259 maligen Schneidemühler Rabbiners s. A. und dessen, wie auch deL berühmten R. Akiva Eger besonders ausgezelchneter Schüler. Als vor einigen Jahren die Colonisation Palästina's vielfach besprochen und angestrebt wurde und namhafte Gelehrte der Meinung waren, man könne auch in Jerusalem den Opfercultus wieder einführen, hat der Verstorbene zur gründlichen Widerlegung dieser Ansicht ein Werk HTnlJ nöfl herausgegeben. Die Beweisführung in dem Werke ist von so eminenter Gelehrsamkeit, Scharfsinn und Entschiedenheit, daß jeder Sachkundige die Ueberzeugung gewinnt, der fragliche Gegenstand habe hiermit seinen Abschluß gefunden. In dem letzten Bogen des Werkes hat er gezeigt, daß er auch auf anderen wissensch fftlichen Gebieten kein Fremdling war. Ein Jahr vor seinem Tode hat er, um einem entgegen zu treten, eine hebr. Broschüre TtsrT pK) unentgeltlich vertheilen lassen. Die Druckwerke, welche er nicht aus Ehr- oder Gewinnsucht, sondern nur veröffentlichte, haben ihm bei seinen sehr bescheidenen Verhältnissen viele materielle Opfer auferlegt. Nicht minder war der Verewigte ein vorzüglicher Hebraist und Agadist, er gehörte der streng orthodoxen Richtung an, war aber Andern gegenüber stets leutselig und tolerant. Sein Leben war häufig von Krankheit und andere Leiden heimgesucht. Vor 7 I ihren hatte er noch das Unglück, seine Frau zu verlieren. Der aufopfernden Pflege seiner zweiten Frau, aus der hochachtbaren Rabbinerfamilie Weiskopf in Bayern, hatte er es zu verdanken, daß der Abend feines Lebens trotz seines krankhaften Zustandes ihm erträglich war. Möge ihm nunmehr himmlische Seligkeit zu Theil werden! N— n. Oesterreich. Budapest, 6. August. (Or. Corr.) Am 30. und 31. Juli und am 1. August dieses Jahres wurden an der Unterabtheilung der Landes-Rabbinerschule die Jahresprüfungen abgehalten, zu welchen auch der Minister für Cultus und Unterricht, Aug. Trsfort, erschien. Mit jener Bescheidenheit, die ihm eigen ist, betrat er in Begleitung eines Ministerialsekretärs den Prüfungssaal und wohnte eine Stunde lang einem Examen aus Bibel, abgehalten vom Herrn Präparandiedirektor H. Deutsch, an. Sodann ging er auf das Professorencollegium zu und sagte in deutscher Sprache — dem Minister ist es bekannt, daß einige der Lehrer der ungarischen Sprache nicht mächtig sind — ungefähr Folgendes: „Jchbingekommen, um Ihnen meine Th eil nähme für Ihre An st alt zu bezeugen. Die Wissenschaft, aus der soeben geprüft wurde, ist die Grundlage aller Theologie, nicht blos der jüdischen. Rach Jahren erst wird man, wie ich hoffe, die segensreichen Früchte der Anstalt erblicken." Bald darauf erschien Ministerialrath v. Gömöryi, der Referent in jüdischen Cultusangelegenheiten ist, und Hörle durch zwei Stunden mit ungetheilter Aufmerksamkeit der Prüfung zu. Es war daher um so erfreulicher, daß sich die Schüler in allen Disziplinen, den jüdisch-theologischen sowohl als in den Gymnasialgegenständen, aufs Beste unterrichtet zeigten. Geradezu erstaunlich waren ihre Leistungen auf exegetischem und talmudischem Gebiete; jeder Einzelne ist vollständig in den Geist dieser Wissenschaflen eingedrungen. Mit einer Präcision, die nicht größer zu wünschen ist, übersetzten sie die Sprüche Salomon. in's Ungarische und legten umständliche Kenntniß der hebräischen Grammatik an den Tag. Es ist dies das Verdienst des Herrn Prof. Bacher. Herr Rabbiner Brill trug für die im Talmud weniger, reifen Schüler den Traktat Sabbath vor und erzielte anerkennenswerthe und zufriedenstellende Resultate. Die im Talmud vorgerückteren Schüler besuchten die Talmudvorträge des Herrn Prof. Bloch in der oberen Abtheilung. Man darf es mit voller Zuversicht aussprechen, daß die Zöglinge, wenn sie einige Jahre hindurch den Unterricht dieies gewiegten Talmudl>ten genießen werden, größeres und umfangreicheres talmudriches Wissen erlangen werden, als man je in einer Jeschiba es sich aneignete. Herr Prof. Kaufmann