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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1878-06-19 · N° 25. (19.6.1878) · p. Seite 195

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
9 (1878)
Issue
N° 25. (19.6.1878)
Date
1878-06-19
Page
Seite 195 (sequence 5)
Language
German
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— 195 Länder hinzog, wurde hier eine Arbeit vollbracht, deren Zweck ein leises Flüstern war, das Reden der Stummen. Und in diesem Flüstern waltet Gott, wirkt eine schöpferische That. Denn die Taubstummen, die früher geistig todt, verwahrlost, verthiert waren, gegen die selbst die Gerechtigkeit ungerecht war, indem sie ihnen keine Menschenrechte zuerkannte, — jetzt werden sie zu Menschen, zu nützlichen Mitgliedern der Gesellschaft umgeschaffen. Redner gab dann in einem culturgeschichtlichen Rückblick eine kurze Geschichte der" Kunst, Taubstumme zu erziehen. Er erinnerte an den Abb6 de l'Ep6e, an Heinike und an zwei Jutzen, die sich auf demselben Felde außerordentliche Verdienste erworben haben. Es waren dies der Portugiese Pereira und der Ungar Mauksch, Lehrer in Lipto-Sz-Miklos. Dieser gründete dort eine Taubstummen- Anstalt, die im Jahre 1840 von Seite der Comitatöbehörde besichtigt uno des größten Lobes würdig befunden wurde, deren Ruf über den Ocean drang, die aber nach dem Tode ihres Gründers ein Opfer der 1848er Revolutionsstürme wurde. Was die öffentlichen Landes-Jnjtitute betrifft, so wurde das erste 1802 vom König Franz I. gegründet; das zweite ist das gegenwärtige, dessen Gründer, ein einfacher Bürger, mit einem König wetteiferte. Kanitz (Mähren), 28. Mai. (Or. Corr.) Das bereits in dies. Bl. ermähnte und als sehr interessant bezeichnete Werk unseres Herrn Rabb. I)r. Friedländer („Tiferet Jisrael") wird nicht nur in den Fachblättern, sondern auch in den großen politischen Journalen sehr günstig recensirt und als werthvolles Familienbuch auf's Angelegentlichste empfohlen. In der Recension der Wiener „Presse" vom 26. Mai d. I. heißt es unter Anderem: „Die Verhältnisse und Zustände, die der Verfasier m der vorliegenden Schrift schildert, haben noch viele der jetzt lebenden Zeitgenossen mitgelebt und erlebt und doch erscheinen sie heut so fremd, daß man glaubt, es seien Jahrhunderte über dieselben hinweggegangen, um wie viel unwahrscheinlicher werden sie kommenden Geschlechtern erscheinen? Es ist daher als verdienstlich zu betrachten, daß der Verfasier es unternommen hat, sie der Vergesienheit zu entreißen. Er gibt in solcher Weise einen Beitrag zur Cultur- und Sittengeschichte, der Würdigung verdient rc." Dem Buche wurde auch die Allerhöchste Anerkennung von Seiten Sr. Majestät des Kaisers zu Theil, was aus folgendem Schreiben Sr. Excellenz des Herrn kk. Oberstkämmerer Grafen Crenneville an Hrn. vr. Friedländer zu entnehmen ist. Dasselbe lautet: Ich beehre mich, Ew Ehrwürden in Kenntniß zu setzen, daß Se. k. u. k. apostolische Majestät mit Allerhöchster Entschließung vom 19. d. M. das von Ihnen verfaßte und überreichte Werk „Tiferet Jisrael" Schilderungen aus dem innern Leben der Juden in Mähren in vormärzlichen Zeiten" als Fortsetzung Ihrer früheren Schriften der huldvollsten Annahme zu würdigen geruhten rc. rc. Palästina. Jerusalem, 17. Mai. (Or.-Corr.) Mittwoch, den 5. Jjar starb nach inehrwöchentlichem Krankenlager der hochgelehrte Rabbi Meyer Auerbach, vormals Oberrabbiner in Kalisch. Alsbald wurde auf Anordnung der Rabbiner der Sefardim und Aschkenasim bekannt gemacht, daß Jeder seinen Laden zu schließen und die Arbeit einzustellen habe, um dem Verewigteil die letzte Ehre zu erweisen. * Sefardim und Aschkenasim erwiesen ihm diese im höchsten Maße. (Folgt eine ausführliche Aufzählung der abwechselnd von Chachanlim der Sefardim und deutschen Darschanim vom Slerbehause ab bis zum Grabe auf dem Oelberge gehaltenen Trauerreden, zusammen etwa 10, denen noch eine ganze Anzahl von Reden während der Trauerwoche folgte.) Dem Leichengefolge hatten sich zwei Kawaffen des österreichischen Consuls mit ihren Amtsstäben und der Consulats-Dragoman angeschlosien. Der Verewigte ist ungefähr 67 Jahr alt geworden. Nachdem