Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1878-07-03 · N° 27. (3.7.1878) · p. Seite 211

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
9 (1878)
Issue
N° 27. (3.7.1878)
Date
1878-07-03
Page
Seite 211 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/5369809-9583355-9583097--3649-9583102
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

211 — in ihren günstigeren Vermögensverhältnissen; Eines ist sicher: ihre rapide Zunahme. Ferner ist zu erwähnen, daß sie auch, da nur eine höchil geringe Zahl im Kriegsdienste steht, durch den Krieg nicht leiden; im Gegentheil, jeder Krieg ist für viele Juden eine Geldquelle. Nus alldem geht hervor, daß um das klassische Wort Disraeli's des genialisten und mächtigsten Vertreters der jüdischen Interessen zu zitiren — daß „die bcgenerirte niedrigere Race" — die unserige — verschwindet und die „reine höhere Race" — die jüdische — bestehen bleibt. Wir rekriminiren fort und fort über die Misere des Landes, den wahren Grund erwähnen wir nicht und mittlerweile frißt sich die Wunde immer tiefer in den Leib der Ration Haben wir darum so viele Heimsuchungen überstanden, werden wir darum in zehn Jahren das Jubiläum 1000jährigen Bestandes feiern, um im nächsten Jahrhundert unser Testament zu machen und die Juden als Erben einzusetzen? Daß die Ungarn über ihre politische Suprematie wachen, ist daraus ersichtlich, daß hier noch kein Jude im Ministerfauteuil sitzt; sie werden auch nicht dulden, daß man sie materiell zugrunde richte. Bleibt in diesem Kampfe nur die Zuflucht zur ultima ratio, dann werden nicht wir den Kürzern ziehen. Ungefähr wie bei uns verhält es sih in dieser Beziehung auch anderwärts in Europa; bei den durch die jüdische Staatsweisheit ruinirten Völkern wuchert die Sozialdemokratie in die Höhe, deren Legionen wieder Juden anfübren; sie hetzen Völker gegen Völker, Confessionen gegen Confessionen. um „duobus litigantibus“ zu gewinnen; da ihre Pläne nur durch unsere Korrumpirung zu realisiren sind, so wenden sie Bestechung an und diese kann um so größere Dimensionen annehmen, je mehr sie uns materiell zugrunde richten Findet man keinen andern Läsungsmodus, so bleibt, wie in früheren Jahrhunderten, die Berufung auf die ultima ratio. Heute braucht man aber diese Berufung nicht mehr, um sich vor dem jüdischen Elemente zu retten, vorausgesetzt, daß das jüdische Element' selbst die Hand reicht zur Lösung der Judenfragen im Geiste unserer Zeit. Diese Lösung besteht in der Wiederherstellung des einstigen Judenreiches. Nie war die Gelegenheit günstiger, den weltgeschichtlichen Fehler gut zu machen, der durch die Vernichtung der Selbstständigkeit einer so lebenskräftigen zähen Race begangen wurde. Im Mittelalter wollle man nichts davon wisseu, man versuchte die Judenfrage zeitweilig durch massenhafte Hinrichtungen zu lösen. (Große Heiterkeit); durch dieses drastische Mittel wurden die Zustände hie und da erträglich. Natürlich rächen sich die Nachkommen für diese Grausamkeit. Diese Verhältnisse sind aber nicht gesund; sie können gesunden durch die Wiederherstellung des jüdischen Staatswesens. Unsere Epoche hat neue, vor Jahrhunderten einige Reiche wieder erstehen gesehen? Warum sollte nicht der einstige jüdische Staat auch erstehen können? Die Anhänglichkeit an die einstige Heimath ist unvermindert und lebendig geblieben in allen Wechielfällen. Da die meisten Juden ihr Vermögen in Mobilien besitzen, io können sie in 48 Stunden ihren Wohnsitz verändern. (Lebhafte Heiterkeit) und da sie jedes Klima vertragen, werden sie sich auch bald akklimatisirt haben. (Heiterkeit). Es ist nothwendig, daß ein so intelligentes, ameisen fleißiges, fortschreitendes, eine große Zukunft besitzendes Element im Osten die Führerrolle übernehme. Die Juden können vermöge ihrer ausgezeichneten geistigen Fähigkeiten, vermöge ihrer hohen politischen, juridischen, kommerziellen und finanziellen Befähigung, besonders aber vermöge ihrer Geldmacht, eine mächlige Stütze des so hartbedrängten türkischen Reiches werden. (Große Heiterkeit.) Ein unermeßliches Gebiet erschließt sich ihnen im Orient; sie können mit der Zeit die Grenzen ihres wiedergewonnenen Vaterlandes erweitern und offen, geehrt von der ganzen Welt, ihre nationalen Aspirationen