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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1878-07-17 · N° 29. (17.7.1878) · p. Seite 128

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
9 (1878)
Issue
N° 29. (17.7.1878)
Date
1878-07-17
Page
Seite 128 (sequence 7)
Language
German
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— 128 — den 6. d. Mts., während der Ausübung seines Amtes im Tempel vom Tode ereilt. Er hatte eben mit der Thora in der Hand das Gebet für das Kaiserhaus beendet, als er sich entfärbte und ohnmächtig zu Boden sank. Schleunigst herbeigerusene Aerzte vermochten nichts als den Tod in Folge einer Herzlähmung zu constatiren. P. war i. I. 1805 in Böhmen geboren, und bekleidete Vas Rabbinat 42 Jahre. Vor 2 Jahren war ihm vom Kaiser das goldene Verdienstkreuz verliehen worden. Am 9. fand das Leicheubegängniß unter sehr großer Betheiligung der Bevölkerung statt. Man bemerkte auch den Grafen Carlos Clary, Pastor Lontnitzer, Bürgermeister Uherr, Deputationen der dortigen Vereine rc. Der zur Cur in Teplitz anwesende Erzbischof von Kalocsa, Dr. Ludwig Haynald, hat anläßlich des Hinscheidens des Rabbiners Pick an die Teplrtzer Cullusgenteinde ein Condolenzschreiben gerichtet. (Näheres in der nächsten Nr.) Wien. Der ordentliche Professor der Astronomie an der h'es. Universität, Dr. Edmund Weiß, ist zum Director der hieß Sternwarte ernannt worden. (Tue von vielen jüd. Blättern berichtete Wahl M. Löwy's zum Nachfolger Leverrrer's, Direciors der Pariser Sternwarte, bestätigt sich ntcht.) Groß-Kanischa. Das Pesther Amtsblatt veröffentlicht folgendes Handschreiben des Kaisers: Auf Vortrag niemes Ungar. Ministers um meine Person verleihe ich dem mrt Titel und Charakter eines Hof- und Äinisterialrathes bekleideten Sectionsrathe im Mmisterium des Aeußern, Ludwig Doczy, für sich und seine gesetzlichen Nachkommen taxfrei den ungarischen Adelsstand. m. p. Franz Joseph. (Hr Doczy — nicht Dozig, rote es in Nr. 25. d. Bl. stand — ist ein Enkel unseres ge sch. Mitarbeiters, des literarisch so rüstig thäligen Hrn. Jos. Löwy und dem Judenthum treu.) Pest Der hiesige israelitische Fraueuverein hielt am 5. v. M. unter dem Vorsitze seiner Präsidentin Frau Johanne Bischitz seine diesjährige ordentliche Generalversammlung ab. Dem vom Vereinssekretär Herrn Friedmann verlesenen, sehr ausführlichen Verwaltungsberichte entnehmen wir, daß im abgelaufenen Jahre 2507 Personen an Unterstützungen 10.710 fl. vertheilt wurden. Die Einnahmen des Frauenvereins waren 11.817 fl. 46 kr.; der Frauenvereins-Fond betrug am 31. März 1878 45.399 fl. 26. kr. Die Mädchenwaisenhaus-Verwaltung gestaltet sich günstiger; die Einnahmen betrugen 11.146 fl. 53 kr., die Ausgaben 11.297 fl. 70 kr.; der Waisenhaus- Fond hingegen 98.897 fl. 28 kr. Auch ein Waisenausstattungs- Fond wurde errichtet, welcher bereits zu dem Betrage von 8621 fl. 70 kr. angewachsen ist. Die Kosten des Waisen- Asyls, in welchem 10 Kinder erhalten werden, betrugen 2972 fl. 98 kr. und wurden aus der allgemeinen Verwaltung gedeckt. In der Speise-Anstalt des Frauenoereins wurden 74 801 Personen gespeist, hiervon 6705 Personen gänzlich gratis; die Ausgaben dieses Verwaltungszweiges beliefen sich im letzten Jahre auf 9820 fl. 19 kr., die Einnahmen 8752 fl. 71 kr.; der Fond der Speise-Anstalt betrug am 31. März 1878 10.524 fl. Lemberg. Der projectirte Gemeindetag hat am 18.