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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1878-06-05 · N° 23. (5.6.1878) · p. Seite 179

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
9 (1878)
Issue
N° 23. (5.6.1878)
Date
1878-06-05
Page
Seite 179 (sequence 5)
Language
German
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179 — \ lich die Art und Weise, wie in unserer Zeit die Besetzung der Nabbinatsstellen erfolgt. Was wird alles von dem anzustellenden Rabbiner gefordert! Die kleinen Gemeinden sind hierin womöglich noch anspruchsvoller, als die größern, und die Gegenleistungen? man weiß, wie armselig sie in der Regel im Bergleiche zu andern Berufsstellungen sind. Wenn dazu noch die Anstellung eine fortdauernd provisorische bleiben soll, wenn der Rabbiner immer der Gefahr ausgesetzt bleibt, durch ein Machtwort des Vorstandes seiner Stelle verlustig erklärt zu werden, ist cs dann nicht ganz natürlich, daß selbst streng-religiöie Eltern ihre Söhne eher für alles andere, als für den Rabbinerstand ausbilden lassen? Es geschieht oft, man könnte sagen, fast gewöhnlich, daß Advokaten, Aerzte rc. ihre Söhne, wenn es nur halbwegs angeht, ebenfalls für den von ihnen vertretenen Lebensberus erziehen, die Rabbiner der Gegenwart aber verspüren selten Lust, ihre Söhne den väterlichen Beruf wählen zu lassen, es kann Niemand ihnen deswegen einen Vorwurf machen, die Gemeinden aber sollten sich die Frage stellen:?‘by niö iTTtn Schon heute sind wir so weit, daß es selbst in großen Gemeinden eine Seltenheit ist, daß ein Jüngling sich der jüdischen Wissenschaft widmet, unterbleiben die Maßnahmen zur Verbesierung des Rabbinerstandes, so werden mir wohl jüdisch theologische Anstalten haben, Jünger aber für dieselben nicht ftnden. Holland. Amsterdam. (Or. Corr.) Die hiesige jüd. Gemeinde hat am 15. Mai einen herben Verlust erlitten. Herr Advocat Mr. A. S. van R ierop starb in eine»« Alter von 65 Jahren. Van Rierop war Mitglied der 2 Kammer der Abgeordneten, Mitglied des Provinzml-Landtages, Mitglied des Gemeinderathes, des Kirchenrathes, der israel. Gemeinde, der centralen Commission und Präsident der permanenten Commisiion. In allen diesen Ehrenämtern hat er sich als Mann von Charakter, Consequenz, treuester Pflichterfüllung und großer Umsicht bewährt Alle polnischen Blätter brachten ehrenvolle Nachrufe und sprachen es offen aus, daß v. N. sich um Stadt und Land verdient gemacht hat. Man rühmt an ihm den großen Rechtsgetehrten, den begabten Verrheidiger, der über dunkele Rechtsfragen oft ein klares Licht zu verbreiten und selbst ganz trockene Verhandlungen durch sein schönes Rednertalent anziehend zu mache« mußte. Aber auch das Judenthum verliert in ihm einen Mann, der bemüht war, der Constituirung der jüd. Zustände festen Gehalt zu geben und durch weise und unparteiische Leitung allen religiösen Ansprüchen gerecht zu werden. Seiner Bahre folgten denn auch hervorragende Personen aus allen Ständen. Am Grabe sprachen Se. Ehrwürden Herr Woudheizen, der Vorsitzende des Kirchenraths, Herr Jacobs, Advoc. A. A. de Pinlo, Mitglied des hohen Rathes der Niederlande und Andere und gaben dem empsindlichen Verlust, den Amsterdam erlitten, einen würdigen Ausdruck. Italien. Rom. Der Herausgeber des Vessillo israelitico (Israelitische Standarte) Ritter Flaminio Servi, und Oberrabbiner in Casale Monserrato, empsing vom Minister des Aeußern folgende Antwort aus feine Petition um Intervention der italienischen Negierung zu Gunsten der Emancipation der rumänischen Juden beim bevorstehenden Congreß über die orientalischen Angelegenheiten: „Mit Ihrem Geehrten v. 31. März rufen Sie meine guten Dienste an, damit der Vertreter Italiens beim event. Congreß zur Pacificirung des Orients für die rumänischen Israeliten dieselbe Anerkenntniß gleicher Rechte wie diejenigen der anderen Bürger zu erwirken