Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 9 (1878)
- Issue
- N° 23. (5.6.1878)
- Date
- 1878-06-05
- Page
- Seite 180 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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— 180 — AuS Schlesien. (Zur factischen Berichtigung.) In der Correspondenz aus Kempen (Nr. 19 d. Bl.), — findet sich irrthümlich die Angabe, daß der dort beregte Beschluß in Ehesachen auf der Leipziger Synode gefaßt worden; der Beschluß ist aber nicht dort, sondern auf der Augsburger Synode zu Stande gekommen. Wenn man meint, daß es für Beurtheilung dieses Beschlusses gleichgültig sei, in welcher Versammlung er gefaßt worden, so ist doch zu erinnern, daß weder die Mitglieder, noch der Geist in diesen beiden Synoden derselbe gewesen. Breslau. (Or.-Corr.) Mit Bezugnahme auf den Zweifel den der geehrte Correspondent aus „Stockholm" (Nr. 21 der Wochenschrift) in Bezug auf Herrn Steckelmacher (nicht wie es daselbst fälschlich heißt: Stuckelmacher), den gekrönten Preiswerber an der philosophischen Facultät der Universität Breslau, ausgesprochen t,at, ob Herr St. Jude sei, erlauben wir uns den Zweifel zur Zufriedenheit der geehrten Leser zu lösen, indem wir bemerken, daß Herr Steckelmacher Jude und Hörer am jüdisch-theologischen Seminar ist; eine Thatsache, deren Erwähnung wir bis jetzt leider überall vermißt haben, ob zwar auch sie geeignet ist, den Verfasier nicht minder würdig nach einer anderen Seite hin zu characterisiren. vr. M. G. Posen. (Or.-Corr.) Dienstag, den 28. Mai, wurde der alljährlich stattfindende Rabbinertag der Provinz Posen zu Krotoschin unter Vorsitz des Hrn. Dr. D. Joöl abgehalten. Die ziemlich zahlreiche Versammlung wurde durch einen telegraphischen Gruß vom Ausschuß des Gemeindetages zu Leipzig erfreut und erwiderte denselben umgehend. Noch am selbigen Tage wurde die festgestellte Tagesordnung erledigt. (Ausführliche Mittheilungen folgen nächstens.) Aus dem Hannoverschen. Der kürzlich in Hameln verstorbene Dr. Dessa, (ein Christ) hat 3000 M. für dortige israelitische Hilfsbedürftige testamentarisch vermacht. — Eine Lotterie zum Besten des Synagogenbaues in Hameln ist der israelitischen Gemeinde daselbst höheren Orts genehmigt und können 50 pCt. der Einnahme für den Bau verwerthet werden. — In dem in Lin gen erscheinenden ultramontanen „Volksboten" ist vor einigen Wochen ein Inserat veröffentlicht worden, welches die Ueberschrift trug: „Kann der Jude hexen?" und in seinem Inhalte viele arge Beschuligungen gegen die Juden brachte. In Folge deffen ist gegen den verantwortlichen Redakteur jenes Blattes ein Preßprozeß angestrengt worden. Laupheim. Als Curiosum theile ich (im Anschluß an die jüngsten Leilart. in dies. Bl.) mit, daß in Meyers Handlexicon, 2. Aust. S. 1701 unter „Samiel" folgende Definition zu lesen ist: Böser Geist, Satan; bei den Juden der oberste der Teufel. Pest. Der bekannte judenfresserische Abgeordnete Jstoczy beabsichtigt allen Ernstes einen Antrag einzudringen, daß in Verbindung mit der Lösung der orientalischen Frage das Judenreich in dem zu diesem Zwecke entsprechend vergrößerten Palästina wieder hergestellt werde. (Wiener Jsr.) Mühlhausen i. E. In der Sitzung des Gemeinderaths der Stadt vom 7. Mai cr. wurde ein Bericht des Synagogenrathes verlesen, in welchem derselbe um die Mitwirkung der Stadt zur Erbauung eines Betsaales ersucht wird. Der jetzige Tempel ist zu klein, um die Gläubigen an den Festtagen zu faffen. Das im anliegenden Hose zu errichtende Nebengebäude wird außer dem projektirlen Betsaale noch eine Wohnung für den Vorsänger und