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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1878-07-17 · N° 29. (17.7.1878) · p. Seite 225

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
9 (1878)
Issue
N° 29. (17.7.1878)
Date
1878-07-17
Page
Seite 225 (sequence 4)
Language
German
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— 225 voll ins Oben treten werden. Man wird darüber berechtigte Zweiset hegen können, ohne den Werth des Erreichten zu unterschätzen und ohne das Verdienst Derjenigen zu schmälern, welche sich redlich bemüht haben, die Angelegenheit vor^den Congreß zu bringen und günstige Vota zu erzielen. — Sehr erfreulich klingt eine Nachricht des „Daily Telegraph", dem von hier geschrieben wird: „Man darf die Zuversicht hegen, daß die neuen Bestimmungen wegen des Schutzes der bürgerlichen und religiösen Freiheit in Rumänien keine todten Buchstaben bleiben werden. Fürst Hohenlohe, 'der Vorsitzende der Redaktionscommission, hat die Güte gehabt, den Delegirten der jüdischen Vereine, welche nach Berlin gekommen-sind, Eröffnungen zu niachen Er drückte die Besorgniß aus, daß die jetzt getroffenen Bestimmungen das Schicksal der im Jahre 1858 sestgestelllen tbeilen könnten, und fragte jene um Rath, wie die Rechte gewährleistet werden könnten. Der Fürst fügte hinzu, er habe seine politische Laufbahn mit Unterzeichnung eines Gesetzes begonnen, welches die Jsraliten in Bayern befreite, er hoffe sie zu beschließen, indem er zu der allgem einen Befreiung des jüdischen Volkes beitrage." Andererseits fahren die rumänischen Regierungsblätter fort, den Congreß wegen der Abtretung Bessarabiens und der Gleichstellung der Juden heftig zu schmähen. Sie drohen mit Widerstand. Das ist lächerlich in Betreff Bessarabiens, aber leider keimsmegs in Sachen der Juden. Der Beschluß des Congresffs, sagt „Romanul" werde den Inden nur Verderben bringen; die Rumänen würden einen solchen Eingriff in ihre Angelegenheiten nicht dulden Wer übernimmt in dieser Beziehung b 1 e Execuliou? Wer wird die Rumänen zwingen, den Beschlüssen zu gehorchen? Wir wollen weder schwai z sehen, noch Unheil prophezeien, aber abgemacht ist die Sache wohl noch nicht. Eigenlhümlich ist's um die Juden in Beffarabien bestellt. Schon vor mehreren Monaten haben wir berichtet, daß sie die Retrozession an Rußland fürchten und trotzalledem noch lieber rilmanisch bleiben als russisch werden wollen. So schreibt nun auch die „R. Fr. Pr." „In der Judensrage hat sich neuestns ein nicht unwichtiges Moment den Förderern dieser Angelegenheit ausgedrängt. Bekanntlich Hai der Congreß für Rumänien, Serbien, Montenegro, Bulgarien und Rumelien die Freihheit und Gleichheit aller Culte decretirl; bezüglich des a,i Rußland zurückfallenden Beffarabien aber, wo die Juden in großer Zahl aniäffig sind, wurde nichts bestimmt. Es wäre ja ein wahrer Hohn auf die ganze einschlägige Action des Congresses, wenn die unter russische Herrschaft gelangenden bessarabischen Juden der Emancipation verlustig würden, da in Rußland die Freiheit und Gleichheit der Culte nicht anerkannt ist. Man vernimmt, daß die russischen Bevollmächtigten darüber interpellirt werden sollen" — Rußland wegen der Behandlung der Juden Vorstellung machen?! Vor solchem Unterfangen wird der Congreß sich hüten. Die „Times" hatte sich schreiben lasten: „Die Alliance Israel, in Berlin fei vom Fürsten Bismarck empfangen worden behufs Entgegennahme ihrer Vorstellungen rücksichtlich der Emancipation b^r Juden in Rumänien. Es habe der Reichskanzler so erzählt man — der israelitischen Deputation versprochen, in ihrem Sinne für die Befreiung und Gleichstellung der Juden mit der einheimischen christlichen Bevölkerung ui Rumänien Sorge zu tragen; dagegen möge die Alliance Israel, in ihren bezüglichen Kreisen ihren Einfluß zu Gunsten conservaliver Wahlen ernsetzen." Wer das denr Times-Correspondenten aufgebunden habeii mag? Der Vorsitzende des Berliner Comite der All. Jsr. Un., JDr. Reumann, veröffentlicht Agende Berichtigung: „Die Nachricht, wonach Fürst Bismarck eme Deputation der hiesigen israel. Allianz empfangen, derselben seine Jniercestlon für die rumänischen Juden zugesagt, dagegen diese