strebe. Ew. Wohlgeboren können versichert sein, daß dieselben ganz liberalen Gesinnungen, welche in dieser Sache von der Negierung des Königs geäußert wurden, uns ferner bei jeder Gelegenheit leiten werden, und daß ich in der Nichtungslinie verfahren werden, die durch meinem Vorgänger im Amte, Senator Melegari, in seinem Schreiben vom 29. August 1876, vorgezeichnet ist. Genehmigen Sie, geehrter Herr, den Ausdruck meiner besondern Achtung. L. Corti." — Es ist selbstverständlich, daß auch seitens der Juden in allen Städten Italiens Trauergottesdienste für den verstorbenen König Victor Emanuel überall mit großem Pomp, üblichen Leichenreden und Trauergesängen rc. abgehalten wurden. „Bei der Trauerfeier in Padua", bemerkt das Jiornale di Pedova, „befand sich am schön decorirten Trauergerüst ein einfacher hebräischer Denkspruch, der zwar schon vor 3000 Jahren geschrieben, aber ganz für Victor Emanuel versaßt zu sein schien; er enthielt diese Worte: Tjbtt ITH üb im&3 vor ihm war kein solcher König!" (2. Könige 23.) Mailand. Die geehrte Frau Josephine L a t t e s hat das Schleidensche „Die Bedeutung der Juden rc." aus dem Englischen (!) in's Italienische übersetzt, und ist diese Broschüre eben in Mailand unter dem Titel: 61' i8raeliti in rapportu. alla seienzia nel Medio Eyo erschienen. — Der wohlthätige und freigebige Herr L. D. Levi wurde zum Ritter der Krone Italiens ernannt. Dieselbe Ehrenbezeugung erfuhr Herr Marcus Maroni, Ingenieur und Direktor des telegraphischen Dienstes bei der ital. Eisenbahngesellschaft. Vermischte und neueste Nachrichten. Stettin. In Berlin ist, wie bekannt, eine marokkanische Gesandtschaft angelangt, und alsbald wissen einige Blätter zu berichten, daß das Haupt derselben, Sidi Tibi den Hima, mosaischen Glaubens sei. Daß der Mann eine „orientalische Physiognomie" hat, kann man, ohne ihn gesehen zu haben, als gewiß annehmen; es ist ferner richtig, daß Marokko schon vor Jahrhunderten Juden mit auswärtigen Missionen betraut hat. Daß dieser Sidi Tibi aber Jude sein solle, ist sehr unglaublich. Ein solcher Gesandter ist doch ein Mann von Rang und Würde in seinem Vaterlande und da würden seine Glaubensgenossen in Marokko ihn kennen und man würde durch sie in Europa längst von ihm gehört haben. Wann werden diese albernen Märchen einmal ein Ende nehmen und jüdische Blätter aufhören sie wohlgefällig nachzuschreiben. Es thut uns leid, in diesem Zusainmenhange eineil sonst sehr ehrenwerthen und besonnenen Mann nennen zu müssen, Herrn Lewis Emanuel, der soeben einen Vortrag gegen Professor Goldwin Smith gehalten hat; er will in demselben beweisen, daß die Juden gute Patrioten seien, und führt aus verschiedenen Zeiten Thaten jüdischen Kriegsruhmes an. Da hören wir denn wieder die schon so oft zurückgewiesene Behauptung, daß Soult und Massena Juden gewesen seien. Wir hören von 3 russischen jüdischen Generalen im letzten Kriege: Todlleben, Heimann und Lazareff. Von Todlleben ist genug die Rede gewesen — wir erinnern an die Mittheilungen unseres Warschauer Correspondenten — und weil viele Juden Heimann und Lazarus heißen, müssen darum die beiden genannten Generale Juden sein. Das seltsamste aber ist die Behauptung, daß während des letzten amerikanischen Krieges 45000 Juden in der Vereinigten-Slaaten-Armee gedient haben. Wenn man doch einen Augenblick Nachdenken und rechnen nröchte, ehe man solche Dinge aussprrcht oder niederschreibt. Die Gesammtzahl der Juden in den Nordsiaaten zur Zeit des Krieges ist mit einer halben Milsion gewiß noch zu doch angenommen und wenn man unter dieser Gesammtzahl 180,000 Mannspersonen, die überhaupt eine Flinte tragen können, annimnu, so geht das gewrß wreder noch über die Grenze des Möglichen hinaus, und dann hätte also nach Mr. Enranuel der vierte Mann von den Juden unter den Waffen gastandenU

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