Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 9 (1878)
- Issue
- N° 21. (22.5.1878)
- Date
- 1878-05-22
- Page
- Seite 164 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/5369809-9583355-9583043--3596-9583049- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
164 — Es handelt sich bei der Sache, die wir hier erörtern, keineswegs um die große Frage der Emanzipation der rumänischen Israeliten, sondern um eine spezielle rein italienische Frage. Die Rumänen sagen, daß, wenn sie den ausländischen Israeliten die Gleichheit gewährten, sie solche auch den einheimischen Israeliten gewähren müßten. Aber wenn die Rumänen ihr öffentliches Recht durchaus nicht der Civilisation entsprechend ändern wollen, muffen wir, wir Italiener, das unserige im Widerspruch mit der Civilisation ändern? Unsere Verfassung proclamirt die Gleichheit aller Bürger; es wird in Italien zwischen einem Italiener und dem anderen aus Religionsgründen kein Unterschied gemacht. Wird die gegenwärtige Regierung wollen, daß in Rumänien zwischen einem Italiener und dem andern aus Religionsgründen ein Unterschied gemacht werde? Es ist unmöglich, daß eine solche Thatsache sich unter einem von Ew. Excellenz präsidirten Ministerium und zum Beginn der Regierung eines Fürsten vollziehe, welcher so edelmüthig erklärt hat, in die Fußstapfen seines glorreichen Vaters treten zu wollen. Wir haben das Vertrauen, daß Ew. Excellenz darauf halten werden, die bezeichnete Lücke in dem von Ihrem Vorgänger geschloffenen Vertrage auszufüllen, und demnach gütigst der rumänischen Regierung erklären werden, daß Sie dem Parlament den Vertrag nur mit dem Additionalartikel vorlegen können, weicher besagen soll: „Die Italiener genießen in Rumänien ohne Unterschied des Cultus gleiche Rechte." Wir sind hochachtungsvoll Ew. Excellenz ganz ergebene Diener. Für das Comits der Alliance Jsraelite Universelle zu Rom: vr. Joseph Della Seta, Sam To Scan o, Secretär. Präsident. Für das Comit6 von Ferrara und Venedig-Mantua: S. Alatri. (Bülletin der All. I. U. für April.) Schweden. G. Stockholm, den 10. Mai. Wie bekannt, werden an den Preußischen Universitäten am 22. März, dem Geburtstage der deutschen Kaisers, die Preise für die Preisarbeiten vertheilt. In dem Berichte der verschiedenen Facultäten der Universität Breslau findet sich ein sehr rühmendes Urtheil über die Preisarbeit eines jungen Juristen Hrn. Carl Sternberg (Neffe des hiesigen Rabbiners vr. Lewysohn), das wohl verdient, hier wörtlich mitgetheill zu werben. Er lautet: Die dritte Arbeit mit dem Motto: ^lübertag Omnibus rebus favorabilior est“, ragt über die beiden andern ganz außerordentlich hervor. Schon der ungleich größere Umfang der Arbeit läßt vermuthen, daß der Verfaffer sein Thema weit gründlicher bearbeitet hat; und in der That hat derselbe sich mit anerkennenswerlhem Eifer bemüht, die gesummte Literatur über seinen Gegenstand, soweit dieselbe noch wissenschaftliches Jntereffe gewährt, heranzuziehen und zu verwerthen. Die Darstellung des Verfaffers zeugt überall von selbstständigem Urtheil, geht auf die einzelnen, selbst unwichtigen Fragen scharf ein, läßt keine Unklarheiten stehen und weiß mit sicherm Tact schließlich die Entscheidung zu finden. Mag man auch den vom Verfaffer gewonnenen Resultaten nicht überall beistimmen, so kann das doch das Gesammturtheil über die Arbeit nicht veeinfluffen. Dieses aber geht dahin, daß Verfaffer uneingeschränkles Lob verdient. Er hat nicht nur ein höchst anerkennenswerthes Specimen seines Fleißes geliefert, sondern auch die Fähigkeit gezeigt, ein juristisches Thema fachgemäß wissenschaftlich zu behandeln und dabei den Beweis nicht nur eines tüchtigen Judiciums, sondern auch einer juristischen Reife erbracht, wie sie bei angehenden Juristen sich selten finden dürfte.