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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1878-07-31 · N° 31. (31.7.1878) · p. Seite 244

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
9 (1878)
Issue
N° 31. (31.7.1878)
Date
1878-07-31
Page
Seite 244 (sequence 6)
Language
German
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— 244 — schen Gemeinde, das Fest der diamantenen Hochzeit. Der Jubilar, welcher mehrere Feldzüge mitgemacht hat und 1812 auch mit in Rußland gewesen ist, befindet sich im 93. Lebensjahre, während seine Frau 86 Jahre alt ist; beide aber erfreuen sich noch einer vollkommenen Frische des Körpers wie des Geistes. Sie empfingen an ihrem Ehrentage mit den Glückwünschen ihrer Angehörigen auch diejenigen sehr vieler anderer Gemeindemitglieder, welche mehrfach ihre Theilnahme durch paffende Geschenke bekundeten. Zwei Söhne des Jubelpaares, welche eigens aus Amerika zu dieser Feier herübergekommen waren, trugen im Verein mit ihren beiden hier lebenden Brüdern zur Erhöhung der Festesfreude bei. In Fürth sind unlängst vier jüdische junge Leute ernstlich erkrankt. Anfangs glaubten die Aerzte es mit Typhuskranken zu thun zu haben, erkannten jedoch bald zu ihrem Erstaunen, daß hier eine Versündigung gegen das mosaische Speisegesetz vorliege. Nach eingehendem Verhör gestanden die Patienten, sich in Bamberg an Schweinefleisch delectirt zu haben, das ihnen so schlecht bekommen sollte. Für einen der Kranken wurde bereits vor der Diagnose — o Ironie des Schicksals — fibsn gesagt. Man hofft die Patienten wieder herzusrellen; von ihrem Gelüste nach Verbotenem sollen sie bereits gründlich curirt sein. Marienbad, 28. Juni. Hier weilte einige Tage Hr. Dr. Loewe, der treue Begleiter Monteftore's. Ihm zu Ehren veranstalteten mehrere hier zur Cur anwesende Rabbinen und Freunde jüd. Wissenschaft (DDr Cohn-Berlin, Rahme r - Magdeburg , Buch holz-Emden, Tauber-Prag, Pol lach-Holiz, vr. jur. Jonas- Frankfurt a/M., Hollaender-Leobschütz, Podiebrad-Prag u. A.) ein gemeinsames Diner, welches durch geistvolle Reden gewürzt war. — Gestern fand auch unter zahlreicher Theilnahme zu Ehren der HHrn. Rahmer und Buchholz ein Abschieds mahl statt. Pest. Der „Ung. Jsr." schreibt an der Spitze der Nr. vom 19. Juli: „Vor Schluß des Blattes kam uns ein Aufruf der Repräsentanz der S. A. Ujhelyer autonomen orthodoxen isr. Gem. zu, in welchem dieselbe sämmtliche statusquoals auton. orthodoxen Gem. aufruft, anläßlich des im August stattzuhabenden Saatenmarktes sich in Budapest zu einem Gemeindetage zusammen zu thun, und sich von der gegenwärtigen „Durchführungscommission", deren Thun und Gebahren sie klar legt und verdammt, loszureißen. Das Actenstück werden mir in der nächsten Nr. bringen." Wir glauben schon diese vorläufige Notiz unfern Lesern nicht vorenthalten zu sollen. Vielleicht ist eine Wendung zum Befferen, ein Ende der unseligen Zersplitterung im Anzuge! Das Treiben der Bande, welche sich orth. Durchführungscommiffion nennt, mit ihrem „Schewes Achim", ihrem Pferdehändler, ihren Lohnschreibern, ihrem Terrorismus und ihrer moralischen Versunkenheit ist nachgerade auch der „Jüd. Preffe" zu arg geworden, wenn auch der „Israelit" sich nicht entschließen mag, mit dieser Partei zu brechen, vielmehr noch jüngst einen geharnischten (wenn auch sehr lahmen) Artikel brachte, welcher jeden Versuch, den „Status quo“ aufrecht zu erhalten, d. h. sich nicht der sogen. Durchfuhrungseommiffion mit Leib und Seele zu verkaufen, aus's Strengste verurtheilte. Aus Warschau wird mitgetheilt, daß der Generalgouverneur Graf Kotze b ue nach Petersburg berufen sei, um dort dem Kaiser über die sich wiederholenden Judenhetzen in Rufs.