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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1878-07-31 · N° 31. (31.7.1878) · p. Seite 240

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
9 (1878)
Issue
N° 31. (31.7.1878)
Date
1878-07-31
Page
Seite 240 (sequence 2)
Language
German
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240 — zen Menschheit zu fördern bestimmt sind, so gewaltig und so feierlich sanctionirt ist für weite Gebiete, in denen man bisher nur Druck und Verfolgung kannte. Dankbar müssen wir aber auch sein den mächtigen Herrschern Europas, die diesen Frieden geschloffen haben und vor Allem unseren ehrwürdigen Heldenkaiser, auf deffen Schmerzenslager die humanen nnd deshalb so ruhmvollen Bestimmungen dieses Friedens einen so herrlichen Glorienschein werfen. Möge es ihm vergönnt sein, daß unser deutsches Vaterland unter seiner milden Herrschaft sich noch lange Jahre hindurch des Friedens und deffen Segnungen erfreue. Nicht minderer Dank gebührt den großen Staatsmännern, welche das schwere Werk der Friedensstistung nach mühevoller Arbeit zu Stande gebracht, insbesondere dem gewaltigen und hochberühmten Reichskanzler, deffen Autorität und Weisheit das große Werk so sehr gefördert haben. Fürst Bismarck hat sich auch hier wieder als ein wirklich großer Mann gezeigt, als ein Staatsmann, der unbekümmert und erhaben über alle kleinlichen Vorurtheile es weiß und es ausspricht, daß Gerechtigkeit gegen Alle und Menschenliebe die festesten Stützen jeder staatlichen Ordnung sind. Er hat sein, den Vertretern der jüdischen Gemeinde zu Berlin und der Alliance Jsraelite gegebenes Wort, daß den orientalischen Juden ihr Recht werden solle, in der glänzendsten Weise gelöst. Sein glorreicher Name bleibe ein gesegneter in Israel für alle Zeiten. Und, damit dem erhebenden Schauspiele in Berlin nicht das komische Nachspiel fehle, sehen wir, wie der Judenfresser Bratiano in der Kammer zu Bukarest so de- und wehmüthig es aussprechen muß, daß Rumänien auch in der Judenfrage sich fügen wolle. pK rur11rro in ^*6». Eine alte Sage soll verkünden, daß die dereinstige Wier derausrichtung des deutschen Reiches für Israel eine Zeit de- Erlösung herbeiführen solle. Die Sage ist zur Wahrheit ge worden. Das deutsche Reich hat nicht allein den Juden au seinem Gebiete die volle Gleichberechtigung gewährt, es ha auf seinen mächtigen Einfluß in die Waagschale gelegt, um auch den zahlreichen Glaubensgenossen auf der Balkanhalbinsel die volle Erlösung zu bringen. Dem edeln und herrlichen Kaisersohne, der in diesem Augenblicke die Geschicke Deutschlands lenkt, muß es eine hohe Genugthuung sein, daß unter seinem Regimente und unter wesentlicher Mithülfe des Reiches ein solcher Frieden geschlossen worden. Möge ihm dereinst eine lange, ruhmreiche und friedliche Herrschaft über ein glückliches und zufriedenes Volk beschieden sein, und auch für seine jüdischen Unterthanen seine Regierung ein Reich des Friedens und des Glückes bilden. nvnb iw mirr runn iwai rzrn Berichte nnd Correspondenzen. Deutschland. Leipzig. (Vom deutsch-isr. Gemeindebund.) In der Ausschußsitzung vom 9. Juli standen folgende Gegenstände auf der Tagesordnung: 1) Registrandenvortrag, enthaltend u. a. Vorschläge desDelegirten Herrn Dr. Rothschild -Alzey für Verbesserung im Armenwesen, für Erweiterung des Lehrer-Nachweisebureaus rc. und des Herrn S. Meyer -Berlin in Betreff der Dispensation vom Schreiben am Sabbath in Volks- und Mittelschulen, Schreiben des Rabb. Dr. Rahmer-Magdeburg mit erster Supscriptionsliste für die Herxheimer- Stiftung. 2) Bewilligung eines Stipendiums von M. 200 nach Hannover für einen Religionslehrer-Aspiranten aus Prov. Posen. 3) Berichterstattung des Schriftführers über seine Thätigkeit auf der Lehrerconferenz zu Ruhrort. 4) Bericht des Vorsitzenden über die Erfolge seiner Propaganda im Anhaltischen. 