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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1878-06-12 · N° 24. (12.6.1878) · p. Seite 187

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
9 (1878)
Issue
N° 24. (12.6.1878)
Date
1878-06-12
Page
Seite 187 (sequence 5)
Language
German
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— 187 — Anläßlich des bevorstehend erachteten Friedensschluffes und in Voraussicht der Möglichkeit eines europäischen Congresses hat sich die Israelitische Allianz zu Wien mit den zmeckoerwandten Corporationen in Paris, London und Berlin ins Einvernehmen gesetzt, uin ein homogenes Verfahren zu erzielen. Gemäß den getroffenen Vereinbarungen haben wir Sr. Excelleuz dem Minister des Aeußern und des kaiserlichen Hauses durch unser Piäsidium eine Denkschrift überreicht, worin wir Se. Excellenz angehen, bei der bevorstehenden Erwägung der künftigen politischen Stellung der Danaufürstenthümer und der von dem Einfluffe der hohen Pforte zu lösendenGebiete auch auf dieRegeluugder staatsbürgerlichenVerhältniffe der israelitischen Bewohner dieser Länder Bedacht zu nehmen. Die Zusicherungen, die von den Regierungen der Westmächte und von der des deutschen Reiches unseren Glaubeusgenoffen gegeben worden sind, lassen uns hoffen, daß die österreichisch ungarische Negierung nicht zurückstehen werde, ihre kräftige Unterstützung einer so gerechten Sache angedeihen zulaffen u. dahin zu wirken,daß denVerhältnissen unsererGaubensbrüder im Oriente eine entsprechende Gestaltung gegeben werde." Der Bericht erwähnt dann weiter der Bemühungen der Allianz für das Schulwesen in Rumänien und speziell der Erhaltung einer Schule in Botuschan; ebenso der gelungenen Intervention za Gunsten des jungen Retter. (Diese Angelegenheit ist früher in diesem Blatte erwähnt.) In Hinsicht auf den zweiten Vereiuszweck werden die an österreichische israelitische Schulen gewährten Subventionen aufgezählt, auch wird erwähnt, daß man ausnahmsweise eine Unterstützung für zwei junge Leute aus Jerusalem zur Erlernung eines Handwerks gegeben habe, die Leistungen auf diesem Gebiete, sagt der Bericht, entsprechen nicht der Größe der Aufgabe. „Erziehung und Gemeindewesen in Galizien namentlich sind noch im Argen. Es entgeht uns nicht das Bewußtsein, daß hier eine Abhilfe, eine Verbesserung dringend geboten sei, und daß es uns obliege, dafür die Mittel zu finden und die Wege zu ebnen. Doch bedürfen wir dazu eines aufrichtigen Entgegenkommens, ohne welches wir auf bedenkliche und vielleicht gar gefährliche Schwierigkeiten stoßen müßten, ohne daß sich unüberwindliche Hindernisse uns in den Weg stellen müßten. Wir bedürfen der Mitwirkung einsichtsvoller Männer, welche durch ihren Einfluß an Ort und Stelle, wie durch ihre Kennlniß der gegebenen Verhältnisse im Stande wären, jene Schwierigkeiten vermeide» zu helfen und in ihren Kreisen die Theilnahme für unsere Bestrebungen zu erwecken." Zum dritten Vereinszweck übergehend, werden die subventionirten Schriftsteller Szanto, Friedländer, Rabbinowicz, I. Müller, Sternberg, Zuckermandl u. deren Werke namhaft gemacht. Palästina. Jerusalem, 3. Mai. (Or. Corr ) Die Zeloten in unserer Stadt geben sich noch nicht zur Ruhe und verfolgen nach Kräften die jungen Leute, welche sich der Erlernung hebräischer Grammatik und guten Styls befleißigen. Da man hauptsächlich mit Entziehung der Chaluka droht und vorgeht,, so wäre es gut, wenn die Glaubensgenossen in Europa Unterstützungen für strebsame junge Leute bewilligten, welche das Studium in vernünftiger Weise betreiben wollen. Sobald die Furcht der Entziehung der Chaluka durch jene Zeloten aufhört, wird dieZahl der nach Bildung Strebenden wachsen. Frau Berthe Bertrand aus St. Germain in Frankreich hat dieser Tage die im Norden der Stadt gelegenen Höhlen, welche als „Königsgräber" bezeichnet werden, gekauft. Dieser Ort war bisher eine Wüstenei und wurde als herrenlos betrachtet. Es wurden daher in letzter Zeit dort durch verschiedene Reisende willkührlich Ausgrabungen vorgenommen und die Gräber durchwühlt, zum großen Leidwesen der hiesigen Rabbiner und Gemeinden. Nun