verwirklichen. Unb die Juden seihst hängen ja an der Wiederherstellung des jüdischen Reiches. Redner zitirt eine im August 1876 im „Bester Llvyd" und anderen Blättern erschienene Notiz, wonach sich Slr Hammon in Verbindung gesetzt hätte mit Guedalla, dem Gründer einer aus englischen, französischen und österreichischen Juden bestehenden Gesellschaft, welche bestrebt ist, das heilige Land der Hohen Pforte um einen Preis von 8 Millionen Pfd. Sterling abzukaufen. Warum dieses Projekt nicht zur Ausführung gekommen, das läßt sich vermuthen. Wahrscheinlich finden es die jüdischen Mächtigen bequemer, in London, Paris, Wien, Berlin und Budapest die Rolle großer Politiker zu spielen, als in dem kleinen Palästina. Diese jüdischen Machthaber verfolgen den Zweck, die bestehende Gesellschaft zu vernichten und eine ausschließlich jüdische Gesellschaft an ihre Stelle zu setzen. Aber ihr teuflischer Plan wird nicht gelingen; die Weltgeschichte bewegt sich im Kreise und die Katastrophe wird nicht ausbleiben und auf das Geschrei der Juden um Hilfe wird sich keine Stimme, kein Arm erheben. Darum sollten die Juden selbst in ihrem eigenen Jntereffe trachten, das Problem rasch und gründlich zu lösen. Viele Juden haben ja den sehnlichsten Wunsch, in das Land der Vorfahren zurückznkehren; Diejenigen aber, die unter uns bleiben wollen, mögen sich uns affimiliren, Ein Leib und Eine Seele mit uns werden. Es ist möglich, daß anläßlich der Lösung der Orientfrage die Wiederherstellung des Judenreiches zur Sprache kommt. Lord Beaconssield denkt über diese Sache jetzt auch anders wie vor 40 Jahren; auch er ist der Ansicht, daß die Juden ihre große Misiion nur in Palästina erfüllen können. Es ist also möglich, daß Dirraeli selbst diese Sache in Vorschlag bringen wird. Die türkische Regierung aber wird sich der Realisirung dieses Projektes im eigenen Interesse nicht widersetzen. Präsident: Die Akustik des Saales ist eine so schlechte, daß von dem Vortrage des g. Herrn Abgeordneten nur abgebrochene Laute*hier herüber kamen Ich bin daher genöthigt, zu erklären, daß '.ch, nachdem mir mitgekheilt worden, der g. Herr Abgeordnete habe sich in dem Sinne geäußert, daß man im Mittelalter eine derartige Frage durch massenhafte Hinrichtungen gelöst habe (Rufe: Das hat er nicht gesagt!) . . . Wenn es nicht wahr, dann hört die Frage auf, wenn es aber wahr wäre, dann, glaube ich, wäre es die Pflicht des Präsidiums, ihn zur Ordnung zu rufen. (Großer Lärm.) Da ich zu meiner großen Freude erfahre, daß es nicht wahr, so mache ich hiermit keine Erklärung, sondern stelle die Frage: Minister August Tresort: Ich bedauere sehr, daß in diesem Hause solche Doktrinen erörtert wurden, welche mit den humanen Prinzipien des Zeitalters, dem edlen Geiste dieses Hauses und zum größten Theil; auch mit den Thalfachen in Widerspruch stehen (Zustimmung) und welche nebstbei auch zu falschen und schädlichen Interpretationen Anlaß geben könnten. Uebrigens sehe ich das Ganze für ein literarisches Essay an, welches hätte unterbleiben können, sowie auch die Verhandlung dds Antrags unterbleiben wird. Ich hoffe auch und zweifle nicht daran, daß diese ganze Rede, als ein literarisches Essay, spurlos und ohne Nachklang im Hause für ewige Zeit verhallen wird. (Beifall.) Viktor Jstoczy erklärt, daß er den Zweck hatte, die Frage zu beleuchten, und die Nation auf die Gefahren aufmerksam zu machen. Präsident ermahnt den Redner, daß er seine Ansichten bereits ausführlich entwickelt habe. Viktor Jstoczy sagt fortfahrend, er wollte auch eine plausible Lösung vorschlagen. Dieser Zweck sei erreicht. Nach der Erklärung des Ministers sei die Berathung des Antrages nicht zu hoffen. (Eine Stimme: Der Hr. Abgeordnete sollte geheime Abstimmung verlangen! (Heiterkeit), daher ziehe er denselben zurück. Vermischte miD neueste Nachrichten. Berlin. Den Baruch Auerbach'schen Waisen-Erziehungs- Anstaltem »st seitens unseres Herrscherhauses wiederum eine hohe Anerkennung geworden. Ihre Maj. die Kaiserin hat dein Vorstande nach Uederreichung des 45. Jahresberichts des Knaben-Waisenhauses ein Allerhöchstes Gnadengeschenk von 300 Mk. und Seine königl. Hoheit Prinz Carl einen Jahresbeitrag von 50 Mk. zugehen laffen. L-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.