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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1878-06-26 · N° 26. (26.6.1878) · p. Seite 202

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
9 (1878)
Issue
N° 26. (26.6.1878)
Date
1878-06-26
Page
Seite 202 (sequence 4)
Language
German
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— 202 — )i:. r! lehren des Rabbiner Herrn vr. Lew in, welcher einem ehrenvollen Rufe nach Koblenz folgend, uns nach sechsjährigem Wirken verläßt, ein Diner statt, an welchem ein großer Theil der Gemeindeglieder theilnahm. Herr vr. Lewin hat sich um die Gemeinde Koschmin viele Dienste erworben; sein Wirken war von dem schönsten Erfolg gekrönt. Bald nach seinem Amtsantritt führte er eine Synagogenordnung ein und rief die Religionsschule ins Leben, an welcher er als Dirigent und Lehrer recht Tüchtiges leistete. Die Töchterschule, welche bis heutigen Tages von Kindern aller Confessionen besucht wird, hat ihre Gründung ihm zu danken. Das Erblühen des Armenvereins, mit welchem gleichzeitig eine Darlehnskasse verbunden ist, und die Reorganisation des Beerdigungsvereins sind sein Werk. Für die Allgemeine Israelitische Allianz sowie für den Religionslehrer-Bildungsverein für die Provinz Posen legte er eine besondere Thätigkeit an den Tag, und warb eine ziemlich große Zahl Mitglieder für beide Vereine. All' diesen Verdiensten reiht sich auch seine Wirksamkeit als Prediger ebenbürtig an. In verschiedenen Toasten wurde all' seiner Leistungen, der Liebe, und Achtung, die er sich erworben, gedacht. Vom Gemeinde - Vorsteher Herrn A. Fuchs wurde ihm im Namen der Gemeinde in dankbarer Anerkennung seiner Verdienste ein silberner Pokal mit Inschrift überreicht. Die ganze Gemeinde sieht ihn ungern aus ihrer Mitte scheiden und wünscht ihm eine frohe und glückliche Zukunft. Oesterreich. Pest. In Angelegenheit des israelitischen Landes-Schulfonds hat bekanntlich die Durchführungs Commission der auionom-orthod. israelitischen Gemeinden eine Petition an den Reichstag gerichtet, den Fonds unter die angeblich im Lande vorhandenen zwei i s r. Confessionen zu theilen. Dieser Petition entgegen hat der Präsivent der israelitischen LandeSkanzlei, Herr Martin Schweiger, ein umfangreiches Memorandum eingereicht. Es wird darin nachgewiesen, daß der Fond seiner Natur nach untheilbar ist und daß derselbe, da es im Judenthum keine Sekten gibt, auch gar nicht getheilt werden kann. Es wird sodann des Länger» ausgeführt, das aus dem Fond mehrfache, die ganze Glaubensgenossenschaft interessirende Institute erhalten werden, wie das Lehrer Seminar und das Rabbinen-Seminar, und daß an den Segnungen dieser Institute auch die Anhänger der orthodoxen Gemeinden theilnehmen. Schließlich wird an das Abgeordnetenhaus die Bitte gestellt, dieses wolle unter Zurückweisung der Petition der Durchführungs Commission den CultuS- und Unterrichtsminister anweisen, derselbe möge im Sinne des Abgeordnetenhaus-Beschlusses vom 30. März 1871 sobald als möglich einen Gesetzentwurf zur Regelung der israelitischen confessionellen Angelegenheiten einbringen. (Die Petition ist in einer Beilage des „P. Ll." abgedruckt und füllt dieselbe in Petitschrift vollständig) Pest, 12. Juni. Der „Pester Lloyd" schreibt: Unser Jstüczy war der Held der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses; ehrlich und wacker hat er das in seinem, leider noch mit Ausschluß der Oeffentlichkeit erscheinenden Blatte „Jövönk" gegebene Versprechung gehalten — er hat wirklich m der ersten Sitzung nach den Ferien seinen Antrag auf Wiederherstellung des Judenreiches gestellt und für die Beliebtheit des in weitesten, namentlich israelitischen Kreisen anerkannten Mannes zeugte am unwiderleglichsten die wohlwollende, selbst durch die folgende Zolldebatte nicht getrübte „Heiterkeit", die das Haus erfaßte, als die Stentorstimme des Schriftführers Gulner das Evangelium Jstüczy's verkündete. Der Antrag lautete: „Das Haus möge erklären, daß in dem Falle, als in irgend einer Phase der Lösung der orientalischen Frage und der definitiven Feststellung der Zukunft des Orients, seitens der leitenden Krelse der Judenhett oder seitens der Regierung irgend einer europäischen