ist auf Kosten der Frau Bertrand eine steinerne Einfriedigung hergestellt und eine kleine Wärterwohuung dort errichtet. Die Kosten für den Ankauf des Platzes und für die Baulichkeiten betrugen mehr als. 1000 Napoleons. Aus Anlaß des neuen Heeresdienstgesetzes, wonach auch Nichtmuhamedaner militärpflichtig sind, wird eine Commission zusammentreten, die eine Liste der Christen und Juden in Jerusalem, welche türkische Unterthanen sind, verzeichnen wird. — Am Montag in dieser Woche zeigte sich plötzlich ein neuer, gefürchteter Gast in unserem Lande, bei dessen Namen schon die Bewohner erzittern, es waren Heuschrecken. Unsere Brüder eilten alsbald in die Synagoge, um Gebete anzustimmen. Gott sei gepriesen, daß die Plage abgewendet worden ist, gegen Abend erhob sich ein starker Wind und verscheuchte die Thiere. Die starken Regengüffe des vorigen Winters, welche so vielen Schaden angerichtet haben, haben auch die von dem Josef Blumenthal s. A. gegründete Schule schwer beschädigt. Die sehr schlechten Fundamente sind unterwühlt, und das Haus droht dem Einsturz. Die Schüler haben einstweilen anderswo untergebracht werden müssen. Die Kosten für die Reparatur des Hauses werden von Bauverständigen auf 10,000 Frcs veranschlagt?) Die Leiter der Anstalt haben einen Aufruf zur Sammlung von Beiträgen erlaffen und es ist sehr zu wünschen, daß die Schule erhalten werde, da sie die einzige ist, in welcher hier für die Sefardim sowohl Talmud alsHebräisch undArabisch unterrichtet wird. A. M. L u n cz. (Die oben erwähnte Höhle, welche nach lokalen Ueberlieserungen Königsgräber und nach der jüdischen Tradition das Grab des Calba Schabua enthält, liegt im Norden von Jerusalem etwa 20 Minuten von der Stadt entfernt, unweit des nach Sichem führenden Weges. Wegen der näheren Beschreibung verweisen wir auf die verschiedenen topographischen Handbücher. Es ist vor einigen Jahren berichtet worden, daß ein Franzose daselbst Nachgrabungen vorgenommen hat, und hat dies auch in Deutschland bei den gläubigen Juden sehr unangenehmes Aufsehen erregt. Wenn wir nicht irren, hat aus diesem Anlaß Herr Dr. Hildesheimer eine Anregung gegeben, die Gräber fortan zu schützen. Wir haben damals diesen Vorschlag warm unterstützt, indem wir daraus hinwiesen, daß es unsere Pflicht sei, für den Schutz uralter Gräber im heiligen Lande zu sorgen, weil wir damit die Ruhe der Grabstätten unserer eigenen Väter und Mütter in unseren Wohnorten schützen, damit sie nicht den Stadterweiterungen zum Opfer fallen. Ganz im Stillen hat nun eine wackere Dame diese Angelegenheit, wie man annehmen darf, für alle Zeiten erledigt. Wir entnehmen den Berichten anderer Blätter darüber noch Folgendes: Die verstorbenen Eltern der Frau Berthe Bertrand haben derselben testamentarisch den Wunsch an's Herz gelegt, diese Höhle mit den Königsgräbern anzukaufen und die Dame hat neun Jahre sich bemüht, bis das Kaufgeschäft perfect geworden ist, wozu der französische Consul seine Vermittlung gewährte. Das Schreiben, womit die Dame Anzeige von der Sache macht, ist am 23. April datirt und lautet: „Ich, Berthe Amelie Bertrand, thue hiermit kund, daß ich die Höhle der Königsgräber mit dem umliegenden Felde gekauft habe, lediglich in der Absicht, um diesen altehrwürdigen Ort vor jeder Entweihung für alle Zeiten zu schützen. Ich bin die Tochter des seligen Obadia Levy, meine Mutter war eine Rodrigues Henriquez." Der Oberrabbiner Isidor fügt eine Bestätigung dieses Schreibens bei und bittet den Chacham Baschi für die Aufrechterhaltung des Besitztitels Sorge zu tragen. Red.) Vermischte und neueste Nachrichten. Wien, 9. Juni. (Or. Corr.) Zu der in Berlin anläßlich des Zusammentritts des Congreffes statlfindenden Ver- *) Hier haben wir wieder einmal eine uns unbegreifliche Sache. Ist die Blumemhal-Schule das gewesen, was man in anderen Ländern ein Haus nennt, so konnte sie nicht von einigen Regengüssen bis zum Einstürzen baufällig werden. Ist das Gebäude also nur das gewesen, was man anderswo eine Baracke nennt, wie kann dann die bloße Reparatur 10,000 Frcs. kosten i? (Red.)

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