Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 9 (1878)
- Issue
- N° 24. (12.6.1878)
- Date
- 1878-06-12
- Page
- Seite 188 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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— 188 — sammlung von Delegirten der verschiedenen isr. Alliancen ist von der Wiener Allianz Herr Rabbinervr. Güdemann abgeordnet worden. Hannover. Der Earl von Beaconsfield, der am Dienstag Mittag auf seiner Reise zum Congreß hier eintrifft, wird sich eine Nacht in unserer Stadt aufhalten. Commerzienrath Frensdorfs ist ersucht worden, den englischen Premier zu empfangen. Leipzig, 5. Juni. In der gestrigen Ausschußsitzung beschloß der Verstand des isr. Gemeindebundes den Separatabdruck der neuesten Schleiden'schen Abhandlung, den binnen Kurzem eine angesehene Buchhandlungsfirma veranstalten wird, durch Uebernahme einer größeren Anzahl Ex. zu unterstützen; ferner, zu der am 12. Aug. stattfindenden Generalversammlung der Alliance Isr. Univ. ein Mitglied des Ausschuffes, event. ein Mitglied des Centralcomite's zu delegiren. In derselben Sitzung wurde das Statut der Herxheimer-Stiftung genehmigt und beschloffen, über die praktische Ausführbarkeit der Anstellung von Bezirks-Religionslehrern eine Enquste einzuleiten. Auch wurde über Mittel und Wege zur Förderung des Pensions-Vereins Achawa, event. Beihülfe zur Errrichtung von Provinzial-Lehrer-Pensions- Caffeu berathen. — Zu der am 11. d. M. in R u h r o r t stattfindenden Versammlung jüd. Lehrer (Nhein.-Westfalen) ist der Schriftführer des Gemeindebundes Hr. I a c o b s o h n als Deputirter delegirt; derselbe wird auf dieser Conferenz die Bestrebungen des Bundes, insbesondere für die Jutereffen des Lehrerstandes, darlegen und dessen Jntereffe für die Aufgaben des Bundes anregen. Wir finden diese Maßnahme sehr practisch. Hamburg. Von einem Ungenannten wurden in dankbarer Erinnerung an den 1. Siwan folgenden Instituten, nämlich der Talmud-Thora-Schule, dem Waisen-Jnstitut, der Armen-Commission, der isr. Gemeinde, dem Paulinenstift, dem isr. Verein zur Unterstützung armer Greise und dem isr. Verein zur Krankenpstege, jedem M. 5613.20 geschenkt worden' Straßburg i. E. Am 5. Mai wurde hier die erste Generalversammlung der Chasanim in Elfaß-Lothringen unter Betheiligung von 50 Mitgliedern abgehalten, und zwar zum Zwecke der Errichtung einer gegenseitigen Unterstützungsgesellschaft der Vorsänger im Reichslande. Sobald wir im Besitz der ausgearbeiteten Statuten sind, werden wir Näheres über dies Projekt mittheilen. (Isr. Elf. Lothr.) Wien, 22. Mai. Heute fand die Prüfung der Zöglinge des allgemeinen österreichischen israelitischen Taubstummeninstituts statt. Der Prüfungssaal war von zahlreichen Besuchern überfüllt. Nach dem gesprochenen kurzen Gebet wurden die Schüler und Schülerinnen aus Religion, Biblische Geschichte, Naturgeschichte rc. geprüft, die Zöglinge beantworteten die au sie gerichteten Fragen rasch und fehlerfrei. Es gewährte den Zuhörern nicht geringe Freude zu erfahren, daß arme, taubgeborene und daher auch stumme Kinder nicht nur verstehen, was man zu ihnen spricht und richtige Antwort ertheilen, sondern auch soweit herangebiloet werden, daß sie einen anständigen Erwerb wählen und der menschlichen Gesellschaft überaus nützlich werden können. Die Anstalt wird von 68 Knaben und 42 Mädchen besucht. Der Lehrkörper mit dem Direktor, kaiserlichen Rath Herrn Joel Deutsch an der Spitze, erntete den Dank und Beifall der Besucher. (W. Isr.) Pest. Laut Mittheilung des „Bester Lloyd" wird Hr. Rabb. vr. Kohut in der Herausgabe des Aruch von der höheren katholischen Geistlichkeit in Ungarn kräftig unterstützt, indem dieselbe nicht nur bereitwillig darauf abonnirt, sondern auch mehrere Exemplare unter ihren Freunden und Bekannten vertheilen läßt. Erzbischof vr. Ferdinand v. Dulansczki, der überhaupt sehr human und wohlwollend gegen Jedermann ohne Unterschied der Confession in Wort und That ist, schrieb in freundlichster und dankbarster Weise an Dr. K. bei Empfang des ersten Heftes, und legte seinem Briefe 100 fl. bei! Lyon. Man ließt im „Evenement“: Man