ertheilte in diesem Jahre in der Unterabtheilung den Unterricht aus Griechisch und Deutsch, und legte Proben seines pädagogischen Talentes ab, da man erkennen konnte, daß es ihm hauptsächlich darum zu thun sei, seine Schüler Denken zu lehren. Sie entwickelten mit vollkommenem Verständnisse die Ideen und Lehren, die Lessings Laokoon uns bieten und wußten mit Umständlichkeit die verschiedenen sich daran knüpfenden ästhetischen Fragen zu beantworten. In den anderen Gymnasialgegenständen zeigten sie ebenfalls tüchtiges Wissen. In den nächsten Tagen erscheint der Jahresbericht der Anstalt, dem eine größere wissenschaftliche Arbeit, die Herrn Or. Bacher zum Verfaffer hat, vorangeht. Rumänien. Bukarest. In jüdischen Kreisen glaubt man zu der Befürchtung Grund zu haben, daß die vom ruffischen Reichskanzler Fürsten Gartschckoff im Berliner Congresse über die Juden-Emanzipation in Serbien entw ckelten Ansichten den ersten Anknüpfungspunkt bilden dürften, um das frühere freundschaftliche Einvernehmen zwischen Rußland und Rumänien wieder herzustellen. Es sei eine bekannte Thatsache, daß Rußland sich, so oft es in früheren Zeiten in Rumänien Judenhetzen gab, den Schritten der hier residirenden Vertreter der fremden Mächte bei der hierländigen Negierung dagegen niemals angeschloffen habe. Die Haltung des russischen Reichskanzlers in Berlin in dieser Frage, sowie die Anschauungsweise, die in maßgebenden rumänischen Kreisen hierüber herrschen soll, erzeugen in der hiesigen Judenschaft solche Besorgnisse, daß man in diesen Kreisen sogar behauptet, es wäre außer Rußland keine andere Macht im Stande, die Emanzipation der Israeliten in Rumänien faktisch durchzuführen. Dis Befürchtungen der hiesigen Israeliten vor einer nur höchst illusorischen Gleichberechtigung gewinnen umsomehr an Konsistenz, als man schon jetzt auf Thatsachen hiweist, welche diese Besorgnisse zu rechtfertigen geeignet wären. Unter Anderem führt man folgenden Fall an: Der noch seit der Negierungszeit des Fürsten Couza, also seit mehr als 13 Jahren als Chefarzt der in Jassy bestehenden Landes-Irrenanstalt fungirende Or. Taussig ist dieser Tage plötzlich aus seiner Stellung entlaffen worden, weil derselbe beim Zusammentritt des Congreffes — zwar formell beurlaubt — sich nach Berlin begeben hatte und dort für die Emancipation der Juden im Vereine mit den Deligirten der Pariser Alliance Jsraölite gewirkt haben soll Einer bei der hiesigen Central-Regierung für Or. Taussig sich verwendenden, sonst sehr angesehenen jüdischen Persönlichkeit soll bedeutet worden sein, daß Or. Taussig niemals wieder eine Anstellung in Rumänien erhalten werd und im Uebrigen Gott danken könne, daß man die über „Landes- Berrath" im Straf-Codex vorgesehenen Bestimmungen auf ihn nicht angewendet habe. Auch Or. Max, Sekundärarzt an derselben Irrenanstalt, ist seines Postens entsetzt worden. Nachdem er jedoch den Beweis erbrachte, daß er weder in Berlin war — wie die Local-Behöcoe von Jaffy hierher signalisirt hatte — noch auch sich an irgend einer judenfreundlichen Agitation betheiligt habe, da er schon längst dem Christenthum angehöre, so wurde er wieder in sein Amt eingesetzt. Eine weitere Thatsache, die in den gedachten Kreisen niederschlagend wirkt, ist der dieser Tage erflossene Befehl des General-Jnspectors der Natlonalgarde, General Calinesca, mit welchem sämmtliche Legions-Kommandanten angewiesen werden, alle Israeliten, ohne Unterschied, ob nun dieselben wirkliche Nationalgardisten sind oder aber dem Verbände der mit der Nationalgarde verschmolzenen Mliz-Corps angehören, bis zur weiteren Verfügung jeder Dienstes-Verrichtung zu entheben und weder an den Waffenübungen, noch an irgend sonst einem Dienste der Garde lhesinehmen zu lassen. Dieser Ordre ist das weitere Faktum auf dem Fuße gefolgt, daß man allen Nationalgardisten jüdischer Confession

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