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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1878-08-07 · N° 32. (7.8.1878) · p. Seite 250

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
9 (1878)
Issue
N° 32. (7.8.1878)
Date
1878-08-07
Page
Seite 250 (sequence 4)
Language
German
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ziehen zwischen den religiösen Zuständen der Israeliten unserer ehemaligen Provinz Niederhessen und denen der übrigen Landestheile, wahrlich, wir können beruhigt einem solchen Urtheile entgegen sehen. Wo in ganz Deutschland wird die jüdische Religion mehr gepflegt, werden die heiligen Gebräuche, die ehrwürdigen Institutionen mehr erhalten, als in unserem Hessen? Wirken die anderen isr. Seminare, —- selbst die zu Würzbnrg und Cöln nicht ausgeschlossen — in dieser Beziehung vielleicht mehr, als das zu Cassel? Darum nochmals die Frage: Was berechtigte Herrn G. zu seinem unmotivirten „Leider!?" Oder muß denn absolut geschmäht und verleumdet werden? Oesterreich. Aus Böhmen. (Or.-Corr.) (Forts, von Nr. 28.) Nach talmud. Grundsätze yx hat die löbl. Repräsentanz die Nabbinen, da sie schon gegeißelt wurden, nicht auch gleich mit der definitiven Ablehnung ihrer Petition bestrafen wollen, u. wiewohl nur das einzige R.-M. Herr Jakob L. Kohn, Vertreter des Saitzer Kreises, der Denkschrift beistimmte, wurde der Gegenstand dennoch einer Commission von 5 Mitgliedern übergeben, die bei der nächsten Sitzung das Resultat ihrer Berathung und Anträge behufs Regulirung des Cultus-Gemeinwesens vorzulegen habe. Was sollten nun die Rabbiner thun und was thun sie? Da der Antrag eines R.-M. die Meinung sämmtlichec Rabbinen einzuholen von dem Herrn Obmann wegen der Schwierigkeit den vielen Einläufen Rechnung zu tragen abgelehnt wurde, und man daher über die Rabbinen in eontumaeiani verhandeln wird; so sollten sie zusammentreten und von der Repräsentanz fordern, daß auch ihre Vertreter bei der Sitzung gehört werden und bei Zurückweisung dieser gerechten Forderung eine Denkschrift einreichen, in welcher ihre Petition gerechtfertigt und alle Ausfälle gegen sie zurückgewiesen und widerlegt werden. Es sollte um so mehr eine Rabbinerversammlung neuerdings stattfinden, da ja im vorigen Jahre beschlossen wurde, jährlich eine abzuhalten. Das wäre ein rechtmäßiger Vorgang, nicht aber abgeschreckt die Hände in den Schoß legen. Haben sie denn geglaubt, man werde ihren Wünschen ohne Einspruch gleich freundlich und zuvorkommend entgegenkommen? Was thun aber die Rabbiner? Sie halten sich an das Wort fip’W JPD und schweigen; vergessen aber, daß flJH ein viel älteres Wort ist und hier wäre die Zeit zum Reden. Ja, hätte man einfach gegen die Petition wegen der Jnconfistenz der Gemeinde gesprochen, so wäre vielleicht Schweigen am Platz gewesen, wiewohl nur der erste Punkt der Petition damit abweislich begründet ist; aber die unlautern Intentionen, die man ihnen untergeschoben, Proteste, welche die Juden den Behörden gegenüber als ein Wandervolk hinstellen, das nur Sinn für Handel hat, welche die Behauptung aufstellen: ein Rabbiner sei nach jüdischen Religionsbegriffen gar nicht erforderlich, die vermeffen ist zu sagen: das Rabbinat führe die Mitglieder der Gemeinde zur Gleichgiltigkeit in Religionssachen: da wäre doch wohl die Zeit nicht zum Schweigen, und warum doch? Die Antwort in der Fortsetzung. Pest. Eine merkwürdige Erscheinung ist der kleine, 4'/,- , jährige Moritz Frankl aus Fünfkirchen, der sich gegenwärtig hier producirt. Der „Lloyd" schreibt darüber: „Es ist beinahe beängstigend, zu sehen, wie der Dreikäsehoch die komplicirtesten Rechnungen mit ganzen und gebrochenen Zahlen im Kopfe ausführt und, währeud man noch kaum zur Hälfte mit dem Nachrechnen fertig ist, triumphirend bereits das Resultat verkündigt. Eigenthümlich und für den Zuschauer peinlich ist es, wie sich der Kleine während der Arbeit benimmt. Keinen Moment bleibt er ruhig, er bewegt Hände und Füße, hie und da pfeift er — man erhält den Eindruck, als sei er geistesabwesend, während man das Gehirn in angestrengtester Denkthätigkeit zu belauschen glaubt. Wenn er sich manchmal in der Endziffer irrt, starrt er noch wie verloren vor sich hin, er bleibt