er lange Zeit m verschiedenen Städten in russisch Polen und zuletzt in Kaltsch als Rabbiner fungirt hatte, ließ er sich in Jerusalem nieder. Hier gab er sein Buch ’HftK über die 4 Theile des Schulchan Aruch in Druck. — Unsere Freude, daß die Heuschrecken schon ganz und gar von uns abgezogen seien, ist vereitelt worden. Das gewaltige Heer zeigte sich noch einmal in Jaffa und Umgegend, auch in einigen Dörfern in der Nähe unserer Stadt. Jndeß können die Heuschrecken G. s. D. dem Getreide da nicht mehr schaden, weil dieses schon in der Reife weit vorgeschritten und hart ist, nur den Baumfrüchten können sie Schaden thun und haben sie solchen schon, wie man hört, an manchen Orten angerichtet. Die Sefardim und Aschkenasim hatten hier zum Montag und Donnerstag dieser und auf Montag nächster Woche Fasttage ausgeschrieben, an denen Selichos und Hoschanos gesagt und Schofar geblasen wurde. Gegen Abend wurden die Läden geschlossen, und alles Volk versammelte sich i.t den Synagogen, um Gott um Abwendung dieses Unheilsanzustehen. — Im Ghor (Jordanthal) hat man schon angefangen, Weizen zu ernten und in die Stadt zu bringen. Dadurch ist der Preis des Weizens und der Lebensmittel gefallen, aber mit dem Handel steht es noch so schlecht wie zuvor. Die Leute gehen täglich auf der Straße umher und verdienen nichts; auch die Handwerker erwerben äußerst wenig. Daher verlasien viele junge Leute unsere Stadt, um nach Amerika oder nach einer der größern Städte Europa's zu gehen und dort^ihren Unterhalt zu erwerben. Mehr als 200 Familien werden in diesem Sommer uuiere Stadt verlasien, um stch anderswohin zu begeben. Demnächst gedenke ich mich nach Jaffa, Hebron und Umgegend zu begeben, um mich nach dem Stande des Ackerbaues der Colonien, die dort kurze Zeit bestanden haben, sowie des Handels und des Gewerbes daselbst umzusehen und mit erfahrenen Leuten, welche allen Parteien und Parteibestr^bungen fern stehen, zu berathschlagen. Die Resultate gedenke ich im zweiten Theile meines Buches „Netiboth Zion", welchen ich eben ausarbeite, niederzulegeu. A. M. Luncz. Amerika. New-Nork, .21. Mai. (Or.-Corr.) Der, wie in vor. Nr. gemeldet, am 19. Mai verstorbene Rabb. Samuel M. Jsaacs war aus Leewarden in Holland gebürtig, wo seine Vorfahren durch mchrere Generationen wohnten. Sein Vater war in seinem Geburtsorte Banqier, verlor in den französischen Kriegen sein Vermögen und übersiedelte nach England. Ausgerüstet mit talmudischen Kenntnissen, wurde der Vater Rabbi in seiner neuen Heimath und gab seinen fünf Söhnen eine gute religiöse Erziehung. Einer dieser Söhne starb als junger Mann; ein zweiter war Rabbi der jüdischen Gemeinde in Sydney, Australien, wo er vor fünf Jahren starb; der dritte ist Prof. D. M. Jsaacs, Rabbi in Manchester, England, und der vierte war der Verstorbene. Nachdem er in London eine kurze Zeit als Direktor einer Erziehungsanstalt fungirte, kam er im Jahre 1839 nach New Jork als Rabbi der Congregation Bnai Jeshurun. Damals wohnten noch verhältnißmäß'g wenige Juden in New-Aork und jüdische Prinzipien und Ceremonien waren unter der Bevölkerung fast gar nicht bekannt. Die Ankunft eines Rabbi erweckte daher allgemeines Interesse und der jüdische Gottesdienst und englische Predigten wurden von Juden und Christen mit der größten Aufmerksamkeit verfolgt, und durch sein herzgewinnendes Wesen gewann Hr. Jsaacs bald die allgemeine Achtung und Liebe seiner Gemeinde. Im Jahre 1845 theilte sich die Congregation und Hr. Jsaacs verblieb Rabbi jenes Theiles, der unter dem Namen Sharai Tesilla eine neue Congregation bildete. Durch nahe vierzig Jahre war er nicht nur der Rabbi, sondern auch der Vater, Leiter und Nathgeber seiner Gemeinde, und als letzten Samstag Dr. Mendes für die Genesung des schwer Erkrankten betete, da blieb kein Auge thränenleer, und die schweren Seufzer der Männer, Frauen und Kinder erweichten auch den fremden Anwesenden. Würde schon seine unermüdliche Thätigkeit für seine Gemeinde ihm eine ehrenwerthe Stellung in Israel gesichert haben, so bildete diese doch nur einen kleinen Theil seiner Verdienste, denn

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