5) Mittheilung, daß ein Separatabdruck von Schleiden's Artikel über die Romantik des Judenthums demnächst im Verlage der Engelmann'schen Buchhandlung herausgegeben werde. 6) Beschluß über Vertretung des Gemeindebundes auf der Conferenz der Alliance Jsraelite in Paris, am 14. Aug. Driburg in Westfalen. (Or.-Corr.) Am 15. Juli fand im hiesigen Badeorte die Einweihung der neuen Synagoge statt. Vor 2 Jahren brannte dieselbe neben vielen Häusern ab und nur die Thorarollen wurden gerettet. Es war erhebend die Theilnahme zu beobachten, die die umliegenden kleinen Gemeinden bei dieser Gelegenheit bewiesen. Es war ein Familienfest im Großen. Wahrlich, wenn man mit eingehendem Blicke in das Innere solcher Feier eindringt, so wird man freudig bewegt von dem Gedanken, daß die Herzen unserer Glaubensgenoffen, trotz aller Verdächtigung und Verleumdung vön Seiten der Trotzorlhodoxen, doch noch einen gesunden religiösen Kern in sich bergen. Die Anzahl der hiesigen Gemeindemitglieder, die nebenbei bemerkt, streng religiös leben und von denen nicht ein Einziges den Sabbath durch Geschäfte entweiht, ist eine geringe, aber unter Aufbietung und Anstrengung aller materiellen Klüfte gelang es, ein schönes Gotteshaus aufzuführen, das der Gemeinde zur Ehre gereicht. Es mar, wie der Rabbiner der Synagogen- Gemeinde Cöln, Herr Dr. Frank, der die Einweihung vollzog, in seiner Rede bemerkte, „ein gutes Vorzeichen, daß die Thorarollen aus dem Brande gerettet wurden, denn mit ihnen wurde auch der Geist der Liebe zum väterlichen Glauben, der Geist der Hingebung, der Geist der Opferwilligkeit gerettet. Als unser Nationalheiligthum zu Jerusalem eingeäschert wurde, als in den späteren Jahrhunderten die Gotteshäuser Israels vom Feuer des Fanatismus, von der Flamme erhitzten Menschenwahnes zerstört wurden, immer wurden die Thorarollen, das Goltwort gerettet, dasjenige, was die Heimathlosen von Neuem ermuthigte und zu neuer Bethätigung ihres Glaubens und ihrer Liebe zu Gott anspornte." Das Fest verlief in fröhlicher, gehobener und ungestörter Weise. Bei der überaus ausgeprägten ultramontanen Richtung des ganzen Kreises benahm sich die Bevölkerung musterhaft und die bürgerlichen und politischen Behörden, die an der Feier theilnahmen, zollten der materiellen Anspannung der jüd. Gemeinde, mit geringen Kräften Großes vollbracht zu haben, ungetheilten Beifall. Ein Festmahl, das nahezu 150 Personen vereinigte, gewürzt von Toasten auf S. M. den Kaiser u s. w. schloß die erhebende Feier, die noch lange in den Gemeinden und Familien des Driburger Kreises segensreich nachwirken wird. Oesterreich. Aus Galizien, im Juni. (Or.-Corr.) (Cultur und C h a r a k t e r b i l d.j (Schluß.) Rabbi Hillel antwortete keine Silbe, sondern nahm aus der Schublade 4 Stück Mandeln, kritzelte auf dieselben Buchstabenzusammensetzungen in hebräischen Lettern, that sie in ein Couvert, nahm seinen Gürtel ab, rief dann die beiden Schamoschim, die im Vorzimmer seiner Befehle gewärtig sind, übergab dem Einen die Mandeln sammt dem Gürtel mit dem Aufträge, sich zur Frau Rutsche zu begeben, und ihr einzuschärfen, dem Knaben in Zwischenpausen von 5—10 Minuten eine Mandel zu geben und darauf streng zu achten, daß er sie herunterbringe, mit dem Gürtel aber soll er selbst das Längenmaß des Knaben nehmen, sich dann auf den Gottesacker begeben und dort ein eben so großes Stück Feld abstechen, — in der wohlmeinenden Absicht, den Todtesengel irrezuleiten? — den Anderen beauftragte er, sämmtliche Melamdim (Lehrer) der Stadt mit ihren Cheverzöglingen in der großen Synagoge zu versammeln, wo er auf sie schon warten würde, um dort gemeinsam zu beten. Wer aber sah wohl den Wunder-Rabbi in die Synagoge eilen und ihm nach die Melamdim mit all ihren Zöglingen und blieb zurück? Keiner'. Das Mitleid mit der so hart heimgesuchten Frau war ein allgemeines, ungetheiltes und grenzenloses. Jeder vergaß sein eigenes Leid und fühlte nur das dieser armen Frau. Die arme Mutter war alsbald nach

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