unruhig, Hände und Füße, der ganze Leib find in ununterbrochener Bewegung, er ist unwirsch, wenn man zu ihm spricht — dann sagt er stoßweise die korrekte Zahl, er wird wieder ein kleines unbefangenes Kind, dad mit einem Stück-Papier spielt, während er früher einer knarrend fungirenden Rechenmaschine glich. Das Bvbe, das in verblüffend kurzer Zeit zu sagen weiß, wie viele Secunden in 48 Jahre enthalten sind, ist mit seinem merkwürdig konstruirten Gehirn eine Abnormität, die nicht unter die Dutzend-Wunderkinder gereiht werden soll." Im Stadthause wurde dem Knaben das Problem gestellt: ■£ besitze drei Puszten r auf her einen habe er 2347, auf der andern 1208, auf der dritten 941 Schafe; jedes dieser Schafe brauche täglich i‘/4 Kilogramm Salz — wieviel Salz verbrauchen sämmtliche Schafe in einem Jahre? In kaum zwei Minuten erklärte der Knabe, während er immerfort mit den Händen herumfuchtelte, das mache 2,051,300 Kilogramm. Der nachrechneude Beamte irrte sich und wollte den Knaben korrigiren, dieser blieb jedoch bei seiner Behauptung und behielt auch Recht. Rußland. Aus Russisch-Polen. Es sind in neuester Zeit sehr viele Geschichten über chassidische Wunder-Rebben in den Blättern erzählt worden; wir lassen hier nach Wiener Blättern eine solche folgen, welche verhältnißmäßig harmlos klingt. In einer russisch-polnischen, meist von Juden bewohnten Stadt herrschte eines Tages großer Jubel. Ein berühmter Rabbi sollte nämlich seinen Einzug halten, alle Chaffidim, Verschon an der Spitze, eilten dem Gottesmanne entgegen, um ihm „Schulaum aleichem zu geben." Verschon räumte dem heiligen Gaste mehrere Zimmer ein, aber er selbst war wenig zu Hause, denn er besaß ein großes Schnittwaarenlager und war immer im Geschälte. Der Rabbi besuchte nun den reichen Geschäftsmann in seiner Handlung. Hier war auch ein Pope (russischer Geistlicher) zugegen, der Einkäufe machte. Als dieser erfuhr, daß ein Wunderrabbi vor ihm stehe, begann er gegen ihn und seine Collegen zu schimpfen, indem er sie alle für Betrüger erklärte. Der Rabbi hörte das ruhig an und sagte dann laut: „Gerechter Gott!" Spricht dieser Mensch da die Wahrheit nicht, so soll er verstummen!" Kaum waren diese Worte gesprochen, so konnte der Geistliche richtig keine Silbe mehr hervorbringen, er war stumm! Sein Kutscher brachte den unglücklichen Herrn auf den Wagen und eilte mit ihm fort. Nun wagte es Niemand in dieser Stadt mehr, an der Heiligkeit des Rabbi zu zweifeln und dieser machte, was man zu sagen pflegt, „recht gute Geschäfte". Eines Morgens sah der Rabbi zufällig durch das Fenster seines Zimmers auf die Gasse. Ein fremder jüdischer Hausirer hatte dort seine Spielwaaren ausgepackt, und viele Kinder standen in seiner Nähe. Der Rabbi gab seinem Bedienten den Befehl, die Kinder schnell auseinander zu treiben, denn der Hausirer werde, weil er nie Zizis trage, bald einen Schlaganfall bekommen. Kaum sagte dies der Rabbi, als auch der Hausirer zu Boden fiel und den Anfall bekam. Die umstehenden Leute staunten und bewunderten den allwissenden Mann, dieser lieferte aber noch einen dritten Beweis seiner göttlichen Allwissenheit. Gegen Abend sagte er zu den bei ihm versammelten Frommen: „Ihr habt hier ein Hekoesch; soeben sind zwei Personen, ein Mann und eine Frau, in demselben angekommen, die sich als Ehepaar ausgeben und doch nicht nach jüdischem Gesetz geheirathet haben. Wenn Ihr sie nicht entfernt, so haftet die Sünde auf Euch. Viele Cyassioim begaben sich schnell ins Hekdesch und trafen hier auch ein eben angekommenes Paar, das den Frevel anfangs leugnete, doch sich bald zur Schuld bekannte; sie wurden natürlich gleich fortgejagt. Der Rabbi weilte mehrere Tage in dieser Stadt und sammelte ein großes Vermögen. Plötzltch entschloß er sich abzureisen. Alles Bitten half nichts, er mußte fort. Die Gemeinde wollte ihn begleiten, doch er segnete die Frommen und befahl ihnen, nach Hause zu gehen. Niemand wagte es dagegen etwas einzuwenden. Verschon war in seiner Handlung und wußte nichts vom Vorgefallenen. Als er Abends nach Hause kam und von der Abreise des Rabbi erfuhr, eilte er ihm nach, damit er ihn wenigstens segne. Er traf ihn

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