Macht die Idee angeregt würde, daß nicht nur die Freiheits-Ansprüche der christlichen Völker des Orients eine den europäischen Interessen entsprechende Befriedigung finden sollen, sondern daß man auch dem aus seiner vor 1800 Jahren zerstörten Heimath vertriebenen jüdischen Volke endlich einmal Gerechtigkeit angedeihen lasse, und zwar dadurch, daß das heißgeliebte ursprüngliche Vaterland desselben, Palästina, gehörig vergrößert, entweder als unter der Souverainität oder Suzerainilät der Hohen Pforte stehende autonome Provinz oder aber als selbstständiger jüdischer Staat wiederhergestellt werde und so das in seiner gegenwärtigen Zerstreuung den Fortschritt der europäischen Nationen verhindernde und die christliche Civilisation gefährdende jüdische Volk sich selbst zurückgegeben, unter den Wohlthaten einer eigenen nationalen Regierung und nationaler Institutionen inmitten von verwandten semitischen Stämmen, in dem an Kraft gesunkenen und zurückgebliebenen Orient als lebenskräftiges, mächtiges, neues Element zum wirkungsvollen Faktor der Civilisation werden könne — in diesem Falle der Wunsch des Hauses der ist, daß die ungarische Regierung dahin wirke, daß die Leitung der auswärtigen Angelegenheiten der Monarchie einem darauf abzielenden eventuellen Antrag nicht entgegentrete, sondern denselben vielmehr sowohl im europäischen Interesse als im Jnlerefie der Monarchie und besonders Ungarns auch ihrerseits unterstützen. Die Barczer Juden machten sich den Spaß und telegraphirten an Jstoczy: „Ihr Antrag hier mit Begeisterung ausgenommen; wir sind reisefertig und ersuchen, inzwischen Fahrpreisermäßigung nach Palästina zu erwirken." Eibenschitz (Mähren), im Juni. (Or.-Corr.) Am zweiten Tage des Schabuothfestes verschied im 48. Lebensjahre nach 21jährigem rühmlichen Wirken der als vorzüglicher Hebräist, Talmudist und ausgezeichneter Schulmann bekannte k. k. dirigirender Oberlehrer Herr Marcus Sboritz. Die Festesfreude wurde in Trauer verwandelt, und diese erhielt emen allgemein tiefempfundenen Ausdruck durch die außerordentlich rege Betheiligung der Gesammtbevölkerung, der Notablen der Umgebung und zahlreicher Deputationen der Gemeinden und Vereine an dem imposanten Leichenbegängnisse, das am 10 Juni stattgefunden hat. Dem schweren Verluste, den die Gemeinde, die Schule, die mit 8 unmündigen Kindern zurückgebliebene Wittwe und die zahlreiche Verehrerschaar erlitten, wurde in tieferschütternder und gedankenvoller Weise Ausdruck gegeben in dem Lebensbilde, das die Trauerredner, die HH. Rabbinen Ovr. Tauber von hier und Friedländer von Kanitz, entworfen. Am Grabe sprachen auch ergreifende Worte des Abschiedes die HH. Lehrer Waldmann und Kinder. Mit dieser ehrenvollen Trauerkundgebung allein aber begnügte man sich nicht; sondern es wurde jmter dem Vorsitze des Herrn Bürgermeisters Singer, da die Staatspension allem nicht ausreicht, seitens der Gemeinde freie Wohnung und eine Pension für die Wittwe und Waisen fixirt. Eine vom Herrn Bürgermeister unter den Mitgliedern und im Freundeskreise vorgenommene Collecte fiel recht ergiebig aus. Es hat sich auch ein Comü6 unter den Schülern des Verklärten zu Etdenschitz gebildet, das an die ehemaligen Schulgenofien sich wendet, damit von den zu erwartenden reichen Liebesgaben ein Kapital den Hinterbliebenen für alle Eventualitäten zur Verfügung sei. Alle, die sich daran warm belheüigen, ehren sich selbst, indem sie das Andenken eines biedern Mannes ehren, der ihr hingebungsvoller Jugendbildner, Freund und Lehrer m edlem Berufsetfer war. Frankreich. Paris. Das C.-Comir6 der All. isr. univ. hat an die Familie des sel. Sir Francis G o l d s m i t und an den Präsioenten.der Anglo-Jewish Association das folgende Schreiben gerichtet: „Das Central-Coniite hat mit schmerzlicher Rührung den Tod von Sir Francis Goldsmid erfahre«. Die Alliance Jsraelite Universelle verliert in ihm einen seiner hervorragendsten und treuesten Mitarbeiter. Eine tiefe Liebe zur Menschheit, ein beharrlicher Eifer zur Berlheidigung der Freiheit, die Hingebung für seine Religion und seine Glaubensgenossen machten ihn zum Verbündeten aller derer, welche die religiöse

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