Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 9 (1878)
- Issue
- N° 25. (19.6.1878)
- Date
- 1878-06-19
- Page
- Seite 196 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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— 196 — wahrlich kein Anderer hat gleich ihm segensreich gewirkt für daS allgemeine Interesse des Judenthums in Amerika. Andere mögen ihn in Gelehrsamkeit und Beredtsamkeit überragt haben, aber in unablässiger Thätigkeit fürs allgemeine Wohl, in steter Aufmerksamkeit auf die Leiden seiner nothdürftigen Glaubensgenossen und im Interesse des guten Namens unserer Religion unter Andersdenkenden, hatte Keiner gleich ihm gewirkt. Er war conservativ in seinen Prinzipien und sprach und schrieb unablässig gegen die Ausschreitungen der amerikanischen Reformen. An der Gründung des Waisenhauses, Hospitals und anderer Wohlthätigkeits-Anstalten nahm er einen thätigen Antheil und besuchte ste öfter, als irgend ein anderer hiesiger Rabbi. Er wirkte als Schatzmeister, Sekretär oder Direktor verschiedener Wohlthätigkeüsgesellschaften. und seine Zeit war fast immer mit einem Geschäfte zum Besten Bedürftiger in Anspruch genommen. Sein Name als Vater der Waisen und Wittwen war nicht nur in Amerika, sondern auch in Europa, besonders in England und Polen, so wohl bekannt, daß fast jede europäische Post Briefe an ihn brachte, wo eine Frau ihren weggelaufenen Mann, betrübte Eltern Nachricht von ihrem verloren gegangenen Sohn, arme Familien Unterstützung zur Reise nach Amerika u. s. w. von dem vielbeschäftigten Rabbi haben wollten. Wenn irgend möglich, so wurde eine bescheidene Bitte nicht vergebens an ihn gerichtet, da er nicht nur das Vertrauen der Armen, sondern auch oft den offenen Beutel wohlthätiger Juden besaß, um nach seines Herzens Wunsch wohlthätig zu wirken. Durch sein reines, unbescholtenes Leben, seine Freundlichkeit und Bescheidenheit hat er nicht nur die Herzen der jüdischen Bevölkerung ohne Ausnahme der religiösen Richtung, sondern auch der höchsten Achtung der christlichen Mitbürger sich erfreut, und als er vor fünf Jahren seinen siebenzigsten Geburtstag feierte, so hat ihn nicht nur unter vielen Verehrern Sir Moses Montefiore, sondern auch Präsident Grant mit einem schönen Geschenke und recht freundschaftlichen Briefe bedacht. Als Herausgeber und Redakteur des „Jewish Messenger" hat er durch viele Jahre zum Besten des allgemeinen Interesses des Judenthums gewirkt. Hr. Jsaacs hinterläßt vier Söhne und drei Töchter. Sein ältester Sohn Mayer S. Jsaacs, ein angesehener Advokat, ist Präsident des Board of Delegates, Jsaac S. Jsaacs, ebenfalls Advokat, Präsident der Joung Men's Hebrew Association und Abraham S. Jsaacs war bis vor Kurzem Student des rabbinischen Seminars in Breslau. S. Vermischte und neueste Nachrichten. Berlin. Der Vorstand der hiesigen jüdischen Gemeinde hat nun wirklich beschlossen, auf einem von ihm bereits in Aussicht genommenen Grundstücke in der Luisenstadt eine Synagoge zu erbauen. Düsseldorf, 5. Juni. (Kaiser-Stiftung.) Herr Michael Simons in Düsseldorf hat „aus Anlaß der Errettung Seiner Majestätunseres Kaisers Wilhelm I. aus Lebensgefahr" eine Stiftung gemacht und dem Asyl für Kranke und Altersschwache in Cöln die Summe von: „FünfzehntaufendMark"alsGeschenküberwiesen. (Köln. Z.) Hannover, 10. Juni. Die hier tagende Versammlung jüdischer Lehrer aus der Prov. Hannover sandte eine Ergebenheitsadresse an den deutschen Kaiser. Ruhrort, 14. Juni. (Or.-Corr.) Ueber die am [11. hier stattgehabte Conferenz der rhein.