versichert, daß der Erzbischoff, in der Voratlssetzung, daß der Stadtrath die Frohnleichn imspcocession untersagen würde, sich an das protestantische und das israelische Consistorium gewendet und von ihnen die Erklärung erwirkr hat, daß sie sich in Betreff der Processionsfrage neutral verhalten werden. Auf diese Erklärung gestützt soll der Erzbischof die Absicht haben, sich über einen Beschluß des Stadtraths hinwegzusetzen und vorkommendenfalls an den Cultusminister zu appelliren. Dieso aufgestellte Frage gewinnt ein eigenthümliches Interesse. In der That würde das in Lyon gegebene Beispiel ohne Zweifel in anderen Diöcesen nachgeahmt werden und da die evangelischen Geistlichen und die Rabbiner gewöhnlich sehr wohl erzogene Leute sind, so würden sie Ermächtigungen geben, welche das Gesetz zu umgehen gestatten: das Gesetz untersagt aber Processionen in den Städten, welche von verschiedenen Religionspartheien bewohnt sind, um Streitigkeiten innerhalb der Bevölkerung vorzubeugen. Solche Streitigkeiten zu beurtheilen, sind die Rabbiner, Pastoren und Erzbischöfe nicht geeignet, nur die Stadtverwaltung ist im Stande zu wiffen, was sie zu thun hat. — Soweit „Ev6n6ment.“ Hierzu bemerkt „Univ. Isr." Wie haben sich doch die Zeiten geändert! Ein hoher Würdenträger des Katholicismus, ein Kirchenfürst, ist genöthigt. jüdische und protestantische Geistliche, gewiffermaßen um Erlaubniß zu bitten, damit er öffentlich und frei seine Religion ausüben darf, die er gleichwohl für die Herrin der Welt hält. Das ist wieder eins von jenen wunderbaren Dingen, die man nur bei einer allgemeinen Ausstellung in Frankreich sehen kann! Ohne Zweifel sind die Pastoren und Rabbinen „sehr wohlerzogene Leute", sie werden die Ermächtigung geben, um die man sie bittet. Vergessen wir indeffen nicht, daß, was das Judenthum betrifft, seine Nachsicht und Toleranz oft mit dem gehässigsten Undank belohnt werden. Man hat nicht nur in vielen großen Städten unsere Glaubensgenoffen gezwungen längs ihren Häusern, vor denen Processionen vorüberkamen, Draperien auszuspannen, sondern man hat ihnen sogar verboten, ihre Fenster zu öffnen; man hat diejenigen von ihnen mißhandelt, welche sich auf der Straße zu zeigen wagten! Diese Processionen verursachten den Israeliten einen wahren Schreck, sie bedrohten ihre Ruhe, ihre Freiheit, mitunter ihr Leben. Und heut zu Tage bittet man uns, daß wir sie dulden! — das ist doch auch ein Finger Gottes." London. Der am 28. Mai hochbetagt gestorbene englische Staatsmann Earl Russell hat auch iu der Entwicklungsgeschichte der Juden eine bedeutsame Rolle gespielt und sich auf eine dankbare Erinnerung im Herzen der Juden Englands den berechtigsten Anspruch erworben. — Nach langen vergeblichen Anstrengungen und Kämpfen hatte nämlich Earl Russell im Frühling des Jahres 1828 den Triumph, mit seiner Motion auf Beseitigung der Korparations- und Fest- Acte zu siegen, durch welche seit Restauration Karl II. alle Dissenters, falls sie sich nicht dem anglikanischen Ritus unterwarfen, aus städtischen und Staatsämtern ierngehalten wurden. Es war der erste epochemachende Schritt, welche die politischen Rechte von der Intoleranz des religiösen Bekenntnisses und der damit verbundenen, längst veralteten nnd darum oft heuchlerisch umgangenen Einschränkungen befreite und folgerichtig, allen Widerstand der Regierung bezwingend, schon im nächsten Jahre auch die Katholikenemanzipation herbeiführen mußte. Mit Recht ist jüngst das fünfzigjährige Andenken an diese That öffentlich begangen worden, denn wo es in der Folge galt, auch die zuletzt noch den Quäkern oder den Juden im Wege stehenden Schranken hinwegzuräumen, überall war Russell vorne an. Rom, Mai. In die für die pariser Ausstellung ernannte Commission, deren Präsident Prinz Amadeus rst, würde auch Hr. Louis Luzzatt i berufen. Dieser noch jugendliche, aus. gezeichnete Ekonomist, von dessen Ernennung zum Minister der Finanzen unlängst die Rede war, besitzt sowohl eine große Rednergabe als tiefe und bewundernswürdige Kenntnisse. Die Unterhandlung des Handelsvertrags mit Frankreich ist das Werk s-iner geschickten Leitung-