- Polen Bericht zu erstatten. Man erwartet auch einen kaiserl. Ukas, betreffend die Gleichberechtigung der russ Juden; Schuwaloff hat sich Hrn. Bleichröder in Berlin gegenüber in diesem Sinne ausgesprochen. London. Englische Blätter berichten: Unter Denjenigen, welche den Earl Beaconssield bei seiner Rückkehr auf der Bahnstation Charing Croß begrüßten, befand sich auch Sir Moses Montefiore. Bei Ankunft des Exlrazuges stelle Lord Henry Lennose den ehrwürdigen Baronet dem Premier vor, und dieser schüttelte ihm sehr herzlich die Hand. Ferner berichten dieselben, daß Sir Moses, welcher gegenwärtig in der Stadt wohnt, am Sonnabend den 13. zu einer von dem Prinz von Wales zu Ehren Ihrer Majestät der Königin gegebenen Gartengesellschaft geladen war. Der greise Herr, welcher sich trefflicher Gesundheit erfreut, ließ sich in einer Sänfte nach Malboroughe House tragen. Da man ein solches Besörderungswerkzeug seit vielen Jahren in den Straßen Londons nicht gesehen hatte, so erregte es natürlich Aufsehen. Bankier und Handelsjude. Eine Erzählung aus dem Leben — von Ad. v. Zemlinszly 6. Erew Rosch-haschanah. War gestern das Haus des Banquiers Königstein strahlend und tageshell beleuchtet, so war heule Erew Roschhaschanah das Gemach nicht minder feierlich hergerichtet, in welchem sich die Familie des Banqniers befand, um den Beginn des neuen Jahres würdig zu feiern. Der Banquier war äußerst aufgeregt, und nur mit Gewalt konnte er sich beherrschen, um nicht die Festlichkeit zu trüben. Alphons saß, bleich und angegriffen, schweigend an der Seite des Vaters. Die Ereignisse der vergangenen Nacht schwebten gleich Nebelgebilden ununterbrochen vor seinen Blicken, und sprach ihn der Vater an, zuckle er jedesmal erschreckt zusammen. Sidonie und deren Mutter flüsterten ängstlich miteinander und gingen auch zuweilen ab und zu, um das Nöthige für den Tisch herbei zu holen. Noch war das Mal nicht beendet, als ein Diener erschien und dem Banquier einen Brief überreichte. Erstaunt öffnete dieser denselben. Doch kaum hatte er wenige Zeilen gelesen, als seine Hand zu zittern begann, und seine Gesichtszüge den Ausdruck des heftigsten Erschreckens annahmen. „Alphons," sagte er plötzlich, „rufe mir Meier, sage ihm, er soll sogleich hierherkommen." Alphons verließ das Gemach, kehrte jedoch bald darauf wieder zurück. „Meier ist nicht hier, berichtete er, man hat mir mitgetheilt, daß er bereits vor einer Stunde das Haus verlassen habe." „Ich brauche ihn! Er frägt mich doch gewöhnlich, ehe er das Haus verläßt." „Hast Du unangenehme Nachrichten erhalten?" fragte die Frau des Banquier» ängstlich. „Ja wohl! Aeußerst schlechte Nachrichten, und wenn sie sich bestätigen, bin ich in großer Verlegenheit. Ein Geschäftsfreund theilt mir mit, daß die Firma Morgenstern und Söhne in Prag fallirt habe. Ich bin dabei betheiligt mit einer bedeutenden Summe. Abraham muß sogleich verreisen, muß trachten zu retten, was noch zu retten ist, er versteht dies wie kein Anderer." „Sie haben befohlen Herr Baron," unterbrach plötzlich die Stimme des kleinen Mannes, welchen wir kurz vorher im Hause des Nebb Jonathan Beer gesehen haben. Es war Meier, der Comptoirdiener des Hauses Königstein. „Wo stecken Sie denn eigentlich?" fragte der Banquier gereizt, „wenn man Sie braucht, kann man Sie nicht finden." „Entschuldigen, ich war- „Schon gut, gehen Sie so schnell, wie nur immer möglich, zu Herrn Abraham Beer hinüber und sagen sie ihm, ich ließe ihn bitten hierher zu kommen, ich habe sehr dringend, verstehen Sie, Meier, sehr dringend mit ihm geschäftlich zu sprechen." „Ist umsonst mein Weg nach dort, lachte der Kleine, komm eben von dort." „Wie. er ist nicht zu Hause, heute, weshalb, was wollen sie eigentlich sagen? Sprechen Sie doch!" „Herr Beer ist-und der Kleine machte eine bezeichnende Geberde mit der Hand. „Zeichensprache verstehe ich nicht, Meier. Sie müssen schon deutlich sprechen, was ist eigentlich mit Herrn Beer?" „Soeben hat man ihn aus dem Hause seines Vaters geholt und ins Gefängniß abgeführt." rw 1 t 1!.!

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