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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1878-04-17 · N° 16 u. 17 (17.4.1878) · p. Seite 132

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
9 (1878)
Issue
N° 16 u. 17 (17.4.1878)
Date
1878-04-17
Page
Seite 132 (sequence 10)
Language
German
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— 132 — die Herzen unserer bester gestellten Glaubensgenoflen bewegen, daß ne uns kräftig unterstützen und daß unser Werk gelinge!" (Caffirer des Vereins ist: Herr Eduard Mende, Berlin, Burgstr. 8.) Bombay. „Jew. Cbron." berichtet, daß es ein neues in Bombay erscheinendes Blatt erhalten hat, welches von der dortigen Bene Israel-Gemeinde unter dem Titel: „Das Licht der Wahrheit" in Sanscritsprache herausgegeben wird. Das ist denn doch einmal etwas noch nicht Dagewesencs! So gibt denn jener ferne Zweig des jüdischen Stammes ein erfreuliches tatsächliches Zeichen erwachenden Lebens. „Jew. Chron." fordert die „Anglo-Jewish Association" auf, ihre schon angeknüpften Beziehungen zu den „Bene Israel" zu pflegen, und mahnt die übrigen Juden in Indien diesen ihren Glaubensgenoflen mit Ueberwindung von Vorurtheilen brüderlich die Hand zu reichen. Feuilleton. Täusch urigen. Eine Erzählung aus der letzte» polnischen Revolutionszeit. Von Leo Herzberg-Fränkel. (Fortsetzung.) Der alte Holdheim stand an einem Fenster scheinbar in den Anblick des Feuers versunken, 'das im Hofe unten noch nicht ganz besiegt war, in Wirklichkeit aber den Polizeibeamten erwartend, der im oberen Stock seine Nachforschungen hielt. Endlich kömmt Kuriloff durch das Zimmer des alten Mannes. Er ist allein; seine Leute haben bereits den Ausgang gewonnen und erwarten aus der Stiege ihren Vorgesetzten. „Auf ein Wort, Freund!" redet ihn Holdheim, beide Hände ergreifend und sie mit innigster Dankbarkeit in den seinen drückend an, „Sie haben mir heute eine Wohlthat erzeugt, die man nie vergessen und nie belohnen kann; wir standen am äußersten Rande eines Abgrundes, Sie eilten als Retter herbei, uns denselben zu zeigen; die Gefahr ist, Dank Ihnen, beseitigt, doch nicht die Angst vor ihrer Wiederholung. Gegenwärtig, wo alle Köpfe in Polen schäumen, wird mein Sohn, der sich der polnischen Sache gewidmet zu haben scheint, sich nicht freiwillig derselben entschlagen. Leute seines Alters und Temperaments spannen sich eher vor, als daß sie bloß nachstoßen. Ich werde nur ruhig sein, wenn ich Karl in Sicherheit hinter Schloß und Gitter weiß. Wollen Sie einem alten, am Rande des Grabes stehenden Manne eine schwere Sorge vom Herzen nehmen, so — verhaften Sie meinen Sohn." Kuriloff machte einen Schritt rückwärts und blickte erstaunt den Vater an, der von ihm die Verhaftung des Sohnes begehrte. „Es geschieht aus innigster Liebe zu meinem Kinde, aus Besorgniß für das Wohl meines einzigen Sohnes. Wenn ich ihm freie Hand lasse, so wird er die schiefe Bahn forteilen die er betreten und die in das Verderben führt Unterliegt er nicht im Kampfe, so büßt er sein Wagniß im Kerker, in Kamtschatka, vielleicht auf dem Blutgerüste; entgeht er diesen Gefahren, so irrt er als Geächteter in der Fremde, fern von der Heimath und den Seinen. Will ich ihm dies traurige Loos ersparen, so muß ich gewaltsam in die Speichen fallen, um das Fortrollen zu verhindern. Karl ist im Gefängniß sicher und mit einer kurzen, herben Gegenwart ist eine lange bittere Zukunft verhütet." „Sie haben am Ende recht," versetzte der Polizeibeamte nach einem kurzen Nachdenken; „Sie verhüten durch diese Repressivmaßregel viel Unheil. Wohl, Ihren Sohn bringe ich auf Grund