Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 9 (1878)
- Issue
- N° 18. (1.5.1878)
- Date
- 1878-05-01
- Page
- Seite 138 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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—. 138 — in Hannover mittheilt, allerdings im Talmud (Sabb. 135a und 156a) vor, üblicher sind jedoch die anderen von uns angeführten Ausdrücke. Wir sind bei unserer Bemerkung durch den Tischvi irregeleitet worden, der das Wort so anführt und erläutert, als ob es lediglich im Volksmund gebräuchlich und erst später in die Schriftsprache gekommen wäre. Wir haben in demselben Artikel schon angeführt, daß ein älterer Arzt (aus der Provinz Hannover) seine Verwunderung darüber ausgesprochen habe, daß das Messer des Mohel nicht ebensogut einer scharfen Controlle und genauesten Untersuchung unterzogen werde, wie das des Schächters. Auf Wunsch des Herrn legen wir diese Frage hier öffentlich vor; die Antwort, welche wir im vorigen Blatte darauf gegeben haben, daß nämlich die Untersuchung des Mohelmeffers sich von selbst verstehen sollte und ebendarum nicht vorgeschrieben sei, d. h. daß das Religionsgesetz es für nöthig gefunden habe, das Thier in Schutz zu nehmen, während sie den Schutz des Menschenkindes der Einsicht des Menschen überlaffen konnte — diese Erklärung können wir selbst kaum für eine ganz be- -friedigende halten. Das Religionsgesetz würde dann, wie wir auch schon gesagt haben, den Unverstand der Menschen außer Acht laffen. Vielleicht gibt also Jemand eine bessere Antwort. Marburg, 7. April. (Or Corr.) Die neueste Mittheilung Ihres geschätzten Blattes über die jüngst erschienene neue Abhandlung des berühmten Gelehrten Schleiden, un- -sere Glaubensgenoffen betreffend, veranlaßt mich, zur Charakteristik dieses trefflichen Mannes ein Schreiben desselben Ihnen nicht vorzuenthalten, wodurch ich wohl eine Jndiscretion nicht begehe. Nach dem Erscheinen seiner „Verdienste der Juden um die Erhaltung und Erweiterung der Wissenschaft iw Mittelalter" erlaubte ich mir am 24 März v. I Herrn Schleiden rneinen innigsten Dank und Anerkennung brieflich zu sagen und ihn um die Gestattung zu ersuchen, daß beim bevorstehenden Peßachfeste im öffentlichen Gottesdienste, bei versammelter Gemeinde und offener Thorarolle ein Segen über ihn ausgesprochen werte, wozu ich mir seinen vollen Vornamen, wie jenen seines Vaters ausbat und erhielt alsbald in folgendem Schreiben die erbetene Zusage. „Wiesbaden, den 26. März 1877. Sehr geehrter Herr! Es müßte ein sehr frivoler Mensch sein, der den Segen, den fromme Menschen aus warmen Herzen im Angesichte des ewigen Gottes über ihn aussprechen wollen, von sich ablehnte. Der bin ich nicht und wenn auch konfessionellen Formen abgeneigt, darf ich doch sagen, daß ich in tiefster Seele fromm und gottesgläubig bin und dadurch allen guten Menschen nahe stehe. Ich darf daher den Segen, von dem Sie mir sagen, über mich aussprechen laffen, ohne daß Sie ihn an einen Unwürdigen verschwenden. In Beantwortung Ihrer weitern Frage bemerke ich, daß mein Vater Andreas Benedictus Schleiden Arzt und Stadtphysikus in Hamburg war, und daß mein voller Name Matthias Jacob Schleiden ist. Dankbar für Ihr freundliches Schreiben und mit ausgezeichneter Hochachtung verharre ich als Ihr ergebener M. I. Schleiden vr." G. S. Tholey (Reg.-Bez. Trier), 12. April. (Or.-Corr.) Am 24. v. M. waren die Delegirten mehrerer israelitischen Gemeinden des Reg.