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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1878-07-10 · N° 28. (10.7.1878) · p. Seite 217

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
9 (1878)
Issue
N° 28. (10.7.1878)
Date
1878-07-10
Page
Seite 217 (sequence 3)
Language
German
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ReligiouSschulen entgegenarbeiten? Im Eingänge demit vielem Fleiße ausgearbeiteten Referats bespricht Redner die Wichtigkeit der Religionsschulen und hebt hervor, daß wahre Bildung ohne Religion nicht denkbar sei. Rach den Ursachen deS Jndifferentismus gegen unsere Religionsschulen suchend, findet Referent dieselben in dem Materialismus unserer Zeit, in der Unkenntniß der Religion seitens der Eltern, in deren Ansicht, daß die Vorschriften der Religion später doch nicht beachtet würden, in der Furcht vor Ueberansirengung ihrer Kinder, sowie auch endlich darin, daß häufig ungeeignete Persönlichkeiten als Religionslehrer fungiren. In einer dann folgenden ausführlichen Beantwortung der Frage, auf welche Art und Weise der Lehrer nach dieser Richtung hin mit Erfolg wirken könne, hob der Referent folgende Punkte hervor: 1) Der Lehrer vrrsäume nicht, die Eltern zu belehren und aufzuklären. 2) Er selbst sei ein Charakter, ein Vorbild; sein Unterricht sei anziehend und belebend. 3) Er wähle die geeignete Zeit für den Religionsunterricht und halte Maß bei Ertheilung der häuslichen Schularbeiten. 4) Der Schulvorstand müffe die gesetzlichen Bestimmungen zur Aufrechthaltung des regelmäßigen Schulbesuchs handhaben. ~ 5) Oeffentliche Prüfungen vermögen ebenfalls das Jnteresie der Eltern zu wecken. Auch dieser Vortrag gab Anlaß zur lebhaften Debatte, in welcher zunächst Herr Landrabbiner Ilr. Guttmann das Wort ergriff, um darzulegen, daß er den Juden nicht mehr Materialismus zuschreibe, als alle anderen Confeffionen. Redner glaubt aber auch, daß die Eltern ihren Kindern auf anderen Gebieten im Allgemeinen die Bildung nicht aus idealen Gründen angedeihen lassen, denn, wenn dieses der Fall sei, so würden sie auch dem Neligionsunterricht mehr Beach-. lnng widmen. Wenn auch den Kindern dadurch, daß sie besondere Religionsschulen besuchen müssen, ihre freie Zeit ein wenig gekürzt, wenn auch den jüdischen Gemeinden besondere Opfer auferlegt seien, so mögen dieselben auch heute noch den im Laufe der Geschichte Israels so thatkräftig sich bewiesenen Opfersinn sich erhalten und bewahren. Vor der wahren Opferwilligkeit verschwinden alle Schwierigkeiten, versöhnen sich alle Gegensätze. Herr Landrabbiner Dr. Meyer betonte ganz besonders die Selbsterziehung und Fortbildung des Lehrers. Empfänglichkeit für unsere Lehre, Wärme und Liebe für ihr Leben und ihre Dauer, treue Hingebung und Begeisterung für seinen Beruf, seien die besten Mittel, wodurch der Lehrer der Religionsschule Achtung erwerben könne. Nachdem noch andere Redner ihre Ansichten über diesen Gegenstand geäußert, wurde die Vormittagssitzung um 1 Uhr geschlossen. Nachmittags drei Uhr gelangte ein Vortrag des Lehrers Kaufmann-Einbeck über den Unterricht in der Biblischen Geschichte zur Verhandlung, in welcher hauptsächlich die pädagogische, didaktische und methodische Seite dieser Disciplin des weiteren erörtert wurde. Allgemein wurde anerkannt, daß das Buch der Könige wegen der vielen darin vorkommenden Namen ohne Daten die meisten Schwierigkeiten beim Unterrichte verursache. Sehr erwünscht wäre es, wenn von sach- I verständiger Hand die Abfassung einer Biblischen Geschichte unternommen würde, in welcher der Stoff gut und sorgfältig ausgewählt, zweckmäßig in concentrischen Kreisen für die verschiedenen Unterrichtsstufen vertheilt und mehr Gruppirung der verschiedenen Lebensbilder angestrebt sei. — Dr. Prager- Hannover empfiehlt, aus dem Buche der Könige die Propheteugeschichte vorweg zu nehmen und später den politischen Theil folgen zu lassen. Schließlich wurden folgende Resolutionen einstimmig angenommen: 1) Die Bibl. Geschichte ist eine der wichtigsten Disciplinen der jüdischen Schulen. 