Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 9 (1878)
- Issue
- N° 30. (24.7.1878)
- Date
- 1878-07-24
- Page
- Seite 233 (sequence 3)
- Language
- German
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— 233 — met. — Ueber liturgische Einrichtungen erhielt zunächst das Wort Herr Laubheim aus Bochunr, welcher über Synagogen- Chor-Verband referirte. Zu einem derartigen Verbände haben sich bereits die Gemeinden: Essen, Bochum, Dortmund, Geldern, Duisburg vereinigt. Die Einheit, welche dadurch im Synagogengesang hergestellt werde, halte _ das Interesse für den Cultus rege und bewahre vor der so sehr tadelnswerthen Verschiedenheit und Mannigfaltigkeit in den jüdischen Gotteshäusern. Es wurde folgende Resolution von der Conferenz angenommen: „Die israel. Lehrerversammlung in Ruhrort erklärt, dahin wirken zu wollen, daß die in ihren resp. Gemeinden bestehenden Synagogenchöre sich dem bereits constituirten Synagogenchor-Verbande anschließen."*) Im Anschluß hieran spricht Herr Jacobsohn aus Leipzig dem ein- resp. zweistimmigen Gesang das Wort. In kleineren Gemeinden — und diese bilden die Mehrzahl — sei vierstimmiger Gesang auf die Dauer meist unmöglich. Auch sei bei solchen „Synagogen Concerten" die Gemeinde meist zur Unthätigkeit verurtheilt. Damit auch die Kinder an dem Gottesdienste thätigen Antheil nehmen, sei eine Schnlsiuude wöchentlich für liturgischen Unterricht von Nöthen. Herr I. sprach überhaupt beherzigenswerthe Worte in Bezug auf liturgische Einrichtungen. Auch seine Schrift: „Beiträge zur Cultusfrage, zwei pädagogische Aufsätze", verdienen in dieser Hinsicht sehr der Beachtung. Die Conferenz nahm mit Bezug auf ein von Herrn I. herauszugebendes Gesangbuch folgende Resolution an: „Die Lehrerversammlung halt die Herausgabe bezw. die Einführung eines liturgischen Schul-Gemeindegesangbuches nach den von Herrn Eantor 'Jacobsohn im Einverständniß mit dem Herrn Cantor Liebling in Leipzig dargelegten Grundsätzen für wünschenswerth." Wir sind in der That begierig, das bezeichnte Werkchen in die Hände zu bekommen, es wird durch dasselbe unstreitig eine Lücke ausgefüllt. Da die Zeit nunmehr bereits vorgerückt war, so gab der Herr Vorsitzende es der Versammlung anheim, ob sie das versprochene Referat des Herrn Seminarlehrers Treu, der auf das Wort verzichten wollte, demnach zu hören wünsche. Ein einstimmiges kräftiges „Ja" bekundete, daß man int Voraus von der Vortresslichkeit des zu erwartenden Vortrags überzeugt sei. Man hatte sich denn auch nicht getäuscht. Derselbe wurde mit großem Interesse bis zu Ende angehört. Herr Treu sprach über „Individualität, nicht Uniformität in der Schule" Da die sehr gelungene Arbeit, wie Herr T. versprach, demnächst im Druck erscheinen wird, so beschränken wir uns hier damit, empfehlend aus dieselbe aufmerksam zu machen. — Ueber den Religionsunterricht an höheren Schulen entspann sich zun» Schluß eine längere, sehr lebhafte Besprechung. Wiederholt wurde die Frage erörtert, wodurch es zu ermöglichen sei, daß die Schüler höherer Lehranstalten regelmäßig und mit Erfolg den Religionsunterricht besuchen. Es sei vor allen Dingen auch hierin Gleichheit mit anderen Confessionen (obligatorischer jüdischer Religionsunterricht an höheren Schulen) anzustreben. Sei der Religionsunterricht überhaupt nothwendig, dann sei er es auch für israel. Schüler; das sei unser Recht und unser Recht wollen wir. Herr Jacobsohn legte die Bestrebungen des israel. Gemeindebundes auch nach diesem Ziele der Versammlung nochmals warm ans Herz und man einigte sich schließlich zur Annahme folgender Resolution: „Die rheinischewestfälische israel. Lehrerconferenz hält es, wie sie in verschiedenen Resolntiouen bereits erklärt und in wiederholten Eingaben an das hohe Ministerium altsgesprochen hat, im allgemeine,t Interesse dahin zu wirken, daß der jüdische Religions-Unterricht an den höheren Lehranstalten obligatorisch erklärt werde und ist erfreut, darin sich mit der von dem deutsch israelitischen Gemeindebund zu Leipzig unter Rr. 1 aufgeneUlen These in voller Uebereinstinunung zu befinden." _22" erwähnen noch, daß während der Nachmittagssitzung *> Ter rrwähnte Sunagogcn-Chor-Verband beabsichtigt in nächster ern Lynagogen-iloncert unter Leitun.; seines Dirigenten, >?errn Grat m Essen. zu veranstalten. Synagoge,r-Chöre. welche sich dem Verbanve anjchltehen wollen, mögen sich gefäUigst an Herrn Graf wenden. ein Begrüßungstelegramm von dem Vorstande des deutsch - israel. Gemeindebundes einlief. Hiermit könnten wir unfern Bericht schließen, wenn nicht die Pflicht der Dankbarkeit uns aufforderle, der trefflichen israel. Genreinde Ruhrort in unserm und unserer lieben Collegen Namen die dankbarste Anerkennung hier auszusprechen für die Mühewaltung und freundliche Bewirthung.^Die Gemeinde hat wiederum gezeigt, daß sie die lebhaftesten Sympathien für die jüdischen Lehrer und ihr Wirken hegt und ihr Vorstand hat in seinem Begrüßnngs und Abschiedswort es ausgesprochen, daß er unsere Bestrebungen auf dem Gebiete der Synagoge und Schule mit den besten und innigsten Segenswünschen begleite. Als Ort der nächsten Conferenz wurde ohne Widerspruch Steele um so dankbarer angenommen, als der dortige Synagogen-Vorstand eine schriftliche Einladung in optima forma der Conferenz zugestellt hatte. Die Conferenz in Ruhrort war eine schöne und, wie wir hoffen dürfen, auch eine fruchtbringende; mögen noch viele solche folgen! Auf Wiedersehen im nächsten Jahre in Steele! I. Goldberg, a. Steele. S. Kronenberg, Ruhrort. Straßbnrg W.-Pr., 3. Juli. Dem „Grand. Ges." wird von hier geschrieben: „Am 30. Juni d. I. verließ Herr Rabbiner Dr. Gronemann unsern Ort, um sein Amt in gleicher Eigenschaft in der Weinberger Synagogengemeinoe zu Danzig anzutreten, von welcher er unter vielen Mitbewerbern gewählt worden ist. Herr I)r. Gronemann hat während seiner sechsjährigen Wirksamkeit in unserer Gemeinde die Zuneigung derselben gewonnen, indem sein friedliebender Charakter und tadelloser Lebenswandel auf alle Gemülher den günstigsten Einfluß geübt und den Sinn der Wohlthätigkeit, sowohl durch persönliches Beispiel als durch fcenndliche Ermahnungen, gefördert hat. Daß seine Handlungen aufrichtige Anerkennung gefunden, haben sowohl die Gemeinde als die Schüler mosaischer Confession des hiesigen Königl. Gymnasiums bewiesen, indem sie demselben Ehrengeschenke zum Andenken überreichten. Besonders erwähnenswerth ist die Ansprache, die der Primaner Johannes Behrendt bei dieser Gelegenheit an Herrn Dr. Gronemann richtete, wofür derselbe in herzlichen Worten seinen Dank aussprach. Als Herr Dr. Gronemann mit seiner Familie nach seiner neuen Heimath abreiste, hatten sich viele Personen versammelt, um den Scheidenden nochmals Lebewohl zu sagen. Bis zur Bahnstation Joblanowo gaben denselben viele ihrer Freunde das Geleit, um noch einige Stunden gemächlichen Beisammenseins mit einander zu verleben. Mögen die Segenswünsche der Armen, an welchen Hr. Dr. Gronemann Wohlttzaten geübt, damit demselben in seinem neuen Wirkungskreise die Liebe und Anerkennung zu Theil werde, die sein edles Streben verdient. Danzig, 8 Juli. (Danz Zeit.) In der großen Synagoge der Weinberger Gemeinde fand am Sonnabend unter großer Betheiligung der hiesigen israelitischen Bevölkerung die Einführung des Rabbiners Dr. G r o n e m a n n statt. Der Altar, sowie die Aufgänge zur heiligen Lade waren reich mit Blumen und Topfgewächsen geschmückt. Der Vorsitzende der Gemeinde, Herr Münsterberg, führte den Rabbiner vor die Kanzel, während Herr Cantor Lippmann den Psalm 101 als Einleitung der Feier vortrug. Herr Münsterberg hieß sodann im Namen der Gemeinde ihren neuen Geistlichen willkommen und gab der Hoffnung und dem Vertrauen, welches dieselbe in seine Amtsführung setze, in herzlichen Worten Ausdruck. Die Gemeinde begehe den Tag um so freudiger, als sie in Hrn. Dr. G. ihren ersten Rabbiner begrüße. Dr. Gronemann dankte mit einigen Worten und hielt darauf von der Kanzel herab seme Antriltsrede, in welcher er die Grundsätze darlegie, die ihn bei seiner Amtsführung leiten sollen. Redner erinnerte daran, daß, wenn der Volkslehrer sich als der wahrhaft Berufene ausweiien soll, am „Aronstabe" seines heiligen Dienstes Blüthen und Früchte hervorrrechen müssen, solche seien