der bei ihm gefundenen Bücher und Photographien polnischer Insurgenten u. s. w. in die Zitadelle, wo er so lange aufbewahrt bleibt, als es Ihnen nothwendig scheint." „Sie machen mich zu Ihrem Sklaven!" „Wohlan, Adieu!" Und damit verläßt Kuriloff den alten Holdheim, seinen Sohn aufznsuchen. Dieser steht blaß und schweigend neben seiner Schwester. „Sie werden die Güte haben, mir zu folgen," redet ihn der Beamte an. Hermine stößt einen Angstruf aus. Karl preßt die Lippen übereinander und blickt finster den Mann in der Uniform an, der ihn zu einem wenig erfreulichen Aufenthalt entführen will. „Wohin, wenn ich bitten darf?" „Vorerst in das Polizeibureau." „Darf ich um die Ursache meiner Verhaftung fragen, Herr?" Der Beamte streckte den Arm durch's Fenster nach dem glimmenden Haufen im Hofe unten. „Ich weiß, was er vergraben hat," sagte er, „fragen Sie nicht, grübeln Sie nicht; folgen Sie mir." Krampfhaft umschloß Hermine mit ihren beiden Armen den Hals ihres geliebten Bruders und mit allem Aufwande ihrer Kräfte schrie sie um den Vater, als ob ein Räuber sich ihres theuersten Gutes bemächtigen wollte. „Zu Hilfe! Vater, zu Hilfe!" Der Alte erschien von mehreren Leuten gefolgt. „Man will Karl verhaften," rief Hermine entgegen, in einen Strom von Thränen ausbrechend, man will ihn abführen!" „Mein Kind," sagte er, „beruhige Dich; Karl^s Unschuld wird bald zu Tage treten und ihm seine Freiheit wieder gegeben werden. Widersetzen dürfen wir uns nicht gegenüber einem Abgeordneten der Regierung." Bald nach Karl's Entfernung eilte Hermine, ihren Schmerz und ihre Thränen besiegend, zu Hedwig. Sie kannten einander; Hedwig wußte, welchen thätigen Antheil das Mädchen an den Arbeiten ihres Bruders und welches Interesse es an den Fortschritten der Revolution nahm. Von Hedwig hofft die Schwester Hilfe für ihren Bruder. Ein Bedienter versperrte ihr den Weg. „Das Fräulein ist nicht zu Hause," sagte er. Hermine erkannte an dem Gesichte des Mannes, daß er gelogen. „Das Fräulein ist zu Hause," versetzte sie mit vieler Entschiedenheit; „sie muß wohl zu Hause sein, da sie mich herbestellt hat. Uebergeben Sie ihr diese Karte; ich werde hier warten" Und derselben die Worte „trös preosaut" beifügend, überreichte sie die Karte dem verlogenen Bedienten, der sich damit zögernd entfernte, wie Jemand, der noch immer nicht weiß, was er thun soll. Noch war der vom Grafen Kronowski versammelte Rath beisammen, welcher über Karl Holdheim das Todesurtheil ausgesprochen hatte, als Hedwig Herminen's Besuch angekündigt ward. „Seine Schwester hier!" rief sie, während sie die Karte von Hand zu Hand kreisen ließ. „Drös xr68sunt — was kann das bedeuten?" „Sollte die Schwester ehrlicher sein, als der Bruder und käme sie her, vor ihm zu warnen?" „Sie müssen sie hören." Selbst Graf Kronowski war dafür und Hedwig entfernte sich, um Hermine zn empfangen. Es vergingen einige Minuten — die Gesellschaft erging sich auf dem Gebiete der Muthmatzungen, was wohl die Schwester des Verräthers in dies Haus geführt habe, das sie nie besucht und welche Bedeutung das trös xressant haben niochte, das sie auf ihre Karte mit sichtbar zitternder Hand gekritzelt. — Da stürzte Hedwig von ihrem Besuche gefolgt, in den Salon imb die Männer d'rin sahen mit nicht geringer Ueberraschung, wie diese der jungen Dame den Eintritt in diese Räume gestattet, wo soeben die ersten Beamten der polnischen Revolution, an der ihr Bruder ein todeswürdiges Verbrechen begangen, ihre Versammlung hielt. „Karl Holdheim ist verhaftet worden!" rief Hedwig, „nach-

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