-westfäl. jüd. Lehrer wird Ihnen wohl ein specialisirter Bericht später zugehen; von den auf derselben gefaßten Resolutionen sei die folgende schon jetzt mitgetheilt: Der Verein israel. Elementarlehrer für Westphalen und Rheinland spricht im Anschluß an das Referat des Deputirten des Deutsch-israel. Gemeindebundes, Herrn Jacobsohn aus Leipzig, seine lebhaftesten Sympathien für den Deutsch-israel. Gemeindeb. und dessen Bestrebungen aus, und werden die Mitglieder des Vereins Alles thun, was in ihren Kräften steht, um die Ziele desselben thatkräftig zu unterstützen. Pest, 12. Juni. Im Unterhause beantragte heute wirklich der Abgeordnete Jstoczy, daß anläßlich der Ordnung der orientalischen Angelegenheiten das jüdische Reich in Palästina wiederhergestellt werde. Der in den Adelstand erhobene Hofrath Dozig, der Andraffy als Begleiter zum Congreß beigegeben ist, ist (wie der „Wiener Jsr." mittheilt) — Jude. Lemberg. Seit April d. I. erscheint hier in 14tägigen Heften eine neue hebr. Zeitschrift unter dem Titel: 71212.1 - Herausgeber ist Hr. Rabb. A. Eisner in Korolowka. Außer gut geschriebenen Leitartikeln und Correspondenzen (meist aus Galizien, Rußland und Ungarn) bringt jedes Heft auch kleinere hebr.Gedichte,sowieAufsätze exegetischen u. agadischenJnhalts. Paris. Das Central-Comite der All.Jsr Un. erläßt einen erneuten Hülferuf für die Israeliten in der Türkei. (Siehe Inserat.) Aus Rußland verlautete seit ein paar Monaten Verschiedenes über eine einzuberufende Rabbinerconferenz. Man muthmaßte, daß die Regierung Reformen in Schul¬ oder Cultuswesen, oder gar in der bürgerlichen Stellung der Juden beabsichtige. Wir haben daher bis jetzt die Sache mit Schweigen übergangen, wir sind nicht gewöhnt, uns Illusionen über edleJntentionen in Betreff der Juden in Rußland hinzugeben. Es scheint nun sicher zu sein, daß die Versammlung beauftragt worden ist, Maßregeln an die Hand zu geben, daß jüdische junge Leute sich nicht mehr dem Militärdienst entziehen sollen. Die Versammlung ist geschloffen. Ueber ihre Verhandlungen kommt nichts an die Oeffentlichkeit. Wenn Rußland seine Juden zu guten Patrioten machen will, so muß es ihnen volles Bürgerrecht geben, denn Rechte und — Pflichten bedingen einander. Das ist überaus einfach; man braucht keine Rabbinerversammlung einzuberufen, um dies zu erfahren. Die Rabbiner werden dies auch am wenigsten ausgesprochen haben, denn — in Sibirien ist es sehr kalt! Aus Jassy schreibt man uns: Die beiden rumänischen Minister, welche jetzt in Berlin bereits eingetroffen sind, um nach dem Kampfe für die bulgarischen Menschenrechte ihre eigene Unabhängkeit und Integrität vom Congreß zu erbitten, werden sicherlich ihre Forderung mit einem Nachweise der in ihrer eigenen Raffe herrschenden Civilisation zu begründen versuchen. Als ein Beitrag zu diesem Nachweise, empfiehlt sich vielleicht eine von der Jassyer Stadtbehörde jüngst erlassene und von der Regierung gebilligte Schlachtverordnung. Nach derselben soll fortan die Schlachtung des Hornviehes nur mittelst Hirnstichs (bouttsrolle) geschehen dürfen, einer neuen amerikanischen Methode, welche bisher überhaupt nur sehr vereinzelt, und in Europa so gut wie gar nicht angewendet wird. Damit über den Grund dieser Neuerung, mit welcher Rumänien der ganzen Welt vorauszueilen bestrebt ist, kein Zweifel bestehen könne, bedroht die Verordnung mit strafgesetzliche ^Verfolgung und materiellem Schadenersatz alle Diejenigen, welche gegen den Genuß des so geschlachteten Fleisches abergläubisch sprechen oder eifern möchten. Da nun die Stadt Jaffy eine zahlreiche jüdische orthodoxe Bevölkerung hat, die bekanntlich Fleisch nur von solchem Vieh ißt, welches nach ihren rituellen, übrigens sanitätspolizeilich allgemein und durchaus gebilligten Vorschriften geschlachtet ist, so dürfte den Jassyer Israeliten keine andere Wahl übrig bleiben, als auszuwandern oder Vegetarianer zu werden. Es ist unnöthig, über die niedrige Quälerei der Juden, die in dieser Verordnung von der Behörde geplant wird, ein Wort zu verlieren. Oder soll diese rumänische Verordnung etwa documentiren, daß die rumänische Civilisation Berlin, Wien und London bereits weit hinter sich läßt? Dann bliebe freilich die Frage, warum Jaffy gerade diesen Beweis zuerst und allein zu führen bestimmt ist? Vielleicht geben die in Berlin anwesenden Vertreter der rumänischen Negierung und der rumänischen Civilisation die ' Anwort auf diese Frage!