einen Consistoriumsaal enthalten. Der Gemeinderath fühlt sich bewogen, zum veranschlagten Baubetrag von 27,333 Franken einen Zuschuß aus Gemeindefonds principiell zu gewähren, behält sich aber vor, die Höhe der zu verabfolgenden Summe später, auf Vorschlag der Finanz-Commission, festzusetzen. (Neue Mülh. Ztg.) Paris. Die Ausstellung veranlaßt „Univ. Jsr." zu folgender Bemerkung. „Wir begrüßen freundlich auch unsere ausländischen Glaubensgenoffen, welche zur Ausstellung hierherkommen werden. Sie werden hier unter vielem Wunderbaren noch etwas bei ihnen Unerhörtes und Unbekanntes sehen: Drei israelitische Generale, vier israel. Präfekten, einen isr. Caffationshof., Kammerpräsidenten, dazu Synagogen und jüdische Schulen, welche auf Kosten katholischer Städte erbaut sind, ein auf Staatskosten unterhaltenes Rabbinerseminar." — Eine Bemerkung ähnlicher Art knüpfen „Arch. Jsr." an die Ausstellung. Sie erinnern daran, daß erst ganz kürzlich wieder in Rußland eine gehässige Ausnahme-Maßregel in Betreff jüd. Militairpflichtiger erlassen sei. Da hätte nun (sagt dies Blatt) der russische Botschafter Orloff bei der Eröffnung der Ausstellung am 1. Mai eine nützliche Lehre erhalten können, wenn Jemand ihn auf dem Trocadero bei Seite genommen und ihm gesagt hätte: „Excellenz, sehen Sie einmal den General an, der da die Truppen commandirt, welche bei diesem großartigen Schauspiel die militärischen Honneurs machen. Es ist General Säe, ein Jude, ein braver Soldat. Bei ihnen sind die Juden noch eine Art von Parias, hier stehen sie Jedem gleich, und Frankreich steht sich dabei ganz gut." Aus Rußland. Herr Alexander Zederbaum hat von der Regierung die Erlaubniß zur Mederherausgabe des von ihm vor 5 Jahren redigirten „Hameliz" erhalten, die laut Circular des Hrn. Z am 1. Jul: erscheint — Die hebr. Wochenschrift „Hazfira", von Slonimsky in Warschau trefflich redigirt, ist die gelesenste in Rußland und Polen, sie hat es — wie noch kein anderes jüd. Blatt, — bis auf 1700 Abonnenten in Polen und Rußland gebracht. (Was will das in einem Reiche, in welchem ca. 3 Millionen Juden wohnen, bedeuten! Red.) Feuilleton. Die Juden in Rom. (Fortsetzung.) Einmal kan: ich an einem Samstag Vormittags nach dem Ghetto, lediglich um die Bewohner zu sehen, wenn sie mit allen ihren goldenen Herrlichkeiten aufgeputzt wären. Die Straßen und die Menschen sind auch dann recht traurig und es gibt im Allgemeinen nicht viel an ihnen, was golden ist. Die Männer sehen etwas besser aus, als man denken sollte, obgleich sie noch immer recht ärmliche Figuren abgeben; an den Frauen sieht man nichts, sei es von der wunderbaren Schönheit der italienischen Frauen, sei es von dem gerühmten Zauber der jüdischen Frauen Die armen Gestalten, die sechs Tage lang gebeugt und arbeitend dagesessen sind, können sich auch am siebenten Tage nicht aufrichten; nur hier und da begegnet man einem jungen Mädchen, in wunderlichem Staate, am Halse eine von den bewußten goldenen Kelten, welche hier den Brautstand ankündigen, das Gesicht von einer Farbe, die nahezu der Gesundheit ähnlich ist, und mit Augen, so klug und gut, wie nur Heine sie malt. Dieses sind die Abkömmlinge in gerader Linie jener Juden, welche Pompejns der Große, der erste Feind, der als siegreicher Eroberer den Tempel von Jerusalem betrat, als Sklaven mit nach Rom führte. Das war etwa ein halbes Jahrhundert vor der Geburt Christi. Damals und nachher sah man in der Hauptstadt der Welt noch jüdische Fürsten s und Prinzen, so prächtig und verächtlich, wie nur irgend ' Fürsten und Prinzen ihrer Zeit. Gar rasch aber üerschwin-