2) Der Unterricht in der Bibl. Geschichte muß die religiösen und sittlichen Wahrheiten, sowie die entsprechenden Gefühle wecken. 3) Der Unterricht werde den verschiedenen Altersstufen gemäß in immer erweiterter Form ertheilt. Hiermit war die Tagesordnung erledigt. Es folgte noch eine kurze Besprechung über die Folgen des Eintritts der jüd. Lehrer in die Provinzial- Lehrer- und Waisenkasse. Gegen sechs Uhr fand der Schluß der Versammlung statt, nachdem zuvor für den zweiten Pfingsttag des nächsten Jahres Hameln als Versammlungsort gewählt worden war. Möge auch diese Conferenz zur Hebung und Förderung des jüdischen Schulwesens ihren Theil beitragen! E. Stern, Schriftführer. Aus der Provinz Posen, 30. Juni. (Or.-Corr.) Der Umstand, daß jüngst mehrere a>n Breslauer Seminar gebildete Rabbiner nach größeren Gemeinden berufen wurden (Dr. Lewin nach C ob lenz, Dr. Gronemann und Dr. Werner na$ Danzig), läßt die orthodoxen Blätter nicht zur Ruhe kommen, mit schlechtoerborgenem Ingrimm nörgeln sie an diesen Wahlen herum, die „Jüd. Pr." begnügt sich, die Wahl des Hrn. Lewin mit Ausrufungszeichen zu begleiten, der „Israelit", dessen Angriffsweise den Lesern d. Bl. aus einigen Proben bereits bekannt ist, ergeht sich bei dieser Gelegenheit in Schmähungen gegen die Breslauer, daß dieselben in reformistisch gesinnten Gemeinden Stellen annehmen. Nach den relig. Grundsätzen dieser Blätter resp. deren Redacteure müßten sonach dergleichen zu Reformen sich hinneigende Gemeinden als unheilbar gänzlich aufgegeben, vielleicht gar wie eine nrn3 TU behandelt werden; oder es muß statt eines friedliebenden „Breslauers", ein streitsüchtiger zelotischer „Jsraelitaner" dorthin kommen, der vor Allem die Fahne des Separatismus auspflanzt, um welche nur das Häuflein der Gesetzestreuen sich zu schaaren habe, die Uebrigen, das Gros det Gemeinde, müssen sich entweder den Anordnungen der Minorität fügen, oder sie haben den Anspruch auf den Namen einer jüd. Gemeinde verloren; sie sind schlimmer als Nichtjuden, es sind Ketzer, mit denen man nicht pactiren dürfe und sollte das ganze Gemeinwesen darob zu Grunde gehen. Frieden stiften, vermitteln, die Einheit der Gemeinde erhallen, das ist — breslauerisch und verdammenswerth. Gelingt einem Breslauer eine solche Vermittelung, dann ist ^8 „heilige" Pflicht, so lange zu wühlen, zu Hetzen, aufzuwiegeln, zu verdächtigen, die niedrigsten Leidenschaften aufzuregen, dis ein Riß, eine Spaltung hervorgebracht ist; dann ist großer Jubel im Lager dieser jüd. Ultramontanen, dann sind einige Seelen gerettet. Um dieses Ziel zu erreichen — in majorem Dei gloriam — ist diesen Leuten kein Mittel verwerflich! Doch um auf die Vorwürfe, die dem Hrn. Dr. Lewin in jenem. Bl. in einer wohl zu Mainz verfertigten Corresp. gemacht werden, zurückzukommen, daß er, der bisher in einer orthodoxen Gemeinde 6 Jahre fungirte, nunmehr nach dem aufgeklärten Coblenz gehe, so haben wir zu erwidern, daß der betr. Cor - respondent, der selbst gesteht, die religiösen Gesinnungen der betr. Gemeinde (Koschmin) nicht zu kennen, sich doch jedes Urtheils über dieselbe hätte enthalten müssen. So viel wir von der Koschminer Gemeinde wissen, hat sie z. B. die geregelte Cultusordnung, die Hr. Dr. Lewin daselbst eingeführt, mit Freuden begrüßt, und der „Israelit" würde Manches darin finden, was er als „Neuerung" nicht billigen könnte. Aber gerade die Mißbilligung des „Jsr." ist für Viele ein sicherer Maßstab dafür, daß man sich auf dem rechten Wege befinde. Cöln, 1. Juli. (Or.-Corr.) Am 15. Juni feierte ein Mitglied unseres Vorstandes, Hr. Jacob de Jonge, sein silbernes Hochzeitsfest, dessen in diesem vielgelesenen Blatte, wegen der Verdienste des Jubilars, erwähnt zu werden verdient. Hr. de Jonge gehört nahezu zwei Decennien dem Vorstände der hiesigen Synagogen-Gemeinde an und hat während dieser Zeit seine besten Kräfte dem Aufblühen der Gemeinde, der Entwicklung ihrer culturellen und Wohlthätigkeitsanstalten gewidmet. Als Mitglied des Curatoriums des Asyls für

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