Deputation aufgefordert habe, ihren etwaigen Einfluß sur confervative Wahlen geltend zn machen, liefe Nachricht »st durchweg erfunden; es ist vom Fürsten Bismarck überhaupt eine Deputation der israelitischen Allianz nicht empfangen worden, noch auch hat derselbe irgend welche Mittheilung auf einem anderen Wege an die Allianz gelangen lasten. Uebrigens in es auch bekannt genug, daß die israelitische Allianz eine durchaus philantropische Institution ist und jedem politischen wie jedem religiösen Parteistandpunkt absolut fern steht." Ruhrort, 20. Juni. (Conserenz-Bericht.) Der „Verein israel. Elementarlehrer für Westfalen und die Rheinprovinz hielt seine diesjährige Conferenz am 11. d. M. im Lokale der Gesellschaft „Flora" hierfelbst. Vom herrlichsten Wetter begünstigt, hatten sich Theilnehmer von Nah uud Fern eingefunden. Folgende Collegen waren anwesend: Blumen au aus Bielefeld, Blumenfeld a. Essen, Steiuweg a. Rheda, Treu a. Münster, Gold st ein a. Grevenbroich, Jacob so hu a. Leipzig, Goldberg a. Steele, Krouenberg a. Ruhrort, L ö b a. Cöln, H e r r m a n n s a. Cöln, Frank a. Cöln, Steg a. Kempen, Mandel a. Linz, Lewy a. Neuß, Spier a. Bocholt, Steinweg a. Hattingen, Lippers a. Geldern, Graf a. Esten, C r a m e r a. Neuenkirchen, Kaufmann a. Ahlen, Laubheim a. Bochum, Löwenberg a. Geseke, Speyer a. Gelsenkircheu, Buxbaum a. Wesel, Spanier a. Solingen, Waller stein a Crefeld, Heymann a. Crefeld, Rose a. Lünen, Klestadt a. Lippstaot, Oppenheim a. Mühlheim a. d. Ruhr, Mendel a. Wattenscheid, Lazarus a Duisburg, Rothschild a. Dortmund, Hoch selb a. Haltern, Ostwald a. Witten. Außerdem wohnten als sehr willkommene Gäste Vertreter des Vorstandes und der Repräsentanten der Gemeinde Ruhrort den Sitzungen der Conferenz bei. Der langjährige alloerehrte Vorsitzende, Herr Blumenau, eröffnete die Sitzung um 9 Uhr Vormittags mit einem Begrüßnngswort und gab hierin den Gefühlen, welche in dieser Zeit jedes deutsche Herz bewegen, beredten Ausdruck; den Gefühlen des Abscheus und der Entrüstung, daß ein Deutscher so tief sinken könne, seine verruchte Hand zu erheben gegen den allverehrten, heißgeliebten deutschen Kaiser; aber auch der Freude und des Dankes gegen Gott, daß er uns das theure Haupt erhalten hat. Mit einem dreimaligen „Hoch" auf Se. Majestät, in das die Versammlung begeistert einstimmte, schloß der Vorsitzende seine tief empfundene Eröffnungsrede. Es wurde hieraus folgendes Telegramm an Se. Majestät abgeschickt: „Die heute in Ruhrort versammelte Conferenz israelitischer Lehrer Rheinlands uud Westfalens giebt hierdurch dem tiefsten Schmerze über das gegen die geheiligte Person Ew. Majestät gerichtete 'Attentat Ausdruck und sendet heiße Dankgebete für die Erhaltung des theuren Lebens Ew Majestät zum Allvater." Nach einigen Seitens des Vorsitzenden gemachten Mittheilungen (Empfehlung der Heilanstalt für Nervenkranke in Sayn bei Coblenz, Philipsons Religionsbuch für höhere Lehranstalten) schritt man zum 1. Punkt der Tagesordnung: Bericht des Vorstandes über die Unterstützungskasse, deren Generalversammlung die Conferenz gleichzeitig i t. Es konnte trotz der. schlechten Zeitverhältnisse wiederum ein erfreuliches Wachsthum der Kasse, die schon manche bange Sorge beseitigt und manche Thräne gestillt hat, constatirt werden. Das Kapitalvermögen beträgt gegenwärtig ca. 34,000 Mark. Wir verweisen unsere geneigten Gönner mit Genugthuung und Freude auf den sehr lefenswerthen vorjährigen Jahresbericht des Vorstandes; man wird gewiß diesem jungen und doch schon so segensreich wirkenden Institut seine vollste Anerkennung nicht versagen können. Dankend vernahm man, daß manche der Kasse nicht angehörenden Lehrer dennoch eine eifrige Thätigkeit für dieselbe entfalten, ja oft mehr thun, als einigeMitglieder, welche sich denn auch, namentlich in Bezug auf ihre Saumseligkeit in Einsendung der Beiträge, eine Rüge Seitens des Vorsitzenden gefallen lassen mußten. Den 2. Punkt der Tagesordnung betraf ein von dem Mitunterzeichneten Kronenberg übernommenes Referat über das Thema: „Welche Mittel stehen dem jüdischen Lehrer und Cultusbeamten zu Gebote, um dem Voruriheile gegen Juden

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