*) Die Facultät (die juristische) hat dem Verf. den Preis zuerkannt." — Der junge Mann ist etwa 20 I. alt. — In der philosophischen *) Die Aufgabe der Arbeit lautete: Darstellung der Lehre des römischen Rechts von der Restitution der dos nach aufgelöster Ehe. Facultät derselben Universität gewann den Preis Hr. Moritz Stuckelmacher aus Boskowitz in Mähren. Schreiber dieses weiß nicht gewiß, ob Hr. S. Jude ist. (Schluß folgt.) Vermischte und neueste Nachrichten. Magdeburg. Sehr wohlthätig wirkt hier die „jüdische Kranken-Unterstützungs-Gesellschaft" (nicht zu verwechseln mit dem Krankenpflege-Verein), die den durch Krankheit an der Erwerbsthätigkeit verhinderten Mitgliedern eine nicht unbeträchtliche wöchentliche Geldunterstützung während der ganzen Zeit der Arbeitsunfähigkeit reicht. Aus dem soeben vom Vorstände (HHr. Ph. Rosen heim, N. Grad nau er und L. Rosenthal) veröffentlichten Rechnungs-Abschluß pro 1877 ist ersichtlich, daß an einzelne solcher Mitglieder eine continuirliche Unterstützung von 243, ja auch von 265 M. geleistet worden; in Summa 967 M. 50 Pf. Die Einnahmen betrugen 1147 M., die Gesammtausgaben 1178 M.; das Vermögen der Gesellschaft beläuft sich auf 4728 M. Die Mitgliederzahl beträgt z. Z. 107. Warmbruau. Die Verwaltung der hiesigen jüd. Bade- Armen-Kaffe veröffentlicht ihren 33. Rechenschaftsbericht, wonach die Einnahmen in der Badesaison 1877 sich im Ganzen auf 1106 M. belaufen. 22 Gemeinden und 11 jüd. Krankenpffege-Vereine hatten Beiträge gesandt. (Gaben sind an Hrn. B. Niclas in Warmbrunn zu sencen.) Der projectirte Bau eines Hospitals ist bereits in Angriff genommen und soll im künftigen Sommer schon den armen kranken Glaubensgenoffen Heil und Pflege bieten. Danzig, 13. Mai. (Or.-Corr) Am gestrigen Tage ist in der Generalversammlung der Weinberger Gemeinde in Danzig Herr vr. Grone mann aus Straßburg W.-Pr. zum Rabbiner gewählt worden. Die Wahl ist ohne vorhergegangene Parteikämpfe zu Stande gekommen, und Meinungsdifferenzen haben sich bei ihr weniger, wie bei der Altschottländer Gemeinde geltend gemacht, welche letztere vielleicht noch nicht sobald zu einem Resultat gelangen dürfte. Wien. Wir erhalten den in der Generalversammlung am 12. Mai vom Präsidenten Jos. Ritter v. Mertheimer erstatteten, fünften Jahresbericht der irr. Allianz zu Wien, aus dem wir in einer nächsten Nr. einige Mittheilungen zu bringen beabsichtigen. . —..—.- ——'r— Prag, 5. Mai. (Or.-Corr.) Die Buchhandlung Samuel W. Pascheles hat dieser Tage den Kalender für das > Jahr 5639 ausgegeben, in welchem eine vorzügliche Erzählung ivon dem bekannten Schriftsteller S. Kohn, betitelt „ein Ge- | trichstag in Prisen" erschienen istT^Jn^der amtlichen Prager | ^Zeitung erscheint jetzt auch eine Erzählung von Herrn S. J Mhu^«nter dem Titel „Contumacirl", welche eine Schilr derung des jüdischen Lebens in den böhmischen Landgemeinj den zum Gegenstände hat. '' f " — Der ebenfalls für das Jahr 5639 ausgegebene Kalender von der Buchhandlung Jacob W. Pascheles enthält nebst belletristischen Beilagen den Schluß einer größeren Arbeit „die Kabala" von Kreisrabbiner Klemperer in Tabor. — Im vorigen Jahre wurde hier der zehnte Theil des Hechaluz von Schorr gedruckt, ist aber bisher nicht im Buchhandel erschienen. Kanitz (Mähren), 1. Mai. (Or.-Corr.) Bei der am 15. v. M. in der Kanzlei der hiesigen isr. Stadtgemeinde stattgefundenen Neuwahl des Ortsschulralhes wurde Herr Rabb. vr. Friedländer aufs Neue mit Acclamation zum