—20. Juni |eme Berathungeu gehalten, und es ist schon durch das Zustandekommen desselben ohne Frage ein großer Erfolg erzielt worden. Wir geben im nächsten Blatte einen Original- Bericht über die Verhandlung. London. Die Duplik des Dr. H. Adler gegen Professor Goldwtn Smith ist im Juli-Heft des „Nineteenth Century" erschrenen. Wir werten über die ziemlich ausführliche und treffliche Arbeit alsbald Näheres berichten. Ribeauville. (Rapoltsweiler i. Elf.) Hier starb im Alter von 90 Jahren Jsaac Singer, der in französ Blättern als Erfinder der Mazzoth-Maschinen bezeichnet wird. Er war abwechselnd Schuster, Lehrer, Gastwirth, Mechaniker und starb, wie gar mancher Erfinder, im — Hospital. Jerusalem. Am Sonnabend nach dem Wochenfeste wurde ein Dankgottesdienst für die Errettung des deutschen Kaisers gehalten, bei dem auch der Consul, Baron Münchhausen, zugegen war. Ein von A. M. Luncz verfaßtes hebräisches Gebet wurde dabei vorgetrageu. Es ist in „Schaare Zion" abgedruckt, es holt freilich etwas weit aus, indem es vom Thurmbau zu Babel beginnt, und die Einsetzung des Königthums von der Zeit datirt, die Sprache ist aber sehr schön. Constantine (Algier). Ueber die bereits erwähnte feierliche Einführung des neuen Oberrabbiners bringen die beiden französisch jüdischen Blätter ausführliche Berichte. Als Curiosum sei aus denselben angeführt, daß die Gesänge bei dieser Feierlichkeit — ein Baruch haba u. drgl. m. — mit Orgelbegleitung vorgetragen wurden. Die Ansicht der deutschen Ultra's, wonach eine Orgel die Synagoge ohne Weiteres zu einem Götzentempel mache, wird also auch in Afrika nicht an rkannt. In Oran (Algier) wurde den Israeliten von der Regierung ein Platz an einer der schönsten Straßen, der einen Werth von 120,000 Frcs. hat, zum Bau einer Synagoge geschenkt. Jaffa. Hier wohnen 1200 Juden, getheilt in 3 Gemeinden, Sefardim (hiesige), Sefardim vonMagreb (Marokko und Berberei), A s ch k e n a s i m; letztere ist die kleinste unter ihnen. Chicago. Es erscheint hier wieder ein neues Blatt unter dem Tuet „The Jewish Advance" halb in englischer, halb in deutscher Sprache. Montreal (Amerika). Hier befinden sich ca. 200 jüdische Familien, größtemheils wohlhabenden Standes. Diese sind in 2 Genieinden getheilt, Portugiesen und Aschkenasim, die mit einander friedlich verkehren und ihre 2 Rabbiner mit ä 500 Pfd. Sterl. jährlich besolden. Feuilleton. Bankier und «Handelsjude. Eine Erzählung aus dem Leben — von Ad. v. Zemlinszly Fortsetzung. „Rette mich", wimmerte Alphons, „rette mich — ich kann jetzt nicht mehr sterben." „Feigling, der Du bist, wenn Deine Verbrechen aufgedeckt werden, dann — wanderst Du in das Zuchthaus — und der,ehrliche Name Deiner Familie ist geschändet." „Rette mich, Abraham, rette mich!" „Wie — wie soll ich — hätte ich über solche Summen zu verfügen, gerne würde ich sie hingeben, um diese Wechsel einzulösen, um diese Schande von der Famifie ferne zu halten. — Wie viel hast Du der Cassa entnommen." — „Es waren 20,000 Thaler, die rch im Spielhause verspielt." — „20,000 Thaler? in einer Nacht? — Unglücklicher — — doch seltsam, wie gelangtest Du in die Cassa?" „Verzeihnng, Abraham, ich hatte Dir Deinen Caffaschlüssel genonlinen." — „Also gestohlen, und immer wieder gestohlen, meinen Schlüssel, und wo hast Du ihn." „Ich ließ ihn im Schlöffe stecken." „Wie, den Schlüssel ließest Du im Schlöffe, mein Gott, welch' Bubenstück!" rief Abraham, die Hand auf die brennende Stirn legend. „Gut denn", sagte er plötzlich, „ich werde versuchen, die drohende Schmach za verscheuchen, um der Liebe willen, welche ich zu Deiner Schwester, welche ich zu Deinen Eltern, welche mir so viele Wohlthaten erwiesen, fühle. Doch Du gehe fort, fort aus meinen Augen, daß ich Dich nimmer wiedersehe." Und mit schlotternden Füßen wankte Alphons fortwährend Abraham auf einen Stein niedersank. 5. Erew Roschhaschanah. Im Haufe des Handelsjuden hat sich die ganze Familie um den langen Tisch versammelt und lauscht andächtig den Worten

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