-Bez Trier auf Veranlaffung und unter Vorsitz des Herrn Banquiers M. Simon in Saarbrücken versammelt, um behufs Anstellung eines neuen tüchti en Oberrabbiners, welche Stelle schon 2 Jahre erledigt ist, endlich die nöthigen einleitenden Schritte zu thun. Man fühlte allgemein die Nothwendigkeit und Wichtigkeit der Wiederbesetzung dieses Postens und scheut deshalb keine Mühe und Kosten zur baldigen Realiftrung dieser Angelegenheit. Nach langer Debatte wurde einstimmig folgende Resolution gefaßt und an die Hauptgemeinde Trier übersandt, welche kurz vorher ein bezügliches Anschreiben an die verschiedenen Gemeinden circuliren ließ. „Die sämmtlichen vertretenen (Land--) Gemeinden sind im Prinzip mit einem event. Anschluß an das Trierer Rabbinat einverstanden, erbitten sich aber vor definitiver Beschlußfaffung von der Gemeinde Trier eine detaillirte Aufstellung: 1) über das Gehalt; 2) über die zu beziehenden Sporteln und Reisekosten; 3) über sämmtliche Functionen, die man von dem Rabbiner für Trier sowohl speciell als auch für die auswärtigen Gemeinden ausüben zu laffen gedenke; 4) über die Dauer der Anstellllng; 5) wie viel Trier von den auswärtigen Gemeinden en dloe verlangt, resp. welchen natürlichen Theil zum Gehalt Trier und' welchen die übrigen Gemeinden übernehmen sollen;" 6) wurde auf besonderen Wunsch des Einsenders dieses hinzngefügt: „daß sowohl zu den der Anstellung des Oberrabbiners vorhergehenden Berathungen, als auch zur Ausübung der Wahl selbst, aus jedem Kreise drei Delegirte nach Trier berufen werden sollen." Hoffentlich wird der Trierer Vorstand recht bald eine günstige Antwort ertheilen, auf daß die qu. Stelle rasch ausgeschrieben werden kann. Man ist allgemein bereit, diese Stelle gut zu salariren, damit eine tüchtige und strebsame Kraft gewonnen werden kann. Hätte die königl. Regierung zu Trier nicht vor einigen Jahren — aus welchem Grunde? — das so lange bestandene „Israelit. Consistorium zu Trier" ohne Weiteres aufgehoben, so wäre unsere und manche andere wichtige Angelegenheit schon längst geordnet; so aber stößt der zu erstrebende, nothwendige Zusammenhang selbstverständlich auf große Schwierigkeiten. Eintracht und guter Wille müffen und werden aber bie fehlende äußere Form ersetzen. Schneidtmühl, 17. April. (Or.-Corr.) Am 13. d. M. £n"tP) herrschte großer Jubel in unserer Gemeinde: Unser allgemein geachteter Rabbiner und Prediger, Herr Brann, feierte an diesem Tage sein 25jähriges Amtsjubiläum. In der frühen Morgenstunde begrüßte ihn die jüdische Schuljugend mit einem Gesang, worauf ein Lehrer die Bedeutung des Jubilars für die Schule, deren Revisor der Hr. Rabbiner ist, heroorhob und sich über den wohlthätigen Einfluß ausließ, welchen der Gefeierte durch den Religionsunterricht auf die Erziehung der Jugend übt. Nach Beendigung der Andacht in der mit Blumen und Guirlanden reich geschmückten Synagoge begab sich der Vorstand mit den Repräsentanten und Deputationen einiger auswärtigen Gemeinden in die Wohnung des Jubilars, um ihm bie Gratulationen darzubringen. Der Prä' es. Herr vr. rneck. D av i d s o h n, setzte in einer gediegenen Ansprache bie Verdienste des Jubilars um die Gemeinde auseinanver, der er den abhandengekommenen Frieden wiederbrachte. Unter den schwierigsten Verhältniffen trat nämlich unser Jubilar vor 25 Jahren sein Amt hier an. Die Gemeinde war in Folge einiger unbedeutenden Cultusreformen in Parteien zerfallen, die sich mit der größten Erbitterung gegenseitig bekämpften, und selbst das Gotteshaus war oft der Schauplatz arger Exceffe. Diese Wirren griffen sogar in das Familienleben ein, und aus mancher Familie war der Friede gewichen. Mancher glaubte damals nicht, daß es dem neuen Seelsorger gelingen würde, Ordnung in solches Chaos zu bringen. Doch unser Jubilar ging ruhig und besonnen zu Werke. Durch Belehrung und Ermahnung auf der Kanzel, wie durch sein sanftes Wesen und seinen festen Charakter gewann er bald die Liebe und Achtung der Gemeinde in so hohem Grade, daß es ihm in kurzer Zeit gelang, die Gemülher zu besänftigen und den Frieden vollständig wieder herzustellen. — Es ist nun begreiflich, daß der Ehrentag des Juvtlars Allen ein Festtag war. Abends schloß die Feier mit einem Festmahl, an dem sich über 200 Personen betheckigten. Unter den Gästen befanden sich auch die ehrenwerlhen Herren Bürgermeister Schreiber und Superintendent Grützmacher, die wie